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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Oh Baby!
  2. 2 Vienna Acoustics Beethoven Baby: Klangeindruck & Vergleiche

Schon der Name vermittele Größe und Kraft, las ich im Herbst des vergangenen Jahres in einer Pressemitteilung zum Marktstart des neuen Standlautsprechers „Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference“ (Preis: 7.498 Euro; Vertrieb: https://sintron.de/). So ganz konnte ich mir das angesichts des „Baby“ im Namen nicht vorstellen. Andererseits – eine aus gleich sechs Worten bestehende Produktbezeichnung sieht man auch nicht alle Tage …

Die Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference gibt es in vier Ausführungen

Die Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference gibt es in vier Ausführungen

Nun haben wir Frühjahr 2020, das „große Baby“ steht vor mir – und will so gar nicht kraftmeierisch rüberkommen. Im Gegenteil, mit 18 Zentimeter Breite fällt die Lautsprechersäule ausnehmend schlank aus, und nur dank ihrer hohen Hacken, äh … Oversized-Spikes kommt sie auf eine Höhe von 109 Zentimetern. Die neue Vienna Acoustics sieht eher filigran denn bullig aus, und die Verwendung von 6-Zoll-Treibern für Mittelton und Bassbereich unterstreicht diesen Eindruck noch. Auf den ersten Blick hätte ich eher auf „Chopin“ getippt, aber zugegeben: „Beethoven“ passt natürlich viel besser in dieses Jahr.

Tatsächlich gibt‘s den 250-jährigen Komponisten gleich zweimal im Line-up von Vienna Acoustics, neben unserem Testkandidaten ist da nämlich noch das Flaggschiff der „Concert Grand Series“, die „Beethoven Concert Grand Reference“, die unter anderem statt zweier 6- drei 7-Zoll-Tieftöner mitbringt – und 2.400 Euro mehr kostet. Übrigens: Besagte Serie bildet den Einstieg in die Welt der österreichischen Lautsprechermanufaktur, über ihr angesiedelt sind die Baureihen „Imperial“ und „Klimt“.

Rundherum & innendrin

Das Design der Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference finde ich sehr geglückt. Einerseits verströmt das Lautsprecherkabinett gediegenes Möbelhandwerksflair – andererseits, und geradezu kontrapunktisch dazu, gibt es mit den riesigen Spikes und den semitransparenten „Spidercone“-Flachmembranen interessante Technik-Kontraste. Gute Mischung.

Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference

Zumindest bei den Treibern geht es aber nicht um die Optik, sondern die Akustik. Der typische „Spinnennetz“-Look von Vienna-Acoustics-Membranen stammt von ihren rückseitig platzierten Verstrebungen. Bei den Vienna-Konuschassis kommt das noch deutlicher rüber, doch auch die 15-Zentimeter-Flachmembranen der neuen, inzwischen dritten Version der Beethoven Baby Grand Reference lassen diese Streben erkennen. Eigentlich seien Flachmembranen von Natur aus ja weniger steif, gibt Peter Gansterer, Eigner und Mastermind von Vienna Acoustics, zu. Vorteilhaft sei aber nicht zuletzt das bessere Phasenverhalten, zumindest dann, wenn man den Konstruktions-Job richtig angehe.

Wer genau hinsieht, entdeckt die rückseitigen Verstärkungsstreben der Membran

Wer genau hinsieht, entdeckt die rückseitigen Verstärkungsstreben der Membran

Hierzu gehört für ihn zunächst einmal der richtige Materialmix: Gansterer setzt auf eine Mischung aus zwei thermoplastischen Kunststoffen (für Chemieinteressierte: Polymethylpenten und Polypropylen), der er eine definierte Menge an Glasfaserstäbchen hinzufügt. Entscheidend seien zudem aber besagte Versteifungsstreben: Durch die Variation von Anzahl und Form der Streben, ihrer Stärke, ihrer radialen oder konzentrischen Ausrichtung und durch die mittels Finite-Elemente-Methode gezielte Platzierung an neuralgischen Punkten lasse sich das genau richtige Verhältnis von Gewicht und Steifigkeit erreichen. Die Spidercone-Flachmembran ist übrigens nicht durchgängig flach: In ihrer Mitte gibt es eine Inverskalotte aus beschichtetem Textilmaterial. Das sei kein Zufall, denn erst beides zusammen – der flache „Ring“ und die fünf Millimeter zurückgesetzte, zentrale Inverskalotte – stelle die bestmögliche Kombination für ein optimales Schwingverhalten dar, wie man nach ausgiebigen Hörtests herausgefunden habe.

Detail Mittelton/Bass-Treiber der Vienna Acoustics Lautsprecher

Mittel- und Tieftöner sehen nicht nur gleich aus – es sind exakt dieselben Treiber. Das Chassis für den Mittelton sitzt übrigens in seiner eigenen, vom circa 33,5 Liter großen Bassvolumen des Gehäuses luftdicht abgeschlossenen Kammer. Der dritte Weg, der Hochton, wird nicht von einer Flachmembran bestritten, sondern von einer 28 Millimeter durchmessenden, beschichteten Seidenkalotte, die mit einem frontseitigen Lochgitter kommt und so neugierigen Fingern den Weg versperrt.

Blick auf die Gewebe-Hochtonkalotte der Vienna Beethoven Baby

Blick auf die Gewebe-Hochtonkalotte der Vienna Beethoven Baby

Die Übergangsfrequenzen der Vienna liegen bei 180 und 2800 Hertz, die Trennung erfolgt dabei relativ flach – die Flankensteilheit liegt zwischen 8 und 12 dB/Oktave –, jedes Filter der Frequenzweiche sei treiberspezifisch „hörentwickelt“ worden, so die Österreicher. Die Beethoven Baby ist ein 4-Ohm-Lautsprecher, der laut Datenblatt einen Wirkungsgrad von 89 dB/W/m besitzt. Empfohlen werden Verstärker mit einer Leistung von circa 40 bis 300 Watt – was ich als durchaus praxistaugliche Angabe ansehe.

Gäbe es zur Technik noch mehr zu berichten? Bestimmt. Aber Vienna Acoustics will sich nicht vollständig in die Karten blicken lassen – und betont vielmehr, dass bei der Entwicklung ausgiebige Hörtests eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nun, das ist bei fairaudio ganz ähnlich, hören wir uns die neue Vienna also mal genauer an.

Vienna Acoustics Beethoven Baby: Klangeindruck & Vergleiche

Zunächst einmal spiele ich die Klamotten an, bei denen ich davon ausgehe, dass das „Baby“ die Waffen strecken muss – ich bin Audiotester, ich darf so was. Also kommen Tracks wie Nik Bärtschs „Modul 15“ (Album: Randori; auf Amazon anhören), Masha Quellas „I Want You To know“ (Album: I Want You To Know; auf Amazon anhören) und James Blacks „Limit to your Love“ in die Playlist, und der Volumeregler wandert nach rechts …

Bei Vienna Acoustics settz man generell auf Single-Wire-Terminals

Tiefe Töne

Tja, von wegen Waffen strecken. Ich weiß wirklich nicht, wie sie es macht, aber sogar solch eine bassige Kost wird unverfroren angegangen und in den Raum geschaufelt. Nicht übel, Beethoven! Die tonale Balance stimmt, und auch wenn’s untenrum nicht maximal druckvoll zugeht, fehlt da, wenn man primär mit den Ohren und weniger mit dem Bauch hört, im Grunde nicht wirklich etwas, das Klangbild wirkt fundiert.

nik bärtsch - randoriZwei Dinge fallen auf: Insgesamt ist der Tiefton ziemlich linear, insbesondere wird nicht mit einem Oberbassbauch herumgetrickst. Eher ist die Vienna hier wie im Grundton einen Hauch schlanker unterwegs. Zweites: Geht es vom mittleren Bass in den echten Tiefbass hinunter, nimmt die Differenzierungsfähigkeit etwas ab. Die Beethoven Baby Grand Reference bohrt zwar erstaunlich tief für ihre Größe, doch in den alleruntersten Lagen schafft sie es nicht mehr, ihre ansonsten sehr gute Durchzeichnung im Bass aufrechtzuerhalten. Letzteres konnte eine KEF Reference 3 etwas besser, die sich im Bass/Grundton aber ansonsten recht ähnlich gab: minimal schlanker und mit Qualität statt schierer Quantität punktend. Freilich ist die KEF nicht nur teurer, 9.000 Euro sind für ein Paar zu entrichten, sie ist auch knapp doppelt so groß wie unser „Baby“, wenn man das Volumen der Boxen als Maßstab nimmt.

Vienna Acoustics Beethoven Baby Grend Reference, vorder- und Rückseite

Wie dem auch sei, im Laufe des Tests wird jedenfalls immer klarer, dass die Vienna Acoustics Beethoven Baby zwar überraschend gut mit musikalischer Kost wie der oben genannten zurechtkommt, ihre Gangart im Untergeschoss aber besonders zu akustischen Instrumenten (Klavier, Kontrabass, Cello, Tuba etc.) passt: Statt dicke Backen zu machen, serviert sie den Tiefton zackig und koppelt ihn nahtlos ans Mittenband an, es gibt keinerlei Bruch zwischen den Frequenzbereichen. Ein Flügel wirkt natürlich fundiert, vor allem aber in sich kohärent. Ins Unreine gesprochen: Alle Töne kommen im gleichen Tempo.

Mitten & Höhen

Julie Byrne - Not even happinessUnd besagtes „Tempo“ ist hoch. Das Vienna-Klangbild wirkt insgesamt sehr frei, schnell, unmittelbar, leicht, unverbummelt. Gerade auch in den Mitten ist das ein Gewinn: Jede Stimme, der ich lausche, wirkt echt, da sie unverhangen und feindynamisch „schön eng am Ball“ präsentiert wird. Ob das nun Julie Byrne oder Leonard Cohen ist – die Illusion, dass da wirklich jemand vor mir steht, gelingt beeindruckend gut. Auch wenn zu konzedieren ist, dass Cohen schon mal breitbeiniger im Raum stand. Ich erwähnte es ja: Der Grundton wird eher sportlich-straff denn üppig-satt gereicht, und das ist dann eben eine Folge davon. Allerdings bleibt es wirklich nur leichte Tendenz, wird nicht Schlagseite.

Interessant ist hier wieder ein Quervergleich: Der kürzlich getesteten Orbid Nandur (5.400 Euro) attestierte ich ebenfalls etwas leichtere Mitten. Doch bei ihr liegt das an minimal betonten Präsenzen, bei der Vienna dagegen am straffen Grundton. Leicht ist also nicht leicht – die Orbid spielt in den Mitten etwas anmachender, insbesondere Stimmen gehen ein wenig mehr nach vorne. Bei höheren Pegeln und/oder schlechteren Aufnahmequalitäten wirkt die Vienna allerdings um einiges sozialverträglicher, da sie im kritischen Bereich zwischen 1.000 und 4.000 Hertz neutraler unterwegs ist. Und nicht nur das: Sie löst auch ein gutes Stück besser auf als die Orbid.

Bassreflexöffnung der Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference

Bassreflexöffnung der Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference

Auflösung

Tatsächlich muss man das Auflösungsvermögen als preisklassenbezogene Stärke der Vienna ansehen. Sie liegt in der Hinsicht durchaus auf dem Niveau der schon erwähnten, teureren KEF Reference 3 – und wenn die KEF etwas kann, dann das. Doch während die Britin schon mal „die Fakten schonungslos darlegt“ besitzt die Österreicherin einen verbindlicheren Tonfall, und das macht ihren Charme aus: Sie spielt sehr detailreich und differenziert – besitzt aber keinen strengen oder herben Zug. Diese Art „langzeittaugliche Auflösung“ gereicht ihr nicht nur bei der Stimmwiedergabe zum Vorteil, auch akustische Instrumente profitieren von der nuancierten Gangart. Eine Gangart, die sich komplett bis in den Superhochton hinein fortsetzt: detailreich immer, schonungslos nie – und pegelmäßig wird einfach linear durchgezogen.

Fassen wir das bisher Gesagte einmal kurz zusammen: balancierte Tonalität mit leichter Dezenz im Oberbass/Grundton. Klare Stärke: das Auflösungsvermögen. Weitere Stärke: nervt trotzdem nie. Soweit, so gut. Ein paar Fragen sind aber noch offen. Zum Beispiel: Wie schlägt sich die Vienna Acoustics eigentlich im dynamischen Feld?

Dynamik

Hier muss man unterscheiden. Angesichts ihre Größe und Bestückung ist sie grobdynamisch überraschend potent. Für ihre Preisklasse ist das aber Standardmaß. Und logisch: Wenn Sie noch einmal gute 2.000 Euro extra in die Hand nehmen und sich auf ein horngestütztes System wie die Blumenhofer Genuin FS 3 Mk2 einlassen können, kriegen Sie in dieser Hinsicht etwas anderes geboten.

Feindynamisch sieht die Sache wieder anders aus. Hier wirkt die Beethoven Baby Grand Reference überdurchschnittlich kompetent – ich sprach ihren temporeichen, unmittelbaren Charakter ja schon an. Impulse und Transienten kommen mit ihr wirklich unmittelbar rüber, angeschlagene wie gezupfte Saiten wirken „naturidentisch“, das erlebt man so nicht mit jeder Box. Wenn Sie das Spiel mit Klischees lieben: eher der lebendig-knackige Typ als der klangfarbenverliebte Bummelant. Auch feine Schwebungen und Modulationen von Streichern werden so unverhangen und „nackt“ nachgezeichnet, dass man meint, die Musiker bei sich zu Gast zu haben. Klare Sache: Diese Vienna gehört zu den agilen, lebendigen Vertretern der Zunft. Eine „Dampframme“ ist sie aber nicht.

Die Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference kommt mit magnetisch haftenden Stoffabdeckungen

Die Vienna kommt mit magnetisch haftenden Stoffabdeckungen

Raumdarstellung

Der Bühnenraum, den die Vienna Acoustics aufspannt, passt gut zu ihrem Klangcharakter. Zunächst einmal: Das ist hier nicht der „klassische Guckkasten“, der bei der Boxengrundlinie startet und dann nach hinten geht. Nein, eher bildet die Bühne so eine Art „Sound-Oval“ um beide Boxen herum, sprich es gibt nicht nur ein hinter, sondern auch ein vor der Lautsprecherebene (sowie ein seitlich links/rechts daneben). Das musikalische Geschehen öffnet sich also Richtung Auditorium und besitzt gleichzeitig eine gute Tiefenausdehnung. Sehr angenehm, denn so wird beides geboten: eine involvierende Ansprache und genug Raum nach hintenraus, sodass Instrumentengruppen nicht mangels Platz aufeinanderhocken müssen.

Die Randeinfassung der einzelnen Klänge und ihre Plastizität gelingen dabei präzise, als absolute 3-D-Maschine geht die Vienna aber nicht durch. Gute Kompaktlautsprecher bieten hier in der Regel mehr. Andererseits habe ich auch schon viele Standmodelle gehört, die diffuser zeichnen, nennen wir es also mal: Normalmaß. Einer Sache tut das freilich keinen Abbruch: Akustisch nimmt sich die Vienna komplett aus dem Klangbild heraus, bei ihr bleibt nichts „am Chassis kleben“, die Abbildung gerät völlig frei.

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Test: Vienna Acoustics Beethoven Baby Grand Reference | Standlautsprecher

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