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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Freiheitsliebend
  2. 2 Beyerdynamic Free Byrd: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Beyerdynamic Free Byrd

Es fällt gar nicht so leicht, einen In-Ear zu finden, der wirklich gut zu einem passt. Viele Aspekte müssen stimmen, das fängt schon beim besonders kritischen Sitz- und Tragegefühl an: So eng wie Ohrhörer schmiegt sich nun mal kein anderes Audio-Gadget an den Körper. Dann wären da die Features, die das Teil mitbringen sollte. In den seltensten Fällen verstehen sich In-Ear-Hörer heutzutage als reine Schallwandler. Stattdessen müssen sie meist kabellos funktionieren – mit möglichst langer Laufzeit –, Freisprechen ermöglichen und am besten eine aktive Geräuschunterdrückung mitbringen. Und natürlich, nicht ganz unwichtig, sollten sie auch noch richtig gut klingen.

So. Und nun auf in den Fachhandel, kann ja nicht so schwer sein. Oder? Pustekuchen! Die Auswahl ist riesig und reicht vom vermeintlichen Schnäppchen aus Fernost bis zum Nobelhobel vom Designer. Die Menge der Ausstattungsmerkmale ist schier unüberschaubar, und Sitz und Klang lassen sich meist erst nach dem Kauf wirklich bewerten. Für viele bleibt da eigentlich nur der vertrauensvolle Griff zum klassischen Traditionshersteller mit Sinn und Know-how für moderne Technologien. Und da hat sich die Firma Beyerdynamic meines Erachtens vor Jahren als eine der Ersten durch die Kooperation mit den Berliner Hörtechnologie-Spezialisten Mimi und der ans individuelle Hörvermögen anpassbaren MOSAYC-Klangregelung ziemlich gut positioniert.

Free Byrd von Beyerdynamic

Der Free Byrd ist der erste True Wireless In Ear von Beyerdynamic

Flieg frei!

Diese Möglichkeiten finden sich auch im ersten echten kabellosen True Wireless In-Ear – genannt „Free Byrd“ (229 Euro) – der Heilbronner (mehr dazu im Hörtest), die sich auch an anderer Stelle nicht lumpen lassen und mit der aktuellsten Bluetooth-Version 5.2 kompatibel sind. Dank Google Fast Pair sollen sich die Free Byrd zudem in Sekundenschnelle mit dem Endgerät verbinden.

Abgesehen davon bringt der Beyerdynamic Free Byrd natürlich all die oben erwähnten Annehmlichkeiten mit sich: zum Beispiel das Freisprechen, das dank gleich dreier Mikrofone auf jeder Seite und Qualcomm dual 2-mic cVc besonders verständlich gelingen soll und zudem die Sprachassistenten Amazon Alexa und Apple Siri unterstützt. Den laut Qualcomm-Marketingabteilung klangförderlichen aptX-Adaptive-Codec verstehen die Beyerdynamic Free Byrd ebenso wie SBC und AAC. AptX Low Latency soll Gamern und Videofans kurze Verzögerungszeiten bescheren.

Das ANC mit Feed-Back- und Feed-Forward-Topologie – die aktive Geräuschunterdrückung – ergänzt Beyerdynamic um einen Transparency Mode und bietet so die Möglichkeit, Außengeräusche aktiv verstärkt ans Ohr zu leiten, um im Straßenverkehr nicht „taub“ und damit gefährdet zu sein. Schließlich dichtet so ein Ohrhörer das Gehör schon rein passiv gegen Schalleindrücke von außen ab. Guten Sitz sollen gleich acht Paar Ohrpassstücke verschiedener Größen bieten – fünf Paar aus Silikon und drei aus Schaumstoff für sportliche Anwendungen.

Beyerdynamic Free Byrd kommt mit acht Ohrpassstücken

Der Beyerdynamic Free Byrd kommt mit acht Ohrpassstücken

Apropos Sport: Dank IPX4-Zertifizierung kann man die Beyerdynamic Free Byrd ohne schlechtes Gewissen auch im Regen spazieren führen oder im Fitness-Studio kräftig schwitzen. In meinen Ohren sitzen übrigens die zweitkleinsten Silikonstöpsel der Größe S sehr angenehm, sicher und vor allem ohne ein starkes Druckgefühl hervorzurufen. Mit sieben Gramm pro Ohrhörer sind die Free Byrd recht leicht.

Bestückung und Akku-Kapazität

Als Treiber kommt ein einzelner dynamischer Ein-Wegler in einem geschlossenen Gehäuse zum Einsatz. Er soll einen Frequenzbereich von 10 bis 22000 Hertz abdecken. Die Akkulaufzeit der Ohrhörer mit aktiviertem ANC gibt Beyerdynamic mit bis zu elf Stunden an. Da die Ohrhörer-Akkus eine Kapazität von jeweils 83 mAh besitzen und das Ladecase eine von 500 mAh, dürften sich insgesamt bis zu knapp 30 Stunden Musik rausholen lassen, ohne dass man an ein USB-Outlet muss.

Beyerdynamic Free Byrd im Ladecase

Zusammen mit dem Ladecase beträgt die Spielzeit der Free Byrd um die 30 Stunden

Die Laufzeit mit Freisprechen beträgt offiziell achteinhalb Stunden und nach drei Stunden und 45 Minuten im mitgelieferten Ladecase mit USB-C-Anschluss – alternativ lässt sich das Case über ein (separat zu erwerbendes) Qi-Ladepad mit Energie versorgen – sind die Ohrhörer wieder voll. Auch gut zu wissen ist, dass zehn Minuten Laden über eine Stunde Musikhören ermöglichen soll – wenn’s denn mal schnell gehen muss.

Beyerdynamic Free Byrd: Hörtest und Vergleiche

Die letzten In-Ears, die ich testen durfte, waren die Teufel Supreme In, die mit 120 Euro etwas mehr als halb so viel kosten wie die Free Byrd. Diesen Preisabstand machen die Beyerdynamic-In-Ears recht schnell und deutlich mit einer (ohne jegliche Anpassung in der MIY-App) homogeneren Abbildung im virtuellen Raum und feinerer Auflösung vom Grund- bis in den Hochton hinein hörbar. Bleiben wir erst mal bei der Neutral-Stellung, bevor ich später noch kurz in die Klanganpassungsmöglichkeiten einsteige.

Beyerdynamic Free Byrd, Unterseite

Im Untergeschoss – der Bass

Die Klangbalance der Free Byrd liegt auf der warmen, substanziellen Seite. In The Tangents „The Changes“ vom aktuellen Pro-Rock-Meisterwerk Songs from the Hard Shoulder lassen sie den druckvollen E-Bass und die satte Bassdrum tendenziell weich und füllig in die Ohrmuscheln fließen. Trotzdem wahren sie eine ganz ordentliche Durchzeichnung im Tief- und Grundton, das charakteristische, im Grundton angesiedelte Grummeln des Basses von Jonas Reingold (im Hauptjob bei The Flower Kings tätig) transportieren sie jedenfalls klar durch die kräftigen und dynamisch fordernden Bassgefilde hindurch. Dabei halten sich die Beyerdynamic gegenüber den Teufeln grobdynamisch ein wenig zurück, was aber letztlich natürlicher und ausgewogener wirkt – insbesondere bei sehr bassigem Material wie „Fnktrp“ von The Floozies (Album: Do Your Thing). Ganz nach unten in den Frequenzkeller spielen die Heilbronner bei „A Battle Between“ von Blue Tofus selbstbetiteltem 2001er-Album – wiederum satt und eher weich, aber nicht formlos im Impulsverhalten.

Beyerdynamic Free Byrd mit getrenntem Ohrpassstück

Die wichtigen Mitten

Balbina PunktDer Mittelton der Beyerdynamic-In-Ears gibt sich weitgehend neutral bis minimal schlank – was sich auf eine ganz leichte Betonung der oberen Mitten zurückführen lässt, die bis in den unteren Hochtonbereich reicht und dort tendenziell noch etwas zulegt. Dadurch verleihen die Free Byrd zum Beispiel Gitarren- oder Klaviersaiten einen strafferen, härteren Charakter als die dort seidiger texturierenden Sony WF-1000XM3 (ehemals um 300 Euro) und betonen Sibilanten leicht, zum Beispiel bei „Baby Plays Around“ von Declan Macmanus und Cait O’Riordan (Album: For the Stars – Sofie von Otter meets Elvis Costello). Diese Charakteristik tut wiederum der gefühlten Offenheit der Beyerdynamic Free Byrd im Stimmbereich gut. Meine neueste musikalische Entdeckung, die bulgarischstämmige Balbina aus Berlin, singt mit einer fast schon elektronisch verfremdet wirkenden, tiefen Alt-Stimme auf ihrem letzten Album Punkt. (auf Amazon anhören) eine Coverversion des Rammstein-Knallers „Sonne“. Während die Teufel Supreme In die Stimme obenrum etwas deckeln, klingt sie über die Free Byrd freier und authentischer.

Und weiter oben?

Die Sonys scheinen mir im mittleren und oberen Hochton etwas mehr Energie und Details zu produzieren als die Beyerdynamic-In-Ears und dort auch einen Hauch luftiger zu spielen. In dieser Beziehung sind die japanischen Ohrhörer für mich immer noch eine Benchmark in der Preisklasse unter 300 Euro. Andererseits ziehen die Free Byrd den Teufel Supreme In recht klar davon, wirken bis knapp unter dem Superhochton mit Schlagzeugbecken und Metallpercussion perlender und frischer als die Berliner.

Räumlichkeit und Abbildung

Dawda Jobarteh Transitional TimesRäumlich empfinde ich die Free Byrd als großzügig und klar geordnet – hier übertreffen sie die vergleichsweise kompakt projizierenden Berliner In-Ears klar. Besonders gefallen mir die Beyerdynamic Free Byrd jedoch wegen ihrer exzellenten dreidimensional-skulpturalen Definition und Präzision des akustischen Geschehens auf der virtuellen Bühne, zum Beispiel in „Dalua“ von Dawda Jobarteh (Album: Transitional Times; auf Amazon anhören). Hier ziehen sie mit den Sony WF-1000XM3 gleich.

Impulse

Chemical Brothers We Are the NightPräzision ist auch bei Impulsen angesagt. Wo die Teufel Supreme In im Bass quantitativ noch mehr Schub liefern, machen die Free Byrd mit klarer definierten und härteren Start-Stopp-Sequenzen im Mittenbereich – Anschlag der Bassdrum und Snare – subjektiv sogar noch mehr Spaß. Der Bass gerät den Heilbronnern wie gesagt nicht unpräzise, gefällt sich jedoch auch in „Das Spiegel“ von den Chemical Brothers (Album: We Are the Night; auf Amazon anhören) eher in der Rolle des federnd unterstützenden Fundaments denn der hydraulisch operierenden Dampframme.

MOSAYC-Klanganpassung und EQ

Die Klanganpassung des Beyerdynamic Free Byrd ist auch über Preset-EQs mit sechs verschiedenen Klangprofilen vom „Bass-Boost“ bis zur „Brilliance“-Einstellung (plus „Original“) möglich. Die Presets sind zwar wirkungsvoll, greifen aber nicht übermäßig stark ins Geschehen ein.

Beyerdynamic Free Byrd mit orangenem Ohrpassstück

Richtig interessant wird’s aber mit der MOSAYC-Klanganpassung, für die ein Hörtest mit den In-Ears nötig ist. Dafür muss man einen Mimi-Hearing-Account erstellen, sein Alter angeben – und braucht dann etwa fünf Minuten in einem ruhigen Raum, um zu eruieren, wie gut jedes Ohr einen in der Frequenz steigenden Piepton aus einem Rauschteppich heraushören kann. Daraus errechnet sich eine neue, personalisierte Hörkurve, die in der Tat auch mir mehr Spaß macht: Mehr Brillanz und Offenheit sind die Folgen, ohne dass sich das Klangbild verfärbt anhörte – im Gegenteil, geht man zurück oder verringert die personalisierte Klangeinstellung (stufenlos möglich) zu sehr, scheint der „reine“ Klang der Free Byrd zumindest in meinem Fall fast schon gedeckelt und weniger natürlich. Dieses Feature ist in der Praxis wertvoll, ich möchte es nicht missen.

Technische Funktionen

Zu guter Letzt schauen wir noch kurz auf die technischen Funktionalitäten des Beyerdynamic Free Byrd – wie eingangs erwähnt ist das heutzutage so wichtig wie der Klang. Das ANC arbeitet recht wirkungsvoll bei niederfrequenten Geräuschen, lässt jedoch dynamische Töne gerade im oberen Frequenzbereich ungehinderter durch als das Äquivalent der Sony WF-1000XM3. Das fällt ab einer gewissen Abhörlautstärke jedoch nicht mehr ins Gewicht.

Beyerdynamic Free Byrd - komplett seitlich

Der Transparency Mode funktioniert gut und lässt sich wie die anderen Bedienungsoperationen über Tippen (hier zwei Mal kurz) auf einem der Ohrhörer ein- und ausschalten. Stimmen in Telefonaten sind in der Tat sehr gut verständlich – auch meine Gesprächspartner berichten von einer guten Verständlichkeit meiner Stimme beim Freisprechen mit den Beyerdynamic Free Byrd. Daumen hoch also.

Testfazit: Beyerdynamic Free Byrd

Die Beyerdynamic Free Byrd In-Ear-Hörer spielen druckvoll, tief und etwas weich im Bass, mit minimal betonten oberen Mitten sowie klaren Höhen, ohne die allerletzte Luftigkeit im Superhochton. Sie sind sehr gut für Rock und Hip-Hop, elektronische Musik und all das geeignet, was mit ordentlich Druck und Dynamik daherkommt. Dabei bilden sie räumlich großzügig ab und definieren Instrumente und Stimmen sehr gut. Ich würde sie nicht als Ohrhörer für „Gras-wachsen-Hörer“ oder Menschen, die auf „Schraubstockbässe“ stehen, bezeichnen.

Beyerdynamic Free Byrd mit Ladecase

Technisch sind sie auf der Höhe der Zeit und bieten guten Sitzkomfort sowie Features, die bestens funktionieren: Die Klanganpassung ans Gehör arbeitet hervorragend und ist für mich eine unverzichtbare Funktion. Summa summarum: Ein gelungenes und angesichts der möglichen Klangresultate preiswürdiges True-Wireless-Debüt für die Traditionsfirma aus Heilbronn.

Fakten:

  • Produkt: Beyerdynamic Free Byrd
  • Konzept: True-Wireless In-ear mit ANC
  • Preis: 229 Euro
  • Gewicht: je 7 Gramm, Ladecase 60 Gramm
  • Ausführungen: Black, Grey
  • Funkverbindung: Bluetooth 5.2
  • Unterstützte Codecs: aptX Adaptive, aptX Low Latency, SBC, AAC
  • Akkulaufzeiten: bis zu 8,5 Stunden beim Freisprechen, bis zu 11 Stunden Musikhören, mit Ladecase bis zu ca. 30 Stunden
  • Garantie: 2 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

Beyerdynamic GmbH & Co. KG
Theresienstraße 8 | 74072 Heilbronn
Telefon: +49(0)7131-617-0
E-Mail: info@beyerdynamic.de
Web: https://www.beyerdynamic.de/

Billboard
Antipodes Audio K50

Test: Beyerdynamic Free Byrd | In-Ear-Kopfhörer

  1. 1 Freiheitsliebend
  2. 2 Beyerdynamic Free Byrd: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Beyerdynamic Free Byrd

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: J.Sikora Initial mit Alu-Base und geregeltem Netzteil Plattenspieler: Pro-Ject Carbon Debut EVO Tonarm: Kuzma Stogi Reference S12 VAT Tonabnehmer: Transrotor Figaro, Ortofon 2M Bronze

Digitale Quellen: D/A-Wandler: ifi iDSD nano, Norma Audio REVO DAC-Modul Streamer: Nucleus by Roon, Waversa Systems Wstreamer mit WLPS/LP-Linearnetzteil Computer/Mediaplayer: MacBook Pro

Vollverstärker: Audio Hungary Qualiton X200 (Röhre), Linn Classik Movie II (Surroundreceiver mit integriertem DVD-Player)

Vorstufen: Hochpegel: Norma Audio REVO SC-2 Phonoverstärker: Linnenberg BIZET (MC), Pro-Ject Phono Box RS (MM/MC), Norma Audio PH3 (Modul)

Endstufen: Norma Audio REVO PA-150

Lautsprecher: ATC SCM50PSL, Argon Audio Forte A5, JBL 4309, JL Audio e110 (Subwoofer)

Kopfhörer: Denon AD-H7200, AudioQuest Nighthawk, AKG N60 NC Wireless, Sony WF-1000XM3

Kopfhörerverstärker: ifi iDSD nano, Meier Audio Corda Classic

Kabel: Lautsprecherkabel: Ortofon Reference SPK Black, Audioquest Rocket 22 Bi-Wire, Fastaudio Black Science SPK NF-Kabel: Gutwire EON-Z, Ortofon Reference 905-Silver & Reference 7NX-705, Graditech Kide 1 & Kide 3, Audioquest Yukon, Audioquest Mackenzie, fastaudio Black Science NF Digitalkabel: JIB Boaacoustic Silver Digital Xeno USB, AudioQuest Vodka & Cinnamon Ethernet, Graditech Kide Digital RCA, AudioQuest Carbon RCA Netzkabel: Audioquest Tornado, Gutwire SV-8, Gutwire G Clef 2, AudioQuest NRG-2 Sonstiges: Entkopplungsfüße Divine Acoustics Kepler, Erdungskabel Gutwire Ultimate Ground

Rack: Roterring Belmaro 33 (Customized)

Zubehör: Stromfilter: Tsakiridis Super Athina Sonstiges: bFly PowerBase M, bFly BaseTwo M, YDOL Relax 60 und fastaudio Absorber, Acoustic System Resonatoren Silver & Gold, The Gryphon De-Magnetizer, Audioplan Antispikes, Audioplan Gerätefüße, bFly MASTER Absorberfüße, Solidsteel SS6 (Lautsprecherständer)

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 24,5 m² Höhe: 2,7 m

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