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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Gemischtes Doppel
  2. 2 Vincent DAC-700: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Vincent DAC-700

Sintron Distribution (www.vincent-tac.de) hat mit Vincent und T.A.C. (Tube Amp Company) zwei Marken im Programm, bei denen Röhren eine mehr oder weniger entscheidende Rolle spielen. Während man bei T.A.C. konsequenterweise ausschließlich auf Röhrenschaltungen setzt, stehen bei Vincent Transistor- und Hybridschaltungen im Vordergrund. Beim neuen Vincent DAC-700 (2.299 Euro) hat man nun die Wahl zwischen einer Transistor- und einer Röhrenausgangsstufe.

Meine persönliche Erfahrung mit den Marken beschränkt sich bisher auf den Röhrenvollverstärker T.A.C. V-88, den ich vor längerer Zeit testen durfte und der seitdem zu meinen persönlichen Benchmarks für absolut einnehmenden Röhrensound zählt.

Vincent DAC-700 in Schwarz, links angewinkelt

Der Top-D/A-Wandler von Vincent kommt mit zwei separaten Ausgangsstufen, eine davon ist mit FET-Transistoren, die andere mit Doppeltrioden vom Typ ECC82 bestückt. Beide sind symmetrisch aufgebaut

Der DAC-700 ist der Top-D/A-Wandler der Marke Vincent und gehört zur sogenannten TubeLine, der aktuellen Spitzen-Serie von Vincent. Die meisten der in der TubeLine angebotenen Geräte arbeiten mit Hybridtechnik, das heißt Röhren übernehmen die Aufbereitung der Spannung, im Ausgang arbeiten Transistoren. Da wäre anzunehmen, dass auch der DAC-700 mit einer Hybrid-Ausgangsstufe arbeitet. Doch weit gefehlt. Vincents neuer „Top oft the range“-DAC verfügt über zwei komplett voneinander unabhängige Ausgangsstufen, eine in Röhren- und eine in Transistor-Technik, zwischen denen sich umschalten lässt.

Während die Transistor-Ausgangsstufe mit Feldeffekt-Transistoren arbeitet, stecken im Röhren-Pendant zwei Doppel-Trioden des Typs 12AU7 (die Europäische Bezeichnung ist ECC82), die sehr häufig im HiFi- wie im Musiker-Bereich verwendet werden. Daneben gibt’s im DAC-700 noch einen weiteren Glaskolben, nämlich die 6Z4-Gleichrichterröhre.

Blick auf die beiden ECC82-Röhren in der Ausgangsstufe des Vincent DAC-700

Blick auf die ECC82-Röhren in der Ausgangsstufe des Vincent DAC-700

Davon abgesehen, das Röhren, wenn es sich nicht gerade um Leistungsröhren handelt, ewig halten, ist die Auswahl an verfügbarem Ersatz aktuell riesig. Das Angebot reicht von preiswerten Modellen aus China über hochgezüchtete Edel-Versionen bis hin zu NOS-Röhren (NOS = New Old Stock – unbenutzte Röhren aus alten Produktionen) von Siemens, Telefunken, Mullard und anderen traditionsreichen Herstellern, die es zum Großteil nicht mehr gibt. Auch wenn man Röhren seltener aus Verschleißgründen tauschen muss als gemeinhin angenommen wird, eröffnet sich hier doch ein schönes Spielfeld für Tuning-Versuche. Nicht, dass ich behaupten will, dass das nötig wäre. Aber es ist ja immer schön, wenn man ein paar Optionen hat, um den HiFi-Spieltrieb auszuleben.

Zur D/A-Wandlung setzt Vincent beim DAC-700 auf den Chip ES9038Q2M SABRE32 Reference, ein Low-Power-Stereo-Modell, das mit seinem geringen Stromverbrauch auch für den Einsatz in mobilen Geräten geeignet ist. Wenngleich es sich nicht um einen Chip aus der PRO-Serie von ESS handelt, wird der ES9038Q2M auch von anderen Herstellern gern in hochwertigen HiFi-DACs (und sogar im professionellen Studio-Umfeld) eingesetzt. Der gleiche Chip macht beispielsweise im Audio Analogue Pure AAdac (3.700 Euro) einen exzellenten Job.

Vincent DAC-700, rechts angewinkelt

Auf der Front des DAC-700 lässt sich der gewählte Eingang ablesen, die Ausgangsstufe umschalten – und ein Kopfhörer einstecken

Im Vincent DAC-700 verarbeitet der ESS-Chip, per USB mit Daten gefüttert, PCM-Daten bis 32 Bit/348 kHz und DSD512, über die anderen Digitaleingänge bis 24 Bit/192 kHz beziehungsweise DSD64. Die „anderen Digitaleingänge“ sind in diesem Fall zwei koaxiale S/PDIF-Schnittstellen, zwei Toslink-Buchsen sowie ein AES/EBU-Anschluss. Das ist üppig und ermöglicht es, neben Computer, Musikserver oder Streaming-Bridge weitere Digitalquellen anzuschließen. Koaxiale Eingänge sind verbreitet, um CD-Laufwerke anzudocken, Toslink ist in A/V-Umgebungen eine angesagte Schnittstelle und AES/EBU im professionellen Studio-Umfeld beliebt, das symmetrische Format findet sich aber auch an so manchem Highend-Gerät.

Wenn ich retrospektiv die DACs, die ich in den letzten Jahren testen durfte, Revue passieren lasse, kann ich die jeweiligen Hersteller grob in zwei Kategorien unterteilen. Die einen sehen ihre Kompetenzen mehr im Bereich der Digitaltechnik und schenken der analogen Ausgangsstufe weniger Aufmerksamkeit. Radikalster Vertreter dieser Kategorie dürfte der Ideon Audio Ayazi mk2 DAC (3.500 Euro) sein, der den eingesetzten DAC-Chip maximal ausreizt und dafür komplett auf eine dedizierte analoge Ausgangsstufe verzichtet – was der eingesetzte Chip in diesem Fall erlaubt. Die anderen setzen auf der digitalen Seite Standard-Lösungen ein – etwa die vom Hersteller des DAC-Chips vorgeschlagene Referenz-Schaltung –, und widmen dafür der analogen Ausgangsstufe erhöhte Aufmerksamkeit. Ein Beispiel hierfür wäre der bereits erwähnte AAdac. Natürlich gibt es auch Firmen, die „auf beiden Seiten arbeiten“. Hier fällt mir der Soulnote D-1N (5.990 Euro) ein, der sowohl auf der digitalen wie auf der analogen Ebene höchst eigene Wege geht, aber auch fast so viel kostet wie Ayazi und AAdac zusammen.

6Z4-Gleichrichterröhre im Vincent DAC-700

Der Hingucker auf der Front des DAC-700 ist das mittige Bullauge, durch das die Gleichrichterröhre – optional illuminiert – zu sehen ist

Gemäß diesem Schema würde ich den Vincent DAC-700 in die zweite Kategorie einordnen. Der ES9038Q2M ist eine hochwertige Lösung, die seitens des Herstellers leicht zu implementieren ist. Richtigen Aufwand betreibt Vincent aber bei den zwei symmetrisch ausgelegten Ausgangsstufen. Genau genommen bietet der Vincent DAC-700 sogar noch eine dritte: Dem Gerät wurde ein eigenständiger Kopfhörerverstärker spendiert. Auf der Front gibt es deshalb neben dem Powerknopf, einem Taster zur Eingangswahl und dem Schalter, mit dem man zwischen der FET- und der röhrenbestückten Ausgangsstufe umschalten kann, noch einen 6,3-mm-Kopfhöreranschluss nebst zugehörigem Pegelregler.

Auf der Rückseite des Vincent DAC-700 finden sich neben den digitalen Eingängen, dem Netzanschluss sowie je einem Paar Cinch- und XLR-Buchsen für den unsymmetrischen und symmetrischen Anschluss an den Verstärker noch zwei weitere Schalter. Der eine erlaubt es, die zusätzliche Beleuchtung der im Fenster auf der Front sichtbaren Gleichrichterröhre zu regeln beziehungsweise auszuschalten, der andere ermöglicht es, die automatische Abschaltung abzuschalten. Ist sie aktiviert, geht der DAC-700 nach 15 Minuten ohne Signal in den Standby.

Rückseite des Vincent DAC-700

Auf der Rückseite des Vincent DAC-700 befinden sich unter anderem ein symmetrischer Analogausgang und ein AES/EBU-Digitaleingang

Nett ist, dass dem Gerät eine hübsch gemachte Fernbedienung beiliegt. Wobei – mit dem schlanken Alu-Geber kann man lediglich die Wiedergabe stummschalten und zwischen den Eingängen switchen. Ich persönlich halte das nur für begrenzt sinnvoll. Stummschalten kann ich in den meisten Fällen schon den Verstärker, lautstärkeregeln lässt sich der DAC-700 nicht und den Eingang muss ich nur sehr selten wechseln, und wenn, dann stehe ich meist eh vor der Anlage, etwa um eine CD ins Laufwerk zu schieben. Wenn man dagegen vom Hörplatz aus zwischen der Röhren- und Transistor-Ausgangsstufe umschalten könnte … das wäre schon cool, geht aber leider nicht.

Die Fernbedienung des Vincent DAC-700

Die Fernbedienung des Vincent DAC-700

Vincent gehört zu den mittlerweile wenigen Herstellern, die nicht nur die passende Batterie für die Fernbedienung und ein Netzkabel, sondern sogar ein Cinchkabel, ein USB- und ein Toslink-Kabel in den Karton packen (und sogar noch eines für den Einschalt-Trigger, falls man die komplette Anlage zentral einschalten möchte). Das Cinchkabel ist deutlich hochwertiger, als ich es von einer „Beipackstrippe“ erwartet hätte. Auch wenn der ein oder andere vielleicht auf ein noch höherwertiges Kabel umsteigen möchte, ich finde es gut, dass man den DAC-700 so „out of the box“ in Betrieb nehmen kann.

Beipack-Cinchkabel des Vincent DAC-700

Das Beipack-Cinchkabel des Vincent DAC-700 wirkt wertiger als man gewohnt ist

Ich möchte noch kurz auf den exzellenten Aufbau des Vincent DAC-700 eingehen. Das Gehäuse an sich verzichtet zwar auf Materialschlachten wie zentimeterdicke Alu-Fronten – die des DAC-700 ist pragmatische sechs Millimeter stark –, guckt man jedoch ins Innere, muss man den Entwicklern ein dickes Lob aussprechen: Die einzelnen Funktionsgruppen – Netzteil, Digitalsektion und Ausgangsstufe – sind sauber voneinander getrennt und durch Blechwände abgeschirmt, das Netzteil wirkt reichlich überdimensioniert und die analoge Sektion hinsichtlich Aufbau und Bauteile-Auswahl wie aus dem Highend-Bilderbuch.

Der Vincent DAC-700 von innen

Der Vincent DAC-700 von innen: rechts das Netzteil, mittig die Digitalsektion, links die Ausgangsstufen

Vielleicht ist das Ganze ein bisschen old-fashioned – Wandler-Modelle erklärter Digital-Speziallisten setzen in der Regel auf hochintegrierte Bauteile und kürzeste Signalwege, oft findet sich in großen Gehäusen nur eine fast lächerlich kleine, aber eben hochintegrierte, komplexe Platine –, aber der Fokus liegt bei Vincent eben auf der analogen Seite. Ich bin mächtig gespannt, wie das klingt.

Der Transformator im Vincent DAC-700

Vincent DAC-700: Hörtest und Vergleiche

Billie Eilish When We All Fall Asleep, Where Do We Go? Schon mit den ersten Takten sammelt der Vincent DAC-700 Sympathiepunkte bei mir – zunächst über die FET-Ausgangsstufe. Die ordnet sich im Wesentlichen dem Neutralitätsgebot unter. Okay, es mag sein, dass der DAC-700 im Bass eine Nuance mehr Schub gibt. So höre ich mit Wonne den Basslauf von „Bad Guy“, dem Dauerbrenner von Billie Eilishs Debütalbum When We All Fall Asleep, Where Do We Go? Was die Sache so besonders macht, ist, dass man dem Bass im Studio wohl die Obertöne abgeschnitten hat, was dieses tiefe Schieben bewirkt. Und das kommt über den Vincent-DAC hervorragend rüber, ohne zu dick aufzutragen oder unkontrolliert zu wirken.

Neben dem Bass kann sich auch die Stimme Eilishs sehr gut entfalten. Der Vincent DAC-700 punktet mit einem wirklich guten Auflösungsvermögen. Das wird besonders im Präsenzbereich deutlich, den er klar, differenziert und dynamisch sauber abgestuft abbildet. Was die allerletzten Nuancen im Stimmbereich angeht, ginge vielleicht schon noch etwas mehr – allerdings nicht in diesem Preisbereich. Preisklassenbezogen spielt der Vincent-DAC auf einem hervorragenden Niveau. Mein RME ADI-DAC-2 FS (1.300 Euro + externes Linearnetzteil Keces P8, 800 Euro) löst nicht besser auf, wirkt aber etwas nüchterner. Dem Vincent gelingt eine griffigere, stärker involvierende Performance.

Vincent DAC-700 auf dem Rack im Hörraum

Im Hochton lässt der DAC-700 übrigens keine künstliche Zurückhaltung walten, ich empfinde ihn als ziemlich straight. Ich kann mir vorstellen, dass das mit Lautsprechern, die in diesem Frequenzbereich ebenfalls Ansagen machen, auch mal zu viel des Guten werden kann. Mit meiner Divine Acoustics Bellatrix ist das allerdings kein Problem, denn die gibt sich obenrum etwas defensiver.

Dynamik & Raum

Convergence Malia & Boris BlankDynamisch geht der Vincent DAC-700 gut nach vorne, er besitzt Spielfreude und kann einen mitreißen. „Turner’s ship“ auf dem Album Convergence von Malia & Boris Blank bietet ein breites Spektrum dynamischer Herausforderungen. Von den feinen, filigran flirrenden Rasseln des Intros über die facettenreichen Stimmen bis zu den beeindruckenden elektronischen Percussions. Der DAC-700 lässt keine Wünsche offen, spielt schnell, folgt feinen wie groben dynamischen Kapriolen mühelos und lässt mich die Musik intensiv erleben.

Auch die räumliche Abbildung gelingt ihm überzeugend, wobei er die Bühne recht klassisch an der Linie zwischen den Lautsprechern beginnen lässt. Man bleibt also in der Zuhörer-Perspektive und wird nicht mitten ins Geschehen gezogen. Was in den meisten Fällen genau richtig ist, dass ich eine stärker involvierende Räumlichkeit mag, ist mein persönliches Ding. Den Aufnahmeraum leuchtet der Vincent in seinen jeweiligen Dimensionen sauber aus und platziert die musikalischen Akteure klar und konkret ortbar. Das ist ziemlich gut, es gibt aber Geräte, denen das Ganze noch etwas plastischer und involvierender gelingt. Ich will ja gar nicht den in diesem Punkt unglaublichen Soulnote D-1N anführen, der eh in einer völlig anderen Preisklasse spielt; preisklassenbezogen bildet zum Beispiel ein SPL Diamond etwas plastisch-griffiger ab.

Vincent DAC-700 auf dem Rack, Frontseite

Die Röhrenausgangsstufe

Insgesamt bin ich von der „Transistor-Performance“ des Vincent sehr angetan – und da stelle ich mir natürlich die Frage, was die alternative Röhrenausgangsstufe zu bieten hat. Nach dem Umschalten bin ich zunächst enttäuscht. Nicht, weil es dramatisch anders wird, sondern im Gegenteil, weil sich erst einmal nichts Dramatisches tut. Ich hätte erwartet, dass Vincent es alternativ zur Transistor-Ausgangsstufe ordentlich röhren lässt. Aber nein. Die Unterschiede sind eher subtil.

Schalter auf der Front des Vincent DAC-700 zum Wechseln zwischen Röhren- und Transistor-Ausgangsstufe

Schalter auf der Front des Vincent DAC-700 zum Wechseln zwischen Röhren- und Transistor-Ausgangsstufe

Im Bass agiert die Röhrenausgangsstufe im Vergleich zur transistorisierten eine Nuance zurückhaltender, von der dezenten Betonung ist nichts mehr zu hören. Wobei die Röhren auch etwas weniger Kontrolle bieten und damit ein wenig weicher, geschmeidiger agieren. Der oben erwähnte Basslauf in „Bad Guy“ schiebt infolge dessen nicht ganz so eindrucksvoll, dieser „Röhren-Bass“ ist weniger für den harten Partybetrieb ausgelegt.

Art Blakey & The Jazz Messengers A Night In TunisiaPräsenz- und Höhenbereich scheinen mir im Vergleich zur Transistor-Ausgangsstufe etwas zurückgenommen zu sein. Zunächst frage ich mich, was diese Abstimmung soll – bis Art Blakey & The Jazz Messengers mit A Night In Tunisia auf der Playlist stehen. Die Aufnahme aus dem Jahr 1961 klingt über die Transistor-Ausgangsstufe so, wie ich es erwarte: Ein bisschen dumpf, der Bass grummelt saftig-sanft vor sich hin, Piano und Bläser bilden im Hintergrund ein schönes Ambiente, vor dem sich Arthur Blakey auf dem Schlagzeug austoben kann. Das nehme ich so lange wohlwollend zur Kenntnis, bis ich auf die Röhren umschalte. Hier blüht das Stück dann regelrecht auf, auf einmal rastet alles viel besser ein. Ich gebe zu, dass ich diesen Effekt gar nicht so genau in einzelne Aspekte aufdröseln kann.

Der sanftere Charakter der Röhrenausgangsstufe passt einfach hervorragend zu jazzigen Sachen, besonders zu alten Jazz-Aufnahmen, bei denen der Bass aufnahmeseitig oft ein bisschen aus dem Ruder läuft – der Vincent DAC-700 fängt das im Röhrenmodus auf, weil er die tiefen Lagen weniger in den Vordergrund stellt. Überhaupt klingt die Röhren-Ausgangsstufe zwar nicht unbedingt nach Röhrensound, doch im Vergleich zur Transistor-Ausgangsstufe irgendwie „gnädiger“. Sie vermittelt bei weniger guten Aufnahmen stärker beziehungsweise prangert Defizite nicht so gnadenlos an, die wie Transistor-Ausgangsstufe das tendenziell tut.

Blick auf den Vincent DAC-700 von der Seite, ohne Gehäusedeckel

Blechwände trennen beim Vincent DAC-700 die einzelnen Sektionen der Schaltung

Letztendlich bestätigt das meine Überzeugung, dass man Musik am besten über Elektronik hört, die der, mit der sie aufgenommen und abgemischt wurde, nahekommt – denn so gelangt man näher an das, was die Toningenieure damals hörten und mit ihrer Aufnahme erreichen wollten. Klar, niemand mit einem breit gestreuten Musikgeschmack wird Anlagen aus verschiedenen Dekaden vorhalten, um die jeweilige Musik mit der entsprechenden Technik wiedergeben zu können. Aber ich habe jetzt eine ziemlich gute Idee davon, welchen Sinn das mit den beiden Ausgangsstufen des Vincent DAC-700 hat.

Jedenfalls bleibe ich mit der Röhrenausgangsstufe ziemlich oft bei alten Jazz-Aufnahmen hängen. Billie Holiday, „The Lady“ Sings, eine von der Decca 1956 auf Schallplatte in Mono herausgebrachte Kompilation ihrer bekanntesten Stücke, überzeugt mich in digitaler Form auf der ganzen Linie. Nein, das spielt nicht auf dem Niveau heutiger Aufnahmen. Aber mit dem Vincent DAC-700 funktioniert es ganz wunderbar. Was mich fasziniert: Die Mono-Aufnahme entwickelt beim Hören über die Röhren eine regelrecht plastische Tiefe, die zwar kein Stereo ist, mich aber überrascht. Und das funktioniert hauptsächlich mit der Röhrenausgangsstufe so gut …

Testfazit: Vincent DAC-700

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust? Nein. Auch mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde hat der Vincent DAC-700 nichts am Hut. Die beiden Ausgangsstufen – Transistor und Röhre – stehen nicht für gegensätzliche Klangideale, sondern dienen dem gleichen Zweck: das Maximum aus den jeweiligen Aufnahmen herauszuholen.

Der Vincent DAC-700 von vorne

Die Transistor-Ausgangsstufe matcht dabei hervorragend mit modernen Aufnahmen, die mit hoher Auflösung und Dynamik daherkommen, perfekt produziert und abgemischt sind und eine schöne Räumlichkeit bieten. Mit ihr spricht der DAC-700 vor allem Hörer an, die einen etwas kräftigeren Farbauftrag, gute Auflösung und temperamentvolle Dynamik verlangen.

Als echten Geheimtipp würde ich den DAC-700 zudem für Liebhaber älterer Aufnahmen bezeichnen. Hier gibt es mittlerweile ein breites und hochwertiges Angebot, und zu meiner großen Freude hat sich der Trend, diese Aufnahmen mit allen Mitteln der digitalen Technik zu „remastern“, gelegt. Viele dieser Aufnahmen haben in ihrer ursprünglichen Form einen ganz eigenen, sehr einnehmenden Character. Und um den zu entdecken und zu genießen, ist die Röhren-Ausgangsstufe des Vincent DAC-700 wie geschaffen.

Der Vincent DAC-700 …

  • bietet grundsätzlich eine balancierte Tonalität, wobei er über die Transistor-Ausgangsstufe tendenziell etwas sonorer klingt, kräftigere Klangfarben zeichnet und Bass- wie Präsenzbereich leicht akzentuiert. Über die Röhren-Ausgangsstufe wirkt er etwas verhaltener, zeigt aber Talente, die besonders alte Aufnahmen regelrecht aufblühen lassen.
  • liefert über die Transistor-Ausgangsstufe einen etwas kräftiger gehaltenen, straff-federnden Bass, über die Röhren-Ausgangsstufe hält er sich dagegen ganz leicht zurück und wirkt weicher.
  • macht über die Transistor-Ausgangsstufe in den Höhen eine klare, bisweilen auch sehr deutliche Ansage. Per Röhre wirkt der Hochton etwas sanfter, seidiger und ein wenig eleganter.
  • löst für seine Preisklasse wirklich gut auf, was über beide Ausgangsstufen gleichermaßen nachzuvollziehen ist. Teurere DACs können in dieser Disziplin freilich noch einmal (deutlich) zulegen.
  • spielt schön dynamisch und reißt einen mit, über die Transistor-Ausgangsstufe noch etwas mehr als via Röhre. Das feindynamische Differenzierungsvermögen liegt bei beiden Ausgangsstufen auf einem ähnlich hohen Niveau.
  • zeichnet Bühnenräume sauber gemäß der jeweiligen Aufnahme in Breite und Tiefe nach und platziert die musikalischen Akteure exakt. Insgesamt präsentiert er eine „klassisch“ präzise Raumabbildung, bei der die Bühne an der Grundlinie zwischen den Lautsprechern beginnt.
  • kommt mit einer umfangreichen Ausstattung, zu der unter anderem sechs digitale Eingänge, symmetrische wie unsymmetrische Line-Ausgänge und ein Kopfhörerverstärker gehören.
  • wird mit viel Zubehör geliefert und ist piekfeinen aufgebaut.

Fakten:

  • Produkt: Vincent DAC-700
  • Kategorie: D/A-Wandler
  • Preis: 2.299 Euro
  • Maße & Gewicht: 430 x 360 x 95 mm (BxTxH); 6,9 kg
  • Farben: Front in Schwarz oder Silber, Body schwarz
  • Eingänge: 1 x USB, 2 x Toslink, 2 x S/PDIF koaxial, 1 x AES/EBU
  • Ausgänge: 1 x XLR/symmetrisch, 1 x Cinch/unsymmetrisch, 1 x 6,3-mm-Stereo-Klinkenbuchse (Kopfhörer)
  • Sonstiges: Fernbedienung, alle benötigten Kabel im Lieferumfang
  • Garantie: 5 Jahre
  • Weitere Informationen auf der Seite des Vertriebs

Vertrieb:

Sintron Distribution GmbH
Südring 14 | 76473 Iffezheim
Telefon: +49(0)7229–182931
E-Mail: info@sintron.de
Web: https://www.vincent-tac.de/

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Electrocompaniet

Test: Vincent DAC-700 | D/A-Wandler

  1. 1 Gemischtes Doppel
  2. 2 Vincent DAC-700: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Vincent DAC-700

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: RME ADI-2 DAC FS (mit AKM-Chip) Musikserver: Antipodes S40

Vollverstärker: Audio Analogue ABsolute S

Lautsprecher: Divine Acoustics Bellatrix, JBL 4305P

Kopfhörer: Campfire Equinox, Pioneer SE Monitor5, Austrian Audio Hi-X65

Kopfhörerverstärker: SPL Crimson 3 (Audio-Interface), RME ADI-2 DAC FS (mit AKM-Chip)

Kabel: Lautsprecherkabel: Cardas Clear Light NF-Kabel: Cardas Clear Light Digitalkabel: Audioquest Coffee

Rack: Horns EX

Zubehör: Stromfilter: Audes ST-3000 Sonstiges: Netzteil (für DAC, Musikserver): Keces P8

Sonstiges: Raumakustikelemente von Vicoustic

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 17 m² Höhe: 2,6 m

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