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Norddeutsche HiFi-Tage

Tracey Thorn | Tinsel and Lights

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Tracey Thorn | Tinsel and Lights

Diese Ausgabe unserer Musik-Kolumne enthält acht neue Platten von folgenden Künstlern: Binoculers | David Helbock | Samuel Rohrer | Zodiak Trio | [re:jazz] | Skye | Tracey Thorn | La Fons

[re:jazz] | Kaleidoscope

[re:jazz] Kaleidoscope

Rückblende. Neunzehnhunderachtundneunzig war ein gutes Jahr. Privat ebenso wie musikalisch, wobei das eine schwer vom anderen zu trennen ist. Ich groovte auf den allerletzten Ausläufern der Acid-Jazz- und Retro-Funk-Welle, hörte Galliano, Bootsy Collins, Guru, Incognito, Soul II Soul – und immer wieder die Brand New Heavies mit ihrer grandiosen Sängerin N’Dea Davenport, die nach ihrem Ausscheiden aus der Band gerade ihr erstes Soloalbum veröffentlicht hat, dessen Singleauskopplung „Bring It On“ bei mir rauf und runter lief. Ein rauschender Song, eine rauschende Zeit!

Und dann legt man vierzehn Jahre später nichtsahnend die neue [re:jazz] ein. Nach nur drei Sekunden ist man wieder mitten drin in Achtundneunzig – nur mit dem Wissen und den Erfahrungen von heute. Im Grunde ist das der alte Menschheitstraum, der hier dank der Stimme N’Dea Davenports wahr wird, denn keine Geringere gastiert auf dem Opener „Don’t Push Your Luck“: Eine Instant-Verjüngung um fast fünfzehn Jahre unter Bewahrung des gereiften Wissensstandes. So also würde Acid Jazz heute klingen, wäre er von seinem Erfinder Gilles Peterson angesichts der Vielzahl von kommerziellen Epigonen – die Berliner Zeitung sprach in diesem Zusammenhang gar „Von der stilvollen Stillosigkeit eines Trends“ – nicht bald wieder für tot erklärt worden.

[re:jazz] | Kaleidoscope 1

Mit „Kaleidoscope“ der [re:jazz]-Jazzer um Matthias Vogt begegnet uns der zeitgenössische Wiedergänger des Acid Jazz; denn auch der zweite Track „Wonders of the World“ scheint aus einer längst vergangenen Groove-Epoche zu stammen, in der Drum&Bass sowie diverse Hop- und -Step-Arten noch nicht die Clubs dieser Welt dominierten. Auch Sängerin Mediha, die nach dem Ausscheiden von Inga Lühning zu [re:jazz] gestoßen ist, lässt hier einen lange nicht mehr gehörten Gesangsstil erklingen, der in seiner Smoothheit an die schmeichelnden Vocals einer Hinda Hicks erinnert – aber eben auch ein bisschen an Michael Jackson in seinen besten Zeiten, einen weiblichen Michael Jackson wohlgemerkt, der von Michael Miller auf seinem geslappten Bass begleitet wird. Gekrönt wird das Ganze von einem klassischen Neunzigerjahresaxophonsolo. Kein Wunder, dass es [re:jazz] gelingt, den Hörer musikalisch in eine komplett andere Zeit zu versetzen; und das nicht auf eine allenfalls liebenswerte, aber eigentlich doch eher schrullig altmodische Weise, sondern als angenehmen Anachronismus.

Das ambitionierte „The Prodigy“-Cover „Voodoo People“ knüpft an das Grundprinzip der zehnjährigen [re:jazz]-Geschichte an, nämlich aus elektronischen Originalen akustische Cover im Jazzgewand zu machen; und in der Tat ist die [re:jazz]-Version mit ihrer tausendfüßigen Beinchenflöte etwas weniger nervig als das Prodigy-Original, während „It’s All Good“ mit dem Darmstädter NuJazz-Duo Nekta, das mir schon von seinen eigenen Platten her sympathisch ist, dank seiner leicht angezerrten Vocals auf der aktuellen Electro-Swing-Welle zu schwimmen scheint. Auch Künstler aus dem Independent-Acid-Funk-Soul-Umfeld wie Ambersunshower oder Imani Coppola klingen hier an, was den Retro-Eindruck von „Kaleidoscope“ einmal mehr bestärkt.

Aber kein „Kaleidoscope“ ohne Bilder, die man nicht ganz so spannend findet. „Windy City“ etwa windet sich so dahin, nudelt rum wie „Round Midnight“ in der „James Carter“-Version, glänzt aber vor allem durch ein bisschen Irrelevantes hier, ein wenig Halbgares dort – das stört nicht, nervt nicht, davon muss man aber auch nicht mehr haben. Vielleicht kann live tiefer ausgelotet werden, was hier lediglich im Ansatz steckenbleibt. Auch „Murmuration“ murmelt eher so vor sich hin und klingt wie ein ohnehin schon supersofter George Benson auf Weichspüler. Genau das war das Problem der Endneunziger: Wenn der Groove nicht richtig zugebissen hat, herrschte Langeweile. Insofern ist man hier nur stilecht konsequent, denn auch „Tears“ bleibt im Weichspülmodus stecken. Sollte ein Album, das so stark begonnen hat, langsam im Seifenschaum verenden?

Zwar reißt die wundervolle Retro-Stimme von Mediha bis zu einem gewissen Grad alles wieder raus, doch die lahme Komposition – immerhin ein Original von Satoshi Tomiie/Frankie Knuckles und Robert Owens! – oder vielmehr: das schwunglose Arrangement kann auch sie nicht vollends beflügeln. „Eins Eins“ rockt dann schon wieder mehr; und auch, wenn es mir fern läge, das Stück als Hot Jazz zu bezeichnen, hat es zweifelslos den nun schon über längere Strecke vermissten Groove und erfreut den Hörer. Mit Groove-infiziertem Bass schleicht sich auch „Iambic 9 Poetry“ an, wird aber nach etwa eineindreiviertel Minuten genau in dem Moment, wo sich der Hörer mit der Platte wieder aussöhnen wollte, langweilig.

[re:jazz] | Kaleidoscope 3

Trotz Medihas Gesang komplett uninteressant ist auch „At First Glance“. Dafür aber ist dem [re:jazz]-Kollektiv mit „Miss You“ ein grandioser Torch-Song ohne Sänger gelungen – und spielt damit in der Liga von Jonas Kntussons „Syskonöga“ oder Jasper van’t Hofs und Bob Malachs „Black Is The Color Of My True Love’s Hair“. Den passenden Sänger dazu liefern [re:jazz] beim hyperbassdrumbetonten, chilligen Closer „Out of Phase“ in Person Andy Herbertsons nach – ein toller Song, der diese durchwachsene Platte mit einem definitiv positiven Eindruck enden lässt. Notfalls die Perlen von „Kaleidoscope“, auf der vieles auch verzichtbar ist, einzeln kaufen, oder, um im Bild zu bleiben: schnell schütteln und weiterdrehen.

Skye | Back to Now

Skye Back to Now

Während N’Dea Davenport mit ihren Brand New Heavies zur erfolgreichen Acid-Jazz-Ikone aufstieg, hatten sich ihre ebenfalls London-basierten Kollegen, mit denen Skye Edwards in den 1990er-Jahren die Gehörgänge der Generation Chill-out eroberte, nicht dem prägnanten Mix aus elektronischer Musik, Funk, Soul und Jazz verschrieben, sondern setzten vielmehr auf tiefergelegte Bässe und blubbernde Beats im Zeitlupentempo irgendwo zwischen Downtempo und TripHop. Die Rede ist natürlich von Morcheeba, deren Masterminds Paul und Ross Godfrey sich erst für ihre letzte Platte „Blood Like Lemonade“ wieder glücklich mit ihrer angestammten Sängerin zusammengetan hatten. Trotz des neuen alten Zaubers des Dreiergespanns wollte die Musikerin ihre Solokarriere aber nicht aufgeben und präsentiert mit „Back to Now“ ihr mittlerweile drittes Solowerk, das indessen keine erneute Abkehr von Morcheeba darstellen soll: Immerhin wird „Back to Now“ auch auf der offiziellen Band-Homepage angekündigt.

Skye | Back to Now 3

Musikalisch allerdings emanzipiert sich Skye mit ihren Soloarbeiten deutlich vom TripHop-Kollektiv, denn anstatt nur – wenn auch das Klangbild prägende – Stimme zu sein, stammen die Songs ihrer Soloalben alle aus eigenen Feder. Hat sie bei ihren Vorgängeralben „Mind How You Go“ (2006) und „Keeping Secrets“ (2009) zu diesem Zweck vor allem zur Gitarre gegriffen, ist „Back To Now“ ganz am Computer entstanden, den die Sängerin gemeinsam mit Ehemann Steve Gordon, der praktischerweise auch als Bassist bei Morcheeba arbeitet, programmierte.

Der synthetische Zugang und die auffallende Anzahl von Uptempo-Nummern lassen nicht ohne Grund eine Vielzahl von Disco-Reminiszenzen aufkommen. Das ist für all jene, die Skye immer noch in erster Linie als Downtempo-Ikone abgespeichert haben, sicherlich erst einmal ungewohnt. Schlecht ist das indessen nicht – und schon gar nicht überraschungsfrei. So startet der Opener „Troubled Heart“ mit einem an Indianergesänge angelehnten, repetitiven Hey-yah, hey-yo-yah in die 10-Track-Platte. „Sign of Life“ bringt eher Nouvelle Vague-Anklänge, während die spacige Singleauskopplung „Featherlight“ mit einer über den hektischen Beat gelegten träumerischen Leichtigkeit aufwartet, die sie schon in gefährliche Nähe zu Dream Pop oder gar Dream Dance rückt.

Skye | Back to Now 2

Das gilt auch für „Nowhere“ mit seinen Midi-Streichern oder das Vocoder-geprägte „We Fall Down“, das sein wunderbarer, nicht mehr aus dem Kopf zu kriegender Refrain als ein perfektes Stück Songwriting ausweist und dessen Vokabular zwischen „rising leaving the crowd underneath us“ und „flying higher and higher than spacemen“ auch den musikalischen Inhalt der Platte komprimiert auf den Punkt zu bringen scheint. Einzig bei „Little Bit Lost“ – der mit ihrem Du-mich-auch-Gesang wohl coolsten Nummer des Albums – knistert trotz des verhältnismäßig forschen Tempos ein bisschen TripHop durch. Der „Every Little Lie“-Refrain in seiner stampfenden Eingängigkeit erinnert schon fast an einen Klassiker vom „One Night in Bangkok“-Kaliber – oder ist es gar „Cherry Cherry Lady“? So könnte Achtziger-Euro-Trash geklungen haben, hätten ihn die Briten gemacht! Wobei man sich das Etikett „Trash“ in dem Falle hätte sparen können …

Doch zurück zum Jetzt. Selbst wenn auf „Back To Now“ mit den beiden letzten Tracks „Dissolve“ und „Brigth Ligth“ auch die obligatorische, wenngleich formal nicht gerade typische, Balladensektion nicht fehlt – erinnert doch gerade Letztgenanntes eher an Adas Zartpföter als an den großen Feuerzeugschwenksong –, taugen die meisten Tracks des Albums nur bedingt zum Chill-out, denn wo Skye draufsteht, ist eben nicht Morcheeba drin.

Tracey Thorn Tinsel and Lights

Adventlich wird es mit „Tinsel and Ligths“, dem neuen Album von „Everything but the Girl“-Sängerin Tracey Thorn. Ja, ich weiß: Mit Weihnachtsalben ist das immer so eine Sache. Aber vertrauen Sie mir einfach: Immerhin stelle ich hier nicht Mariah Careys „Merry Christmas II You“ vor. Und konnte man nicht unser letztjähriges Weihnachtsalbum „Funny Looking Angels“ nicht auch noch im Januar hören? Eben. Die Lametta und Lichter der Tracey Thorn allerdings sind schon eine Nummer weihnachtlicher als die Funny Looking Angels, wie einem schon der Christmas Carol-Chor des Openers „Joy“ suggeriert, der auch im KaDeWe zum Christmasshopping laufen könnte. Allerdings wäre es ein stilvolles Shopping, denn Thorns Stimme gehört immer noch zum Markantesten und dennoch Berührendsten unter der Sonne – allenfalls Beth Gibbons kann mithalten, was Suchtpotenzial und Einlull-Faktor anbelangt.

Tracey Thorn | Tinsel and Lights 1

Was ich damit sagen will: „Tinsel and Lights“ werden Sie nicht auflegen, wenn Sie den Weihnachtsbaum abgeschmückt haben und froh sind, ganz lamettalos mit klarem Kopf ins neue Jahr, neue Glück zu starten. Im Dezember allerdings kann das Album zu ihrem täglichen Begleiter werden, der Ihnen die richtige Dosis Wohligkeit vermittelt, ohne aufdringlich oder kitschig zu sein, was auch der sorgfältigen Songauswahl zu verdanken sein mag. Als Thorn nämlich letztes Weihnachten krank im Bett lag, fand sie endlich die Muße, die verschiedenen Weihnachtslieder ihrer Kollegen anzuhören und hieraus eine Auswahl für ihr eigenes Weihnachtsalbum, das sie schon so lange herausbringen wollte, zu treffen. Und so tummeln sich auf „Tinsel and Ligths“ Kompositionen von Künstlern wie Joni Mitchell neben jenen von Musikern wie „The Magnetic Fields“-Sänger Stephin Merritt oder „Scritti Politti“-Frontmann Green Gartside. Auch der kanadische Liedermacher Ron Sexsmith darf hier mit „Maybe This Christmas“ ebensowenig fehlen wie Country-Ikone Dolly Parton mit „Hard Candy Christmas“.

Tracey Thorn | Tinsel and Lights 2

Doch gerade die eklektische, hochgradig subjektive Auswahl der Songs macht „Tinsel and Lights“ so sympathisch, da verzeiht man selbst Ausrutscher wie die Zuckergeigen auf „Like A Snowman“ gern, vor allem, da bald im Anschluss Jack Whites „In The Cold, Cold Night“ (gemeint ist hier der Singer/Songwriter aus Michigan, der diesen Song während seiner Zeit bei den White Stripes schrieb – nicht zu verwechseln mit seinem musikproduzierenden, deutschen Namensvetter!) richtiggehend rockt, was auch kein Wunder ist, da dieser ausgesprochen coole Song am wenigsten mit dem klassischen Coming-Home-For-Christmas-Kuschelgefühl zu tun hat. Allein wegen „In The Cold, Cold Night“ empfiehlt sich „Tinsel and Lights“ auch für Garage-Rock-Anhänger, wobei denen der nachfolgende „Randy Newman“-Klassiker „Snow“ schwerverdaulich im Magen liegen dürfte – und nicht nur denen. Hier wird die Heimeligkeit dann doch arg (über-)strapaziert. Das gilt auch für den Evergreen „Have Yourself A Merry Little Christmas“, den einzig die spröde Stimme Thorns vor dem Versinken (und Ertrinken) in der Streicherseligkeit bewahrt. Andererseits muss zugegeben werden, dass das Streicherarrangement ziemlich gut ist – zudem habe ich persönlich eine (nun nicht mehr) heimliche Schwäche für den Song. Ach doch, er kommt auf die Habenseite der Platte, trotz der unvermeidlichen Jingle Bells, die hier in den letzten Takten dezent geschüttelt werden, um in der winterweißen Nacht zu verhallen. Puh.

Allerdings ist das mit den Sleigh Bells auch so eine Sache. Da das Album im Frühjahr eingespielt wurde, sei es nicht immer einfach gewesen, sich in die weihnachtliche Stimmung hineinzuversetzen. „Wir wussten nie“, räumt Thorn ein, „ob wir zu viel oder zu wenig Schlittenglockengeläut mit drauf genommen haben“. Hört man das Album im nahenden Advent, bleibt nur festzustellen: genau richtig gemacht. Die Eigenkomposition „Tinsel and Ligths“, neben „Joy“ die einzige aus Thorns Feder auf dem Album, besticht durch einen angenehmen Groove, den Hot Chip- und Adele-Schlagzeuger Leo Taylor beisteuert, und eine eingängige, feine Refrainmelodie. Kann man durchaus so machen. Das absolute Highlight aber ist das „Joni Mitchell“-Cover „River“. Hier hatte die Bläsersektion die Vorgabe, sich vorzustellen, es sei ein eisigkalter Samstagnachmittag auf einer britischen Hauptstraße kurz vor Weihnachten, überall Einkaufende, ein leichter Graupel beginnt zu fallen … Unbedingt hören!

Tracey Thorn | Tinsel and Lights 3

Ebenso hörenswert folgt das synthiegeprägte „Taking Down The Tree“ im Zwiegesang mit Green Gartside, das es tatsächlich über den Dezember hinaus auf unsere persönliche Playlisten schaffen könnte. Den Melancholikern unter Ihnen sei die minimalistische „Sufjan Stevens“-Komposition „Sister Winter“ ans Herz gelegt, die ganz pur mit Gitarre und Stimme startet, sich aber bald schon durch eiszapfenkalte, frostklirrende Elektronika zu einem weiteren Albumhighlight entfaltet, das von Ben Watts „25th December“ angemessen abgeschlossen wird. Kein Wunder, ist Watt doch der andere Part von Everything But The Girl, und hat nach dreißigjähriger Zusammenarbeit mittlerweile ein schlafwandlerisches Gespür für die musikalischen Bedürfnisse von Thorn – und auch für darüber hinausgehende, ist man mittlerweile doch glücklich verheiratet und hat drei Kinder: Die sind es übrigens auch, die im Opener „Joy“ Tracey Thorn und Benn Watt als „Watt Family Choir“ unterstützen, womit sich der Kreis von „Tinsel and Ligths“ stimmig schließt.

La Fons | Am Anfang war das Lied

La Fons Am Anfang war das Lied

Anstatt Kreise zu schließen, begibt man sich bei La Fons lieber direkt an die Quelle, huldigt der Bandname doch dem zweigesichtigen römischen Quellgott. Die beiden Gesichter des österreichischen Electropopduos und Ehepaars sind die Sängerin und Texterin Nina Brunner und der Gitarrist und Elektroniker Alfons Bauernfeind. Wenn Sie wollen, können Sie La Fons als die österreichischen 2Raumwohnung abspeichern, doch kämen Sie mit diesem Vergleich nicht weit, denn anstatt den „Sophisticated Lo-Fi Pop“ 2Raumwohnung’scher Provenienz weiter zu kultivieren, hat man sich bei Le Fons ganz dem Electro-Singer/Songwriter-Dreampop verschrieben.

Im Grunde kann man die Musik auf „Am Anfang war das Lied“ perfekt mit einem „La Fons“-Songtitel beschreiben: beautiful 2.0! Der Song selbst besticht durch Grillengezirpe, ätherischen Gesang über grummelnden Electroabgründen, Stellen voller Spanish-Guitar-Flair und noch schöneren Harmoniegesang im letzten Chorus. Über allem klingt ein gar nicht mal so wilder, aber umso weiterer Westen inklusive der Schönheit einsamen Cowboytums an; und wie sich die Stimmen Brunners und Bauernfeinds umgarnen, umarmen und wieder voneinander lösen, das ist: schön 2.0!

La Fons | Am Anfang war das Lied 2

Ein weiterer Lieblingstrack ist „Please“, das wie gehabt durch sphärische Harmonien bezaubert, bis diese von einem knochentrocken-funkrockigen Teil abgelöst werden. Liz Frazer trifft auf Mick Jagger, weiß auf schwarz, weibliches Prinzip auf männliches, Yin auf Yang … Ach, da wünscht man sich doch glatt, auch ein Duo zu sein, um diese Möglichkeit des (Rollen-)Spiels mit den Gegensätzen zu haben! „Never Return“ dann ist der wohl hypnotischste Track des Albums: Ein bezwingender Stop-’n‘-Go-Beat, schwül-suggestive Vocals und dann wieder diese knochentrockenen Gitarren – mehr Zutaten braucht es nicht für ein sexy Songkleinod!

Ganz zauberhaft auch, wenn Brunner wie bei „Verrückt mich ins All“ auf deutsch singt – hier erinnert sie mich ein bisschen an die Esther Kaiser von „Sternklar“. Ein ganzes „La Fons“-Album auf Deutsch, das wäre auch etwas! Geschlossen wird das Album von einer Reprise von „Beautiful“, das gewissermaßen beautiful 1.0 ist, mitsamt dem einsamen, sternenküssenden Cowboy, der so lange schön ist, wie die Nacht währt. Und damit schließen La Fons dann doch einen Kreis – den der Schönheit.

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