Demnächst im Test:

Billboard
Transrotor

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Wegweisend?
  2. 2 Rotel Michi P5 und S5: Klangtest & Vergleiche

Dass Rotel seine Flaggschiffverstärker nach meinem alten Kumpel aus Unna benennt, finde ich nett. Darauf ein Hövels. Aber nicht doch … was sehe ich gerade? „Michi“ stammt aus dem Japanischen, lese ich auf der Herstellerpage, und bedeutet „Weg“. Okay, dieser ist dann aber kein leichter: Sind doch schlappe 60 und noch einmal 23 Kilogramm vom Händler in Richtung Rack zu wuppen, wenn man sich für den Stereo-Endverstärker Rotel Michi S5 sowie die DAC-bewehrte Stereo-Vorstufe Rotel Michi P5 entscheidet (3.499 & 5.999 Euro | https://www.gute-anlage.de/). Darauf dann ein erfrischendes Gläschen Wasser.

Sehen und fühlen

Befreit man die Verstärker zuhause aus ihren Kartons, könnte einem allerdings schon wieder nach einem eher feierlichen Getränk zumute sein. Was Rotel hier verarbeitungsseitig auffährt, mutet ebenso schlicht wie wertig wie luxuriös an. Die abgerundeten Kantenverläufe der Gehäuse geben den Michis optisch etwas angenehm Organisches, die mit Glas (kein Plastik) geschmückten Fronten etwas Glamouröses. Zusammen mit dem klar abbildenden Display, das noch eine gewisse „Tekkie-Note“ beisteuert, ergibt sich ein Design, das mir außerordentlich gut gefällt. Schade, dass die Rotel Michi auch wegen ihrer spiegelnden Glasfronten so schlecht zu fotografieren sind, live machen sie – insbesondere mit aktivierten Displays – noch mehr her.

Rotel Michi S5 Endverstärker- VU-Meter

Spieglein, Spieglein an den Michis …

Apropos Display: Die Ablesbarkeit der (dimmbaren und deaktivierbaren) Displays sowie die Bedienerführung insbesondere der featurereichen Vorstufe – Endstufen sind ja naturgemäß selbsterklärend – sind absolut vorbildlich. Allein die Eingangswahl mit klassischem Rädchen und digitaler Steuerung ist ein Genuss. Klar, mit der beiliegenden Metallfernbedienung geht das natürlich auch. So oder so bekommt man dabei eine „sprechende“, scrollbare Liste zu wählender Eingänge angezeigt, die auch aus drei Metern noch okay zu erkennen ist. Ebenso simpel wie übersichtlich und natürlich alles andere als noch nie dagewesen, aber komischerweise bei Hifi-Geräten leider selten zu sehen.

Rotel Michi P5 Vorstufe - Eingangswahl

Vorbildlich komfortabel: die Eingangswahl bei der Rotel Michi P5

Ob digitale und analoge Ein-/Ausgänge, das rhodiumbeschichtete Lautsprecherterminal oder die Schalter – alles wirkt mechanisch so robust und wertig, wie man es sich im Grunde nur wünschen kann. Positiv ins Ohr fällt der Klopftest der Gehäusedeckel: kein Klappern oder blechernes Schwingen, sondern ein trocken-dunkles „Tock“. Löblich, denn die Wirkung von Gehäuseresonanzen auf den Klang ist selbst bei reinen Elektronikkomponenten nicht zu unterschätzen.

Rotel Michi - Fernbedienung

Die Metallfernbedienungen sind bei den Rotel Michi löblicherweise mal nicht als dicke Klopper ausgeführt und liegen angenehm in der Hand. Michi P5 und Michi S5 liegen jeweils identische Modelle bei. Cool: Ein Knopfdruck reicht, um beide Amps zu aktivieren. Nebenwirkung: Ein Druck auf „Setup“ und man wühlt synchron in zwei Menüs

Woher? Und wenn ja, wie viele?

Rotel Michi S5 Endverstärker - Spektrum Analyzer

Der Stereo-Endverstärker Rotel Michi S5 mit eingeschaltetem Display. Neben dem Spectrum Analyzer kann man auch ein VU-Meter zappeln lassen.

Ja, ich bin in Sachen Verarbeitung so ziemlich angetan, höchstens bei den Spaltmaßen der Gehäuse gibt es hier und da noch Luft. China hin oder her: Rotel muss hier wirklich mit hohen Stückzahlen kalkulieren, denn selbst, wenn die Michi-Verstärker je Gerät in der >10k-Euro-Klasse zuhause wären, ginge die Verarbeitung als standesgemäß durch. Gefertigt werden die Rotel Michi übrigens in der südchinesischen, knapp über anderthalb Millionen Einwohner zählenden Stadt Zhuhai. Rotel wurde zwar vor über 55 Jahren in Japan gegründet und ist nach wie vor ein familiengeführtes Unternehmen – in nunmehr dritter Generation –, gleichwohl entschied man sich bereits 2005 für ein neues eigenes Werk in der Sonderwirtschaftszone Zhuhai und verlagerte entsprechend den Produktionsstandort. Das Flaggschiffprojekt Michi habe drei Jahre Entwicklungszeit verschlungen, ist vom deutschen Vertrieb, der B&W Group, zu hören. Ob künftig weitere Geräte die Serie bereichern werden, neben unseren Probanden gibt’s aktuell nur noch die Monos M8, will oder kann man noch nicht verraten. Man dürfe laut Vertrieb aber „auf jeden Fall weiter gespannt sein“.

Lassen wir uns derweil von unseren beiden Gästen in Spannung halten und schauen uns zunächst die Vorstufe an:

Fett Features: Rotel Michi P5

Rotel Michi P5 Vorstufe - Glasfront

Die Rotel Michi P5 kommt sowohl mit integriertem DAC als auch Phonoteil (MM/MC)

„Mit wem ich auch immer in Kontakt treten soll … ich bin dabei!“, würde die Michi P5 wohl sagen, könnte sie sprechen. Analog hinein und hinaus geht es jeweils sowohl via Cinch als auch XLR, digital per RCA oder Toslink. Ja, genau, die P5 hat sogar digitale Ausgänge an Bord. Hinzu gesellen sich eingangsseitig Bluetooth (AAC, apt-X) und USB-B, wobei bei letzterem im Menü der P5 zwischen den Standards 1.0 und 2.0 gewählt werden kann. USB 1.0 funktioniert auch an Windowsrechnern treiberlos, ist aber auf 96 kHz Auflösung limitiert. Mit Treiberinstallation geht’s per 2.0 dann hoch hinaus bis 384 kHz oder DSD 128.

Rotel Michi P5 Vorstufe - Anschlüsse auf der Rückseite

Die rückseitigen Anschlussfelder der Rotel Michi P5

Die darüber hinaus vorzufindende USB-A-Schnittstelle ist ein reiner „Powerport“ mit 5-Volt-Versorgunsgspannung – etwa für einen kleinen Netzwerkplayer. Denn Streamen kann die P5 tatsächlich nicht, die „Network“-Buchse dient ausschließlich Software-Updates oder der Integration der Michi-Kombi in Automatisierungssysteme. Analog ist sie dafür bei Kopfhörern (6,35 mm Klinke) und Subwoofern (2 x Mono-RCA für 2 Subs) wieder voll dabei. Und selbstredend bei Plattenspielern (Phono MM & MC).

Bei aller Liebe fürs Analoge: Die Lautstärkeregelung der Rotel Michi P5 erfolgt gleichlaufpräzise digital. 17 unabhängige Spannungsregler kümmern sich um sämtliche digitale wie analoge Schaltungen, die von zwei, so Rotel, „extra für die P5 entwickelten“ Ringkerntransformatoren gespeist werden, welche wiederum von Glättungskondensatoren von BHC mit besonders niedrigen Verlustwiderständen (Equivalent Series Resistance) flankiert werden. Die vier britischen Kondensatoren vereinen 188000 μF Gesamtkapazität – für eine Vorstufe ist das durchaus reichlich.

Kraftwerksbesichtigung: Rotel Michi S5

Rotel Michi S5 Stereo-Endverstärker - Rückseite Anschlüsse

Die Rückseite des Rotel Michi S5

„Was auch immer für Lautsprecher du wie laut hören willst … ich bin dabei“, könnte der Michi S5 zu einem sagen. Und das absolut begründet: 2 x 800 Watt (4 Ohm) beziehungsweise 2 x 500 Watt (8 Ohm) pro Kanal sind jedenfalls eine Ansage und bringen nicht zuletzt auch meine sehr pegelfesten, aber nicht eben wirkungsgradstarken Sehring S903 spielend locker an ihre Grenzen. Eine nebst Überspannungsschutz parallel zum Audiosignal arbeitende thermische Schutzschaltung sorgt im unwahrscheinlichen Fall der Fälle dennoch für Sicherheit. Zuvor würden noch die integrierten, rückseitig abblasenden Lüfter anspringen. Deren Aktivierung mir aber beim besten Willen nicht gelingt, über „handwarm“ reicht die Fieberkurve des S5 nie hinaus. Und dem zuständigen deutschen B&W-Vertrieb offensichtlich ebenfalls nicht: „Einen genauen Temperaturbereich, bei dem die sehr leisen Lüfter einsetzen, kann ich Ihnen nicht nennen. Auch bei Vorführungen mit hohen Pegeln konnten wir diese bis jetzt nicht zum Anspringen bewegen“, so Product Manager Jens Duvendack.

Rotel Michi S5 Stereo-Endverstärker - Ventilatoren

Kaum zur Arbeit zu bewegen: die Lüfter des Rotel Michi S5

Je Kanal bringen unter anderem ein 1100-VA-Ringkerntrafo – ja, der S5 ist in „echtem“ Doppelmono gehalten – sowie 16 Hochleistungstransistoren die abgerufene Leistung an die massiven, rhodiumbeschichteten Lautsprecherklemmen. Wer will, kann dem Amp beim Arbeiten zusehen: Das ausgesprochen ästhetisch gestaltete und wie gesagt gut ablesbare Display liefert auf Knopfdruck ein VU-Meter, einen Spectrum Analyzer (8er- oder 12er-Skalierung) und die Arbeitstemperatur je Kanal. Oder schiere Schwärze – denn deaktivierbar ist das Display natürlich auch.

Rotel Michi S5 Stereo-Endverstärker - Innenaufnahme Technik

Unter der Haube: Rotel Michi S5

Apropos deaktivierbar: Mit Blick auf die Ausgangsleistungsangaben und die Class-AB-Doppelmonoschaltung empfinde ich die gemessenen 125 Watt, die sich der Rotel Michi S5 im Leerlauf genehmigt, zwar durchaus noch als rechtschaffen, gleichwohl muss man seinen Energieversorger ja nicht unnötig subventionieren: Die „Auto Power Off“-Funktion sorgt dafür, dass sich der Endverstärker nach einer gewissen Zeit (wählbar zwischen 20 Minuten und 12 Stunden in fünf Schritten) ohne Audioeingangssignal in den Standby (<1 Watt) versetzt.

Für solch ein Nickerchen haben wir jetzt aber keine Zeit – lassen wir die Kombi vielmehr endlich zeigen, was sie im Hörraum kann …

Rotel Michi P5 und S5: Klangtest & Vergleiche

Rotel Michi P5 und S5 Verstärker von hinten

Häufig ist die Meinung zu hören, dass es ratsam sei, bei der Wahl der Elektronikkomponenten einheitlich auf einen Hersteller zu setzen. Optische Belange mal außen vor – klanglich gehen meine Erfahrungen eher in die andere Richtung, verstärkt sich doch in vielen Fällen der „Hausklang“ eines Herstellers, es tönt tendenziöser. Was nicht schlecht sein muss, aber man sollte dann eben auch schon so etwas wie ein ausgewiesener „Hausfreund“ sein.

Im Folgenden möchte ich der Vorstufe und dem Endverstärker zunächst einzeln auf den Zahn fühlen – und mit dem Endverstärker Rotel Michi S5 beginnen.

Rotel Michi S5

Famoses Farbenspiel

Der S5 bekam etwa eine Woche Einspielzeit. Die man ihm auch gönnen sollte, während der ersten Tage empfand ich das Gehörte als einen Tick verrundet, Struktur und Definition nehmen über die Zeit dann peu à peu zu.

Stig Nilsson - Solo +Eine Eigenschaft, die mir nichtsdestotrotz von Anbeginn sehr angenehm ins Ohr fiel und mich, wie es der Zufall so will, an den noch ofenwarmen Test der Sehring S903 erinnert, ist die besondere Reinheit, die gefühlte Schwärze zwischen den abgebildeten Instrumenten und Stimmen. Was unter anderem zu einem ganz vorzüglichen Differenzierungsvermögen im Mittenbereich führt. Ob infernalischer Post-Metal (Isis / Panopticon), puristisch-akustische Musik (Stig Nilsson / Solo +; auf Amazon anhören) oder pulsierende Electronica (L’Ombre ‎/ Simulations 1.0):

Die Art und Weise, wie sich der gegrowlte Gesang Aaron Turners vom verzerrten, dichten Gitarrenteppich abhebt, die Violine Stig Nilssons ebenso einsam wie klar im Raum schwebt oder Impulse und Geräusche aus allen Richtungen hypnotisch auf einen einprasseln, gerät dem S5 absolut faszinierend. Klangfarblich extrem überzeugend, schlichtweg „echt“ kontrastiert, muten die dadurch bestens definierten Musikereignisse fast automatisch auch vorbildlich plastisch an.

On Stage

Rotel Michi S5 Endverstärker - Display VU-Meter

Der Rotel Michi S5 mit aktiviertem VU-Meter

Wo wir uns schon mit einem Bein im Thema „Räumlichkeit“ befinden, ziehen wir das zweite doch gleich nach: Denn neben der Klangfarbenkontrastierung hat der Rotel Michi S5 ein unglaublich gutes Händchen für die unmissverständliche Verortung und „Greifbarkeit“ von Instrumenten. Und ist dabei nicht mal von besonders guten Aufnahmequalitäten abhängig. Denn selbst bei den fast 40 Jahre alten, eher schroff aufgenommenen Frühwerken von Clock DVA (Advantage, Anspieltipp: „Eternity in Paris“), die erst später zu reinen Elektronikern wurden, virtualisieren Bass, Schlagzeug, Gitarre und Saxophon einen involvierend-realistischen, großzügigen Raum, in dem der eigentlich nicht richtig singen könnende, aber sehr charismatisch-prägnant tönende Sänger Adi Newton die unmissverständlich zentrale Rolle spielt – auch räumlich.

Erster Vergleich

Zeit für einen ersten Vergleich. Bei dem ich schon etwas höher ins Regal greifen muss. Im Hinblick auf die genannten Kriterien bekommen sogar meine hochgeschätzten, ebenfalls ausnehmend klangfarbenrein und plastisch agierenden Bryston 7B³ ernsthafte Konkurrenz. Fast etwas enttäuscht muss ich konstatieren, dass den Kanadiern die Kontraste zwischen Instrumenten und den umliegenden „schwarzem Freiräumen“ sowie den Instrumenten selbst nicht ganz so akkurat gelingen. Damit einhergehend hat der Rotel Michi S5 auch in Sachen Plastizität um ein, zwei Haaresbreiten die Nase vorn. „Der König ist tot, lange lebe der König“, bin ich fast versucht zu rufen, aber …

… meine Bryston-Monos haben eine besondere Stärke, die ihnen beim bisher Gesagten womöglich ungerechterweise zum Nachteil gereicht: Nämlich einen nach oben hin fast nicht enden wollenden, herrlich luftigen Superhochtonbereich. Der hörpsychologisch – mit echten Verzerrungen hat das übrigens nichts zu tun, im Gegenteil – aber auch eine leichte Diffusität, Nebeligkeit wäre schon ein zu starkes Wort, suggerieren kann. Es tummeln sich unterschwellig, ohne, dass man es am Kriterium Auflösung festmachen könnte, einfach mehr Informationen, mehr „Schwebeteilchen“ im Klangbild der 7B³, die automatisch ein bisserl von der schönen Schwärze rauben.

Rotel Michi S5 Stereo-Endverstärker - VU-Meter makro

Superb subtil

„Aha, der S5 ist obenrum also stumpf wie Omas Brotmesser?“, höre ich Sie verschreckt fragen. „Nein“ lautet die eindeutige Antwort. Zwar haben ihm seine Erbauer tonal eine subtile Dezenz im Hochton mit auf den Weg gegeben, gleichwohl fällt diese vor allen Dingen im direkten Vergleich mit Amps wie dem Bryston 7B³ ins Ohr, die in dieser Sache quasi eine Benchmark definieren. Wie mir umgekehrt der „Mangel an Schwärze“ meiner Monos ebenfalls erst im Vergleich mit Verstärkern wie dem Rotel Michi S5 auffällt. By the way: Ich würde den S5 sogar als eine Spur hochtonoffener einschätzen als beispielsweise den sportlich-dynamischen, mit dem „fairaudio’s favourite“-Award prämierten Abacus Ampollo oder den kultiviert-geschmeidigen Meridian 857 Reference.

Bei alledem darf sich unser Michi auch die Abzeichen „Hochauflöser“ und „Feindynamiker“ ans Revers heften. Dazu verhelfen ihm die beschriebene Reinheit und der Umstand, dass er trotz minimal abgedimmten Hochtons alles andere als ein Weichzeichner ist: Selbst die subtilen, fast unmerklichen Sechzehntel-Schläge der elektronischen Hi-Hat in Clock DVAs „Final Program“ (1991 sind Clock DVA dann bereits reine „Elektroniker“) bringen die S5 ebenso unmissverständlich (nur leicht dunkler) aufs Tapet wie meine hochtransparenten Bryston. Selbst, dass die Hi-Hat stärker auf den linken Kanal gemischt wurde und rechts nur ein abgeschwächter „Schatten“ unterwegs ist, macht der S5 hörbar. Allerdings ist das sowohl auf dem Rotel als auch auf meinen Bryston schon echt nerdige Konzentrationsarbeit …

Handfest

Rotel Michi S5 Stereo-Endverstärker - Lautsprecheranschlüsse

Wenden wir uns lieber handfesten Dingen zu: Denn aller Auflösungskunst zum Trotz zählt der Rotel Michi S5 auch „über alles“ gehört – einschließlich seines stämmigen Tieftonbereichs, auf den wir gleich noch zu sprechen kommen – zu den auf der leicht warmen Seite von neutral zu verortenden Amps. Und ist damit wohl genau so temperiert, wie sich dass das Gros der Audiophilen wünscht. Obwohl ich selbst eher eine minimal schlanke Ausrichtung bevorzuge, zieht mich der sonore, vollmundige Einschlag der Mittenwiedergabe des S5 ebenfalls in seinen Bann: Die beschriebene klangfarbliche Reinheit und räumlich saubere Differenzierung von Stimmen/Instrumenten rühren zusammen mit der gehaltvollen Tonalität eine Mischung an, die ebenso präzise wie sinnlich anmutet. Respekt.

Kode9 & the Spaceape - Black SunHandfest geht’s auch tieftonseitig zur Sache. Dass der S5 mit seinen 2 x 500 Watt ordentlich Bass in den Hörraum schaufeln kann und auch bei heftigsten, sustainreichen Tieftonimpulsen wie etwa vom Album Black Sun von Kode 9 & The Spaceape (auf Amazon anhören) mühelos-souverän klingt, kann man sich denken und ist mit ein Grund, warum man solche Endverstärkerwuchtbrummen seine Rackplatten verformen lässt.

Meine Bryston vollbringen das Kunststück „heftig“ und „leichtfüßig“ gleichzeitig klingen zu können, was ich sehr schätze, dem einen oder anderen aber auch schon wieder zu wenig „pfundig“ anmuten mag. Der Abacus Ampollo ist untenrum ebenfalls etwas trockener, sportlicher unterwegs als der S5, der Meridian 857 Reference hingegen etwas weicher. Mithin reiht sich der S5 tieftonseitig wohl am stärksten in die Tradition großer Endverstärker ein und tönt bassseitig nahezu klassisch druckvoll und stämmig, ohne auffallend ins „Zackige“ einerseits oder „Runde“ andererseits zu driften.

Rotel Michi P5

Rotel Michi P5 Vorstufe - PC USB

Nomen est omen – geht die Vorstufe Rotel Michi P5 den gleichen Weg wie ihr endverstärkender Kollege? (J)ein. Eine tonal etwas wärmere Ausrichtung, kernige Grobdynamik und klare Klangfarben darf auch sie sich auf die Fahne schreiben. Bei meinen Hörversuchen habe ich die P5 und den S5 im Verbund gehört, aber freilich auch jeweils mit meinen Arbeitsgeräten kombiniert: Mein Eindruck ist, dass die P5 in Sachen Bassdruck noch eine weitere kleine Schippe drauflegt und in den oberen Lagen nicht ganz die Finesse des formidablen S5 erreicht, der hier durchlässiger anmutet. Das alles gilt jedenfalls, sofern man die Rotel Michi P5 digital via USB (ich hatte „2.0“ im Menü angewählt) ansteuert. Denn interessanterweise erhält man bei analoger Ansteuerung (benutzt hatte ich den CD-Cincheingang) eine anders ausfallende Klangsignatur: Der Hochton klingt merklich offener und luftiger, der Bass zurückgenommener. Es ergibt sich eher ein neutrales bis schon ganz leicht ins Sachliche tendierendes Klangbild. Die P5 lässt ihrem Eigner also durchaus Freiraum zum Experimentieren.

Rotel Michi P5 Vorstufe - Setup

Billboard
Blumenhofer Acoustics

Test: Rotel Michi P5 und Rotel Michi S5 | Vor- und Endverstärker

  1. 1 Wegweisend?
  2. 2 Rotel Michi P5 und S5: Klangtest & Vergleiche

Das könnte Sie interessieren: