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Genelec 8351

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Aus der Profiküche
  2. 2 Der RME ADI-2 DAC im Hörtest

RME ist eine Firma, die mir vor allem aus der Pro-Audio-Szene bekannt ist. Und um es geradeheraus zu sagen, hat sie dort den Ruf, wahrlich deutsch-ingenieurig, trocken und nüchtern, aber eben auch wirklich sehr, sehr gut zu sein. Gleichwohl pendelt die wahrgenommene Sexy- und Fancyness irgendwo im Bereich zwischen „Excel-Tabelle“ und „Leitz-Ordner“ herum (Vertrieb: https://hoerzone.de/; Preis des Testgerätes: 999 Euro).

Mit dem ADI-2 DAC lässt RME wie immer die ach so trockenen Zahlen sprechen. Amplitudenfrequenzgang, Rauschspannungsabstände, schiere Auflösung in der Zeitebene und dergleichen liegen bei RME traditionsgemäß am obersten Rand dessen, was nach dem Stand der heutigen Technik im jeweiligen Budget machbar ist. Somit erhält man nach dem Verlust von 999 Euro im Gegenzug eine kleine, schwarze Kiste, welche als DAC mit einer Quantisierung von bis zu 32 Bit und einer Samplerate von 768 kHz arbeitet, einen Kopfhörerverstärker an Bord hat und zudem per USB-B direkt vom PC/Mac aus spielen kann.

RME ADI-2 DAC - Frontansicht

Das ein Kilogramm schwere Kistchen zeigt seine Pro-Herkunft allein schon durch sein Format: Mit 9,5“ entspricht es halber Rackgröße, die standardisierte Rack-Höheneinheit überschreiten allerdings die vier „HiFi-Füße“ unter dem ADI-2 DAC. „Nach was aussehen“ tut der kleine Converter/Wandler nicht unbedingt. Er ist funktionell und simpel gestaltet, dabei hinreichend wertig. Für die knapp tausend Euro gibt es Technik statt Design. Damit kann man d’accord gehen, wie ich finde. Wichtig aber: Die Knöpfe und das Gewicht des RME ADI-2 DAC sind gut aufeinander abgestimmt, damit man nicht beim Bedienen mit einer Hand die andere zum Festhalten nutzen muss. Gleichzeitig ist auch nichts zu leichtgängig.

Rückseite des RME ADI-2 DAC

Die digitale Quelle lässt sich über S/PDIF optisch oder elektrisch verbinden, Sampleraten auch jenseits von 192 kHz und sogar DSD sind über den Direktanschluss per USB-B möglich. Ausgangsseitig gibt es symmetrische und unsymmetrische analoge Ausgänge auf XLR- und RCA-Buchsen, frontseitig warten hochwertige Kopfhörerverstärker mit 6,3-mm- und 3,5-mm-Buchsen auf Arbeit. Letztere ist „IEM“ betitelt, was bedeutet, dass hier ein besonders rauscharmer und niederimpedanter Amp für Freunde des In-Ear-Monitorings zum Einsatz kommt.

Als Rückmeldung für den User dient in erster Linie ein farbiges Display, durch welches mit den benachbarten Jog Dials und vier Tastern navigiert wird – oder per kleiner Fernbedienung, die als Schmankerl auch vier programmierbare Taster zur Verfügung stellt. Mittig auf der Frontplatte des RME befindet sich ein großes Volumenpotenziometer mit umlaufendem LED-Ring. Wer von Informationen bei getanen Settings eher genervt ist, kann diesbezüglich seine Ruhe haben und im Menü die Kirmesbeleuchtung unterbinden.

Display des RME ADI-2 DAC

Nicht zuletzt aufgrund des auskunftsfreudigen Displays lässt sich der RME ADI-2 DAC sehr leicht bedienen

Die Bedienbarkeit ist hervorragend, nach einer Minute nutzt man das Gerät wie im Schlaf. Ich sage das, weil mir mit meinem konzeptionell nicht unähnlichen Lavry-Wandler nach nunmehr zehn Jahren immer noch Fehlbedienungen passieren. Ein Hoch auf meine Impulskontrolle und den Klang meines geliebten Wandlers, sonst wäre das Ding schon längst Elektroschrott …

Der RME ADI-2 DAC im Hörtest

Um die klanglichen Eigenschaften des RME ADI-2 zu beurteilen, bemühe ich über einige Wochen Musikalben, die ich seit Jahren kenne, einige Neu- und Wiederentdeckungen und -erscheinungen, betrachte Einzelsignale aus Musikproduktionen und schließe diverses Gerät an die Ausgänge. Zunächst habe ich den Kopfhörerverstärker außen vor gelassen und über eine klassische Passivkette (Abacus 60-120D Dolifet und Quadral Galan 9), kleine Aktivlautsprecher (Genelec 8010) und den Elektrostatenkopfhörer Stax SRS-2050 gehört.

Gesamteindruck

Selbstverständlich gehöre ich zu den Hörern, die auch mal eine „Janis-Joplin-Phase“ in ihrer Biografie hatten. Wer Janis sagt, muss aber auch Etta sagen: Etta James At Last! ist mein Lieblingsalbum der Sängerin mit der großen Leibes- wie Stimmfülle, deren Stimmcharakter man durchaus als Blaupause für den von Janis bezeichnen kann. Etta hat aber etwas mehr den Soul gelebt und weniger Rock’n’Roll-Lifestyle zelebriert.

RME ADI-2 DAC - Display im Detail

Die Produktion wird auffällig unprätentiös wiedergegeben: Wie ich es von RME kenne, ist der Frequenzgang stocknüchtern-linear. Weder ist das Klangbild eher hell noch eher dumpf. Es muss ein lustiges Bild sein, wie ich schulterzuckend den Blick zwischen dem ADI-2 und meinem Computer hin- und herwandern lasse … ich bin mir sicher, dass man das Fragezeichen über meinem Kopf sehen kann: Was soll ich dazu jetzt schreiben, außer „Das Klangbild ist sehr neutral.“? Die Schulterzuckerei ebbt nicht ab, der hin- und herwandernde Blick ebenfalls nicht. Also gut: Das Klangbild ist sehr neutral.

Bass

Ich beginne den Rundgang durch die spektrale Welt beim Bass und mit ein paar Jungs, deren musikalisches Leben nach ihrer eigentlich erfolgreichsten Zeit im Grunde erst so richtig losging. Wir können uns sicher alle darauf einigen, dass ein gewisses Album mit einem kuriosen Cover, das die Musiker in einem Streichelzoo zeigt, einer der Meilensteine der Popmusik ist. Sicher, Pet Sounds ist ein hervorragendes Album der Beach Boys, empfehlenswert übrigens auch in der RSD-Version in Mono. Meiner Meinung nach ist Pet Sounds sogar das einzige wirklich gelungene Album der Wilson-Sippe, allerdings gibt es weitere Platten der Musiker mit un-fass-bar guten Songs, die allerdings öfters mal flankiert werden durch, nun ja, „eher mediokre“ Stücke. Na, finde ich ein paar Leser, mit denen ich mich über diese Haltung virtuell verbrüdern kann?

The Beach Boys Surf's UpDementsprechend lasse ich „Student Demonstation Time“ auf der 1971er-Scheibe Surf’s Up (Album auf Amazon anhören) mal links liegen (ganz recht, weil „würg“), dafür darf der wundervoll fundamentale Bass in perfekter Paarung mit der runden, gemütlichen Bassdrum auf „Til I Die“ und dem anschließenden „Surf’s Up“ oder dem unfassbaren „Disney Girls (1957)“ die Metallfolien in meinem Elektrostaten umso mehr zappeln lassen. Besonders im Vergleich mit D/A-Wandlern preiswerterer Audio-Interfaces (beispielsweise dem Focusrite Saffire 6i6 für circa 200 Euro) zeigt sich, wie straff, wie linear der RME die Wandlung vollzieht. Der ADI-2 gibt sich schnell und transparent, ja geradezu „streng“. Schönfärbend im Sinne von Verrundungen oder gar harmonischer Anreicherung ist da nichts. Das kann bei manchen Produktionen durchaus ernüchternd sein, die es an Perfektion im Bass missen lassen („Gold in, Gold out“, um es diplomatisch auszudrücken). Im Test mit selbst aufgezeichneter Kirchenorgel, deren Pedalwerk von Druckempfängermikrofonen bis „ganz, ganz unten“ aufgenommen wurde, zeigt sich, dass sich dieser Klangeindruck bis zur unteren spektralen Hörschwelle erstreckt. Wow – keine weiteren Fragen.

Powerknopf vom RME ADI-2 DAC

Mitten

Dennis Wilson – Pacific Ocean BlueDie Mitten wollte ich zunächst anhand des Albums Holland, mit „Sail On, Sailor“ (und der genialen Coverversion der Britpopper The Bluetones) beschreiben, doch dann schaute mich der am wenigsten beachtete Beach Boy Dennis Wilson vom Cover seiner Pacific Ocean Blue von 1977 (auf Amazon anhören) an. Der Titelsong „River Song“, für den ich ganz frech mal nicht einfach nur eine Hörempfehlung, sondern lieber einen Hörbefehl aussprechen möchte, stellt durchaus Anforderungen an die Mittenwiedergabe von Anlagen. Allerdings ist er auch hervorragend gemischt, das dick groovende Drumkit, das recht aufgeregte Piano, Dennis‘ knarzig-rauchige Stimme, der Gospelchor und die einsetzenden klebrigen Streicher – all das hat in der Mischung seinen Platz gefunden. Jedoch geht in dieser Komplexität auf meinen schon genannten Audio-Interfaces ein wenig Detailzeichnung der einzelnen Signale verloren. Toll ist, wie gut sich besonders der Leadgesang mit dem RME heraustrennt, anstatt in dem Signalgewirr unterzugehen. Ich vergleiche den RME daraufhin mit einem mir sehr lieb gewonnenen Arbeitsgerät, dem Lavry DA11 (um 1.500 Euro). Dieser Stereowandler zeigt ebenfalls eine enorme Detailtreue und Zeichnung, wirkt aber minimal fülliger, voller, fulminanter, spielt also vergleichsweise weniger schlank als der RME. Aber bitte: Ich rede hier von absoluten Nuancen.

Präsenzen

Die Hochmitten/Präsenzen sind der Bereich, der sowohl bei der Sprache als auch in der Musik die wichtigsten Informationen trägt. Dementsprechend geschult ist unser aller Gehör. Das macht ihn zu einem sehr wichtigen Teil des Spektrums, der in der Tontechnik sehr gewissenhaft betrachtet und optimiert wird. Auch im Gerätebau ist es ganz entscheidend, wie die Performance dort ist. Sie ahnen es: Der RME ADI-2 ist genau austariert. Er übertreibt mit dem Pegel nicht und riskiert keine „Nervigkeit“ oder „Biss“, geht aber auch nicht den gegenteiligen Weg und spielt eher zurückhaltend, distanziert. Die Balance stimmt einfach. Nennen wir es „perfekt“ – ohne dabei rot zu werden.

Sam Gopal – EscalatorFür den Hörer bedeutet das eine eher mittlere Langzeithörbarkeit, und auch, dass sich Ungereimtheiten in Musikproduktionen erkennen lassen. Den Tablaspieler Sam Gopal kennt kaum jemand, seine gleichnamige Band und das Album Escalator (auf Amazon anhören) ebenso wenig. Allerdings hat dort ein Mensch Gitarre gespielt und gesungen, der zuvor in einer Skiffle-Band unterwegs und als Roadie unter anderem für Jimi Hendrix tätig war. Seine nachfolgend immer stärker werdenden musikalischen Duftmarken sind sicher bekannter: Hawkwind und besonders Motorhead. Das Sam-Gopal-Album, eine verschwurbelte britische Endsechziger-Produktion mit tollem Songwriting, viiiel Psychedelic und einer wundervoll jugendlichen Stimme von Lemmy Kilmister ist in den Mitten nicht so richtig gelungen. Mal sind die Vocals zu weit vorne, mal schüttet eine Dudel-Gitarre andere Signale zu. Und genau das präsentiert der RME. Übrigens hätten wir hier auch einen klaren Grund, weshalb der ADI-2 als RME ADI-2 Pro im Studio-Bereich einen hervorragenden Ruf genießt und in Mixing und Mastering gerne verwendet wird.

Höhen

The Devil Makes Three – I`m A Stranger HereDas Album I’m A Stranger Here von The Devil Makes Three sieht nicht nur toll aus, das Americana-Werk (auf Amazon anhören) klingt auch umwerfend gut. Die gut proportionierten Höhen, etwa auf dem eingängigen „Forty Days“, wirken über den RME schonungslos und straight, feinkörnige Samtigkeit muss halt schon das Ausgangsmaterial liefern. Andersherum wirkt der ADI-2 aber auch nicht kalt oder metallisch. Die recht „offen“ gemischten Signale, besonders die Reflexionen und die Nachhallfahnen, wirken schön natürlich und klar strukturiert. Das macht der Lavry DA11 prinzipiell genauso, wohingehend die preiswerteren Wandler leichte Unausgewogenheiten zeigen und ein wenig an Zeichnung vermissen lassen.

Sampleraten & Vergleiche

Nun ist die Samplerate des RME ADI-2 DAC ja nicht auf 44,1 oder 48 kHz festgetackert. Ohne jetzt über Sinn und Unsinn von mehr als doppelten Samplerates bei Wiedergabemedien zu philosophieren, möchte ich kurz anmerken, dass Produktionen, in denen durchgängig mit über 96 kHz gearbeitet wurde, eher die Ausnahme darstellen (erkennbar ist das mit einer Frequenzanalyse). Das norwegische 2L-Label etwa bietet so etwas. Mein AD-DA-Wandlersystem ist das gleiche, welches dort mittlerweile auch benutzt wird, das HAPI/Horus-System mit Premiumkarten des Schweizer Herstellers Merging Technologies. Den NADAC-Player werden Sie als hochwertige Streaming-/DAC-Möglichkeit eventuell kennen. Mit diesem System (und den passenden Mikrofonen) habe ich selbst „echte“ 384-kHz-Aufnahmen machen können, was die maximale PCM-Samplerate des Systems darstellt.

RME ADI-2 DAC & Merging Technology

Durch Verringern der zeitlichen Auflösung auf 192, 96 und 48 kHz lässt sich recht gut beobachten, wie groß die Unterschiede sind: Sie sind gering. Der wesentliche Aspekt ist nicht unbedingt im Bereich der Impulswiedergabe zu suchen, sondern tatsächlich im Frequenzgang der Höhen, so klingt die gleiche Aufnahme bei 48 kHz nicht wirklich matter, sondern etwas weniger natürlich und unverfälscht. Mit Esoterik hat das nichts zu tun: Das notwendige Anti-Aliasing-Filter bei der Hälfte der verwendeten Samplerate muss bei 48 kHz sehr steilflankig sein, was zu hörbaren Einschränkungen durch sogenanntes „Ripple“ führt. Auch im eigentlich nicht gefilterten Frequenzband entstehen Wellen im Pegel- und Phasenfrequenzgang. Höhere Samplerates können mit flacheren Filtern arbeiten, was diese Problematik verringert.

Der Unterschied von 48 zu 96 kHz ist vernehmbar, wenn man sich konzentriert und die gesamte Kette entsprechend hochwertig aufgebaut ist. Von 96 zu 192 oder 384 kHz muss man schon mehr als sehr genau hinhören. Dem Merging-System, mehrkanalig und mit circa 7.000 Euro deutlich teurer als der RME, würde ich auch auf der D/A-Seite rein klanglich weder den Vorzug geben wollen noch hinter dem RME einreihen, die Merging-Wandlung wirkt auf mich allenfalls ein wenig analytischer, kristalliner. Der DA11, dem Dan Lavry eher widerwillig bei einem großen Versionsschritt überhaupt die Fähigkeit zu Samplerates jenseits der 48 kHz spendiert hat, ist auch bei seinem Maximalwert von 96 kHz ein kleines bisschen fleischiger als die anderen beiden Geräte.

RME ADI-2 DAC und weitere Elektronik

DSD geht einen anderen Weg, mit einem ähnlichen Ziel. Produktionen von 2L zeigten keine Unterschiede im Klangbild zwischen RME und Merging Technologies, die sich explizit benennen ließen – außer denen, die schon für die PCM-Wiedergabe galten. Und das lässt auf klangrelevante Unterschiede vor allem in der analogen, nicht in der digitalen Domäne schließen.

Dynamik

Seasick Steve – Sonic Soul SurferEs wird wohl niemand außerordentlich verwundert sein, wenn ich verkünde, dass die Grobdynamik des RME ADI-2 DAC absolut ins Bild passt. Ob nun Bach’sche Terrassendynamik oder die urgewaltigen Ausbrüche der Voll-auf-die-Moppe-Band Refused aus Umeå auf der The Shape Of Punk To Come – A Chimerical Bombination in 12 Bursts bei „Refused Are Fucking Dead“ oder natürlich dem ikonischen „New Noise“: Der D/A-Wandler spielt alles ohne jegliche Form von Dynamikveränderung oder unterschiedlichen Klangfarben bei verschiedenen Pegeln. Auch im feindynamischen Bereich ist die Akkuratesse der Wiedergabe enorm. Die Anschlaggeräusche der Saiteninstrument auf der Sonic Soul Surfer (auf Amazon anhören) von Hobo-Blueser Seasick Steve werden fein gezeichnet und ohne jegliches Verschleifen ausgegeben. Auch die Textur seiner Stimme lässt nichts an Detail vermissen. Diese Art, Material mit hoher Geschwindigkeit bei offenem Spektrum wiederzugeben, kann im Vergleich zu preiswerteren Wandlersystemen vielleicht als „etwas kantiger“ wahrgenommen werden – der Wandler beschönigt halt schlichtweg nicht. Wichtig zu wissen, weil man eher selten den Großteil seiner Musik in numerisch bester Qualität besitzt: Die immense Detailtreue zeigt der ADI-2 auch schon bei geringeren Samplerates und reiht sich diesbezüglich in die Leistungsfähigkeit von Lavry und Merging Technologies ein.

Ortung & Bühne

Sind Sie ein Freund von skalpellartiger Ortungsschärfe? Haben Sie Lautsprecher, die ihnen eine wirklich punktförmige Ortung ermöglichen? Dann bekommen Sie mit dem RME ADI-2 einen hervorragenden D/A-Wandler, denn er unterstützt genau diese Eigenschaften. Was auf der Linie zwischen Links und Rechts geschieht, ist so klar und deutlich platziert, dass die menschliche Winkelunterscheidung klar unterschritten wird. Die Gründe dafür sind unter anderem in der Kanalgleichheit, besonders aber dem geringen Übersprechen des RME zu suchen.

RME ADI-2 DAC: Vorder- und Rückseite

Jetzt, man möchte schon fast sagen „endlich“, kommt ein Thema, bei dem sich der RME eher im Mittelfeld einordnen muss: Das Pendel scheint bei ihm ein wenig mehr Richtung stabiler Ortung auszuschlagen und weg von schierer Raumgröße und -tiefe. Zwar ist das Signal immer schön griffig, konkret, schonungslos artikuliert und präzise positioniert, aber beispielsweise täte Orgelproduktionen und manchem großen Orchester ein klein wenig mehr „Immersion“ ganz gut. Vielleicht haben wir hier den Grund für den eingangs erwähnten Leitz-Ordner-Appeal? Ich möchte aber noch einmal unterstreichen, dass die Unterschiede diesbezüglich bei hochwertigen Digitalwandlern meist sowieso gering ausfallen. Deswegen jetzt von Blutarmut zu sprechen, wäre heillos übertrieben.

Kopfhörerbetrieb

Der Headphone-Amp, den RME ihrem DAC spendiert haben, ist alles andere als Beiwerk. Vielmehr kann er als integraler Bestandteil verstanden werden, so hochwertig wie er ist. Seine Auflösung und Linearität ist der des ebenfalls sehr hochwertigen Kopfhörerverstärkers im Merging Technologies HAPI ebenbürtig und qualitativ etwas über dem Amp des Lavry DA11 einzuordnen. Im Vergleich zum HP-Amp des DA11 fällt eine etwas bessere Ortung und Impulswiedergabe auf. Der RME kann laut und er kann leise. Laut: Auch mit höherohmigen Kopfhörern wie den AKG K-240DF mit 2 x 600 Ohm wird enorm Pegel produziert, gleichzeitig bleibt das Rauschen immer sehr gering. Beyerdynamic-Kopfhörer mit 250 Ohm (DT 990 Pro) und sogar die modernen, niederohmigen Audio-Technica-Hörer wie der ATH-AD700X (38 Ohm) lassen sich sorglos betreiben und sind dynamisch wie spektral hervorragend versorgt.

RME ADI-2 DAC von oben mit Stax-KH

Übrigens: Wirklich eindeutige Klangeigenschaften konnten den verschiedenen Digitaleingängen nicht zugeordnet werden – ein gutes Zeichen!

Test: RME ADI-2 DAC | D/A-Wandler, Kopfhörer-Verstärker

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