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Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Kimme und Korn
  2. 2 Dynaudio Confidence 50: Klangeindrücke

Die Einordnung ins Produktprogramm fällt scheinbar leicht: Die Dynaudio Confidence 50 (Preis: 26.000 Euro) ist die Nachfolgerin der erstmals 2002 vorgestellten Confidence C4, von der es insgesamt vier Versionen gab – bis sie nun von der „Fünfziger“ aus der jüngst eingeführten neuen Confidence-Serie ersetzt wurde. Aber stopp, was steht da auf der Website des Herstellers? „Dies ist die beste Lautsprecherserie, die Dynaudio jemals hergestellt hat.“ Ja, hm … was ist denn aus der guten, alten Top-Linie namens Evidence geworden? In der Tat findet man die nur nach etwas längerem Suchen auf der Dynaudio-Page, und zwar unter der Überschrift „Eingestellte Modelle“. Schau mal einer an. Die aktuelle Confidence-Serie ist also nicht nur die Nachfolgerin der alten, sondern auch Dynaudios neue Referenzlinie.

Dynaudio Confidence 50

Produktmanager Jan Kretschmer bestätigt auf Nachfrage: „Technologisch und damit auch von der klanglichen Performance setzt sich die aktuelle Confidence-Serie so stark von den vergleichsweise alten Evidence-Modellen ab, dass hier der Referenzstatus nicht mehr wirklich zu halten ist. Immerhin liegen zwischen der Evidence-Serie und der jetzigen Confidence ganze 20 Jahre, ein Zeitraum, in dem sich sehr viel in der Entwicklung, Forschung und Fertigung bei Dynaudio getan hat.“ Das neue Spitzenmodell heißt Confidence 60, ist noch einmal größer, schwerer und deutlich teurer (40.000 Euro) als unser Proband – der mithin die Nummer 2 im Line-up der Dänen darstellt.

Formfaktor

Die Dynaudio Confidence 50 besitzt eine in der Relation zur stattlichen Höhe von gut anderthalb Metern auffallend schmale Front, was ihrer Erscheinung etwas Obeliskhaftes gibt. Die Tiefe von 40 Zentimetern ist in dieser Klasse ebenfalls nicht als sonderlich raumgreifend anzusehen und wird durch die Verjüngung und Verrundung Richtung Rückseite optisch weiter abgemildert – akustisch hat das natürlich auch seinen guten Grund, sorgt es doch für nicht-parallele Wände im Gehäuseinnern und minimiert damit stehende Wellen.

Das Design darf als smart und ausbalanciert durchgehen: Einerseits braucht so ein State-of-the-art-Lautsprecher nun mal eine gewisse Größe – andererseits bleibt diese dank schlanker Linie und organischer Formensprache auch in normalen Wohnumgebungen noch integrierbar und spricht nicht nur hartleibige Audiophile an, die fürs Musikhören in den Keller gehen. Zwei Elemente geben der schlicht-schönen Säule zudem einen gewissen dynamischen Kick: der Outrigger-Standfuß und – mehr noch – die interessant geformte, vom eigentlichen Lautsprecherkorpus abgesetzte Schallwand.

Technik

Wie bei jedem guten Design handelt es sich dabei nicht um optischen Zierrat, sondern um die Umsetzung einer gewünschten technischen Funktion.

Fußbereich der Dynaudio Confidence 50

Fußbereich der Dynaudio Confidence 50

Die Outrigger-Lösung sorgt natürlich erst einmal ganz einfach für einen bombenfesten Stand – und man kann mit ihr den Lautsprecher ganz easy ins Lot bringen, denn die Höhenverstellung und das Kontern der Gewinde erfolgt bequem von oben. Massive Spikes und „Plattfüße“ gehören zum Lieferumfang. Darüber hinaus ist dieser Lautsprecherfuß indirekt aber auch Bestandteil der Bassreflexabstimmung: Bei der Dynaudio Confidence 50 ist ein Downfire-System am Start, das aber nicht auf den Boden „feuert“, sondern auf die Stahl-Bodenplatte besagter Fuß-Konstruktion, die in definiertem Abstand zum Bassreflexkanal montiert ist und den Tiefton seitlich ins Freie entlässt.

Was nun die Schallwand der Dynaudio Confidence 50 angeht, so handelt es sich bei ihr um eine der ganz wesentlichen Neuerungen im Vergleich zum Vorgängermodell. Kenner der alten Confidence C4 werden sich vielleicht wundern: Fehlt da nicht was? Ja, stimmt – ein Hochtöner. Hatte die C4 noch zwei Stück auf der Front, so die aktuelle Dynaudio Confidence 50 nur noch einen. Warum?

Die besondere Form der Schallwand dient der Steuerung des Abstrahlverhaltens

Die besondere Form der Schallwand dient der Steuerung des Abstrahlverhaltens

Nun – in beiden Fällen ist die vertikal-symmetrische Aufreihung der Chassis Teil des sogenannten „Dynaudio Directivity Control“-Systems (DDC), einer dänischen Interpretation der klassischen D’Appolito-Anordnung, wenn man so will. Zielsetzung: Formung des Abstrahlverhaltens in der Vertikalen, sodass erheblich weniger Schall auf Decke und Boden trifft und entsprechende Reflexionen minimiert werden. Denn gerade Decken- und Bodenreflexionen vermischten sich für den Hörer wegen des geringen zeitlichen Abstands zum Direktschall mit diesem und verundeutlichten das Klangbild vor allem in räumlicher Hinsicht, so Dynaudio.

Die DDC-Lens der Dynaudio Confidence 50

Die DDC-Lens der Dynaudio Confidence 50

DDC-Lens

Bei der alten Confidence-Linie wurde die gewünschte Bündelung im Hochtonbereich dadurch unterstützt, dass den je Box doppelt vorhandenen Kalotten mittels gezielter Phasen- und Frequenzabstimmung eine starke Schallformung anerzogen wurde – was allerdings ein sehr komplexes Frequenzweichenlayout zur Folge hatte. Bei den neuen Confidence-Lautsprechern erreiche man in der Tat eine noch zielgerichtetere Schallbündelung, so Kretschmer, diese werde aber primär auf mechanischem Wege realisiert: Die sogenannte „DDC-Lens“ um den Hochtöner – oben und unten wölbt sich diese „Linse“ nach vorne, an den Seiten ist sie flach –, die besondere Gestaltung der Schallwand und sogar die Form der Sicke des Mitteltöners spielen hierbei eine Rolle und sollen zusammen wie ein Art großer Waveguide wirken.

Möglich sei die Entwicklung der Dynaudio Confidence 50 nur dank des neuen „Jupiter“-Messraums (mehr Infos hier) im dänischen Skanderborg geworden, der mit Maßen von 13 x 13 x 13 Meter und modernster Messtechnik aufwartet und das Prototyping mit verschiedenen Baffle-Designs, Chassis und Weicheneinstellungen überhaupt erst sinnvoll anwendbar mache. Eleganter Nebeneffekt der so ermittelten, optimal geformten „Waveguide-Schallwand“: Die Frequenzweiche kann nun vergleichsweise einfach ausfallen, was ganz im Sinne der Signalreinheit sei, so Dynaudio.

Die Schallwand der Dynaudio Confidence 50 wird aus dem Verbundstoff Compex gefertigt

Die Schallwand der Dynaudio Confidence 50 wird aus dem Verbundwerkstoff Compex gefertigt

Dieses Ziel verfolgt man auch mit dem Material, aus dem die Schallwand gefertigt wird: Es nennt sich „Compex“, ist ein Verbundwerkstoff und wird gerne – siehe da – für den Prototypenbau verwendet. Es habe sich gezeigt, das Compex nahezu ideale akustische Eigenschaften besitze, so Jan Kretschmer, denn es sei leicht, gleichzeitig sehr fest und absorbiere Resonanzen geradezu perfekt. Übrigens: Hinter der Schallwand liegt eine Metallplatte, in der die Treiber mit genau definierten Anpressdruck verschraubt werden, was im Zusammenspiel mit speziellen Poron-Dichtungen und besagter Compex-Wand einen optimal dämpfenden Materialmix ergebe.

Mitteltöner der Dynaudio Confidence 50

Mitteltöner der Dynaudio Confidence 50

Wie es sich für eine neue Flaggschiff-Serie gehört, werden nur die neuesten und dem Vernehmen nach besten Chassis des Hauses verwendet. In der Dynaudio Confidence 50 verantworten bis 200 Hertz je zwei 18-cm-Woofer das Feld – eine verbesserte Hinterbelüftung und ein überarbeitetes Antriebssystem mit Neodym-Magnet und Spulenträgern aus Glasfaser sollen für einen Performanceschub im Untergeschoss sorgen. Den Mittelton bestellen gleichfalls doppelt vorhandene 15-cm-Treiber, die mit der sogenannten „Horizon“-Sicke kommen: Diese nimmt die Form der Membran auf und führt sie bis zum Rand des Korbs fort. Das soll einerseits Resonanzen effektiv mildern und die Membranfläche ein wenig vergrößern, andererseits Schallbeugungen vom benachbarten Hochtöner minimieren, da die neue Sicke eben nicht die klassische „Wulst“-Form besitzt, sondern smooth zur Schallwand überführt.

Die „Hexis“-Innenkuppel des Dynaudio-Esotar-3-Hochtöners soll den rückwertigen Schall aufbrechen und so klangschädliche Reflexionen vermeiden helfen

Die „Hexis“-Innenkuppel des Dynaudio-Esotar-3-Hochtöners soll den rückseitigen Schall aufbrechen und so klangschädliche Reflexionen vermindern

Apropos Hochtöner: Vierzig Jahre Erfahrung bei der Konstruktion von Gewebekalotten kulminierten hier; der „Esotar 3“ sei, Sie ahnen es, der beste Hochtöner, den Dynaudio je gebaut habe. Neben verbessertem Antrieb und optimierter Luftstromführung wird als weiteres technisches Highlight die „Hexis“-Innenkuppel genannt – eine Art innenliegender „Mini-Diffusor“, der den rückseitig abgegebenen Schall der Kalotte aufbreche, um harte Reflexionen zu vermeiden und so eine höher auflösende, klarere Wiedergabe ermögliche. Ab 2.860 Hertz trägt der Esotar 3 die Verantwortung.

Dynaudio Confidence 50: Klangeindrücke

Solange man nicht vorm Rechner sitzt und versucht, einen Testbericht zu schreiben, verfällt man bei der Dynaudio Confidence 50 gar nicht auf die Idee, dass in ihrem Klangbild das übliche Schema „Bass – Mitten – Höhen“ eine Rolle spielen könnte. Es gibt keinerlei akustisch wahrnehmbare Übergänge zwischen den Wegen und Frequenzbereichen. Pointiert formuliert ließe sich sagen: Im Grunde ist das hier ein Breitbänder. Nur viel besser, nämlich verfärbungsfrei, aufgelöst, akkurat und tatsächlich auch: breitbandig, sprich: fähig, das gesamte Spektrum wiederzugeben. Doch diese besondere Homogenität und Bruchlosigkeit, die man weichenlosen Breitbandlautsprechern zumindest nachsagt – die ist mit der Dynaudio tatsächlich zu erleben.

Die Dynaudio Confidence 50 in der Ausführung Blonde Wood

Die Dynaudio Confidence 50 in der Ausführung Blonde Wood

Das ist nun keine Eigenschaft, die sofort ins Ohr fällt. Man entdeckt sie vielmehr „hintenrum“: Dass Instrumente und Stimmen mit der Confidence 50 absolut schlüssig und intakt wirken, wird einem erst so richtig bewusst, wenn man sie anderen Lautsprecher gegenüberstellt, die einem bisweilen dann doch – und sei‘s nur minimal – vergleichsweise etwas ungereimter und ganz, ganz leicht „technisch“ vorkommen. Natürlich: Für so viel Geld darf man Homogenität auch erwarten. Aber das hier ist trotzdem noch mal eine andere Nummer. Was möglicherweise auch deshalb überrascht, weil solche kostspieligen High-Performance-Konstruktionen ja auch schon mal zum Divenhaften neigen – ich rede von Überempfindlichkeiten bezüglich der Aufstellung im Raum, des antreibenden Verstärkers, der Kabelage etc. Die Dynaudio Confidence 50 macht nun aber so gar keine Anstalten, sich zickig zu betragen. Was sie trotz ihrer Größe und der erklecklichen Anzahl an Chassis, die da zusammen musizieren müssen, ganz nebenbei auch noch zu einem ausnehmend praxistauglichen Highend-Lautsprecher macht.

Doch wie dem auch sei, die wunderbar kohärent-homogene Vortragsart der Dynaudio Confidence 50 wird mir wohl kaum als Entschuldigung dafür reichen, Ihnen nichts über die Frequenzbereiche zu sagen. Also gut, wenn ich es unbedingt analytisch aufdröseln soll …

Das Terminal der Dynaudio Confidence 50

Terminal der Dynaudio Confidence 50

Tonales

Der Hochton der Dynaudio Confidence 50 lappt minimal ins etwas Sanftere, und selbst diese vorsichtige Formulierung ist fast noch zu kräftig. Das tonale Obergeschoss ist komplett da, auch der Superhochtonbereich präsentiert sich luftig und mit viel Feinzeichnung, und wenn ein harter Impuls mit ordentlich Pfeffer in den Raum knallen muss, tut er das auch. Aber „strahlen und funkeln“, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ist der Dynaudio Confidence 50 völlig fremd. Auch dieses linear-monitorhafte Durchziehen einer Paradigm Persona 3F (11.900 Euro) ist nicht unbedingt ihres – sie bietet hier zwar locker die gleiche, also extrem gute Auflösung, aber gefühlt „ein halbes Dezibel höflicher“. Das macht die Dänin in gewisser Hinsicht … wie soll man es sagen? Humaner? Überknackige, leicht plastikhaft anmutende Aufnahmen, zischende Sibilanten, voyeuristisch nah eingefangene Vocals – dergleichen kommentiert die Dynaudio eher mit einem „Tja, das war wohl nicht der beste Tag des Toningenieurs“, aber nicht mit: „Fehler! Fehler! Fehler!“

Dynaudio Confidence 50

Der Mittel- und Tiefton der Dynaudio Confidence 50 lässt sich mit Fug und Recht als neutral bezeichnen. Wenn der Über-alles-Eindruck eher ganz leicht auf der geschmeidig-gefälligen denn leichten oder schlanken Seite liegt, so liegt’s am Hochton. Bass und Mitten der Dänin sind Musterbeispiele an Ausgewogenheit. Die untere Grenzfrequenz der Dynaudio Confidence 50 wird dabei mit 35 Hertz (-3 dB) angegeben. Das wirkt realistisch. Heißt konkret: Im Vergleich mit der gleich teuren Blumenhofer Genuin FS1 MK2, die deutlich mehr Membranfläche und Gehäusevolumen mitbringt, wirkt die Dynaudio – tiefgründiger. Wenn auch nur ein wenig. Doch klar ist auch: Nicht nur für dieses Geld lassen sich beispielsweise Aktivlautsprecher finden, die noch tiefer in den Frequenzkeller marschieren und versuchen, die Subkontra-Oktave auszuheben – Dynaudios eigenes, großes XD-Modell (dessen Vorgänger wir getestet haben) ist so ein Beispiel. Inwieweit solche Fähigkeiten nun musikalisch nötig, geschweige denn für normale Wohnraumverhältnisse akustisch auch immer ratsam sind, steht auf einem anderen Blatt – aber theoretisch geht es eben schon noch tiefer hinab als die Confidence 50 bohrt.

Dynaudio Confidence 50

Qualitätsoffensive

Doch lassen wir die Theorie beiseite und kommen zu Praxisrelevanterem und mehr Qualitativem. Der Vergleich der Dynaudio mit der erwähnten Blumenhofer ist ein Beispiel dafür, welch unterschiedliche Klangbilder man fürs Geld doch kaufen kann. Beispiel Bass: Ja, die Dynaudio Confidence 50 geht etwas tiefer runter und präsentiert den mittleren und oberen Bass linearer, also etwas weniger saftig als die sich hier minimal betonte gebende Blumenhofer. Abgestuft und konturiert geben sich im Untergeschoss freilich beide. Adé One-note-Bass: Kontrabässe spielen farbig und in sich differenziert, tiefe Klaviernoten bleiben klar unterscheidbar und verklumpen nicht. So soll das sein. Und trotzdem wirkt‘s doch sehr unterschiedlich.

Françoiz Breut (Album: Vingt A Trente Mille Jours)Die Blumenhofer überzeugt im Bass mit dieser leichfüßigen, dynamisch unlimitierten Gangart, die so wohl nur mit sehr großen Treibern zu realisieren ist. Die Dynaudio punktet auf ganz anderem Feld, wie mir die scheinbar schlichte Bassdrum auf „L’affaire d’un Jour“ von Françoiz Breut (Album: Vingt A Trente Mille Jours; auf Amazon anhören) klar macht. Tief, substanziell, mit der nötigen Autorität? Ja, ja, das auch. Aber jetzt höre ich auf einmal, wo diese Bassdrum im Raum steht, und dieser Raum besitzt einen bestimmten Nachhall, eine akustische Signatur und darin eingebettet tut‘s den Schlag! Das ist so klar und transparent mit der Blumenhofer nicht erlebbar, sie kassiert den Raumhall mehr oder minder oder vermischt ihn mit dem Signal oder was weiß ich. Und mir fällt auch gerade nicht ein, wann mir ein anderer Lautsprecher bei diesem Stück so deutlich die Drums vom umgebenden Aufnahmeraum separiert hat. Dass mir ausgerechnet eine Bassdrum eine zentrale Stärke der Dynaudio Confidence 50 deutlich macht, ist schon erstaunlich.

Liquid Spirit - Gregory PorterUnd eine Stärke ist die Raumdarstellung in der Tat. Nicht nur Frauenstimmen wie die von Françoiz Breut stehen absolut lebensecht und präzise gerendert vor mir – auch bei tieferen Männerstimmen funktioniert das. Was mir die schwierigere Aufgabe scheint; tiefere Lagen haben meines Erachtens einen Hang zur Breite, zum Ausfransen. Doch nichts da mit der Dynaudio Confidence 50: Gregory Porter etwa erscheint wie frisch aus dem 3D-Drucker gefallen als plastische Skulptur vor mir (Album: Liquid Spirit: auf Amazon anhören). Eine solche Abbildungsqualität, derart griffig und zum Drumherumlaufen, ist ein seltenes Kunststück. Die kürzlich getestete Paradigm Persona 3F ist zwar ebenfalls ein Bühnentalent, aber derart körperlich bildet sie nicht ab. Vergleichbar scheint mir da eher die Wilson Audio Sabrina (circa 20.000 Euro). Ja, vielleicht zeichnet die Wilson tatsächlich noch etwas randschärfer, während die Dynaudio etwas „fleischigere“, organisch-runder eingefasste Klänge präferiert. Nebensächlichkeiten – die Gemeinsamkeiten der beiden überwiegen.

Die Frequenzweiche der Dynaudio Confidence 50 wird auf zwei Platinen aufgebaut. Hier der Teil für den Mittel-Hochton-Zweig...

Die Frequenzweiche der Dynaudio Confidence 50 wird auf zwei Platinen aufgebaut. Oben der Teil für den Mittel-Hochton-Zweig…

...und hier die Weiche für den Bassbereich

…und hier die Weiche für den Bassbereich

Ganz ähnlich ist nämlich auch die „Vermessung des Raums“: Die Dynaudio Confidence 50 besitzt weder einen frontalen noch einen „Laid back“-Duktus, sondern gibt die Aufnahme nach reiner Lehre wieder, heißt: Die Musik kann vor, bei und hinter der Grundlinie der Boxen starten. Dass sie meist doch bei der Grundlinie beginnt, liegt am Gros der Produktionen, nicht an der Präferenz der Confidence. Auch in Breite und Tiefe des Bühnenbildes orientiert sie sich am Original, macht also nicht alles oversized oder umgekehrt klein-klein. Und man, kann die tief! Nicht zuletzt deshalb habe ich so viel wie selten zuvor mit einem Testlautsprecher klassisches Orchester gehört – es macht einfach einen Heidenspaß, die Instrumente derart präzise und weitläufig gestaffelt vor einem zu erleben, zumal die langen, eleganten Säulen akustisch komplett unsichtbar bleiben. Audiophile, die viel Klassik oder Jazz hören und sich insbesondere vom authentischen Raumeindruck der Musik einfangen lassen – und, der Haken bei der Sache, das nötige Kleingeld besitzen – müssen die Confidence 50 einfach auf ihre Shortlist setzen.

Die Rückseite der Dynaudio Confidence 50: rund, makellos, glänzend

Die Rückseite der Dynaudio Confidence 50: rund, makellos, glänzend

Details, Details, Details

Neben der homogenen, natürlichen Geschmeidigkeit und dem famosen Raumeindruck muss als drittes das Auflösungsvermögen als zentrale Stärke der Dynaudio genannt werden. Und wieder finde ich es spannend, zu erleben, wie unterschiedlich manche Spitzen-Lautsprecher doch sein können.

Die Blumenhofer Genuin 1 spielt ja ebenfalls sehr detailreich, aber ein bisschen hat man auch den Eindruck, insbesondere im Stimmbereich, dass da etwas mehr Ausdruck hineingelegt wird – die Darstellung erfolgt ein wenig frontaler, größer, dynamischer als mit „normalen“ Lautsprechern ohne Horn. Funktioniert ganz hervorragend, zumindest für mich. Mit der Dynaudio habe ich dagegen das Gefühl, dass nichts hineinlegt, sondern alles abgezogen wird, was nicht auf der Aufnahme drauf ist. Sie klingt einfach frappierend pur. Der Wow-Effekt setzt mit ihr vielleicht nicht gleich nach drei, sondern erst nach dreißig Sekunden ein – dann nämlich, wenn einem aufgeht, wie feinsinnig-nuanciert hier noch scheinbar Nebensächliches kohärent und unaufgeregt ins Klangbild integriert wird –, doch dafür umso nachhaltiger.

Vergleiche & Einordnungen

Wo wir gerade beim Thema Auflösung sind: Die ebenso kostspielige Audiograde Ardora muss sich gegenüber der Dänin nicht verstecken. Sie kann im Bass aber nicht die gleiche Substanz bieten, spielt insgesamt etwas heller und in den Mitten präsenter auf – während die Dynaudio über alles neutraler bis minimal milder wirkt. Neutral und detailreich spielt die Paradigm Persona 3F ebenfalls, aber weder kann sie so große Räume wie die Dynaudio ausfüllen, noch kommt sie ganz an die verblüffende Kohärenz und plastische Abbildungsfähigkeit der Dänin heran (was ihr, angesichts des nicht mal halben Preises, auch verziehen sei). Im Gegensatz zur Wilson Audio Sabrina – die Amerikanerin kann große Räume aber ebenfalls nicht so souverän beschallen wie die Dänin und der Wunsch nach unverzerrtem Maximalpegel wird mit der viel größer bauenden und mit mehr Chassis bestückten Dynaudio leichter in Erfüllung gehen.

Oberer Basstreiber der Dynaudio Confidence 50

Oberer Basstreiber der Dynaudio Confidence 50

Wie sieht es mit der Dynamik aus? Die ist, um es kurz zu machen, in Ordnung fürs Geld – und da es hier um ganz schön viel Geld geht, kriegt man richtig was geboten. Aber es ginge schon noch mehr, insbesondere grobdynamisch. Mit Hörnern, großen Woofern und riesigen Gehäusen wie bei der Blumenhofer sowieso, auch ähnlich bepreist Aktivkonzepte dürften hier oft die Nase vorne haben. Doch auch eine passive, hornlose Focal Sopra No.3 (18.000 Euro) spielt beispielsweise fetziger auf. Gut, bei der ist auch eine kleine Schippe Extra-Spaß im Bass mit dabei, die die Dynaudio vermutlich gleich als „Lüge“ bezeichnen würde – und das Verhältnis der Dänen dazu kennt man ja hinlänglich. Aber wie dem auch sei: Das Grundnaturell der Französin wirkt einfach etwas quirliger und lebendiger – die Dänin punktet dagegen mit der höheren Detailgenauigkeit und dieser „Spooky“-Raumdarstellung.

Test: Dynaudio Confidence 50 | Standlautsprecher

  1. 1 Kimme und Korn
  2. 2 Dynaudio Confidence 50: Klangeindrücke
Billboard
Martin Logan