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Klang Arcam FMJ G A39 (Teil 1)

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  1. 2 Klang Arcam FMJ G A39 (Teil 1)

Ich gebe zu, ein bisschen Bammel habe ich immer, wenn ich Komponenten teste, die preislich unter meinen vertrauten Arcam FMJ G A39Spielzeugen liegen. Ob ich mich auf das „Downsizing“ meiner Anlage einlassen kann? Wird es weh tun? Oder werde ich mich sehr anstrengen müssen, um überhaupt einen Unterschied zu hören? Also bin ich skeptisch, als ich mein Class-A-Monster Musical Fidelity AMS 35i gegen den Class-G Arcam FMJ G A39 austausche, der gerade mal ein Viertel (!) des Musical Fidelity kostet.

Doch der Arcam macht es mir leicht. Er versucht erst gar nicht, mit dem Musical Fidelity in seinen Paradedisziplinen zu konkurrieren, sondern setzt eigene Akzente. Das beginnt gleich im Bass. Ich sollte vorwegschicken, dass der Musical Fidelity weder ein Leistungsriese (2 x 35 Watt/8 Ohm) noch ein Kontrollfreak ist. Dafür besitzt er ein unglaubliches Differenzierungsvermögen und schafft es, feinste Klangfarbennuancen abzubilden. Das hat allerdings zur Folge, dass der „Farbauftrag“ insgesamt gerne etwas kräftiger ausfällt, auch in den tiefsten Registern. Sprich: Er tendiert im Bass zu einer gewissen Opulenz. Das hält der Arcam schon mal ganz anders.

Ich bin davon überzeugt, dass er, während er bei mir zu Gast ist, nur selten seinen Class-G-Turbo anwerfen muss. Immerhin kann der harmlos wirkende Verstärker angeblich bis zu 240 Watt an Solace von Sarah Mclachlanvier Ohm mobilisieren. Aber schon im Normalbetrieb hält er die Tieftöner meiner Geithain ME150 klar an der kurzen Leine. Will sagen: Bässe klingen schlanker, trockener und akzentuierter als ich es gewohnt bin. Das kommt in manchen Fällen sehr gut. Das Album Solace von Sarah Mclachlan ist nicht schlecht produziert, doch offensichtlich eher für den Konsum über mittelprächtige Anlagen abgemischt. Der Bass-Boost ist bei der Aufnahme quasi gleich eingebaut, sodass ich zum Beispiel „Into the Fire“ über meine gewohnte Kette gar nicht hören mag, weil es bei dem Titel in den unteren Lagen einfach nur noch schiebt. Der Arcam hält die tiefen Töne im Zaum, sodass der Bass zwar alles andere als unterpräsentiert ist, die Tendenz zum Dröhnen, die der Musical Fidelity entwickelt, ist jedoch nicht da. Auch die fetten Riddims Seeedvon Seeed (Album: New Dubby Conquerors), die offenhörbar größtenteils synthetischen Ursprungs sind, stellt der Arcam souverän in den Raum, lässt das Ganze aber nicht ausufern. Passt und macht Spaß. Wobei ich hier manchmal doch den fetteren Groove des Musical Fidelity vermisse. Der bietet vor allem den natürlichen Klangfarben akustischer Instrumente mehr Entfaltungsmöglichkeiten und arbeitet mehr Details heraus. Ok, irgendwo darf sich der vierfache Preis ja bemerkbar machen. Je nach Aufnahme und Musik überzeugt der Arcam im Tiefton aber mindestens genauso. Das ist auf jeden Fall eine souveräne und rundum überzeugende Vorstellung.

Trafo des Arcam

Live at Yoshis von Dee Dee BridgewateAuch in den Mitten gibt sich der Arcam A39 eher ehrlich-präzise, aber ganz bestimmt nicht ohne Reize. Im direkten Vergleich zum Musical Fidelity ist das eher Bauhaus statt Barock, um es mal etwas überspitzt zu formulieren. Beginnen wir mit Stimmen. Auf dem von mir gerne zum Hörcheck herangezogenen Album Live at Yoshis von Dee Dee Bridgewater, bringt der Arcam Ordnung in die auf der Aufnahme gut eingefangene, recht dichte Live-Atmosphäre. Das kostet ein bisschen von der Energie, vor der die Aufnahme aber eh strotzt. Insgesamt fühle ich mich mit dem Arcam stärker Feist, The Reminderüber den Kopf angesprochen als über den Bauch, wie ich es bei dieser Aufnahme gewohnt bin. Alles in allem funktioniert das prächtig. Ein Wechsel zu Feist, The Reminder, zeigt, dass die fragile, zerbrechliche Stimme von Leslie Feist etwas besser zum Charakter des A39 passt. Selten habe ich so genau auf die Texte gehört und mich von den musikalischen Arrangements einfangen lassen.

Test: Arcam FMJ G A39 | Vollverstärker

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