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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Horn Couture
  2. 2 Horns FP6: Klangtest & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Horns FP6

Wer die HiFi-Messe in Warschau besucht, entdeckt, dass es in unserem Nachbarland eine junge, lebendige HiFi-Szene gibt, die vor Begeisterung für Musik und Technik nur so sprüht. Entsprechend gibt es viele innovative, dynamische Hersteller. Dass deren Produkte zunehmend auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen, ist vor allem ein Verdienst engagierter Vertriebe. So hat hat LEN-HiFi (www.lenhifi.de) aus Duisburg vor einiger Zeit die Lautsprecher des polnischen Herstellers Horns aus Lublin in sein Portfolio aufgenommen. Deren kleinstem Modell, der FP6, wollen wir hier mal auf den Trichter fühlen.

Klar, bei Horns, oder hORNS, so die Schreibweise der Firma, ist der Name Programm. Alle Lautsprecher der Firma arbeiten mit Hörnern. Wobei die Hörner vornehmlich im Hochton zum Einsatz kommen. Der eine oder andere fragt sich jetzt sicher, wie sinnvoll der Einsatz von Hochton-Hörner bei HiFi-Lautsprechern ist. Die Frage scheint berechtigt, schließlich werden Hörner oft eingesetzt, um den Wirkungsgrad von Schallwandlern zu erhöhen, wie zum Beispiel im PA-Bereich. Bei HiFi-Anwendungen ist der Wirkungsgrad von Hochtönern allerdings meistens das geringste Problem. Um bei Wohnraum-kompatiblen Abmessungen zu bleiben, geht man bei HiFi-Lautsprechern fast immer den Kompromiss ein, Wirkungsgrad zugunsten von kleinen Gehäusen mit einer vergleichsweise tiefen unteren Grenzfrequenz zu opfern. Will sagen: Bei den im HiFi-Bereich üblichen Bass-Konstruktionen müssen die meisten Hochtöner eh in der Lautstärke gedrosselt werden, damit sie im Verhältnis zum Tiefton nicht zu laut sind. Meist passiert das, indem man ihnen einen Spannungsteiler vorschaltet.

hORNS FP6 von oben

Bei Hörnern wie sie im HiFi-Bereich Verwendung finden, steht deshalb nicht die Erhöhung des Wirkungsgrades im Vordergrund. Das sieht man schon daran, dass hinter den Hörnern in vielen Fällen keine PA-typischen Druckkammertreiber sitzen, sondern übliche Kalotten, Bändchen oder AMTs. Die „Hörner‟ haben hier hauptsächlich die Aufgabe, das Abstrahlverhalten zu beeinflussen. Häufig sorgen sie gleichzeitig dafür, dass die Hochtöner in Bezug zu den Mittel- oder Tiefmitteltönern nach hinten rutschen, was der Phasenlage zugutekommt, weil Laufzeitunterschiede zwischen den von den Chassis abgestrahlten Schallanteilen verringert werden. Hörner, die nicht primär der Erhöhung des Wirkungsgrades dienen, bieten oft den netten Nebeneffekt, dass sie keine Probleme in Form von Horn-Verfärbungen machen. Zu guter Letzt schadet es auch nicht, wenn der Wirkungsgrad des Hochtöners, quasi als Nebeneffekt, durch das Horn steigt. Der eh benötigte Spannungsteiler wird ein wenig größer dimensioniert und wenn der Hochtontreiber weniger Hub machen muss, um den geforderten Schalldruck zu erzeugen, senkt das bei höheren Lautstärken sogar mögliche Klirrverzerrungen. Es gibt also definitiv gute Gründe für den Einsatz von Hochton-Hörnern in HiFi-Lautsprechern – zumindest, wenn das Horn entsprechend konzipiert ist.

Die hORNS FP6 sind mit 12-dB-Weichen ausgestattet

Die Horns FP6 sind mit 12-dB-Weichen ausgestattet

Dass die Jungs von Horns hier alle Register ziehen, glaubt man schon beim Anblick der FP 6. Als Chassis setzen sie in Polen richtige 1-Zoll-Druckkammer-Treiber ein. Darüber hinaus greifen sie nicht einfach auf irgendwelche fertigen Hörner zurück, sondern gießen sie aus einem speziellen Polymer-Composit selber. Und zwar nicht nur die Hörner, sondern, wie im Fall der FP-Serie, deren kleinster Spross eben die hier zum Test anstehende Horns FP6 ist, gleich die ganzen Schallwände. Im Fall der originellen Horns Mummy oder des beeindruckenden Spitzenmodells Horns Universum werden sogar die kompletten Gehäuse aus dem Material hergestellt. Wenn man sich die meist noch farbig lackierten Ergebnisse anguckt, hat man überhaupt keinen Zweifel daran, dass Horns eine ausgewiesene Expertise bei der Verarbeitung des Materials hat.

Horntreiber im Inneren

Blick ins Innere: Der Hochton-Horntreiber der Horns FP6

So sind auch die etwa DIN-A4-großen Fronten der Horns FP6 komplett in einem Stück gegossen. Ihre oberen, leicht nach vorne springenden Drittel bilden die Hörner, hinter denen die Einzöller sitzen. Darunter befinden sich die Aussparungen für die Tiefmitteltöner, in diesem Fall 5,5-Zoll-Chassis des polnischen Herstellers STX, die auf ein Bassreflexgehäuse arbeiten. Durch die Tiefe der Gehäuse kommen immerhin Volumina von über 12 Litern pro Box zusammen. Apropos Tiefe: Da die Gehäuse der Horns FP6 ungefähr so tief wie hoch sind (jeweils gut 30 cm), sehen sie von der Seite quadratisch aus. Ich fand das auf den ersten Blick ungewöhnlich, doch letztendlich sehr gefällig – wozu die stark gerundeten seitlichen Gehäusekanten das ihrige beitragen. Erinnert mich ein wenig an Modelle von Braun, Canton, Acron, Heco und ähnliche aus den 1980er/90er Jahren, nur das die nicht so tief waren. Sei’s drum, ich finde es très chic – irgendwie ein schöner Stilmix aus modern und retro. Darüber hinaus gefällt mir die Lösung für die Lautsprecherabdeckungen: die sind rund und haften mithilfe von vier Magneten genau auf den Befestigungsschrauben der Tiefmitteltöner. Ist clever gemacht und sieht edel aus. Auf den Rückseiten gibt es die Bassreflexöffnungen sowie je ein Paar sehr ordentlicher Single-Wire-Lautsprecherklemmen. Die Verarbeitung ist erstklassig. Das gilt auch für den schwarzen Lack, in dem meine Testexemplare kamen. Darüber hinaus gibt es die Horns FP6 auch in verschiedenen Furnieren. Da Horns auch die Gehäusefertigung selbst in der Hand hat, lohnt sich bei Sonderwünschen eine Anfrage beim Vertrieb.

Der Rest ist erst einmal nicht sooo bemerkenswert. Bei den Horns FP6 handelt es sich technisch um Zwei-Wege-Bassreflex-Systeme, wie sie bei dieser Boxengröße üblich sind. Über die genaue Trennfrequenz schweigt sich Horns aus, die Flankensteilheit, mit der die Weichen trennen, beträgt 12 dB, die Nennimpedanz der Lautsprecher liegt bei 8 Ohm. Bemerkenswert ist noch das ob der Größe vergleichsweise hohe Gewicht von 10 kg – das bestätigt ordentlichen Materialeinsatz.

Horns FP seitlich

Hoch wie tief: Die Seitenansicht der Horns FP6

Test: hORNS FP6 | Kompaktlautsprecher

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