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Hörgenuss

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Alarmstufe Rot
  2. 2 Orbid Sound Prospero: Klangeindruck und Vergleiche

„Wunschfarbe?“ – „Irgendwas, was knallt!“ – „Kriegen wir hin.“

Zwei Wochen nach diesem Dialog steht sie da, Orbid Sounds neueste Entwicklung, die Prospero: in Feuerrot, schön mit Alu-Zierringen und den „guten Schuhen“, sprich aluverblendeten Kunstkoralle-Füßchen. Macht optisch ordentlich Alarm, die kleine Standbox.

Orbid Sound Prospero in Rot

Feuermelder: Die Orbid Sound Prospero lässt sich in sämtlichen RAL-Farbtönen ordern

Das ist das Schöne, wenn man seine Lautsprecher bei einer Manufaktur bestellt – man kann sie den eigenen Wünschen gemäß ordern. Bei den Baden-Württembergern sind gegen geringen Aufpreis sämtliche RAL-Farbtöne im Programm. Okay, die meisten werden wohl eh zu gedeckten Tönen wie Weiß, Schwarz oder Hellgrau tendieren, aber wer sich etwas Flamboyantes in die gute Stube stellen möchte, dem werden bei Orbid jedenfalls keine Hindernisse in den Weg gelegt.

Konzept & Technik

Die Orbid Sound Prospero (Paarpreis ab 1.780 Euro; Testmuster: 2.210 Euro) ist lediglich 80 Zentimeter groß, was für eine Standbox als überschaubar gelten darf. Das Besondere: Trotz der geringen Höhe kommt sie im Bass ganz „oldschool“ mit einem 10-Zöller des Weges. Entsprechend ist es mit der Slim-line-Front auch nichts geworden, sie ist 29 Zentimeter breit, und in der Tiefe legt die Orbid noch einmal vier Zentimeter drauf.

10-Zoll-Woofer der Orbid Sound Prospero

Die Orbid Sound Prospero kommt mit einem 10-Zoll-Woofer

Ihre circa 50 Liter Volumen stehen im Wesentlichen dem Woofer zur Verfügung, einem Modell des spanischen Herstellers Beyma, von dem auch Hoch- und Mitteltöner bezogen werden. Der Treiber besitzt eine relativ weich aufgehängte Papiermembran, die Orbid-Entwickler Daniel Beyersdorffer weiter modifiziert und mit einer neuen, beschichteten Staubschutzkappe versehen hat.

Im Innern des aus 19 Millimeter starken und vorgeblich besonders harten MDF-Platten gefertigten Lautsprechergehäuses gibt es ein separates Volumen für den Mitteltöner. Gewünschter Nebeneffekt dieser 2,5-Liter-Kammer: Sie stabilisiert den Lautsprecher zusätzlich. Ihr Hauptzweck liegt freilich darin, den 6,5-Zöller vor den vom Basstreiber erzeugten „Druckwellen“ zu schützen. Der Mitteltöner wurde von Beyersdorffer ebenfalls mit einer neuen Staubschutzkappe ausgestattet. Als Dritter im Bunde bestellt ein Ringradiator mit Aluminiummembran und vorgelagertem Waveguide den Hochton.

Hochtöner der Orbid Prospero

Als Hochtöner kommt bei der Orbid Prospero ein Ringradiator mit Aluminiummembran und vorgelagertem Waveguide zum Einsatz

Die Frage nach den genauen Trennfrequenzen des Dreiwege-Lautsprechers will man bei Orbid Sound nicht beantworten und weist stattdessen darauf hin, dass im Hoch- und Tiefton ein „symmetrisches Weichenlayout“ eingesetzt werde – hierbei ordnet man die Bauteile auf der Plus- und der Minus-Seite statt „einseitig“ an – und die Trennung recht flach erfolge. Für die Frequenzweiche kommen ausschließlich Mundorf-Bauteile zum Einsatz, erfahre ich noch.

Mitteltöner der Orbid Prospero

Wie beim Basstreiber wurde auch der Mitteltöner mit einer neuen Staubschutzkappe versehen

Bei der Innenverkabelung vertraut man dagegen auf Sommer Cable, und natürlich verlöte man im Innern alles. Was so natürlich gar nicht ist, vertrauen viele Hersteller aus produktionstechnischen Gründen doch auf Steckverbindungen, was der Kontaktqualität – insbesondere auf längere Sicht – nicht zuträglich ist, um es höflich zu sagen. Löblich, dass Orbid Sound es anders macht.

Orbid Sound Prospero: Klangeindruck und Vergleiche

Nach gebührender Einspielzeit höre ich ein paar Alben durch – und schnell ist klar, dass die Prospero von der Grundausrichtung ziemlich genau zwischen den beiden Orbid-Modellen liegt, die ich zuletzt getestet habe. Ja, stimmt, die Orbid Nandur löst noch feiner auf und vermittelt einen tieferen Raumeindruck, und richtig, die Mini Galaxis V geht noch dynamischer zu Werke. Man kann das aber auch anders formulieren: Orbids Prospero kickt mehr als die Nandur, ist aber nicht ganz so krass drauf wie die Mini Galaxis. Und was wir nicht vergessen wollen: Sie kostet nicht halb so viel wie die Vorgenannten. Das lässt sich schon mal gut an.

Orbid Sound Prospero in Schwarz

Im Standardfarbton Schwarz wirkt die Orbid natürlich deutlich dezenter

Erwartungen und Erfahrungen

Mit welcher Erwartungshaltung begegnet man einem Lautsprecher von Orbid Sound? Zwei Dinge kommen mir in den Sinn: Er wird bestimmt dynamisch-lebendig zur Sache gehen – und tonal eher auf der schlank-knackigen Seite liegen. Was an sich ganz gut zusammenpasst, es sei denn, man hört von Haus aus etwas karger abgestimmte Aufnahmen, dann kann’s auch mal etwas ungemütlich werden.

Meine tonale Erwartung wird von der Orbid Prospero nicht erfüllt. Zwar ist sie weit entfernt davon, sonor-gemütlich aufzuspielen, doch wegen des durchaus kräftigen Tieftons wirkt sie insgesamt ziemlich balanciert und nicht wirklich schlank. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass sie im mittleren und oberen Bassbereich sogar ein Jota drauflegt; im Grundton ist davon schon wieder nichts zu spüren. Wie ich auf diese Idee komme? Nun, ein Leonard Cohen beispielsweise singt keinesfalls mit breiterer Brust als sowieso schon – doch wechsele ich zu Electronica mit ordentlich Action im Untergeschoss, staune ich nicht schlecht, was das 80-cm-Böxchen an Druck vermittelt. Da ist ein Augenzwinkern mit dabei: „Komm‘, lass‘ mal Spaß haben …“ Klar, warum nicht? Doch gleichzeitig verstellt diese Power im Midbass nicht den Blick nach oben oder unten: Die Mitten wirken fast schon clean, und wie tief sich in den Basskeller „hinunterhören“ lässt, ist angesichts von Größe und Preisklasse richtig, richtig gut.

Orbid Sound Prospero - von oben, schwarzer Hintergrund

Was allerdings nicht schaden kann, ist, wenn der antreibende Verstärker etwas Kontrolle mitbringt, denn von Haus aus geben sich die unteren Lagen zwar schon strukturiert, aber eher halb- als knochentrocken. Ein tolles Match ergab sich zusammen mit dem kleinen Verstärker Abacus Ampino 15 – im Zusammenspiel wirkt die Bassperformance klasse ausbalanciert: Weder zu trocken-kontrolliert, Kontrabässe und die linke Seite des Klaviers klingen glaubwürdig und nicht unnötig gebremst oder gar beschnitten, aber gleichzeitig kontrolliert genug, sodass Subbass-Eskapaden nicht von einem allzu lässigen Oberbass akustisch verdeckt werden (etwa bei einschlägigen Alben von James Blake, The XX, Massive Attack etc.).

 Joanna Newsom The Milk Eyed MenderDer Mittelton kommt dabei schön ausgeglichen, was am straighten Grundton liegt, aber auch daran, dass diese kleine Präsenzbetonung, die Orbid-Speaker bisweilen mitbringen, bei der Prospero kaum auszumachen ist. Als Nagelprobe kann Joanna Newsom durchgehen (Album: The Milk-Eyed Mender; auf Amazon anhören): Die Stimme der schönen New-Folk-Harfenistin ist per se schon quengelig genug, mit einem Schuss mehr in den Präsenzen kann es zu viel werden. Wird es mit der Orbid Prospero aber nicht. Das klingt so, wie es sein soll – fordernd, nicht folternd. (Okay, manche können Newsoms Kinderstimme generell nicht ertragen, aber das ist ein anderes Thema.). Was aber nicht heißt, dass es obenherum bedeckt zuginge. Nein, oberhalb des Präsenzbereichs, so ab den mittleren und bis hinauf in höchste Höhen legt die Prospero nämlich wieder ein Jota drauf. Weshalb die hohen Töne der Harfe extraluftig im Raum flirren, dito die Diskantsaiten eines Klaviers oder die Beckenarbeit eines Schlagzeugers. Die Orbid arbeitet mit einer Prise mehr Air, was ihr einen sehr offenen und – nun ja – luftigen Eindruck verschafft.

Soap and Skins NarrowAlso: Die neue Orbid wirkt tonal ausgeglichen, besitzt aber ein klein wenig mehr Pep im Bass und in den Höhen. Das passt gut zum „Orbid-Klischee“ Nummer 2, das sie im Gegensatz zum tonalen auch erfüllt: Dynamisch geht es mit ihr tatsächlich ordentlich zur Sache. Schon feindynamisch ist sie gut, wobei das in dieser Preisklasse nicht so erstaunlich wirkt. Doch je größer der Pegelsprung, so scheint es, desto mehr kommt sie in Fahrt. Wenn Anja Plaschg bei Soap&Skins „Vater“ (Album: Narrow; auf Amazon anhören) zur Mitte des Stücks forcierter in die Klaviatur greift, frag ich mich, wo dieser Stumpen von einem Lautsprecher eigentlich die Verve hernimmt, mit der er das Drama in den Raum beamt. Echt nicht übel. Die Grobdynamik gehört angesichts von Größe und Konzept definitiv zu den Stärken dieser Box. Doch noch wichtiger als das scheint mir die grundsätzlich sehr flotte Gangart zu sein, mit der die Prospero Musik vermittelt. Alles Transiente, alle Impulse wirken über sie sehr plötzlich und direkt, sie ist stets auf dem Sprung. Je lebendiger die Musik, desto besser spielt sie dieses Talent natürlich aus, für getragene Orgelwerke kann man auch was anderes nehmen …

Orbid Prospero in Rot

Insgesamt legt die Prospero also – wie eingangs angedeutet – im Bass und was die Dynamik betrifft kecker los als die teurere, allerdings auch mit „audiophileren“ Tugenden wie Auflösung, Raum, Feindynamik gesegnete Nandur (5.400 Euro). Und die mit Horn und vier Woofern ausgestattete Mini Galaxis V (4.800 Euro) ist dynamisch noch mal eine andere Liga, logisch. Aber nicht nur optisch, auch tonal dürfte die Prospero mehrheitsfähiger als die discotaugliche Galaktische sein.

Raumdarstellung

Ganz so deutlich nach vorne wie mit der Mini Galaxis geht’s mit der Prospero nicht. Doch im Vergleich zu „normalen“ Lautsprechern ist das immer noch eine offensive Bühnendarstellung, die Musik traut sich Richtung Hörer und klebt nicht reserviert auf der Grundlinie – oder gar dahinter. Dieser Drang nach vorne unterstützt den dynamischen Auftritt der kleinen Orbid. Positiv rechne ich ihr auch an, dass sie die Musik jenseits der seitlichen Begrenzungen der Boxen spielen lassen kann, wenn die Aufnahme es hergibt. Ein wenig ist es so, dass der virtuelle Bühnenraum, in dem die Musiker sich bewegen, trichterförmig nach vorn projiziert wird. Gibt man mit der Lautstärke ein bisschen Gas, umfängt einen die Musik geradezu. Ich mag das.

Single-Wire-Lautsprecherterminal der Orbid Prospero

Die Orbid Prospero kommt mit einem Single-Wire-Lautsprecherterminal

Eine Tiefenstaffelung lässt sich auch erleben – nämlich ab der imaginären Vorderkante des Bühnenraums bis ungefähr zur hinteren, echten Boxenkante. Noch weiter weg ist dann nicht mehr viel los. Erwähnte Nandur bietet da klar mehr. Und auch zum gleichen Preis lassen sich Boxen finden, die tiefer staffeln. Wenn Sie beispielsweise 2.000 Euro in eine kompakte Dynaudio investieren, werden Sie nach hinten raus was anderes erleben, auch die Abbildung wird präziser und randschärfer – die Prospero geht hier ein wenig weicher, üppiger vor – und die Staffelung insgesamt akkurater erscheinen. Dafür geht’s dann nicht mehr so involvierend auf einen zu, dynamisch und im Bass müssen Abstriche gemacht werden und pegelfester wird die Orbid sein. Es sind eben zwei ganz unterschiedliche Klang-Philosophien.

Auflösung

Beim Auflösungsvermögen muss man differenzieren – und zwar nach Frequenzbereichen.

Im wichtigen Mittenband sortiert sich die knuffige Orbid sauber in die Preisklasse ein. So klingen Stimmen detailreich, offen, aber nicht spitz. Räumlich ist man ja eh nah dran – siehe oben –, aber auch sonst herrscht der Eindruck von „Nähe“ vor, kein Schleier trübt die Sicht aufs Geschehen. Wobei hier vielleicht auch die trickreiche tonale Abstimmung mit hineinspielt. Jedenfalls ist mir aufgefallen, das knorrig-brüchige Stimmen – etwa Cohen, Cash, Lanegan – eine klitzekleine Spur „extrabrüchig“ rüberkommen, so als werde ganz leicht aufs Stimmorgan gezoomt. Ich vermute, dass sich hier auch die Prise mehr Hochton bemerkbar macht. Das Gelungene daran: Diese Mischung klingt „besonders charaktervoll“, aber nicht harsch. 100 % reine Lehre ist das nicht, aber doch recht smart beziehungsweise interessant austariert.

Bassreflexkanal der Orbid Sound Prospero

Der Bassreflexkanal der Orbid Sound Prospero befindet sich auf der Front ganz unten

Im Hochton ist der Detaillierungsgrad nicht so hoch wie in den mittleren Lagen. Sie lieben die feinseidige Textur, die Dynaudios Esotar-Kalotten eigen ist, um mal wieder die Dänen ins Spiel zu bringen? Nun, ganz so feingranular liefert die Orbid Prospero nicht ab, und sie kommt auch nicht an gut gemachte, AMT-bewährte Lautsprecher wie etwa die aus der Clubsound-Serie von Saxx heran. Man sieht ihr das aber gern nach, denn die Höhen haben bei ihr halt die Funktion, ein offenes und lebendig-impulsives Klangbild zu unterstützen – und nicht die Reiskörner im Shaker hinten-links einzeln durchzuzählen. Und auch wenn die analytische Kompetenz in diesem Frequenzbereich nicht die allerhöchste ist, Artefakte trägt die Orbid nicht ins Klangbild.

Optionaler Standfuß der Orbid Prospero

Diese aluminiumverblendeten, auf der Unterseite mit Gleitfilz versehenen Kunstkoralle-Standfüße lassen sich bei Orbid für 120 Euro pro Boxenpaar optional dazu bestellen

Richtung Tiefton wird es mit der Auflösung dagegen immer besser, und hier schließt sich der Kreis zum eingangs Gesagten. Tief, konturiert und durchgestuft, aber nicht starr. Ordentlich Kraft, doch fern von tumbem Geballer – ja, der Bass der Orbid Prospero spricht mich an. Und das eben auch qualitativ. Für die Preisliga und vor allem angesichts der überschaubaren Größe der Box geht er als Stärke durch.

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Test: Orbid Sound Prospero | Standlautsprecher

  1. 1 Alarmstufe Rot
  2. 2 Orbid Sound Prospero: Klangeindruck und Vergleiche

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