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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Pragmatisch anders
  2. 2 GoldenEar Technology BRX: Klangtest & Vergleiche

Der Siegeszug der AMT-Treiber ist schon erstaunlich. Konnte man Anfang des Jahrtausends die Lautsprecher, bei denen die gefalteten Folien hochtonseitig zum Einsatz kamen, fast an einer Hand abzählen, sind es heute eine ganze Reihe. Die Spanne reicht dabei von sehr einfachen und preiswerten Systemen bis hin zur Oberklasse. Das kalifornische Unternehmen GoldenEar (www.goldenear.com) ist seit über 10 Jahren am Markt, exportiert in 35 Länder und wurde vor Kurzem von der Quest Group (www.audioquest.de) übernommen (siehe dazu unser Newsartikel). Vor allem mit „Triton“, seiner Serie von Standlautsprechern, erzielte der in der Universitätsstadt Irvine ansässige Hersteller Anerkennung. Air-Motion-Transformer sind aber nicht das einzige Konstruktionsmerkmal der GoldenEars, das nicht gerade „Standard“ ist.

Das Grundkonzept der Tritons wurde auch für GoldenEar Technologys Regallautsprecher Aon und den hier zum Test anstehenden GoldenEar BRX („Bookshelf Reference X“ | 1.599 Euro) verwendet: Neben besagtem Air-Motion-Transformer für die Höhenwiedergabe ist es nicht zuletzt die Verwendung von Passivmembranen, die den konzeptionellen roten Faden für das Portfolio bildet. Die Bookshelf Reference X ist trotz der stattlichen Gesamtzahl von vier Chassis pro Lautsprecher eine Zweiwegebox. GoldenEar vertraut auf eine passive Weiche und bietet keine Möglichkeit zum Bi-Amping, die Höhen werden vom Neodym-Magneten betriebenen AMT erzeugt, Bass und Mitten von einer Sechszöller-Kalotte mit 1“-Schwingspule und Gusskorb. Statt wie so viele Hersteller auf Bassreflexöffnungen zu setzen, nutzt GoldenEar bei den BRX zwei seitlich angebrachte 6,5“-Planarmembranen, die die seitlichen Gitter erklären. Die Funktion von Ported- und Passivmembran-Gehäusen ist durchaus miteinander vergleichbar, doch entstehen durch die Membranlösung keine Portturbulenzen und werden unerwünschte Mittenanteile deutlich vermindert.

GoldenEar BRX - komplett seitlich vorne

Das vordere Metallgitter der GoldenEar BRX lässt sich leicht abnehmen, seitlich strahlen zwei Passivmembranen

Die Fronten der GoldenEar Bookshelf Reference X sind so klein, dass man sie auch Taschenbuchregallautsprecher hätte nennen können. 30,8 Zentimeter sind sie hoch, die Breite der 31,1 Zentimeter tiefen Speaker beträgt 20,5 Zentimeter. Letztgenannter Wert gilt allerdings für das Hinterteil, denn die Speaker bauen auf einem trapezförmigen Grundriss. Im Vergleich zum Schuhkarton lässt sich durch den nichtparallelen Verlauf der Außenwände verhindern, dass sich im größeren Umfang Resonanzen von Frequenzen bilden, deren Wellenlängen genau zwischen die Wände passen. Auch die Deckenplatte ist leicht gewölbt und sämtliche Kanten sind verrundet. Besonders an der Front werden dadurch Probleme aufgrund von Kantenbeugung verhindert, die sonst in den Höhen für Kammfiltereffekte sorgen können.

Die Speaker sind nicht nur klein, sondern auch leicht: Mit gerade einmal 5,5 Kilogramm pro Stück gehören die aus MDF gefertigten und mit Pianolack auf Hochglanz gebrachten GoldenEar-Lautsprecher zur Fliegengewichtsklasse. Nicht als Fliegengitter, sondern um die Front optisch homogener zu gestalten und die Treiber vor neugierigen Fingern zu schützen, zählen schwarze, feinmaschige Metallroste, die die Vorderseite bis hinunter zum Wulstbug abdecken, zum Lieferumfang der BRX.

GoldenEar BRX - AMT ausgebaut

Der AMT der GoldenEar BRX

Bezüglich der technischen Daten überhäuft GoldenEar Technology Interessenten nicht unbedingt mit Informationen. Der numerische Frequenzgang ist mit 40 Hz bis 35 kHz (±3 dB) in den Unterlagen beziffert, der Kennschalldruckpegel mit 87 dB (1W/1m).

GoldenEar Technology BRX: Klangtest & Vergleiche

Hauptsächlich bewegt wurden die Treiber während des Testzeitraums durch die Arbeit eines Abacus 60-120D Dolifet mit verschiedenen analogen und digitalen Quellen. Zudem wurde er an einen Rega Mira 3 und einen Arcam Solo Mini betrieben. Für Vergleiche standen mir nicht zuletzt die ähnlich dimensionierten Quadral Galan 9 (2.000 Euro) zur Verfügung, welche tieftonseitig zwar aufs klassische Bassreflexsystem mit „Loch“ setzen , hochtonseitig aber auf einen Bändchenhochtöner, der ein spannendes Duell mit dem AMT verspricht.

Erster Eindruck

GoldenEar BRX - Bass-Mitteltöner

Bereits beim schnellen Hinhören fällt auf, dass die kleinen Schwarzen schon recht zackig und agil aufspielen. Dass Passivmembranen irgendetwas mit „Schwammigkeit“ zu tun haben müssen, gehört definitiv ins Reich der Märchen. Vielmehr wirken die GoldenEar Bookshelf Reference X wie etwas größere, geschlossene Gehäuse. Das Klangbild ist ausgewogen, eine starke Schärferücknahme, wie sie beispielsweise die Saxx clubSound CLX 3 vornehmen, kann ich nicht ausmachen. Negative Eigenschaften um die Übergabefrequenz von 3,3 kHz herum ebenfalls nicht. Verständlich ist, dass eine kleine Box nicht enorme Tiefbässe mit hohem Pegel generiert, doch reichen die GoldenEars gleichzeitig recht tief hinunter runter und spielen mit hoher Lautstärke. Der Subbass ist nicht abgeschnitten, sondern wird mit etwas weniger Pegelanteil ausgegeben.

GoldenEar BRX - Schallwand oberer Teil

Aus der Zeit meines Tontechnikstudiums habe ich noch einige „GoldenEars“-CDs. Diese dienten der Gehörbildung, also dem gezielten Heraushören von Intervallen, Sprüngen und Frequenzbereichen, dem Erkennen von analogen und digitalen Fehlern, dem Herausfinden von Parametereinstellungen von Dynamikbearbeitungen und vielem mehr. Und tatsächlich lassen sich damit nicht nur „Ears“ im Sinne von Gehör schärfen, sondern auch Lautsprecher wie die BRX beurteilen. Ich muss aber gestehen, dass mich diese Art von Throwback nicht so wirklich begeistern kann. Daher schwenke ich wieder zu meinem Standard-Bewertungsmaterial und zu Musikproduktionen, die ich besonders gut kenne oder aktuell ausgiebig höre. Und nachdem ich bei meinem letzten Test Bob Dylan ungehört (unerhört!) beiseite gelegt habe, darf er nun ans Werk. Nicht, dass frühe Dylan-Alben einen besonderen Ruf als audiophile Großwerke genießen würden, aber die Dichte der Mischungen stellt Wiedergabesysteme doch vor ordentliche Herausforderungen. Dylans Gitarre, Mundharmonika, Schellenkranz alleine sorgen schon ständig für ein buntes Treiben im Frequenzspektrum, gemeinsam mit der weiteren Instrumentierung und Herrn Robert Zimmermanns nölender Stimme ergibt sich eine schier undurchdringliche Soundwand. Ich habe zum Test „Subterranean Homesick Blues“ und „Maggie’s Farm“ von der Bringing It All Back Home (1965) auf den Rotator gehoben.

Dynamik

GoldenEar BRX von der SeiteGoldenEars BRX meistern diese Feindynamik-Aufgabe sehr gut. Wo viele andere Lautsprecher dazu neigen, dynamisch zu verflachen, zeichnen die kleinen Regallautsprecher sehr fein nach. Das gilt besonders in den Mitten, die durch eine hohe Schnelligkeit und Detailliertheit glänzen. In den Mitten sind die GoldenEar BRX den ebenfalls sehr flinken Quadral Galan 9 diesbezüglich minimal über-, in den Höhen geringfügig unterlegen.

Wie antrittsstark die Bookshelf Reference X zu Werke gehen, ist wirklich beeindruckend. Dynamische Lastwechsel eines kompletten Orchesters, wie etwa im ersten der fünf Sätze der „Symphonie No.2 in h-moll op. 34“ von Günther Raphael (mit dem MDR Sinfonieorchester unter Leitung von Christoph Altstaedt in einer Aufnahme aus dem MDR-Studio am Augustusplatz, Leipzig von 2007, auf cpo), setzen die BRX um, ohne mit der Wimper zu zucken. Das tun sie sowohl mit Befeuerung des Abacus 60-120D Dolifet (2 x 110 Watt RMS) als auch des Rega Mira 3 (2 x 40 Watt RMS). Erstaunlich ist auch, mit welch hohen Maximalpegeln die Goldöhrchen aufwarten können. Im Bass bleiben sie dabei immer diszipliniert, ohne sich zu verschlucken oder dynamisch ins Holpern zu geraten, lediglich die Schärfen können je nach Material etwas giftig werden, was vor allem ab erheblich gehobener Wohnzimmerlautstärke deutlich wird.

Basswiedergabe

Ein Zweiwege-Regallautsprecher, dessen Gehäuseprinzip sich vom Gros der anderen dadurch abhebt, eben weder ein geschlossenes Volumen noch ein Bassreflexsystem, sondern zwei Passivmembranen zu verwenden, sollte sich im Frequenzkeller natürlich keine Blöße geben. Und das passiert auch nicht, im Gegenteil: Die GoldenEar BRX spielen das Bassspektrum trockener und präziser, als ich mir das vorab ausgemalt hätte. Besonders gefällt mir, dass es den Anschein hat, dass der Pegelverlauf zum Subbass hin sehr sanft verläuft. Konkret bedeutet das: Selbst sehr tiefe Frequenzen werden noch wiedergegeben, wenngleich mit geringem Pegel – anders als manche Systeme, die den Bass recht steilflankig begrenzen. Lediglich bei sehr geringer Hörlautstärke wünsche ich mir beim Hören eine „Schippe mehr“ von diesem Bassgenuss. Aber ein abhelfendes „Bassbäuchlein“ mit dem viele Hersteller von Kompaktlautsprechern tricksen, wäre ja auch keine saubere Lösung.

GoldenEar BRX Konusmembran

Die BRX leisten sich keine auffällige Welligkeit oder gar Anschlusslücken. Ganz besonders Spaß macht das beim Hören von Orgelmusik. Ich habe eine vor allem im Bass sehr ausgewogene Aufnahme eines befreundeten Organisten. Dass es Regallautsprecher gibt, die das Pedalwerk nicht nur klar in der Tonhöhe verfolgbar und konturiert klingen lassen, sondern auch ohne Pegelschwankungen der einzelnen (chromatischen) Töne wiedergeben können, hätte ich nicht gedacht. Nicht, dass die eigentlich ebenfalls monitoresk abgestimmten Galan 9 hier versagen würden, aber sie wirken dort durchaus etwas unbeholfener. Kontinuität im Bass? Das scheint wohl eine mögliche positive Eigenschaft gut umgesetzter Passivmembranlösungen zu sein.

Die Mitten

GoldenEar BRX - Sockel

Schön durchgezeichnet kommen die Mitten daher. Stimmen setzen sich klar ab, ohne übertrieben kernig und „bierwerbungsstimmenmäßig“ zu wirken. Und auch bei stärkeren Konkurrenzkämpfen in den Mitten einer Produktion behalten die GoldenEar BRX den Überblick. Ob sich nun die knallenden Saiten der Gitarre von Pentangle-Mitbegründer Bert Jansch auf „A Man I’d Rather Be“ (It don’t bother me, 1965) mit seinem knarzigen Gesang bekriegen, oder die (zu) prominent gemischte Besen-Snare, die (zu) lauten und (zu) verzerrten Becken von Warren Smith auf Pearls Before Swines „Uncle John“ (One Nation Underground, 1967), die Gitarre und die (ebenfalls knarzige) Stimme von Peter Rapp ungestüm um Aufmerksamkeit des Hörers buhlen: Die BRX schaffen es, höchst diplomatisch und gelassen wiederzugeben – vor allem ohne Bevorzugung oder Vernachlässugung eines Teilspektrums. Ich will übrigens die Musik und die Produktionen keineswegs schlechtreden, es sind hervorragende Psychedelic-Folk-Alben mit grandiosem Songwriting – von beiden Ufern des Altlantiks!

Der Hochton

GoldenEar BRX - AMT-Hochtöner

Man kann es als besondere Klarheit verstehen, dass die GoldenEars keine Kerben in den Schärfebereich schlagen, wie es manche „Kuschelboxen“ tun, die dafür Direktheit und Spielfreude verlieren. Zumindest bei höheren Pegeln jenseits der Möglichkeit zur gleichzeitigen Unterhaltung dürften die BRX für meinen Geschmack allerdings gerne ein kleines Stückchen weniger Frische vermitteln. Ohne jetzt alte Diskussionen aufzuwärmen und das Leserlager in Befürworter und Abstreiter teilen zu wollen wie Moses die See: Ja, ich lasse Lautsprecher und Kopfhörer immer ausgiebig einspielen, mal mit merklichen Effekten, mal gänzlich ohne – und mal komplett ohne die Möglichkeit zur Beobachtung. Es gibt sicher eine Vielzahl Menschen, die sich über den leichten Biss freuen wird, der bei etwas müderen Komponenten in der Wiedergabekette, in mit Teppichen, Tapeten und Polstermöbeln überdämpften Räumen oder schlichtweg bei eher verhalten gemischter Musik für das notwendige Plus an Pep sorgen kann. Den „Trick“, die Höhen durch die Verwendung des Frontgitters zu zügeln, kann ich bei den GoldenEar BRX nicht empfehlen. Sie klingen in jeglicher Hinsicht besser ohne den Grill. Wer die BRX lieber etwas besänftigt spielen lassen will, winkelt sie bei der Aufstellung etwas nach außen – verringert dadurch aber ihre enorme Leistungsfähigkeit, was die Bühnendarstellung angeht. Im Luftbereich übertreiben es die GoldenEar hingegen nicht mit dem Pegel, wirken aber auch alles andere als gebremst, sondern zeigen dadurch Geschmeidigkeit. Die Hochtöner der Quadral wirken im Direktvergleich ein wenig sanfter als die der goldenen Ohren.

Aufstellung

GoldenEar BRX von vorne mit Abdeckung

GoldenEar Technology darf die BRX von mir aus gerne als „Lautsprecher für Menschen, die häufig umziehen“ bewerben. Nicht nur, dass sie klein und leicht sind: Es ist eindrucksvoll, wie aufstellungsunkritisch diese Speaker sind. Über den Wandabstand lässt sich ganz kommod die Basswiedergabe regeln. Mit dem Rücken direkt an der Wand sind sie back-ported Gehäusen wie denen der Galan gegenüber klar im Vorteil. Doch selbst, wenn man die Bezeichnung „Bookshelf“-Speaker wörtlich nimmt und die kleinen Lautsprecher in ein Regal verfrachtet und links und rechts Bücher positioniert, verlieren sie im Bass nur wenig von ihren positiven Eigenschaften. Recht weit im Raum auf Stativen, in sehr kleinen wie reichlich großen Räumen, mit Basisbreiten von nur etwas über einem Meter bis hin zu mehreren Metern: die Klangcharakteristika bleiben durchweg erhalten. Gleichwohl ist es ratsam, das gleichwinklige Dreieck Box-Box-Hörer möglichst einzuhalten, um in den vollen Genuss der Bühnenqualitäten zu kommen. So weit eingedreht, dass die Front genau zum Hörer zeigt, können sie diese Leistungen besonders gut ausspielen.

Räumlichkeit

Overkill - Taking OverDie GoldenEar Technology BRX und Quadral Galan 9 sind sich in ihrem Stereobild sehr ähnlich. Beide ermöglichen die Überbasisdarstellung, also die Ortbarkeit von flächigen Signalen (wie Streicher, Synthesizerflächen, Orgeln) und Rauminformationen auch außerhalb der Basislinie zwischen den Boxen. Zwar löst sich das Klangbild bei links oder rechts positionierten Signalen nicht übermäßig von den Speakern, doch ist es bemerkenswert, wie präzise und plastisch die Phantommitte dargestellt wird. Stimmen, Snaredrums und andere üblicherweise mittig positionierten Signale erscheinen wie aus einer unsichtbaren dritten Box in der Mitte – und das bei verschiedenen Aufbauszenarien der beiden BRX-Lautsprecher. Sehr gelungen ist zudem die ausgeprägte Vorne-Hinten-Darstellung. Die patschige Snare auf Taking Over (1987) (auf Amazon anhören) von Overkill-Drummer Rat Skates beispielsweise springt einen beim Hören förmlich an, Sänger Bobby Elsworth kreischt direkt vor der Nase des Hörers herum, als wolle er ernsthaft Streit anfangen. Überdies kann aber der grandios performende Chor der Musiciens du Louvre Grenoble unter Marc Minkowski auf der Indigo-Aufnahme von Johann Sebastian Bachs „H-Moll-Messe (BWV 232)“ in einer Tiefe dargestellt werden, die wirklich, wirklich eindrucksvoll ist. Galan 9, Saxx CLX 3 und Genelec 8030 schaffen das alle nicht in dieser Konsequenz!

GoldenEar BRX Rückseite

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Test: GoldenEar Technology BRX | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Pragmatisch anders
  2. 2 GoldenEar Technology BRX: Klangtest & Vergleiche

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