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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Selbst ist der Kanadier
  2. 2 Klangeindruck & -vergleiche

Der High-End-Vertrieb Audio Components hat eine ganze Reihe angesagter Marken im Portfolio. Seien es digitale Quellen von dCS oder EMM Labs, klassische Verstärker von Pass oder McIntosh, Lautsprecher von Magico oder Wilson Audio – bei allen handelt es sich um klangvolle Namen aus der audiophilen Szene. Nun ist ein neuer hinzugekommen: Paradigm. Kennen Sie nicht? Nun, das könnte sich ändern. Jedenfalls dann, wenn es nach dem Willen des Hamburger Audio-Distributors geht, der sich von der frisch ins Vertriebsprogramm aufgenommenen Lautsprechermarke einiges verspricht. (Web: www.paradigm-audio.de, Preis Testmuster: 11.900 Euro)

Paradigm Persona 3F

Weder neu noch klein …

Das Unternehmen „Paradigm Electronics“ ist kein Neuling am Markt. Die 1982 gegründete Firma betreibt in Mississauga bei Toronto ein Werk mit einer Produktionsfläche von über 20.000 Quadratmetern und beschäftigt gut 200 Mitarbeiter. Nicht nur Paradigm-Lautsprecher werden hier gefertigt, sondern auch ausgewählte Modelle einer Traditionsmarke, die die Kanadier vor gut zwölf Jahren erwarben: Martin Logan. Die bekannten Spezialisten für elektrostatische Lautsprecher gehören also auch zu Paradigm – und, wie es der Zufall so will, zum Portfolio von Audio Components. Die gut beleumundete Elektronik-Marke Anthem bildet einen weiteren Geschäftszweig.

Das Paradigm-Werk

Das Paradigm-Werk in Mississauga, Kanada

Paradigm ist also alles andere als ein kleiner Boutique-Anbieter, sondern für die von Klein- und Kleinstunternehmen geprägte HiFi-Branche geradezu eine richtige Nummer. Dass sie ein größeres Rad drehen, merkt man auch daran, dass „Inhouse“-Produktion hoch im Kurs steht. Statt Chassis von Drittanbietern in Lautsprechergehäuse, deren Herstellung man ausgelagert hat, zu montieren, macht man alles selbst. Das gehe soweit, dass sogar viele der Maschinen für die Lautsprecherfertigung in Eigenregie hergestellt würden, so die Kanadier.

Portfolio

Paradigm bietet so einige Lautsprecherserien an, unter ihnen befinden sich auch Outdoor- und Installment-Speaker. Der deutsche Vertrieb konzentriert sich allerdings auf die klassischen Modelle, zurzeit werden hierzulande drei Linien angeboten: Monitor, Premier und Persona nennen sich die Serien. Letztgenannte ist die aktuellste Schöpfung der Kanadier – und gleichzeitig die Flaggschiff-Linie. In diesem Test geht es um das kleinste von vier Standmodellen aus Paradigms Top-Linie, um die Paradigm Persona 3F.

Die Paradigm Persona 3F ist in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich

Die Paradigm Persona 3F ist in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich

Technik

Einmeterzwölf Höhe, 24 Zentimeter breit – die Paradigm Persona 3F ist ein normal dimensionierter Standlautsprecher. Keinesfalls klein, aber auch nicht wirklich ausladend. Audiophile, die nicht vorhaben, mit ihrer Anlage in den Keller zu ziehen, sondern auf aparte Inneneinrichtung im Wohnzimmer Wert legen, dürfte das zupasskommen. Überhaupt: Die Paradigm Persona 3F hat ein hübsches Gesicht. Als gelungener Hingucker gehen die beiden Abdeckungen für den Hoch- und Mitteltöner durch, die dank mandalaartigem Lochmuster die Blicke auf sich ziehen, gleichzeitig aber auch nicht gewollt oder exzentrisch rüberkommen.

Die Abdeckung des Mitteltöners

Die Abdeckung des Mitteltöners

Sehr schön auch: die massive Aluminiumfront mit ihrem perfekt satinierten Finish. Das gleiche Material findet sich in teils fingerdicker Ausführung unten beim Fuß und hinten beim Bi-Wiring-Terminal der schmucken Säule. Bei den massiven, hochwertigen Klemmen kommt dann auch noch Karbonfaser mit ins Spiel, was ich persönlich unter „Schnickschnack“ einordne – wozu braucht‘s das an der Stelle? Doch egal, ist halt modern, siehe Furutech und Co. Das eigentliche Gehäuse der Paradigm Persona 3F ist nach hinten ellipsenartig geformt und genauso perfekt verarbeitet wie die „Metallaccessoires“ an ihm. Die Persona 3F ist nicht einfach wertig verarbeitet, sondern verströmt Luxus. So sollte das in dieser Klasse sein.

Die Paradigm Persona 3F steht auf einer soliden Metallplatte und wird mit ebenso soliden Spikes und Standfüßen geliefert. Die Bassreflexöffnung arbeitet zum Boden hin

Die Paradigm Persona 3F steht auf einer soliden Metallplatte – die Bassreflexöffnung arbeitet zum Boden hin

Doch noch schöner an der Schönheit finde ich, dass mit dem Design gute akustische Gründe verfolgt werden. Beispiel Lochmuster-Abdeckungen: Zunächst einmal – logisch – schützen sie die teure Ware dahinter, weshalb sie auch nicht abgenommen werden können. Nicht nur im Hochton, auch beim Mitteltöner ist das Membranmaterial der Wahl Beryllium. Letzteres ist, zumindest in dieser Preisklasse, weltweit einmalig. Gibt es neben Paradigm und der japanischen Edelschmiede TAD (die dafür aber ganz andere Kurse aufruft) überhaupt noch einen Lautsprecherhersteller, der Beryllium im Mittelton verwendet?

Besonderheit: Der Paradigm-Mitteltöner besitzt eine Membran aus Beryllium

Besonderheit: Der Paradigm-Mitteltöner besitzt eine Membran aus Beryllium

Wie dem auch sei, der Siebenzöller der Paradigm Persona 3F, der den Frequenzbereich zwischen 340 und 2400 Hertz verantwortet, besteht jedenfalls aus diesem schwer zu verarbeitenden Material, dessen Vorteil in der hohen Dämpfung bei gleichzeitig exzellentem Verhältnis von Steifigkeit und Gewicht liege, so die Kanadier, und deshalb der ideale Membranwerkstoff sei.

Die Abdeckung des Hochtöners

Die Abdeckung des Hochtöners

Die Abdeckungen mit dem charakteristischen Lochmuster haben neben dem Schutz der Chassis aber noch einen weiteren Sinn, auf den Paradigm mit dem Akronym „PPA“ verweist – das für „Perforated Phase-Aligning“ steht. Mit der speziell berechneten Größe und Anordnung der „Löcher“ wollen die Kanadier nämlich phasenverschobene Signalanteile, die durch unterschiedliche Schallentstehungsorte auf der Membran entstünden, wieder ausbügeln, was ein akkurateres und transparenteres Klangbild zur Folge habe. Die hübschen Blenden sind also eigentlich als Akustiklinsen mit Hauptjob „Phasealignment“ zu verstehen.

Die Aluminiumblende auf der Front will natürlich auch mehr als nur blenden: Sie versteift das Gehäuse zusätzlich. „Constrained-layer damping“ heißt das Stichwort, das auch fürs Lautsprecherkabinett der Paradigm Persona 3F selbst gilt: Sieben HDF-Platten von knapp drei Millimeter Stärke werden mit viskoelastischem Spezialkleber versehen und zunächst einmal in Form gepresst. Hernach kommt so eine Art „große Mikrowelle“ zum Einsatz, die den Klebstoff mit dem Holz zu einem Composit „verbackt“, das dem Vernehmen nach erstklassige Dämpfungseigenschaften besitzen soll. (Wen es genauer interessiert, der kann im Image-Filmchen zur Persona-Serie den Prozess nachverfolgen)

Presse bei der Arbeit an einem Paradigm-Persona-Lautsprechergehäuse

Presse bei der Arbeit an einem Paradigm-Persona-Lautsprechergehäuse

Übrigens: Die runde Form der Paradigm-Persona-Lautsprechergehäuse sieht nicht nur gut aus, sie sei auch in sich steifer als klassisch-viereckige Designs und lasse stehende Wellen im Inneren des Gehäuses kaum noch zu, so die Kanadier. Zwecks weiterer Resonanzminimierung kommt zudem ein versteifendes Gerüst ins Gehäuse der Persona 3F.

Versteifende Streben fürs Persona-Lautsprechergehäuse

Versteifende Streben für die Persona-Lautsprecher

Familienähnlichkeiten

Alle passiven Standmodelle der Persona-Serie – das Topmodell Persona 9F ist teilaktiv – sind Dreiwegler und besitzen die exakt gleichen Übergabepunkte, nämlich bei besagten 450 und bei 2400 Hertz, wo eine Trennung dritter Ordnung erfolgt. Die wesentlichen Unterschiede zwischen den Modellen liegen in der Bestückung und ihrer Größe: Während unser Proband für den Bassbereich zwei Siebenzöller mit Aluminiummembran in einem Volumen von gut 55 Litern einsetzt, sind es bei der lediglich sechs Zentimeter höher bauenden Persona 5F drei vom selben Typ.

Paradigms Persona-Serie. Links neben dem Subwoofer unser Proband, die Persona 3F

Paradigms Persona-Serie: Links neben dem Subwoofer steht die Persona 3F

Bei der Persona 7F werden dagegen zwei 8,5-Zoll-Woofer mit Doppelschwingspule verbaut – das Modell ist auch insgesamt ein anderes Kaliber, wiegt es doch fast das Doppelte der 3F und baut deutlich größer. Die edlen Beryllium-Treiber für den Hoch- und Mittelton sind bei allen Persona-Modellen aber die gleichen.

Klangeindruck & -vergleiche

So hübsch designt die Paradigm Persona 3F auch aussehen mag, man sollte nicht den Fehler begehen, sie vorschnell in die Schublade „Lifestyle-Lautsprecher“ zu stecken. Nicht mal die Aussage, sie spiele auf „recht“ audiophilem Niveau würde ich unterschreiben – sie definiert es für einen Lautsprecher dieser Klasse nämlich in Teilbereichen neu. Doch bevor mir hier vor Begeisterung die Pferde durchgehen, immer mal langsam und der Reihe nach.

Die Paradigm Persona 3F im Hörraum

Die Paradigm Persona 3F im Hörraum

Bühnenbild

Das erste, an das ich nach ein paar Takten Musik mit der Paradigm Persona 3F denken muss, sind Lautsprecher, bei denen besonderer Wert auf ein möglichst „totes“, also resonanzminimales Gehäuse gelegt wurde. Klar, dem (Marketing-)Papier nach legen gefühlt 95 % aller Lautsprecherhersteller ein solches Bekenntnis ab. Doch ich meine hier die „besonders schweigsamen“ Lautsprecher. Von Fischer & Fischer etwa, die mit den Schiefergehäusen, oder Audiograde, die Kunstbeton verwenden – BetonArt nimmt normalen, Wilson Audio dieses ominöse X-Material usw. Was solche Boxen meist auszeichnet, ist, dass sie eben nicht „boxy“ aufspielen, sondern die Musik sehr frei in den Raum stellen, dabei selbst akustisch verschwinden und das leicht diffus Nebelhafte auf der Bühne, das mit vielen Lautsprechern einhergeht, wegwischen.

Paradigm Persona 3F

Die Persona 3F marschiert genau in diese Richtung. Gut, eine Wilson Audio Sabrina (circa 20.000 Euro) konnte zudem noch plastischer und präziser abbilden – aber trotzdem: Das Bühnenbild der Kanadierin ist so klar, so transparent und deutlich, dass ich mich doch sehr wundere. Schließlich wird die Paradigm aus halbwegs normalem Holzwerkstoff gefertigt. Das mit dem Verpressen, Formen und dieser Mikrowelle scheint dann wohl doch einen Unterschied zu machen. Jedenfalls klingt die runde Paradigm nie nach „Kiste“, sondern frei, völlig unkoloriert und akkurat. Das ist mal ein Auftakt nach Maß.

Auflösung

totally-wired-iiMein zweiter Gedanke: Gibt‘s denn das? Ist hier etwa ein AMT, ein Bändchen verbaut worden? Veranstaltete man heiteres Treiber-Raten mit verbundenen Augen und spielte dabei obertonreiche Musik – eben darauf könnte man kommen. Das Auflösungsvermögen im tonalen Obergeschoss bis in höchste Höhen hinauf ist nicht weniger als famos. Hier wird unforciert, gleichwohl deutlich und gefühlt beliebig feingranular serviert. Beim Jazzstück „Tilldess“ vom The Ulf Sandberg Quartet (Album: Totally Wired II; auf Amazon) ist in der Bronzeabteilung des Schlagzeugs ein Sizzle-Becken am Start – mit der Persona 3F kann man die Nieten schwirren sehen! Okay, na gut, ein bisschen übertrieben formuliert vielleicht, aber fast …

Der Hochtöner der Pagadigm Persona 3F

Der Hochtöner der Pagadigm Persona 3F

Pegelseitig wird neutral durchgezogen: Weder muss die Paradigm lauter spielen, um Auflösung zu simulieren, noch leiser, um fehlende zu kaschieren beziehungsweise um das tolle Auflösungsvermögen des Tweeters pegelseitig ein wenig abzubremsen, damit der akustische Bruch zum Mitteltöner, der einen solchen Detaillierungsgrad meist nicht bieten kann, nicht allzu deutlich wird. Ein ganz entscheidender Unterschied zu vielen Boxen, die im Hochton auf Folientreiber setzen und weiter unten auf normale elektrodynamische Tauchspulen-Chassis.

In gewissen Preisklassen ist eine solche Pegelrücknahme auch ein völlig legitimer Trick, wie ich finde. Manch ein Hersteller kombiniert das dann mit einer Regelungsmöglichkeit im Hochton, sodass man nach persönlichem Hörgeschmack entscheiden kann – so beispielsweise der Direktvertriebler Saxx, dessen Clubsound CLX 4 der Kollege Jochen Reinecke jüngst zu Gast hatte. Was dann aber trotzdem bleibt, ist der Trade-off: Will ich’s pegelseitig linear und nehme dafür Abstriche in der B-Note in Form eines nicht 100%ig homogenen Übergangs zu den Mitten in Kauf – oder „homogenisiere“ ich diese Stelle und akzeptiere dafür einen etwas defensiveren Hochtonvortrag? Für eine Box, die knapp achtmal günstiger ist als unser heutiger Proband, geht ein solches Entweder/Oder in Ordnung. Ich habe das aber auch schon in ganz anderen Preisklassen erlebt. Doch um wieder auf unser Thema zurückzukommen: Ein solcher Trade-off existiert bei der Paradigm Persona 3F schlicht und ergreifend nicht. Mitten und Hochton sind eine bruchlose Einheit.

Und das liegt an diesem Hightech-Ding, diesem Beryllium-Mitteltöner. Der geht das Auflösungsvermögen der Kalotte einfach voll mit, als wäre es nix. Mit meiner Blumenhofer bin ich einen Lautsprecher gewöhnt, der doppelt so viel kostet – doch was den schieren Detaillierungsgrad im Mitten-/Hochtonband angeht zu meinem Bedauern nicht mehr bietet. Im Gegenteil, eher sehe ich leichte Vorteile bei der Paradigm. Komme man mir nicht damit, dass das bayrische Horn seine Haupttalente wohl woanders besitzt – klar, logisch. Aber das Auflösungsvermögen des Dickschiffs ist ebenfalls sehr gut. Doch wie auch immer, das der Paradigm Persona 3F ist besser.

O - Damien RiceZum einen manifestiert sich das in räumlicher Hinsicht – so werden beispielsweise die Streicher, die beim Song „Delicate“ von Damien Rice (Album: O; auf Amazon anhören) ins Klangbild hereinschweben, feiner modelliert und lokalisationsschärfer dargeboten, gleichwohl aber nicht zergliedert, sondern als Gruppe zusammengehalten. Zum anderen werden auch Textur und Timbre noch ein wenig genauer aufgedröselt. Was logischerweise auch die Stimmwiedergabe äußerst spannend gestaltet: Wer auf gut aufgenommene Frauenvocals steht, kriegt‘s mit der Paradigm intravenös verabreicht, noch jeder kleine Zwischenatmer, jedes Mini-Detail der Intonation wird kommentarfrei und ultra-transparent nachgezeichnet. Das ist der echte Stoff, ungeschminkt. Viel näher am Ton kann man kaum sein.

Lautsprecherterminal der Paradigm Persona 3F

Bi-Wiring-Terminal der Paradigm Persona 3F

Impulsiv

dee dee bridgewater - live at yoshisViel näher am Impuls allerdings auch nicht, was mich noch mehr begeistert: Ich höre Dee Dee Bridgewaters „Slow boat to China“ (Album: Live at Yoshis; auf Amazon anhören). Da gibt es als eine Art Startschuss für den Song dieses harte, perkussive Geräusch, das vermutlich daher rührt, dass ein Schellenkranz (oder was auch immer) angeschlagen wird. Die Paradigm knallt mir das derart filterfrei um die Ohren, dass ich es nicht fassen kann – und direkt meine Blumenhofer zum Quervergleich anschließe: Habe ich dieses „Klack!“ nur falsch im Kopf, habe ich vergessen, wie knallig das in dem Stück rüberkommt, ist das alles also doch nur Normalkost, was mir die Paradigm hier serviert? Nein – die horngestützte, auf Wirkungsgrad und dynamische Ansprache gezüchtete Genuin FS1 MK2 tischt mir das kein bisschen impulsiver auf als die Persona 3F. Mann, ich kann es wirklich nicht fassen, was soll das denn jetzt?! Das was die Kanadierin ab den Mitten aufwärts (fein)dynamisch leistet, ist für diese Preisklasse geradezu frech.

Standfüße und Spikes gehören zum Lieferumfang

Standfüße und Spikes gehören zum Lieferumfang

Und wie geben sich die Mitten tonal? So wie der Hochton, also linealglatt, monitoresk, neutral. Wer darauf wartet, dass Stimmen im Grundton leicht aufgesext werden, kann lange warten. Wer sich einen kleinen Extra-Spritzer im Präsenzbereich erhofft – dito. Wem also der Sinn nach solcherlei Dingen steht, muss einfach weiter vorne in der Kette Sounding betreiben. Ich beispielsweise habe auch einmal den Röhrenverstärker Unison Triode 25 angeschlossen und schon gab’s etwas mehr Schmelz und Brust bei Vocals, jedenfalls im Vergleich zu meiner „Straight Edge“-Kombi aus Octave-Vorstufe und Musical-Fidelity-Endstufe. Zudem wird das Klangbild dann wärmer und weicher im Bass, was aber ja nun auch keinen wirklich wundern wird.

Die Persona 3F arbeitet also nicht als „Tone Control“, sondern als ehrlicher Reporter, der die Qualität der Aufnahme und des vorgelagerten Equipments möglichst 1:1 wiedergeben möchte. Genau deshalb umgarnt sie den Hörer auch nicht mit bestimmten Klangfarben (was ja wohl meistens mit „roten“ meint, spricht mit wärmeren). Nein, sie fasziniert vielmehr mit ihrer ganz erstaunlichen Transparenz und Abgestuftheit, also damit, dass noch die allerkleinsten Farbschattierungen feinfühlig und differenziert aufgefächert werden, statt einfach den dicken Pinsel auszupacken und vollflächig zuzulangen. Überhaupt: Differenziertheit. Das ist wohl der Schlüsselbegriff, wenn es um die Paradigm Persona 3F geht.

Paradigm Persona 3F

Tiefes und Grobes

So auch im Bass. Konturiert, schön abgestuft und auch vom Timing her sehr gut ans Mittenband angebunden, überzeugen die Alu-Woofer mit ähnlichen Tugenden wie die Berylliumtreiber weiter oben. Es war bestimmt nicht leicht, die Persona 3F so abzustimmen. Denn wie ein Bändchen einem 08/15-Mitteltöner schnell mal davonlaufen kann, so kann auch der Paradigm-Hightech-Mitteltöner mit seinem fulminanten Auflösungsvermögen leicht manchem Tieftonabteil die Show stehen – was ebenfalls nicht homogen und konsistent klänge. Wenn es hier auch nur im Ansatz in Richtung „One-Note-Bass“ ginge, wäre das ganze Klangbild unausgegoren. Doch diese Gefahr besteht nicht, der Tiefton der Kanadierin ist von der impulsschnellen, strukturierten, wenngleich auch nicht knochentrockenen Sorte. Also Klasse statt einfach nur Masse.

Wobei das mit der „Masse“ für einen Lautsprecher dieser Größe und Bestückung in Ordnung geht und in seinem natürlichen Habitat – Räume so um die 25-30 qm – für eine tonal ausgeglichene, im besten Sinne neutrale Bassperformance sorgt, die auch hinreichend Tiefgang bietet. Sie wollen jetzt langsam mal ein „Aber“ hören? Okay: Aber fürs Geld lässt sich auch mehr, tieferer oder einfach nur anderer Bass einkaufen.

Eine preisgleiche Ascendo System F beispielsweise kann einiges mehr an Volumen und Tiefgang im Untergeschoss bieten, aber mit ihrem Bandpasssystem nicht so differenziert aufspielen wie die Kanadierin. Immer schön konturiert gibt sich dagegen eine Aktivbox wie die Dynaudio Focus 600XD (circa 10.000 Euro) und sorgt dabei ebenfalls für mehr Substanz und Tiefe. Aber wird mit ihr die „Farbechtheit“ bei einem gestrichenen Kontrabass – geschweige denn in den Oktaven darüber – genauso überzeugen wie mit unserer Probandin? Ich wage es zu bezweifeln. Drittes und letztes Beispiel: Wer auf diese besonders leichtfüßige, unmittelbare Note im Bass abfährt, die in der Regel nur mit viel Membranfläche zu realisieren ist, den könnte beispielsweise eine Dynamikks Monitor 8.12 (circa 10.000 Euro) glücklich machen – die dann aber nicht so viele Details zur Musik verrät wie die Paradigm und räumlich vergleichsweise wolkig bleibt.

Basstreiber der Persona 3F: Wer genau hinsieht, sieht die „geriffelte“ Sicke: Paradigm nennt dies „Active Ridge Technology“ – es soll dem Maximalhub wie der Verzerrungsarmut förderlich sein

Basstreiber der Persona 3F: Wer genau hinsieht, entdeckt die „geriffelte“ Sicke. Paradigm spricht hierbei von der „Active Ridge Technology“ – die soll dem Maximalhub wie der Verzerrungsarmut förderlich sein

Welches Klangbild einem zusagt, ist letztendlich immer Geschmackssache. Was sich aber auf jeden Fall sagen lässt: So wie die Paradigm Persona 3F „Bass macht“, passt es zu ihr: schnell, straff, tonal neutral – ohne Fett, aber auch ohne Schüchternheit. Wer mehr möchte, muss sich für einen größeren (oder aktiven) Lautsprecher entscheiden. Paradigm selbst bietet noch drei weitere Modelle über der 3F an, die sich vor allem in Sachen Basspotenz von ihr unterscheiden. Das dreimal so teure Topmodell Persona 9F kommt gleich mit vier 8,5-Zoll-Woofern und insgesamt 1.400 Watt Aktivpower pro Kanal plus dem Raumeinmess-System „ARC“ (Anthem Room Correction) – und dürfte, derart ausgestattet, wohl noch ein wenig mehr reißen.

Auch grobdynamisch geht die Persona 3F für ihre Größe erstaunlich handfest zur Sache. Je zwei untertassengroßen Basstreibern pro Kanal trau‘ ich gemeinhin weniger Kompetenz bei Großsignalangriffen zu. So kann man sich irren. Normalen Musikliebhabern in normalen Räumen mit normalem Musikgeschmack werden überhaupt nichts vermissen. Aber: Manche Lautsprecher, die darauf trainiert sind, wie die genannte Dynamikks oder eine Blumenhofer Genuin FS2 (circa 15.000 Euro), können diesbezüglich einfach noch mehr Pfund in die Waagschale werfen – und dafür nicht mit den anderen Pfunden der Paradigm wuchern. There is no such thing as a free lunch.

Test: Paradigm Persona 3F | Standlautsprecher

  1. 1 Selbst ist der Kanadier
  2. 2 Klangeindruck & -vergleiche
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