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Horns FP6: Klangtest & Vergleiche

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Horns FP6: Klangtest & Vergleiche
hORNS FP6 im Hörraum

Die Horns FP6 im Hörraum

Dass ich die Horns FP6 ziemlich schick finde, habe ich hinreichend zum Ausdruck gebracht. Jetzt müssen sie noch gut klingen. Und der erste Eindruck ist definitiv einnehmend. Schon ohne dass ich groß mit der Aufstellung experimentiert habe, liefern sie auf den Lautsprecher-Ständern meiner Valeur Audio Micropoint 4SE eine breite, tiefe Bühne – um das hinzubekommen, musste ich z. B. mit der Aufstellung der zuletzt von mir besprochenen DeVore Gibbon 3XL ganz schön viel herum probieren. Die Horns FP6 machen das mal eben so aus dem Effeff. Scheint was dran zu sein an der Technik, mithilfe der Hörner das Abstrahlverhalten zu kontrollieren. Um Versuche mit verschiedenen Positionen im Raum komme ich dann allerdings doch nicht herum. Denn genau in den Punkt, in dem sich die DeVore sehr unkritisch gegeben hatten, im Bass, gerieren sich die Horns FP6 als Diven und verlangen gebührende Aufmerksamkeit. Björn Kraayvanger vom Vertrieb Len-HiFi versicherte mir, dass sich die FP6 gut für eine wandnahe Aufstellung eignen würden. Das funktioniert in meinem Hörraum allerdings nicht so gut. Bei mir kommt der Bass bei vergleichsweise freier Aufstellung am besten. Insofern gilt wie immer: ausprobieren! Letztendlich sind die akustischen Bedingungen in jedem Hörraum unterschiedlich.

Lisa BassengeUnd wie klingt er nun, der Bass? Er ist klar von der anspringenden, knackig-druckvollen Sorte. Und macht richtig Laune. So richtig tief geht es nicht runter – die von Horns angegeben 50 Hz scheinen mir da ein bisschen optimistisch. Ja, kann sein, dass die Horns FP6 hier noch irgendwie Schall abstrahlen. Ich behaupte aber mal aus dem Bauch heraus, dass die FP 6 erst eine halbe Oktave höher richtig da sind. Doch dass sie die fast schon subsonischen Schwingungen des Titels „Linit To Your Love? von James Blake auf dem Album Jamens Blake fast vollständig ignorieren, mag ich ihnen überhaupt nicht ankreiden, das verzeihe ich ihnen angesichts ihrer Größe gerne. Vor allem, weil der Bass, den sie können, so viel Spaß macht. Lisa Bassenges Song „All Stripped Down? auf dem Album Canyon Songs (auf Amazon anhören) groovt sich gleich mächtig in den Bauch. Und wer bei „Ride On? von AC/DC nicht gleich in Bewegung kommt, wartet vermutlich hauptsächlich darauf, dass ich etwas darüber schreibe, wie sich die Lautsprecher mit klassischer Musik machen. Ok, kommt. Bis dahin fröne noch ein bisschen diesem coolen Punch, mit dem die Horns nicht ganz so tiefe Töne dafür umso knackiger raushauen. Höchstes Differenzierungsvermögen steht hierbei nicht im Vordergrund – muss es auch nicht. In Polen hat man wohl genaue Vorstellungen davon, welche Prioritäten man bei der Musikwiedergabe setzt. Das ist offenhörbar nicht Erbsenzählerei, sondern das sind: Drive, Energie, Rhythmus, Groove. Und davon bieten die Horns FP 6 eine Menge.

Das zeigt sich auch in den anderen Frequenzbereichen. Die stimmlichen Lagen bringen die FP6 genauso eindringlich mit viel Energie rüber. Männer- wie Frauenstimmen gehen unter die Haut. So eine direkte Ansprache kenne ich sonst eher von großen Pappen – sprich Lautsprechern, die viel (leichte) Membranfläche und damit einhergehend einen hohen Wirkungsgrad bieten. (Und in den seltensten Fällen wohnraumfreundliche Abmessungen haben.) Und im Nahfeld, am Schreibtisch vor meinen kleinen aktiven Genelec 8020 sitzend, klingt es auch so ähnlich. Nur dass die Horns das bei normalem Hörabstand hinkriegen.

Eva CassidyÜbrigens: Die aus der Studio-Welt stammenden Genelec arbeiten ebenfalls mit kurzen Schallführungen vor den Hochtonkalotten. Und auch bei ihnen ist die gesamte Front aus einem Guss. Ob die Ähnlichkeit in Sachen Ansprache darin begründet ist? Aber spekulieren kann man viel, zurück zu den Tatsachen. Solostimmen rücken die Horns gerne in den Vordergrund. Meinem aktuellen Analog-Faible frönend, dreht sich die erste Seite von Nightbird von Eva Cassidy (auf Amazon anhören) auf dem Plattenteller. Und spätestens bei „Ain’t No Sunshine? habe ich den Eindruck, dass Frau Cassidy mit ihrer Gitarre weiter an den vorderen Bühnenrand gerückt ist. Sie scheint etwas reduzierter – nein – eher konzentrierter zu singen und zu spielen als ich es gewohnt bin. Das passt zu meinem Eindruck, dass die Horns nicht so sehr jedem feinen Detail hinterher hängen und jeder Ziselierung folgen, sondern Musik eher sehr direkt und straight nach vorne bringen. Das macht sich nicht nur bei Stimmen bemerkbar, auch bei Instrumentalmusik ist das gut zu hören. Evgeni Koroliovs Interpretation Schostakowitschs „2. Klaviersonate? kommt akzentuiert, auf den Punkt und wunderbarer kraftvoll rüber. Vielleicht bilden die Horns sein Spiel nicht mit letzter Finesse ab, aber das tut dem Ganzen keine Abbruch. Das teilweise fast perkussive, dynamische Spiel Koroliovs transportieren sie eindrucksvoll, die oft komplexen rhythmischen Strukturen meistern sie auf den Punkt.

Bei diesen Talenten fühle ich mich tendenziell an die DoAcoustics Armonia Mundi impact erinnert, mit denen ich seinerzeit viel Spaß hatte und die in den Mitten mit einer ähnlichen Direktheit und Unmittelbarkeit agierten. Auch die Hornmanufaktur Aurora gingen in diese Richtung, wobei die ein Horn im Bass einsetzen und damit in den tiefen Lagen einen völlig anderen Charakter als ihn die Horns FP6 aufweisen.

Wer jetzt den Eindruck hat, die sympathischen kleinen Kisten eigneten sich nur für kleine Besetzungen, irrt. Irgendwie ist mir nach 1980er Mucke. Beim Live Album World Wide Live der Scorpions – in der ?50th Anniversary Deluxe Edition? von 2015 gibt es das Album sogar in recht erträglicher Soundqualität – bieten die Horns das volle Brett, machen eine breite Bühne auf und stürmen nach vorne. Möchte man den schmucken Teilen vom optischen Eindruck her gar nicht zutrauen. Recht souverän meistern sie auch große Klassik. „In der Halle des Bergkönigs? aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg, eingespielt von den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan geht es mächtig zur Sache. Ok, ganz so tief in den Berg, nein vielmehr in den Bass, geht es dann eben doch nicht. Aber das Thema hatten wir schon.

hORNS FP6 mit und ohne AbdeckungIm Hochton üben die Horns – trotz ihrer Hörner – eine leichte Zurückhaltung. Nur so weit, dass sie nicht Gefahr laufen, scharf zu wirken. Meine obenrum ebenfalls mit Hörnern bestückten Valeur Audio Micropoint 4 SE gehen da vergleichsweise offensiv vor. Wobei die mit ihren 44-mm-Druckkammertreiben mit Beryllium-Membran sowieso einen eigenen Charakter haben und höchste Auflösung bieten. Die Horns bleiben sich treu, die Auflösung ist in Ordnung, aber eben nicht Paradedisziplin. Im Vergleich zu den mehr als dreimal teureren Valeur-Audio-Lautsprechern verfolgen sie einfach ein etwas anderes Klangideal, wirken insgesamt eine Nuance dunkler, gehen dafür energischer in den Gehörgang.

silicon saulWie dem bisher Geschriebenen schon zu entnehmen ist, ist die Raumabbildung ganz klar eine Stärke der Horns. Das Klangbild löst sich völlig selbstverständlich von den Lautsprechern und steht frei im Raum. Prinzipiell machen die Polinnen gerne eine große Bühne auf, stellen die Musik vergleichsweise dicht vor den Hörer und bieten damit eine sehr unmittelbare Ansprache. Das ist ein Platz in der ersten Reihe, ganz ohne GEZ-Abzocke. Trotz der sehr „nahen? Abbildung bieten sie einen hervorragenden Überblick über das Klanggeschehen und verlieren nicht die Orientierung, welcher Sänger oder welches Instrument wo positioniert ist und wie groß es ist. Auch mit räumlichen Effekten kommen die FP 6 bestens zurecht. Die wabernden, mit fiesen Phasensauereien experimentierenden Töne der Synthesizer von Silicon Soul (Album: Pouti, auf Amazon anhören) sind an den abenteuerlichsten Positionen zu verorten und selbst die ebenfalls durch Phaseneffekte realisierten „Q-Sound?-Aufnahmen auf Roger Waters, Amused to Death funktionieren gut – das Gebell des Hundes scheint wirklich von weit rechts hinten zu kommen.

Test: hORNS FP6 | Kompaktlautsprecher

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