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Test-Fazit: KingRex T20 – Testbericht – fairaudio

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  1. 6 Test-Fazit: KingRex T20 - Testbericht - fairaudio

king rex t20Ich persönlich tendierte mehr zur – eher unüblichen – Variante mit außenliegenden Treibern. Dies führte zu mehr Detaildarstellung und einer offeneren Bühnenabbildung – wie z.B. beim Chor von Catulli Carmina oder bei der nur sehr feinsinnigen Unterscheidbarkeit von Bandoneon und Harmonika, die beim Hören der La Cumparsita-Symphonie wahrzunehmen war. Wie auch immer: Im Hinblick auf die oberen Oktaven des Gesangs führte es bei Catulli Carmina zu hochfrequenten Ringing-Effekten. Als effektive Maßnahme dagegen stellte sich der zusätzliche Anschluss des Enacom Speaker End Audio Stabilizer von Combak am Lautsprecherterminal heraus.

Als nächstes sollte die Inner Spirit in den Ring steigen. Obwohl mit den kleinsten Treibern versehen, was dies von den Dreien der lauteste Wandler. Solange die Clearwater an der Leine war, hatte ich den Lautstärkeregler die meiste Zeit auf der 15 Uhr-Stellung, die Inner Spirit ließ mich diesen aber auf 13 Uhr zurückdrehen. Während dabei die Definiertheit des Klangbildes zunahm, wurde gleichzeitig der Bass von noch mehr Schüchternheit erfüllt. Ich fühlte zudem weniger Luft um die Instrumente und Stimmen herum und empfand den von den KingRex sonst so schön gezauberten Röhrencharme als irgendwie ausgedünnt. Da hatte ich mit richtigen Röhrenverstärkern wie dem Dared VP-20 oder Kallisto Sinfonia 300 schon schönere Stunden erlebt.

Zusammenfassend könnte man festhalten, dass die Inner Spirit zwar das Beste aus Röhrenverstärkern herauszuholen vermag, aber lediglich das Schlechteste, wenn es sich um Schaltverstärker handelt. Dies gilt insbesondere dann, wenn man an die hochfrequenten Störungen beim Abspielen von Catulli and Shostakovich denkt. Auch wenn diese (und nur diese) vom erwähnten Enacom zum gewissen Teil geheilt werden konnten.

Das Pärchen Whitewater sollte als letztes versucht werden – und empfahl sich bereits nach wenigen Takten als das am meisten geeignete. Zuallererst war festzustellen, dass das Ringing endgültig im Zaum gehalten werden konnte – insbesondere unter der Zuhilfenahme des Enacom. Natürlich kann man von diesem Breitband-Mini-Lautsprecher naturgemäß keine üppigen Bassschwaden erwarten, aber die Qualität der unteren Mitten entlohnte als Ausgleich dafür. Die Shostakovich CD lieferte ein mustergültiges Beispiel für die gelungene Balance zwischen schnellen, zackigen Klagereignissen auf der einen und der Wahrung der Musikalität auf der anderen Seite. Beide Extreme wurden durch die Whitewater hinreichend unterstützt und wurden hinsichtlich ihrer typischen Charakteristika authentisch abgebildet.

Das zurückhaltend gespielte Piano in Sense of Doubt (Heroes Symphony) stand im richtigen Kontrast zu den Streichern und Bläsern – auch in puncto Detailauflösung gab es nichts zu beanstanden. Das Timbre der dunkel tönenden Streicher in Neuköln, das beeindruckende Geheule von Tuba und Posaune, die klangliche Verschmelzung von Chimes und Celesta, alles dies geriet im richtigen Maße lebendig. Auch Strawinski geriet so lebhaft und vital, wie man es von einer solchen Aufnahme eben erwarten kann.

The Pastoral wurde ebenso sanft wie dreidimensional in den Raum gemalt, der Royal March strahlte in gebührlicher Art und Weise etwas Festliches aus, Ragtime und The Devil`s Dance sprühten einfach nur so vor müheloser Virtuosität. Die drei Darsteller schienen – wie von jeglichen Mikrofonen befreit – fast wahrhaftig im Raum zu stehen. Ob die leisesten Seufzer, kaum wahrnehmbares Gekicher, feine Lippengeräusche, hauchzarte Küsse, Ein- oder Ausatmen, gurgelndes Grollen oder Geflüster: Alle diese Kleinigkeiten wurden weitergereicht.

kingrex t20

Erst jetzt erlaubte ich es mir, auf die unterschiedlichen technischen Spezifizierungen der Unity-Wandler Bezug zu nehmen und gleichzeitig zu vergleichen, ob diese mit meinen bisher gemachten Erfahrungen auch konform gingen. Die Clearwater ist eine Zwei-Wege-Box mit einem von Silver Flute stammenden 14cm Bass-Mittel-Treiber und einem 2,5 cm Softdome-Hochtöner von HiVi (es handelt sich also jeweils um chinesische Treiber). Der Übertragungsbereich verläuft von 44Hz bis 20 KHz, der Wirkungsgrad liegt bei 89 dB und die Impedanz bei 8 Ohm.

Die Inner Sprit beherbergt dagegen einen modifizierten 12 cm- FE127E – Treiber von Fostex. Sie überträgt zwischen 59 Hz bis 20kHz und zeichnet sich durch 93 dB Empfindlichkeit und einer Impedanz von 8 Ohm aus. Bei der Whitewater reicht der Übertragungsbereich von 50 Hz bis 20kHz; Wirkungsgrad und Impedanz liegen bei 94 dB respektive 8 Ohm. Meine Einschätzungen erwiesen sich im Hinblick auf die technischen Rahmenbedingungen also als weitgehend schlüssig – mal abgesehen davon, dass die mit 93dB gekennzeichnete Inner Spirit meiner Einschätzung nach signifikant lauter tönte, als die 94 dB Whitewater.

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Für all jene, die Standlautsprecher favorisieren: In dieser Hinsicht lautet meine absolute Topempfehlung, den KingRex mit nichts weniger zu paaren, als mit den Klipsch Syergie F2. Wie ich früher schon einmal schrieb, handelt es sich hierbei um eine bezahlbare, platzsparende Version der La Scala – mit einem zusätzlichen modernen Touch: Der Bass gerät tiefer und die Auflösung feiner. Der typische Klipsch-Sound ist dennoch unverkennbar. Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, die Klipsch Synergie F2 mit der Klipsch RF-52 zu vergleichen, die der F2 weitgehend ähnelt, aber eine rückseitige Bassreflexöffnung aufweist. Die RF-53 verfügt zwar über die augenscheinlich besseren Treiber und ist (sowohl vom Datenblatt als auch vom Preisschild her) einer höherwertigen Kategorie zugeordnet – dennoch klingt sie einfach weniger „klipschy“: Die oberen Frequenzgefilde strahlen heller und die unteren wirken dabei vergleichsweise dünner (Etwas traurig geriet diese Einsicht für meinen Freund: Als er sich wieder auf die Socken machte, murmelte er etwas davon, dass er die RF-52 wieder verkaufen wolle …).

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Die F2 wirkt gesamtheitlich betrachtet einfach kohärenter und scheint mit dem KingRex T20 in perfekter Synergie zu spielen. Der Röhrencharme ist derart ausgebildet, dass man tatsächlich glaubt „echten Tubesound“ zu vernehmen. Die 95,5 dB Wirkungsgrad lassen den Klang des KingRex T20 noch freier bzw. weniger verhalten zur Geltung kommen. Sogar das barbarische Catulli Carmina tönt dann wie von Zucker umhüllt. Ein absoluter Ohrenschmaus.

Werden zwei KingRex T20 im Bi-Amping-Modus an die zu Bi-Wiring fähige F2 geleint, lässt das Ergebnis sicherlich so einigen 10fach teureren Röhren-Monoblöcken die Schamesröte ins Gesicht treiben. Wenn sichergestellt werden kann, dass die Lautsprecheraufstellung optimal geschieht (in meinem Raum: 2,40m Freiheit zur Rückwand und 25 Grad Einwinkelung), dann entwickelt die Bühnendarstellung eine unglaubliche Weite sowie eine bemerkenswerte, sich nach hinten aufbauende Tiefe. Wenngleich auch Pianoklänge, was deren Echtheit bzw. Plausibilität betraf, sich in keiner Weise mit dem vergleichbar zeigten, was die NuForce / Mark & Daniel-Kombination zu vermitteln imstande war.

Fazit

Hier geht`s um eine ganz besondere Welt – eine Welt, in welcher ausschließlich ausgemachte Röhren-Fans ungetrübte Glücksseligkeit empfinden und unbedingte Loyalität schwören. Die reine Tatsache, dass dieser im wahrsten Sinne des Wortes stets cool-bleibende Tripath-Verstärker eine solch herzerwärmende Musikalität verströmt, verdient meine zutiefst empfundene Bewunderung: Liebe Glaskolbenverstärker, nehmt euch mal ein Beispiel, wie `ne Röhre zu klingen hat!

Gratulation an KingRex – da wurde ein richtig guter Job gemacht.

Test: KingRex T20 | Vollverstärker

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