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Klang VPI Traveler (Teil II)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang VPI Traveler (Teil II)

Albert KingDas zeigt sich auch bei der Stax-LP Live Wire/Blues Power von Albert King (aus dem Jahr 1968), besonders dem Titelstück, „Blues Power“. Wir haben es hier mit einer aufnahmetechnisch eher mittelmäßigen, musikalisch aber überragenden Liveaufnahme aus dem Fillmore West zu tun. Kings Gitarrenspiel hat unzählige Bluesmusiker einschließlich der Herren Hendrix und Clapton beeinflusst. King nannte sich selbst den Velvet Bulldozer, die samtene Planierraupe. In seinen besten Stücken schafft er mit seiner Band einen hypnotischen Rhythmus, der die Zuhörer an Orte entführt, an denen die Zeit stillsteht. „Blues Power“ ist mit seinen gut zehn Minuten viel zu kurz, ich würde auch einen halben Abend nur mit diesem Stück und dem Call-and-response-Geplänkel zwischen Sänger, Band und Publikum verbringen. Der Traveler bringt den Rhythmus des Stücks, die Freiheiten, die sich King damit nimmt, den Wechsel zwischen Humor und Ernst wunderbar rüber, das passt.

VPI Traveler

TrentemøllerDie oben erwähnte leichte Betonung von Bass und Grundton führt nicht dazu, dass das Rhythmusgefühl leidet. Im Gegenteil, das Stück „The Blacksmoke Organisation: Danger Global Warming (Trentemøller remix)“ vom Album The Trentemøller Chronicles des dänischen DJs Trentemøller geht trotz der kleinen Extrabetonung, den der ohnehin schon stark nach vorne gemixte Bass von der Traveler/Dynavector-Kombination erhält, geradezu höllisch ab. Der Traveler ist absolut partytauglich – wenn man sich denn an die Kombination Vinyl und Party herantraut.

KoyaniisqatsiWas nicht heißen soll, dass der Traveler nur bei rhythmusbetonter Musik gefällt. Der Anfang von Philip Glass‘ Soundtrack zu dem Film Koyaniisqatsi, das Stück „Opening“, beginnt mit sehr tiefen Orgeltönen. Dann setzt ein fast genauso tiefer Männerchor ein. Seine Wirkung erhält das Stück zunächst durch die schiere Majestät des Klangs und die stetige Wiederholung des Worts „Koyaniisqatsi“. Auch hier schlägt sich der Traveler wacker, das Stück erzeugt die angemessen feierliche, fast sakrale Stimmung, um dann in einen Zustand der Anspannung überzuleiten, wenn sich zum Ende des Tracks eine weitere Orgellinie dazugesellt.

Antrieb des VPI Traveler

Um herauszufiltern, was an den bisherigen Klangeindrücken dem VPI-Laufwerk und was dem Tonabnehmer zuzuschreiben ist, habe ich kurz ein Koetsu Urushi Vermillion montiert, einen Tonabnehmer, der knapp das Vierfache des Travelers kostet und definitiv keinen preislich passenden Spielpartner darstellt (und – leider, leider! – nicht mir, sondern einem Freund gehört). Der Zweck der Übung bestand darin, einen Tonabnehmer zu nehmen, der diverse Qualitätsstufen über dem Dynavector 10X5 liegt, mit der effektiven Masse des Tonarms zurechtkommt und mir aus anderen Zusammenstellungen bekannt ist. Um es kurz zu machen – mit dem Koetsu war die Betonung des Oberbasses und unteren Grundtons deutlich weniger ausgeprägt. Der Traveler wurde immer noch nicht zum König des Subbasses, außerdem reizte er die stupende Auflösung, zu der das Koetsu fähig ist, nicht aus, auch nicht in räumlicher Hinsicht, obwohl die Abbildung mit dem Koetsu um einiges tiefer und weiträumiger als mit dem Dynavector geriet. Ganz oben wurde das Klangbild zudem etwas grobkörniger und unpräziser, als es dieser Tonabnehmer zulässt.

VPI Traveler

Was mich aber schon in der Kombination des Traveler mit dem Dynavector begeistert hatte – die grundsätzliche Ausgewogenheit und Unverfärbtheit des Laufwerks, die Lebendigkeit und Spielfreude – machte auch in der Kombination mit dem Koetsu einen Höllenspaß.

Test: VPI Traveler | Plattenspieler

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