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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Dickes B
  2. 2 Boaacoustic: Klangeindrücke & Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Boaacoustic Crystal, Neutron, Silver Radon und Actinium

Ernsthaft: noch ein Kabelhersteller? Und dann gleich einer mit sage und schreibe 57 martialisch gestalteten und raketenwissenschaftlich betitelten Strippen auf einmal? Gewartet habe ich nicht gerade auf die vier hier getesteten Lautsprecher- und NF-Verbinder der Kabelmanufaktur „JIB-Germany“ (Web: www.jib-germany.de). Nach einigen ausgiebigen Hörwochen bleibt mir jedoch nichts anderes übrig, als deren Marke „Boaacoustic“ umso herzlicher in der HiFi-Welt willkommen zu heißen. Der Grund: Sowohl Hersteller als auch Produkt sind etwas Besonderes.

Warum? Nun, vielleicht weil die putzige Berliner Fünf-Mann-Kabelmanufaktur JIB-Germany mit Produktion im brandenburgischen Mahlow in Wahrheit überhaupt keine putzige Fünf-Mann-Kabelmanufaktur ist. Hinter JIB-Germany verbirgt sich nämlich JIB-International. Nie gehört? Aber sicher schon benutzt. Denn JIB-International mit Hauptsitz in China beschäftigt weltweit 600 Mitarbeiter damit, Gebrauchskabel für große Elektrokonzerne zu fertigen. Mit ambitioniertem High Fidelity hatte dieses Imperium aus Lade- und Funktionskabeln zunächst nicht das Geringste zu tun. Bis der Vorsitzende von JIB-International – privat ein passionierter Audiophiler – auf die Idee kam, das firmeneigene Know-how und Netzwerk für die Produktion highendiger Kabel mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis zu nutzen. Im Jahr 2010 wurde aus der Idee ein Unternehmen: JIB-Germany.

JIB-Germany Werkhalle in Mahlow, nahe Berlin

JIB-Germany Werkhalle in Mahlow, nahe Berlin

Der Standort Deutschland wurde nicht zufällig gewählt, schließlich genießt gerade in Asien, wo bis heute die meisten Boaacoustic-Kunden beheimatet sind, das Label „Made in Germany“ einen hervorragenden Ruf. Das Ganze läuft so ab: Das OCC-Kupfer für die Kabelinnenleiter kauft JIB als Kilometerware in Japan ein, die Verseilung zu Boaacoustic-Kabeln findet im Anschluss im chinesischen JIB-Hauptsitz statt. Der handwerklich anspruchsvollste Teil der Kabelproduktion – Verlötung und Konfektionierung der Rohkabel zu hochwertigen HiFi-Verbindern – wird dann vor den Toren Berlins in Handarbeit geleistet.

Eine Besonderheit der Boaacoustic-Lautsprecherkabel: sie werden mit schraubbaren Gabelschuhen sowie Bananas geliefert

Eine Besonderheit der Boaacoustic-Lautsprecherkabel: Sie werden mit schraubbaren Gabelschuhen und Bananas geliefert

Lange werkelte die Mahlower Manufaktur lediglich als Auftragsfertiger für den asiatischen Markt. Inzwischen macht sich JIB-Germany unter Leitung des neuen Vertriebs- und Marketingsmanagers York Dettmers jedoch peu à peu daran, auch den deutschen Fachhandel vom vorgeblich einmaligen Preis-Leistungs-Verhältnis der Boaacoustic-Verbinder zu überzeugen. An der nötigen Auswahl mangelt es, wie eingangs erwähnt, jedenfalls nicht: Vom Netzkabel über USB-Strippen bis hin zu digitalen sowie analogen Cinchverbindungen und natürlich Lautsprecherkabeln umfasst das ausnehmend farbenfroh gestaltete Portfolio so ziemlich alles, was man zwecks Verkabelung eines beliebigen Audio- oder Video-Set-ups nachfragen kann – und das vom moderaten Budget- bis in den mondpreisigen Highend-Bereich hinein.

Das Sortiment unterteilt sich dabei in eine günstigere Copper- und eine preislich gehobenere Silver-Linie. Während die Vertreter der Kupferlinie kleinere Unzulänglichkeiten in der Anlage verzeihen, handelt es sich bei der Silver-Serie laut Dettmers um „fertigungstechnisch aufwendigere Kabel mit intensiverer Hochtonauflösung und dezidiert analytischerer Diktion“, die ihre Stärken vorzugsweise in hochwertigen Ketten ausspielen – und angesichts von Preisen von bis zu 16.600 Euro für ein 2 x 3 m langes Lautsprecherkabel auch nirgendwo sonst hingehören.

Lautsprecherkabel Boaacoustic Silver Actinium

Lautsprecherkabel Boaacoustic Silver Actinium

Dass wir es bei Boaacoustic mit einem potenziellen Schwergewicht am audiophilen Kabelmarkt zu tun haben könnten, wird mir klar, als ich versuche, das gut zwei Kilogramm wiegende und mit der Flexibilität einer altersstarren Anakonda gesegnete Lautsprecherkabel Silver Actinium durch den Kabelsalat hinter den Racks hindurch schadlos zu den Lautsprecherklemmen meines Vollverstärkers zu manövrieren. Was für eine Show, schreit mein Instinkt, und die Marketing-Warnlämpchen leuchten im selben Rot wie mein vor Anstrengung angelaufener Schädel.

boaacoustic-silver-actinium

Hochwertige Verarbeitung bis ins Detail

Den Verdacht einer werblich inszenierten Materialschlacht unter dem Label „Made in Germany“ konnte York Dettmers mit seinen leidenschaftlichen Schilderungen fertigungstechnischer Besonderheiten insbesondere bei den Kabeln der Silberserie jedoch nahezu vollständig ausräumen: Als Grundlage sämtlicher Leiter fungiert bei Boaacoustic hochwertiges OCC-Kupfer. OCC steht dabei für „Ohno Continuous Casting“ und bezeichnet ein patentiertes Kupfergießverfahren, das es erlaubt, das Leitermaterial besonders einheitlich, will heißen: frei von potenziell klangmindernden sogenannten „Korngrenzen“ zu gießen. Die Kupferleiter der Boaacoustic-Linie weisen zudem eine Materialreinheit von 99,9999 Prozent auf und leiten Audiosignale nach Auffassung des Herstellers derart verlustarm, dass auch für die hochwertige Silver-Linie auf Kupfer zurückgegriffen wird: Es handelt sich bei den beiden getesteten Silver-Kabeln Radon und Actinium nämlich nicht um Reinsilber-, sondern um Hybridkabel mit jeweils mehrlitzigen, versilberten Innenleitern aus OCC-Kupfer.

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Cinchstecker des Boaacoustic Silver Radon

Die Schirmung der beiden koaxial aufgebauten NF-Kabel, auch des günstigeren Crystals, geschieht übrigens durch Aluminiumfolie sowie ein verzinntes Kupfergeflecht, und alle Cinchstecker sind für stabilen Halt in der Ausgangsbuchse ausgelegt – beim Crystal gibt’s sogar eine Schraubklemm-Funktion – und damit für möglichst verlustfreie Übertragung. Freiliegende Innenleiter, wie sie namentlich etwa an der Y-Verzweigung kurz vorm Ende der Lautsprecherkabel schon mal vorkommen, werden York Dettmers zufolge grundsätzlich durch isolierende Kunststoff-Umspritzungen gegen drohende Korrosion und mögliche Störeinflüsse von außen versiegelt. Details, die sich schon mal recht ordentlich anhören. Doch was zählt, ist aufm Sofa. Lassen wir die Schlangen also aus dem Körbchen …

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Boaacoustic: Klangeindrücke & Vergleiche

Um beide Linien miteinander vergleichen zu können, habe ich mir jeweils ein analoges Cinch- sowie ein Lautsprecherkabel für den Hörtest zusenden lassen: aus der Kupferlinie das NF-Kabel Crystal (400 Euro für 1 Stereometer) sowie das Lautsprecherkabel Neutron (780 Euro für 2,5 Stereometer), aus der Silberlinie den analogen Cinchverbinder Silver Radon (1.430 Euro für 1 Stereometer) sowie das Lautsprecherkabel Silver Actinium (1.340 Euro für 2,5 Stereometer).

Fangen wir doch mal vernünftig an. Und vernünftig, das beutet bei meinem Geldbeutel und meiner Referenzkette einschließlich Vergleichskabel in der Produkthierarchie von Boaacoustic konkret: unten. Bei den Kupferkabeln also.

Das Cinchkabel Boaacoustic Crystal

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Als erstes in den Ring steigt das etwas irreführend betitelte Kupfer-RCA-Kabel Boaacoustic Crystal. Zu messen hat sich die verkraftbare 400 Euro teure Strippe zunächst mit dem inzwischen dienstältesten Glied meiner gesamten HiFi-Kette: dem Tellurium Ultra Black RCA. Das Tellurium sollte sich denn auch sogleich nicht nur angesichts seines mit derzeit 490 Euro durchaus vergleichbaren Preises, sondern auch ob seiner betont durchlässig-neutralen Diktion als optimaler Prüfstein offenbaren. Soviel vorweg: Genau wie mein bewährtes Ultra Black präsentiert sich auch das Crystal-NF als weitgehend balanciert, transparent und entspannt agierendes Allround-Kabel ohne echte tonale Schlagseite oder vorschmeckende Schwächen.

Ein Kabel also, das sich unhörbar macht und jedes Signal unkommentiert passieren lässt? Nicht ganz. Ähnlich wie mein Tellurium, das sich dem Klang jeder angeschlossenen Komponente eine bescheidene Extraportion fluffiger Geschmeidigkeit und grooviger Griffigkeit beizumischen erlaubt, gönnt sich auch das hörbar auf Durchlässigkeit gezüchtete Crystal einen – wenngleich moderaten – Eigencharakter.

In groben Zügen: Man nehme einen minimalen Zoom-Effekt, sodass Schallquellen etwas größer dargestellt werden, mische unter den Gesamtklang einen Schuss Sahne, auf dass der Vortrag insgesamt eine Spur cremig fließender gerate und unzulängliche Aufnahmen oder Ketten „gefälliger“ tönen. Das Ganze tonal auf ein sonor-erdiges Fundament gestellt und komplettiert durch betont untechnisch dahinfließende Mitten sowie ein sauber auflösendes, aber pegeltechnisch minimal gedimmtes Hochtonspektrum – und schon hat man ein Kabel komponiert, das sich mit so ziemlich jeder Kette vertragen und den allermeisten Set-ups bis, sagen wir: 10.000 Euro Gesamtwert, zu einem angenehmeren, und ja, so einfach ist das: „schöneren“ Klang verhelfen dürfte.

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Natürlich geht da in der einen oder anderen Einzeldisziplin mehr. So gibt es auch unter 500 Euro bereits Cinchkabel, die frequenztechnisch gerader spielen. Ein Gutteil des wunderbar entspannten und absolut langzeittauglichen Crystal-Klangs rührt daher, dass sich der Präsenzbereich zumindest in meiner Kette als minimal zurückgenommen und dafür die unteren Mitten ein wenig angehoben präsentieren. Beides tonale Eckpfeiler einer sympathisch-unaufgeregten „Laid Back“-Abstimmung. Da mein Lautsprecher Harbeth SHL5+  ebenso agiert und dies auch, wie’s aussieht, noch viele Jahre lang in meinem Wohnzimmer tun wird, bin ich der Letzte, der an jener Normabweichung zugunsten stressfreien Schönklangs etwas auszusetzen hätte. Zumal dieser tonale Charakter keinesfalls in eine Färbung abkippt, sondern stets im Rahmen dessen verbleibt, was man guten Gewissens noch als „neutral“ bezeichnen darf. Dass ein Tellurium Ultra Black gesamttonal „richtiger“ spielt, steht dennoch außer Zweifel.

Beim Boaacoustic Crystal gerät der Bass zudem vergleichsweise weich und organisch. Ohne gleich aufzudicken oder impulstechnisch hinterherzuhinken, verweigert das Untergeschoss doch jeden Anflug militärischer Strenge oder asketischer Zurückhaltung. Bei Orchestermusik, Kontrabässen oder zackig abgemischtem Elektro wird die sympathische Rundheit jener tieffrequenten Pralinen-Abteilung zum Hochgenuss. Übertroffen nur noch von den Mitten, die in jeder Hinsicht die Komfortzone des Crystal markieren.

Steril, technisch, kalt, hart, nasal, überanalytisch: So lässt sich umschreiben, wonach das Boaacoustic Crystal mal so gar nicht klingt. Überaus charmant präsentiert sich auch der Hochton: Eher gülden schimmernd denn silbrig glänzend serviert das Crystal instrumentale Obertöne und raumakustische Details gewissermaßen auf dem Kupfertablett. Die schwierige Gratwanderung aus „restlos aufgelöst“ und „effektfrei angebunden“, an der leider immer noch viele ansonsten astreine Kabel scheitern, habe ich noch von keinem NF-Kabel unterhalb der 1.000-Euro-Marke derart stimmig präsentiert bekommen. Das hat nicht nur ein charmantes bisschen Charakter, sondern auch ganz große Klasse.

Einen milden charakterlichen Akzent setzt das Boaacoustic Crystal auch in Sachen Raumabbildung. Im Arrangement geraten einzelne Schallquellen nämlich eine Spur voluminöser als beispielsweise von meinem humorlos realistisch abbildenden Tellurium Ultra Black gewohnt. Dafür fällt die Bühne insgesamt etwas höher und breiter, wenngleich nicht ganz so tief gestaffelt aus. Das Crystal geht der Zeichnung des akustischen Raumes tatsächlich erfrischend unpedantisch nach. Mit dickem Pinsel und satten Farben werden das Volumen eines resonierenden Pianokorpus und der Schimmer seiner Saiten in nuancierten klangfarblichen Facetten in den Raum gemalt. Das Reißbrett zur exakten Verortung von Position und Umriss eines Klangkörpers jedoch lässt das Boaacoustic Crystal in der Tasche. Keine Sorge: Instrumente lassen sich mit preisklassenadäquater Schärfe orten. Nur: Als Vermessungsgerät für Aufnahmeräume taugen gewisse Konkurrenzkabel – namentlich etwa das Nordost Blue Heaven oder eben auch das Tellurium Ultra Black – halt etwas besser. Auch in Sachen Auflösung geht das Tellurium noch ein Schrittchen weiter, allerdings nur im Hochtonbereich. In den Mitten lösen beide Kabel nahezu identisch und damit für ihre Preisklasse überdurchschnittlich gut auf.

Und die Dynamik? Schließlich zeigt sich die Kehrseite geschmeidigen Schönklangs ja gerne einmal – bedauerlicherweise nicht selten erst bei längerem Hinhören und nach Ablauf der Umtauschfrist – in leicht verwaschener Dynamik. Nicht so beim Boaacoustic Crystal. Weder im Groben noch im Feinen wird seine stressfrei schöne Rundheit durch Verrundungen dynamischer Impulse erkauft.

Das Lautsprecherkabel Boaacoustic Neutron

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Schauen wir, ob sich die grundsympathische Entspanntheit der Kupferschlange noch steigern lässt, indem ich auch mein Lautsprecherkabel aus Telluriums Ultra-Black-Serie gegen das Neutron LS-Kabel aus dem Hause Boaacoustic tausche. Ergebnis, in der Tat: same, same, but more. Der Bass? Nochmals einen Tick vollmundiger. Versuppung: weiterhin nicht festzustellen. Sogar einen Hauch griffiger, unmittelbarer wirkt das Klangbild nun untenrum, was ich durchaus als Synergieeffekt der Boaacoustic-Doppelverkabelung verbuche. Mitten? Unverändert. Höhen? Immer noch mehr Gold als Silber, immer noch tadellos aufgelöst, wenngleich nun etwas früher ausblendend. Geschenkt, schließlich wäre es für mein hochgelobtes und mit 1.820 Euro für 2,5 Meter mehr als doppelt so teures Tellurium Ultra Black LS-Kabel nachgerade peinlich, würde es nicht hörbar mehr Hochtoninformation liefern als das lediglich 780 Euro teure Boaacoustic Neutron.

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Ob es womöglich dennoch zu viel des Guten, sprich: der Milde werden könnte bei Durchverkabelung? Nun, das Zusammenspiel von Copper-NF- und LS-Kabel zeigt keine Tendenz in diese Richtung. Schallquellen werden durch Hinzunahme des Neutron-Lautsprecherkabels zwar erwartungsgemäß nicht umrissschärfer dargestellt, allerdings ist eine weitere Aufweichung der Abbildungskonturen ebensowenig festzustellen wie eine etwaige Überdosierung der üppig aufgetragenen Klangfarben. Nein, das Boaacoustic Neutron formt die oben beschriebene persönliche Note des Crystals zu einem stimmigen Gesamtcharakter. Einem Charakter, der in seiner cremigen Natur ein wenig an erschwinglichere Vertreter von Cardas-Kabeln erinnert, dabei aber transparenter und beweglicher agiert, und der eine ebenso natürlich-realistische Duftmarke hinterlässt wie die Tellurium-Black-Serie, dabei allerdings offener für Anflüge klangfarblicher sowie tonal-romantischer Schwärmerei bleibt. Wenn ich diesen Charakter auf eine Formel bringen müsste, würde ich sagen: ausgeglichen, im Zweifel aber eher schön als exakt.

Das Cinchkabel Boaacoustic Silver Radon

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Was man erhält, wenn man diese Formel eins zu eins umkehrt? Nun, so ziemlich genau das, was anschließend zwischen DAC und Vollverstärker werkelt, nämlich das Boaacoustic Silver Radon RCA zum Nicht-mehr-ganz-Kampfpreis von 1.430 Euro für einen Stereometer. Und so sehr ich die charmant-entspannte Gangart des Crystal auch schätze, das Radon RCA macht vom ersten Takt an zweierlei deutlich. Erstens, dass es geschmacklich einem gänzlich anderen Ideal folgt. Und zweitens, dass es qualitativ in einer ganz anderen Liga spielt.

BlackfieldWas das Boaacoustic Radon anders macht? Zunächst einmal spielt es humorlos neutral. Im Frequenzgang ist nicht die winzigste Unregelmäßigkeit auszumachen, die nicht meiner Restkette geschuldet wäre. Zugleich wächst das Frequenzspektrum in beide Richtungen. Im Bass geht‘s nun gefühlt eine halbe Oktave tiefer hinunter – und zudem wird er sauberer artikuliert. Tieftonimpulse wie beispielsweise die herrlich trocken eingefangene Bassdrum in „Lonely Soul“ auf Blackfields musikalisch schwächstem und aufnahmetechnisch stärksten Album V (auf Amazon anhören) kommen mit Volumen, Vehemenz und Präzision.

Nein, diese Synthese aus Tiefgang, Druck, Schnelligkeit, Kontrolle und Transparenz im Tiefton habe ich noch bei keinem anderen Kabel gehört. Wenn ich hier irgendetwas auch bloß „relativieren“ wollte, ich müsste schlicht lügen. Okay, okay, wer – sagen wir dann vielleicht doch – untenrum betont straff abgestimmte Boxen sein Eigen nennt, dem könnte jene Hochkultur im Tiefton womöglich zu militärisch wirken. Für meine im Bass tendenziell gemütlichen Harbeth SHL5+ aber hat das Boaacoustic Silver Radon den perfekt dosierten Tritt in den Allerwertesten parat.

Dave HollandWeiter oben? Fast noch besser! Der Hochton des Boaacoustic Radon präsentiert sich grenzenlos offen, duftig, funkelnd und dabei stets feinstofflich genug, um trotz der dargebotenen Fülle hochfrequenter Details durchgehend diesseits der Nervgrenze zu operieren. Dass sich Sängerinnen dabei jegliche störende Silbilanz und E-Gitarren übertriebenes Sägen verkneifen, gehört in dieser Preisklasse ohnehin zum Pflichtprogramm. Nein, das Radon zeigt dem Hörer einfach unverstellt sämtliche Informationen, die in einer Aufnahme stecken. Dass Solobassist Dave Holland auf seinem Duett-Album „Hands“ (auf Amazon anhören) mit Pepe Habichuela fast durchgängig munter mitsummt, konnte ich vorm Radon nur dank meiner Analysemuschel AKG K812 feststellen. Weniger „Vorhang“ war – zumindest bei mir – nie. Dass diese Unverstelltheit auch ihre Tücken hat, zeigt sich indes im Mittenband. Dieses präsentiert das Boaacoustic Radon flüsterpegeltauglich artikuliert und lückenlos transparent, aber eben auch so gänzlich frei von Schmelz, Wärme oder Farbauftrag, dass ich fürs reine Genusshören insbesondere suboptimaler Aufnahmen bisweilen dann doch wieder aufs Crystal-RCA zurückwechsle.

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Als Upgrade für mittelmäßige Ketten taugt das Boaacoustic Silver Radon daher eher weniger, sondern vielmehr als extrascharfe Klanglupe für bereits hochwertig und ausgewogen klingende Anlagen, denen man möglichst viel Auflösung, Raum, Kontur und Kontrolle entlocken möchte. Habe ich Raum gesagt? Oh ja! Bis zu letzten Quadratzentimeter wird die Bühne ausgeleuchtet und großformatig, sauber und tief gestaffelt. Schallereignisse werden plastisch und exakt aus dem Gesamtklang herausgeschält und stehen körperhaft, stabil und fast gespenstig anfassbar im Raum.

Das Lautsprecherkabel Boaacoustic Silver Actinium

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Die geschilderten Phänomene werden sogar noch intensiver wahrnehmbar, wenn ich dem Radon-NF das Lautsprecherkabel Boaacoustic Actinium aus der Silverserie zur Seite klemme. Der Raum öffnet sich im Vergleich zum LS-Kabel Tellurium Ultra Black noch eine Winzigkeit weiter in alle Dimensionen, Klangkörper wirken nochmals schärfer umrissen und die Dynamik meiner Kette lässt im Groben wie Feinen nun keinerlei Limitierungen mehr erkennen. Gemeinsam entlocken Boaacoustic Radon und Actinium meinen Harbeth eine zackige Impulskontrolle und fetzige Transientenwiedergabe, die ich den Briten nicht zugetraut hätte. Wären die Klangfarben noch einen Tick glaubhafter oder vielleicht bloß kräftiger und wäre der Vortrag insgesamt von jener leicht strengen Diktion befreit, würde geschmeidiger und entspannter wirken, Radon und Actinium würden mir das perfekte Live-Erlebnis bescheren.

Test: Boaacoustic Crystal, Neutron, Silver Radon & Silver Actinium | Kabel

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