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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Rot und rassig
  2. 2 Focal Sopra No 3 im Soundcheck
  3. 3 Testfazit: Focal Sopra No. 3

„Die Schönste seit Langem“, meint meine Frau, als sie der hochgewachsenen Französin begegnet, die seit Kurzem in meinem Hörraum steht. In der Tat ist die alles andere als ein Mauerblümchen. Klar, im feuerroten Kleid und mit schwarzem Lackschuh zieht man wohl automatisch alle Blicke auf sich, doch auch in dezenteren Farben gehüllt bleibt sie eine aparte Erscheinung. Die Rundungen des Gehäuses, die charakteristischen Anwinkelungen von Korpus und Kopf, die stimmigen Proportionen – Madame macht echt was her!

focal-sopra-3

Sie stammt aus Saint-Étienne und hört auf den Namen Focal Sopra No 3. Die Nummer 3 ist das jüngste und auch größte Modell der in der Produkthierarchie direkt unter der Flaggschifflinie „Utopia III“ angesiedelten Sopra-Baureihe. Bei einem Gewicht von 70 kg/Stück und einer Höhe von circa 1,3 m kann auch kaum ein Zweifel darüber aufkommen, dass man es mit einem wirklich großen Lautsprecher zu tun hat – der, so viel sei schon mal verraten, auch etwas „Auslauf“ benötigt: In meinem 30-qm-Altbauzimmer klappte es hervorragend, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass diese Focal doppelt so große Areale ebenfalls souverän beschallt.

Bei der Focal Sopra No 3 teilen sich drei Wege vier Chassis. Zwei 21-cm-Woofer dienen als Doppelbass und arbeiten auf ein Volumen von circa 70 l. Hierfür wird sogar ein Teil des „Boxenkopfes“ genutzt, denn hinter der geschlossenen Kammer für den 16,5-cm-Mitteltöner ist noch Raum, der durch zwei Kanäle im Hochtonelement für den Tiefton „erschlossen“ wird.

Hochtöner-Element inklusive IHL-Horn, von hinten betrachtet. Es besitzt in der Vertikalen Kanäle, die den unteren Gehäuseteil mit einem Teil-Volumen des oberen verbinden

Hochtöner-Element inklusive IHL-Horn, von hinten betrachtet. Es besitzt in der Vertikalen Kanäle, die den unteren Gehäuseteil mit einem Teil-Volumen des oberen verbinden

Die Bassreflexöffnung ist auf den ersten Blick nicht auszumachen, was daran liegt, dass sie nach unten weist – dabei allerdings nicht direkt auf den Boden strahlt, sondern auf die Sockelplatte, von wo aus sich eine Schallführung trichterartig nach vorne öffnet. Übrigens: Die Tuningfrequenz des BR-Systems der Focal Sopra No 3 liegt bei 32 Hz, ein sehr tiefer Wert.

Die Übergangsfrequenzen Richtung Mittel- respektive Hochtöner sind bei 250 Hz und 2200 Hz angesiedelt, die für Bass und Mittel-/Hochton separat und dem Vernehmen nach sehr phasentreu aufgebaute Weiche trennt die Einsatzbereiche mit 12 dB/Oktave. Für die obersten Lagen – sonst wäre‘s ja keine „richtige“ Focal – kommt natürlich eine Inverskalotte zum Einsatz, die in unserem Fall 27 mm Durchmesser besitzt. Die inverse Form ermögliche unter anderem eine bessere mechanische Verbindung zwischen Membran und Schwingspule als bei normalen Kalotten, so die Franzosen. Focal-typisch auch das Material der Inverskalotte: Beryllium. Dieses gleichzeitig sehr harte und leichte Metall – die Membran bringt es auf gerade einmal 21 mg – besitze nahezu ideale Eigenschaften für ihren Einsatzzweck. Neben der Härte und dem geringen Gewicht seien auch die Werte der inneren Dämpfung vorteilhaft, nicht zuletzt im Vergleich zu denen von Kunstdiamanten, wie Focal – wohl mit Blick auf den einen oder anderen Mitbewerber – anführt.

Aufbau des Hochtöners

Aufbau des Hochtöners

Bei der Focal Sopra No 3 atmet der Hochtöner rückseitig in ein komplett mit Dämpfungsmaterial gefülltes Horn hinein, das aber keinen unmittelbaren akustischen Beitrag leistet; zwei seitliche Schlitze im ansonsten geschlossenen hinteren Bereich dienen lediglich dem Druckausgleich. Mit dieser „Infinite Horn Loading“ (IHL) genannten Technik möchte Focal Kompressionserscheinungen vermeiden, die bei konventionellen geschlossenen Kammern auftreten können, wenn das Volumen hinter der Kalotte als „zu harte“ Luftfeder wirkt – vor allem soll so auch die Eigenresonanz des Tweeters möglichst tief belassen werden.

Zeichnung der Infinite-Horn-Loading-Technologie des Sopra-Hochtöners

Zeichnung der Infinite-Horn-Loading-Technologie des Sopra-Hochtöners

Focal entwickelt und produziert alle Chassis selbst, und so natürlich auch die Mittelton- und Basskonusse, die in der Sopra No 3 stecken. Deren Membranmaterial ist ebenfalls etwas Besonderes: Beim Basstreiber kommt ein Sandwich aus zwei Schichten Glasfaserfolie mit zwischenliegendem Rohacell-Hartschaumkern zum Einsatz, beim Mitteltöner gibt es dagegen nur eine Glasfaserschicht, nämlich die vordere, die mit etwas weicherem Rohacell kombiniert wird. Doch nicht nur die Art des Schaumes, auch die Stärke der Membranen variieren: zum einen je nach Einsatzfeld (Bass, Mitten), zum anderen je nach Position auf der Membran, was zur Optimierung des Dämpfungs- und damit des Resonanzverhaltens beitragen soll. Die charakteristische Sprenkelung von Woofer und Mitteltöner dient dagegen nur der Optik.

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Beiden Treibern gemein ist die etwas großspurig „Neutral Inductance Circuit“ (NIC) benannte Technik, hinter der sich ein Impedanzkontrollring beim Antrieb verbirgt. Ganz generell möchte man mit einem solchen Ring die mit der Frequenz ansteigende Impedanz der Schwingspule linearisieren. Dass das nun keine Raketentechnik ist, gibt auch Focal zu, betont aber gleichzeitig, dass die spezielle Form und Positionierung des Ringes – in direkter Nähe der Polplatte und des Magneten, doch ohne direkten Kontakt mit ihnen – erst durch den Einsatz von Computersimulationsverfahren so weit optimiert werden konnte, dass eine Verzerrungsreduzierung von bis zu 70 % dabei herauskam.

Auch die beiden sehr unscheinbar wirkenden Ringe auf der Sicke des Mitteltöners sind das Ergebnis computergestützter Simulationsverfahren gemäß der Finite-Elemente-Methode. Es handelt sich dabei um sogenannte „Schwingungstilger“: An diesen Stellen werden zusätzliche Massen (nämlich die der ringförmig verlaufenden Verdickungen) in Schwingung versetzt, um die Resonanzfrequenz des Gesamtsystems „Membran/Sicke“ besser unter Kontrolle zu bringen. Verfahren zur Erdbebensicherung bei Hochhäusern hätten sie dazu inspiriert, so die Franzosen (das klingt abgefahren, ist aber durchaus plausibel, siehe hier und hier). Übliche Lösungen zur Verbesserung der Dämpfung der Sicke erhöhen deren Masse, was ein schlechteres Auflösungsvermögen mit sich bringt. Diese Lösung soll das ausschließen. Ob man sich auch dafür ein hübsches Akronym ausgedacht hat, fragen Sie sich? Aber klar doch: TMD – Tuned Mass Damper.

Bei den beiden kreisförmig die Sicke umlaufenden Verdickungen handelt es sich um die sogenannten Tuned Mass Damper

Bei den beiden kreisförmig die Sicke umlaufenden Erhebungen handelt es sich um die sogenannten Tuned Mass Damper des Mitteltöners

 

Test: Focal Sopra No 3 | Standlautsprecher

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  3. 3 Testfazit: Focal Sopra No. 3
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