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Genauer gehört – die Vorstufe SAC Beta

Inhaltsverzeichnis

  1. 5 Genauer gehört - die Vorstufe SAC Beta

SAC Beta

Die Vorstufe SAC Beta verdient es, noch einmal gesondert betrachtet zu werden – nicht nur, dass sie gemessen am Preis (698 Euro) Außerordentliches leistet, sie erlaubt auch eine gewisse klangliche Einflussnahme auf die Kombi insgesamt. Umsonst zu haben ist dabei die Möglichkeit, die Endstufen an Out 2 mit 22 Ohm Ausgangsimpedanz – statt annähernd Null wie bei Out 1 – zu klemmen. Und wer es sich leisten kann, legt sich das große Netzteil zu. Doch zunächst einmal grundsätzlich betrachtet, an Out 1 und mit dem Standardnetzteil betrieben:

Ein Pre wie der Funk Lap 2-.V2 gilt zu Recht als kleines Preis-/Leistungswunder. SACs Beta bleibt preislich noch mal gut 20% unter dem, was der Berliner Studioanbieter aufruft, und ehrlich gesagt, klingt‘s zwar anders, aber nicht schlechter. Der eine besitzt hier seine Talente, der andere dort: Was für den Funk spricht, ist vor allem seine glaubhafte, natürliche Mittenwiedergabe. Über ihn besitzen Stimmen einen besonderen Charme, welchen das SAC-Modell so nicht vermitteln kann. Joanna Newsom beispielsweise hat eine sehr eindringliche Stimme, es gibt auch Leute, die sagen dünn und nervig …

Joanna Newsom

Nun, vielleicht ist der Funk neutral oder er verschönt diesen Gesang – oder der SAC ist neutral und die Newsom klingt wirklich so spitz. Wie auch immer, mein Favorit bleibt hierbei der Funk. Woran das liegt, ist mir letztlich egal. Klar ist aber auch, dass der begleitende Harfen-Basslauf des gleichen Songs (The Book of Right-On / Album: The Milk-Eyed Mender) um einiges federnder, rhythmisch akzentuierter und prägnanter gerät, wenn SACs kleine Vorstufe in der Kette hängt. Gleiches lässt sich bei One Last „Whoo-Hoo“ For The Pullman von Sufjan Stevens feststellen: Stimmliche Vorteile für den Funk, doch straighter unten rum der SAC. Der Kleine aus Essen klingt in den oberen Lagen zudem etwas offener als der Berliner.

Sufjan Stevens

Interessant ist auch das Thema Bühnendarstellung: Wenn üppig instrumentierte Musik wiedergegeben werden muss, habe ich den Eindruck, dass der Pre von SAC „gerasteter“ vorgeht als der von Funk – also sortierter was die einzelnen Instrumentengruppen angeht, wenn auch mit ganz leicht artifizieller Note versehen was die Darstellung insgesamt betrifft. Diese kommt nun über den Lap 2 garantiert nicht auf, „organischer“ arrangiert er die Klänge – doch scheint der Raum auch nicht ganz so transparent ausgeleuchtet zu werden. Es ist und bleibt einfach Geschmackssache, welche Vorstufe man unterm Strich für ausgewogener hält. Beide bieten viel fürs Geld – aber nicht das Gleiche.

Nächstes Thema: „Klangtuning“. Die Aussage von Herrn Fuchs, dass die Wahl des Kabels klanglich bedeutungsloser wird, kann ich unterschreiben. Gemeint sind nämlich die NF-Verbinder Richtung Endstufe. Als ich das Axmann Audio-Modell gegen ein doppelt so teures von Ecosse austausche, wird das Klangbild etwas detaillierter, etwas heller, etwas räumlich strukturierter … wenn ich nicht schon beide Strippen besäße und diese Verstärkung die meine wäre, würde ich mich fürs Axmann entscheiden und das freigewordene Geld in den Halbjahresvorrat an Rotwein investieren. Der klangliche Hebel ist mir zu klein. Und Antialkoholiker wählen eben sorgsam das geeignete Lautsprecherkabel aus, was nun ein paar Scheinchen mehr kosten darf – möglichst keines aus der extraschlanken, eckigen Ecke.

Interessant – nicht, weil sich nun Welten ändern würden, sondern weil umsonst zu haben – ist die Möglichkeit, die Endstufen an Out 1 oder Out 2 der Beta anzuschließen. Tendenziell geht es mit dem zweiten Ausgang in folgende Richtung: der Bass wird etwas weicher, die Klangbalance insgesamt leicht fülliger, die oberen Mitten geraten „gefälliger“ – leicht softer, entgrateter und flüssiger. Stimmt, da war etwas mehr Luft in den oberen Oktaven mit Out 1, doch die leicht präsente Neigung war hier ebenfalls etwas ausgeprägter. P.J. Harveys Stimme beim Song The Wind gewinnt an Plastizität, geht’s über Out 2 in die Endstufen, schade nur, das der begleitende Basslauf etwas an Härte und Struktur einbüßt …

P.J. Harvey

Es liegt also ein Trade-off vor: eine unverrundetere, etwas informativere Wiedergabe an den Frequenzbandenden mit Out 1 – ein charmanterer, etwas plastischerer und flüssigerer Mittenvortrag an Out 2. Wie gesagt: Es sind Tendenzen, keine Welten. Aber da beide Ausgänge nun mal da sind – was hindert mich daran, für Vocal-Jazz an Out 2 zu gehen und für härteren Rock an Out 1? Ist doch gar nicht übel, diese Spielerei.

Wer allerdings keine Lust auf solche „klanglichen Zielkonflikte“ hat, nimmt SACs dickes Netzteil für die Vorstufe – so lässt sich beides und noch ein bisschen mehr erreichen. Meine Notizen hierzu enthalten in der Tat keine negativen Punkte: rhythmisch wird es akkurater, der Bass gerät tiefer und ‘nen Tick definierter, die Ausleuchtung der Bühne gelingt insbesondere an der Rändern besser, die Klänge wirken plastischer, höhere Stimmlagen werden natürlicher transportiert usw. Doch wir sprechen dann auch über eine Vor-/End-Kombi, die bei 3.200 Euro liegt und nicht mehr bei 2.200 Euro. Kein Pappenstiel, dieses Upgrade. Persönlich würde ich erstmal mit der Standardkonfiguration beginnen, denn die bietet auch schon sehr viel, und das zu einem fairen Kurs. Aufrüsten kann man dann immer noch.

Test: SAC Beta und Igel 60 | Vor-End-Kombi

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