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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Jetzt mal ehrlich!
  2. 2 AKG K371 im Hörtest
  3. 3 Testfazit: AKG K371

Als ich gefragt wurde, ob ich den AKG K371 (Preis: 189 Euro) testen möchte, war ich sofort bereit, schließlich ist der Vorgänger K271 seit sehr vielen Jahren in meiner persönlichen Sammlung und hat mich bereits um die Welt begleitet. Ist der neue K371 nur aufgrund seiner Nummer der Nachfolger des geschlossenen Studioklassikers von AKG – oder steckt mehr dahinter?

Die Ausstattung des AKG K371 (Vertrieb: www.audiopro.de) ist gut, mit dabei sind drei Kabel: ein kurzes 1,2-m-Modell, ein gerader 3-m-Verbinder sowie ein 3-m-Spiralkabel. Allesamt werden, wie beim K271, per Mini-XLR am Kopfhörer angeschlossen und bieten am anderen Ende eine 3,5-mm-Klinke mit einem 6,35-mm-Adapter. Dank dieser Ausstattung fühlt sich der Hörer in fast jeder Umgebung passend an, sei es daheim, im Studio oder am mobilen Player auf dem Weg durch die Stadt. Abgerundet wird der Lieferumfang durch eine kleine Tasche zum sicheren Transport des Hörers.

Der AKG K371 kommt mit drei Kabeln und einem Adapter

Der AKG K371 kommt mit drei Kabeln und einem Adapter

Damit der AKG K371 beim Transport nicht zu viel Platz wegnimmt, hat er einen kleinen Trick auf Lager: Die Ohrhörer können auf beiden Seiten nicht nur ausgezogen und an die Kopfgröße angepasst, sondern auch in das Kopfband eingedreht werden, sodass sie weniger Platz einnehmen. Der Mechanismus macht einen wirklich stabilen Eindruck und in den Wochen meiner Nutzung hatte ich auch keinerlei Probleme mit dem Hörer beziehungsweise der Mechanik. Ich kann mir gut vorstellen, dass der AKG K371 auch in harscher Studioumgebung gut zurechtkommt.

Die Hörmuscheln des AKG K371 lassen sich eindrehen

Die Hörmuscheln des AKG K371 lassen sich eindrehen

Insgesamt macht der K371 einen hochwertigen Eindruck auf mich, zwar ist viel Plastik im Spiel, doch die wichtigen Stellen sind mit Metall verstärkt und er besitzt eine sehr angenehme Softtouch-Oberfläche. Das Design schwankt ein bisschen zwischen „professionellem Look“ aufgrund des eher dezenten Auftritts in Farbe und Material und „stylishem Modell“ wegen der kleinen, eng am Kopf verlaufenden Bauform mit ovalen Muscheln. Ich persönlich finde ihn gelungen.

Grundsätzlich handelt es sich beim AKG K371 um einen klassischen geschlossenen Kopfhörer mit dynamischen Treibern. Die Impedanz liegt mit 32 Ohm erfreulich niedrig und der Wirkungsgrad sehr hoch, sodass er auch an mobilen Geräten viel Spaß macht und ausreichend Lautstärke erreicht.

Für die Isolation sorgen ovale Ohrpolster aus Kunstleder, die sich sehr sanft an den Kopf schmiegen und selbst für große Ohren ausreichend Platz bieten. Besonders die Tiefe der Ohrmuscheln ist gut geraten und so kann man den Kopfhörer wirklich stundenlang ohne Irritationen tragen. Natürlich dringen Umgebungsgeräusche weiterhin gedämpft ans Ohr, jedoch bietet der K371 gerade im Hochtonbereich eine wirklich gute Dämmung. Dieser Bereich ist meist störend bei Hintergrundgeräuschen – der AKG K371 dämpft hier deutlich besser als der K271, trotz seiner kleineren Bauweise.

AKG K371 in der Verpackung

AKG K371 im Hörtest

Thom Yorke, AnimaHat man nun das Kabel seiner Wahl angesteckt und mit der Musikquelle verbunden, überrascht der AKG K371. Zunächst fällt eine ungewöhnlich klare Stimmwiedergabe in Verbindung mit einem durchaus präsenten Bassbereich auf. Elektronische, eher reduzierte Musik wie Thom Yorkes Anima (auf Amazon anhören) kann der AKG hervorragend darstellen. Stimmen und Rhythmus werden klar getrennt und erhalten beide ihre Präsenz. Auch ein vokales Werk mit Bass wie Björks Medulla bereitet einem mit dem K371 große Freude. Man hört die Titel wieder und wieder und erkennt ein ums andere Mal etwas Neues, ohne dass es einem unangenehm wird, die „Einzelteile“ der Songs so deutlich vorgeführt zu bekommen. Als wäre er bewusst so abgestimmt worden, angenehm zu klingen. Und letztendlich ist er das ja auch – und zwar mit System. Klarer wird dieses Verhalten dann, wenn man sich die Philosophie des AKG-Hörers einmal genauer anschaut. Er folgt nämlich der sogenannten „Harman-Frequenzkurve“.

AKG K371, Muscheln oben

Kopfhörer können unterschiedliche Ziele verfolgen: den Klang möglichst unverändert, so wie er auf der Aufnahme ist, ans Ohr bringen, oder eine Darstellung bieten, die dem Höreindruck von Lautsprechern in Wohnräumen nahekommt. Ersteres hat als Ideal einen vollkommen linearen Frequenzgang. Dann kommt jeder Ton so wie er auf dem Tonträger verewigt ist (theoretisch) auch ans Ohr. Eine gute Anlage im Raum klingt aber anders als zwei Lautsprecher direkt vor den Ohren, allein schon wegen der Raumreflexionen. Die Harman-Kurve, der der AKG K371 folgt, orientiert sich am Klangeindruck einer Stereoanlage in einem akustisch gut gedämpften Raum. Diese Zielkurve folgt dabei nicht nur der Theorie, sondern untermauert diese mit Daten aus einer Befragung vieler Hörer mit unterschiedlichen Hör-Erfahrungen und Geschmäckern. Insofern stellt sie gewissermaßen – auf einer fundierten empirischen Basis – den „gemittelten Schönklang“ in den Vordergrund.

AKG K371

Ob nun schön oder nicht, was mit dem K371 jedenfalls hervorragend gelingt, ist die sichere Beurteilung des Quellmaterials. Der AKG erinnert mich in seiner Darstellung am ehesten an leicht warm abgestimmte Monitorlautsprecher, die in einer typischen Nahfeldkonfiguration aufgebaut sind. Diese zeigen alle Details klar auf, werden in der Wiedergabe aber nie so scharf, sodass es unangenehm werden könnte. Der AKG K371 lässt sich daher hervorragend als Monitorkopfhörer verwenden. Er schafft den schwierigen Spagat zwischen Hörfreude und analytischer Wiedergabe und kann deshalb auch dazu genutzt werden, die Unterschiede zwischen verschiedenen HiFi-Bausteinen zu ergründen. So konnte ich im Vergleich zwischen Röhrenverstärker (getunter Musical Fidelity X-CANv3) und Transistor-Modellen (HeadAmp GS-1 und MeierAudio HeadFive) deutlich die Einflüsse der Röhrenvorstufe hören. Wie andere ehrliche Kopfhörer stellt auch der AKG Fehler in der Aufnahme deutlich dar. Zwar wird er dabei nie „unfair“ und betont sie nicht besonders, doch auch wenn es sich um eher kleine Details handelt, fallen sie aufgrund seiner Genauigkeit auf.

Zum verlangten Preis ist die Auflösung auf einem sehr hohen Niveau und sticht positiv heraus, aber an das Niveau von Hörern höherer Preisklassen wie einem AKG K812 oder Sennheiser HD800 kommt er nicht heran. Ein preislich vergleichbarer Sennheiser H599 (offene Bauweise) löst Details zwar ähnlich gut auf, bietet jedoch eine etwas entspanntere Wiedergabe. Beim Sennheiser muss man auf die Details im Mix aktiv achten, um Unterschiede wahrzunehmen, sie werden weniger präsent als beim AKG K371 dargestellt. Während der AKG ein Präzisionswerkzeug ist, stellt der Sennheiser eher ein vertrautes Polstermöbel dar: bequem und ohne Ecken und Kanten.

AKG K371, Hörmuschel komplett

Räumlich vollbringt der geschlossene AKG keine Wunder. Der Bühneneindruck ist eher geringer ausgeprägt, sodass es sich danach anhört, als kämen alle Töne aus der gleichen Tiefe. Für große orchestrale Werke ist der K371 daher nicht prädestiniert. Hier zeigt er zwar alle Klangdetails der Aufnahme, ein kohärentes Musikensemble will sich vor meinem inneren Auge aber nicht wirklich aufbauen.

Ben Harper, Fight for your MindWas den AKG positiv hervorhebt, ist die Tiefbasswiedergabe. Zunächst traut man einem so kompakten und leichten Hörer nicht solch gewaltigen Tiefgang zu, doch die 50-mm-Treiber ermöglichen einen erstaunlich druckvollen Tiefbass, der zu keiner Zeit außer Kontrolle gerät. Hier wächst der AKG tatsächlich über sich hinaus. Insbesondere versucht er nicht, fehlenden Tiefbass mit mehr Volumen in höheren Basslagen auszugleichen – das hat er schlicht und ergreifend gar nicht nötig. Er spielt exakt so, wie die Aufnahme es verlangt. Ein Song wie „Oppression“, der erste Titel aus Ben Harpers zweitem Album Fight for your Mind (auf Amazon anhören), klingt sehr glaubwürdig und vollständig. Es gelingt dem AKG, das gesamte Volumen der Bongos darzustellen, sodass man sich nie fragt, ob hier etwas fehlen könnte. Zeitgleich bleibt Harpers Stimme unverfälscht und natürlich.

Im Mitteltonbereich hatte ich manchmal das Gefühl, eine tonale Spitze zu hören, doch letztendlich ist es nur die enorme Klarheit der Mitten, die mich dies vermuten ließ. Er stellt unterschiedliche Stimmen klar und deutlich heraus, ohne im Frequenzgang zu schummeln. Der K371 arbeitet hier sehr natürlich, unheimlich flink und gerät selbst bei komplexen Passagen nicht in Probleme. Ich habe mich mit dem AKG einmal quer durch Bruce Spingsteens Lebenswerk bewegt und bin insbesondere bei Nebraska und Born in the USA hängen geblieben. Spingsteens Stimme ist hier oft rau und gebrochen, besitzt aber durch den teils gepressten Gesang dennoch unheimlich viel Wucht. Solche Details stellt der AKG hervorragend dar und man kann trotzdem entspannt zuhören.

AKG K371 - Kopfband

Den Hochtonbereich würde ich als „unspektakulär gut“ bezeichnen. Niemals neigt der K371 zum Klirren, jedoch können die Höhen, wenn die Aufnahme es hergibt, durchaus spitz werden. Ein Jack-White-Gitarrensolo aus dem Song „Gasoline“ vom The-Dead-Weathers-Album Sea of Cowards wird äußerst intensiv und fordernd rübergebracht, schlägt aber nicht ins Anstrengende um. Auch klassische Instrumente wie Violine leben beim AKG auf, bleiben aber stets natürlich.

Testfazit: AKG K371

AKG ist mit dem K371 ein äußerst spannendes Modell für ein sehr großes Zielpublikum geglückt. Der Kopfhörer kann für kritische Studioarbeit genauso eingesetzt werden wie für entspannte Musik- oder Gaming-Sessions am Abend. Dank seines hohen Komforts, der kompakten Bauweise und der sehr guten Effizienz ist er auch unterwegs für Kopfhörerenthusiasten mit hohen klanglichen Anforderungen eine hervorragende Wahl.

Akg K371, seitlich

Mit seinem druckvollen und ehrlichen Tiefbassbereich, gepaart mit leichter Wärme in den Mitten, lässt er sich über Stunden entspannt hören. Gleichzeitig erreicht er eine sehr gute Detaildarstellung, ohne dass die Höhen je schrill werden, und lässt einen alle Nuancen der Aufnahme wahrnehmen. Als kleine Schwäche geht die Raumdarstellung durch, die eher kompakt ausfällt. Das Gesamtpaket, das AKG hier fürs Geld geschnürt hat, ist herausragend und deshalb eine klare Empfehlung für Fans ausbalanciert-ehrlicher Klangbilder.

Fakten:

  • Modell: AKG K371
  • Konzept: ohrumschließender, geschlossener Kopfhörer, Muscheln klappbar
  • Preis: 189 Euro
  • Nennimpedanz: 32 Ohm
  • Empfindlichkeit: 114 dB SPL/V
  • Gewicht: 255 g
  • Ausführung: Schwarz
  • Sonstiges: Transportbeutel; 3 abnehmbare, einseitig gesteckt Kabel: 1,2 m Kabel, 3 m Kabel (glatt), 3 m Spiralkabel; 3,5-auf 6,3-Klinkenadapter
  • Garantie: 2 Jahre

Vertrieb:

Audio Pro Heilbronn Elektroakustik GmbH
Pfaffenstraße 25 | 74078 Heilbronn
Telefon: +49(0)7131-2636400
E-Mail: info@audiopro.de
Web: https://www.audiopro.de/

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Test: AKG K371 | Kopfhörer

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  3. 3 Testfazit: AKG K371

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Musical Fidelity X-DACv3 mit PSU CD-Player: Sony SCD-XB790, BDP-S790

Vorstufen: Hochpegel: Marantz AV7005 (AV)

Kopfhörer: AKG 271, AKG 501, AKG 701, Audio Technica A900Ltd, Beyerdynamic DT880, Beyerdynamic T1, Denon D7000, Grado HF-1, Sennheiser HD650, Sennheiser HD800, Sennheister HD800S, UltimateEars Triple Fi Pro

Kopfhörerverstärker: Ray Samuel Audio Emmeline The Hornet, Headamp GS-1 w/DACT, Musical Fidelity X-CANv3 (modifiziert) mit PSU, Meier Audio Corda HeadFive, Corda Swing

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