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Test: Arcam FMJ G A39 | Vollverstärker

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  1. 1 Test: Arcam FMJ G A39 | Vollverstärker

Februar 2015 / Martin Mertens

A, B, C, D, G? Das Alphabet geht anders. Eine Tonfolge? Ok, bei der Notation schreibt der Rest der Welt ja B statt H wie wir Europäer, aber auch die Tonfolge A – H – C – D – G ist ziemlich sinnfrei. Eine Tonleiter ist’s nicht, Intervall oder Akkord auch nicht wirklich. Nein, es handelt sich um die Aufzählung von Verstärker-Klassifizierungen.

Die ersten, mit Röhren aufgebauten Verstärker liefen im Class-A Betrieb. Class-A-Verstärker verbrauchen viel Energie und produzieren massig Abwärme, arbeiten aber sehr linear, sprich verzerrungsarm – zumindest, solange die eingesetzten Röhren oder Transistoren in ihrem „Wohlfühlbereich“ eingesetzt werden. Mit der Aufteilung des Musiksignals in zwei Halbwellen wurde Class-B möglich, wobei man bei Audioschaltungen noch immer einen mehr oder weniger ausgeprägten Class-A-Anteil beibehält, um die sogenannten Übernahmeverzerrungen in den Griff zu bekommen. Bis heute arbeiten die meisten HiFi-Verstärker im Class-AB-Betrieb, der effizienter als reines Class-A und verzerrungsärmer als eine reine Class-B-Verstärkung ist. Class-C ist sehr effizient, für HiFi-Verstärker aber nicht relevant, weil man hier die Verzerrungen nicht auf ein für die Audiowiedergabe brauchbares Niveau bekommt (die Hochfrequenztechnik ist ein Einsatzfeld). Auch die extrem effiziente Class-D, die sogenannte Pulsweitenmodulation, galt lange als nicht HiFi-tauglich. Das hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert, aber so ganz unumstritten sind diese Verstärker immer noch nicht. Und jetzt kommt Arcam gleich mit Class-G. Wenn’s nicht Arcam (Web: www.arcam.de) wäre – ich würd’s als Marketing-Masche abtun.

Arcam FMJ G A39

Mit den Geräten der FMJ-Serie (FMJ steht für „Faithfull Musical Joy“) pflegt man bei Arcam neben verschiedenen anderen Produktlinien weiter „klassische“ HiFi-Produkte. Die Verstärker heißen meist einfach nur „A“, gefolgt von einer Zahl. Das erste Produkt der 1976 gegründeten Firma A&R Cambridge, für die das Akronym ARCAM steht, war der Vollverstärker A60. Auf die neue Class-G-Schaltungstechnik ist man aber offensichtlich so stolz, dass das „G“ in die Modellbezeichnung eingeflossen ist. Daher heißt unser Kandidat nun FMJ G A39. Ebenfalls neu ist das größere Modell FMJ G A49. Aber was steckt nun hinter Class-G?

Blick auf die Endtransistoren des Arcam
Blick auf die Endtransistoren des Arcam

Nun, im Prinzip ein herkömmliches Class-AB-Design, das durch einen Trick fast den Wirkungsgrad eines Class-D-Verstärkers erreichen soll. Der Trick ist, dass der eingesetzte AB-Verstärker für eine hohe Leistung ausgelegt ist, aber im Regelfall mit einer niedrigen Versorgungsspannung läuft. Das spart Energie und verursacht nur geringe Abwärme. Allerdings käme der Verstärker leistungsmäßig schnell an seine Grenzen. Deshalb hat ein Class-G-Verstärker eine Art Turbo-Netzteil – eine zweite Stromschiene mit integrierter Umschalttechnik. Sobald mehr Leistung verlangt wird, wird auf die höhere Betriebsspannung gewechselt und der Verstärker kann seine volle Leistung bereitstellen. Wird die Leistung nicht mehr benötigt, schaltet der Verstärker zurück auf den an Energie und Abwärme armen Level. Die Kunst dabei ist, dass diese Schaltung sehr schnell sein muss, damit kein „Turbo-Loch“ entsteht, der Verstärker also unmittelbar und verzögerungsfrei Leistung liefert, wenn sie gefordert wird. Das sei mit neusten, extrem schnellen Schaltern möglich, so der Hersteller. Bei Arcam hat man mit dieser Technik schon bei den AV-Receivern 600 und 750 Erfahrung gesammelt, bevor man sie nun in HiFi-Verstärkern einsetzt.

Trafo des Arcam

Während es bei den AV-Receivern wohl vornehmlich darum geht, in der drangvollen Enge, die in solchen Geräten meist herrscht, möglichst wenig Platz für Kühlkörper zu benötigen, dürfte der Grund, die Class-G-Technik bei den neuen Stereo-Verstärkern einzusetzen, ein anderer sein. Über allen Geräten der Unterhaltungselektronik schwebt das Damoklesschwert der EU-Ökodesign-Richtlinie. Und auch wenn die noch keine verbindlichen Richtwerte für den erlaubten Energieverbrauch von Audioverstärkern hervorgebracht hat, ist mit Blick auf andere Produktbereiche abzusehen, dass hier alles auf einen Selbstregulierungsmechanismus hinauslaufen wird. Will sagen: Man verpflichtet die Hersteller energiesparende Technologien zu entwickeln und einzusetzen und erklärt das jeweils technisch Machbare zum Maß der Dinge. So muss man keine konkreten Zahlen ins Gesetz schreiben, die irgendwann veraltet sind. Bei Audioverstärkern sieht es so aus, als ob Class-D die Maßstäbe setzen wird. Anthony Michaelson von Musical Fidelity hat aus diesem Grund bereits die Produktion seiner Class-A-Verstärker eingestellt. Da ist es sehr klug von Arcam, bei den neuen Amps gleich auf eine energiesparende Technologie zu setzen.

Arcam FMJ G A39

Zurück zum Arcam FMJ G A39. Auf der Rückseite des Geräts finden sich sieben Eingänge inklusive eines Phono-MM-Eingangs. Der lässt der sich übrigens auch zum Line-Eingang umprogrammieren, falls man doch lieber auf einen externen Phono-Entzerrer/Vorverstärker zurückgreifen will oder eine weitere Hochpegelquelle anschließen möchte.

Phonoeingang des Arcam

Daneben gibt es einzeln schaltbare Ausgänge für zwei Lautsprecherpaare oder den Bi-Wiring-Betrieb eines Lautsprecherpaares, einen Vorverstärkerausgang fürs Bi-Amping oder wann sonst man eben noch einen geregelten Ausgang benötigt (etwa zum Ansteuern eines Subwoofers), einen Rec-Out-Ausgang und sogar eine USB-A-Schnittstelle. Die nimmt allerdings keine Musikdaten in digitaler Form entgegen – einen eingebauten DAC besitzt der G A39 nicht, dann wär’s vermutlich auch ein USB-B-Anschluss. Falls erforderlich, können hier aber Aktualisierungen der Software des Arcam vorgenommen werden.

USB-Buchse für Software-Aktualisierungen

Die USB-A-Schnittstelle kann aber auch zur Stromversorgung eines mobilen Zuspielers, etwa eines Tablet-PCs oder eines Smartphones, herangezogen werden. Passenderweise gibt es auf der Front einen achten Eingang in Form einer 3,5-mm-Stereoklinkenbuchse, sodass man vorne etwa das Smartphone als Zuspieler anschließen kann. Daneben gibt es eine zweite 3,5-mm-Klinkenbuchse zum Anschluss eines Kopfhörers.

Klinkenbuchsen auf der Front des Arcam

Wenn der Arcam für Softwareaktualisierungen gerüstet ist, gibt’s auch eine mikroprozessorgesteuerte Bedienung. Die ermöglicht es, alle Funktionen bequem über Drucktasten zu bedienen – sowohl über die beiliegende Fernbedienung, die auch als Systemfernbedienung für andere Arcam-Geräte dient, als auch auf der Gerätefront. Hier wird die Lautstärke dann stilecht über einen als Drehknopf ausgeführten Impulsgeber geregelt. Über den aktuell gewählten Eingang sowie die eigestellte Lautstärke informiert ein in sympathischem Grün leuchtendes Punktmatrixdisplay, das auch bei ein paar weiteren Einstellungen, etwa bei der Balance, die notwendigen Informationen anzeigt und sich auf Wunsch dimmen oder ausschalten lässt. Fehlt was? Ok, symmetrische Anschlüsse gibt es erst beim größeren Modell Arcam FMJ G A49.

Arcam FMJ G A39 von oben
Der Arcam FMJ G A39 von oben

Beeindruckt bin ich von der Verarbeitungsqualität des Arcam. Zwar wirkt er wie alle Geräte der FMJ-Serie schlicht, bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass dahinter alles andere als Sparsamkeit steckt. So ist die leicht gerundete Front eben nicht einfach ein gebogenes Stück Alu-Blech, sondern besteht offensichtlich aus einem eigenen Strang-Profil oder wurde in Form gefräst, denn ihre Materialstärke nimmt nach oben hin ab. Und dass die Front mal nicht zentimeterdick ist, halte ich für Understatement. Denn ein Blick ins Innere zeigt nicht zuletzt einen beeindruckend mächtigen Ringkern-Transformator. Also nix Sparbrötchen. Zwei Lüfter stellen sich im Innern des Arcam dem vor ihnen aufragenden Kühlkörper entgegen. Das ist konsequent. Warum sollte man immense Kühlkörper einbauen, wenn der Verstärker dank Class-G die meiste Zeit eh auf kleiner Flamme arbeitet? Und sollte es mal heiß her gehen, herrschen garantiert Lautstärken, bei denen man so kleine Lüfter eh nicht mehr hört.

Zwei Lüfter sorgen im Fall der Fälle für Frischluft
Zwei Lüfter sorgen im Fall der Fälle für Frischluftzufuhr

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