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Vincent

Klang VPI Traveler (Teil I)

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang VPI Traveler (Teil I)

Wie erwähnt, habe ich das Laufwerk zunächst mit einem vom Vertrieb empfohlenen System gehört, dem Dynavector 10X5. Andere Tonabnehmer, die gut zum Traveler passen, sollen zum Beispiel ein Ortofon SPU Classic E N oder ein Ortofon 2M Bronze sein, die mir beide aber leider nicht zur Verfügung standen.

VPI Traveler

Eine meiner Lieblingssängerinnen ist Nina Simone. Auf der Compilation My baby just cares for me findet sich das Stück „Don’t smoke in bed“, in dem Frau Simone ihrem schlafenden Mann mit wunderbarer Wehmut in der Stimme erklärt, dass sie ihn verlässt, wie sie es angekündigt hat. Einen Abschiedsbrief und den Ehering hat sie schon auf seine Kommode gelegt. Immerhin ist er ihr aber noch so lieb und wichtig, dass sie ihm mit einer herzerweichenden Mischung aus Wehmut und Zärtlichkeit den guten Rat gibt, nicht im Bett zu rauchen. Das ist ein langsames, traurig-elegisches Stück, das hohe Anforderungen an Plattenspieler stellt.

Zunächst einmal muss der Plattenspieler ganz einfach frei von Gleichlaufschwankungen sein, damit Frau Simones Stimme nicht zittert oder unsicher wird. Kein Problem für den Traveler. Frau Simones Stimme kommt mit natürlicher Klangfarbe, Substanz und Wärme, die Emotion, die sie in ihre oberflächlich einfachen, aber unglaublich schwer nachzusingenden Vocals legt, packt den Zuhörer gleich mitten im Herz. Auch das Klavier, mit dem Frau Simone sich begleitet, wird – in den Grenzen der aus dem Jahr 1958 stammenden Aufnahme – unverfärbt und mit sehr gutem Timing wiedergegeben.

VPI Traveler

Von intimer Kost zu orchestraler Klassik. Die nach wie vor meistgehörte Klassikplatte in unserem Haushalt ist Tschaikowskys Peter und der Wolf (Barenboim/English Chamber Orchestra/Loriot). Auch damit schlägt sich der Traveler sehr gut, Peter und der Wolfviel besser, als ich es ob seines Preises erwartet hätte. Loriots Stimme, das Fagott des Großvaters, die Flöte des Vogels, die Streicher – alles klingt so, wie es soll. Die drei Pauken, die die Schüsse der Jäger symbolisieren, zeigen, dass der Traveler in Sachen Grobdynamik genauso beschlagen ist wie in puncto Feindynamik, die bei den Modulationen von Nina Simones Stimme gefragt war. Der unterste Bass kommt dabei allerdings ein wenig verhalten, auch fehlt der letzte Glanz oben. Die Region vom Oberbass bis zum unteren und mittleren Grundton scheint dagegen etwas betont.

Der Aufnahmeraum wird mit Breite und Tiefe dargestellt, ich habe ihn aber auch schon größer gehört – zum Beispiel mit dem Transrotor Crescendo, der freilich auch fast dreimal so teuer ist. Löblich ist dagegen die Plastizität, die der VPI Traveler TonarmTraveler der Darstellung von Instrumenten verleiht. Die Bühne ist zwar nicht übermäßig tief, einzelne Instrumente werden auf der Bühne aber mit Körper und Substanz dargestellt. Stimmen haben glaubhaftes Volumen, Änderungen in der Position des Sängers zum Mikrofon sind ohne Weiteres nachvollziehbar.

Die genannten kleinen Limitationen sind leicht zu verschmerzen, weil der VPI Traveler so beschwingt und mitreißend zu Werke geht, dass man sich viel lieber der musikalischen Botschaft hingibt, als audiophile Erbsen zu zählen.

Beschwingt – das ist ein Attribut, das mir in der Zeit der Beschäftigung mit dem Spieler immer wieder durch den Kopf gegangen ist. Louis Jordan war der König des Jump, einer beschleunigten, härteren Spielart des Swings; viele sehen ihn und seine Timpany Five als die Nahtstelle zwischen Swing und Rock ‘n’ Roll. Seine Musik ist zum Tanzen gedacht, sie will die Leute auf die Tanzfläche locken und ein paar Stunden später erschöpft, verschwitzt und glücklich nach Hause entlassen. Über den Traveler hatte das Stück „Honeysuckle Rose“ von der Compilation Jivin‘ with Jordan den locker daherstolzierenden Rhythmus, den das Stück aus der soliden 4/4-Arbeit der Rhythmussektion und den mal davor, mal dahinter tänzelnden Stimmen und Melodieinstrumenten gewinnt. Der Traveler gibt das Album mit Schmackes und Verve wieder, die Wiedergabe geht ins Bein. In englischsprachigen Tests wird das häufig mit dem Akronym „Prat“ – Pace, Rhythm and Timing – bezeichnet. Davon hat der VPI jede Menge. Wenn die Musik vorwärtsgeht, wird das vom VPI Traveler eins zu eins umgesetzt.

Test: VPI Traveler | Plattenspieler

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