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Back-Loaded-Breitbänder: Hornmanufakturs A90 – Testbericht – fairaudio

Inhaltsverzeichnis

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Back-Loaded-Breitbänder: Hornmanufakturs A90

Heutzutage lösen die meisten Lautsprecherentwickler das Problem, indem sie den zu übertragenden Frequenzbereich auf zwei oder mehr Systeme aufteilen. Jedes System wird dabei für die Schallabstrahlung eines bestimmten Frequenzbereichs optimiert. Will sagen: Ein Tieftöner ist groß und hat eine relativ hohe Masse, damit er viel Luft bewegen kann; ein Hochtöner hat eine kleine und leichte Membran, die schnell schwingen kann und aufgrund des kleineren Durchmessers ein gutes Rundstrahlverhalten auch bei höheren Frequenzen besitzt.

Hornmanufaktur Akusmatik A90

Ein elektrisches Filter, die Frequenzweiche, weist den einzelnen Schallwandlern nur den Frequenzbereich zu, den sie übertragen können. Das Ganze funktioniert, bringt allerdings auch einige Nachteile mit sich. Um ein paar zu nennen:

  • Ein Teil des elektrischen Signals wird in der Frequenzweiche in Wärme umgewandelt; Energie, also Verstärkerleistung, geht verloren.
  • Die Bauteile einer Frequenzweiche – Spulen, Kondensatoren und Wiederstände – sind nicht fehlerfrei und beeinträchtigen das Musiksignal.
  • Frequenzweichen verursachen sogenannte Phasenverschiebungen, d.h. die Schallanteile für die einzelnen Chassis werden (zeitlich) gegeneinander versetzt weitergeleitet.
  • Der Schall geht von räumlich getrennten Schallzentren aus. Zwischen den von den einzelnen Schallwandlern ausgestrahlten Schallfronten kann es zu Interferenzen – gegenseitigen Verstärkungen und Auslöschungen – kommen.

Die meisten dieser Probleme fallen weg, wenn lediglich ein einziges Chassis das gesamte Frequenzspektrum wiedergeben soll. Die im Gegenzug auftretenden Probleme versucht man quasi mechanisch zu lösen. Breitbandchassis, die in der Lage sind, fast das komplette hörbare Frequenzspektrum abzustrahlen, weisen meist leichte Membranen und Schwingspulen auf. Durch die geringe Masse können sie auch hohe Frequenzen wiedergeben. Viele dieser Chassis verfügen zusätzlich über einen sogenannten Schwirrkonus. Dabei handelt es sich um eine Art zweite kleine Membran, die auf die Schwingspule aufgesetzt wird und keine Randeinspannung besitzt. Mit zunehmender Frequenz soll der Schwirrkonus die Abstrahlung hoher Töne übernehmen, während sich die schwerere „Hauptmembran“ peu à peu aus dem Geschehen zurückzieht. Die kleine Membran kann den schnellen Impulsen besser folgen als die große; zudem ist die Schallabstrahlung weniger gerichtet.

Um die Wiedergabe tiefer Töne zu unterstützen, arbeitet ein solcher Breitbänder häufig rückwärtig in ein Horn hinein. Man spricht dabei von einem sogenannten „Back-Loaded-Horn“ – die Hornmanufaktur Akusmatik A90 ist ein solches. Das Geheimnis liegt in der langsamen Erweiterung der Hornmündung – so wird der Treiber effektiv an die Umgebung „angekoppelt“. Der Bass wird dann letztlich von einer Fläche, die der Austrittsöffnung des Horns entspricht, abgestrahlt. Zudem gibt es verschiedene Tricks und Kniffe, wie man ein Horn weiter ausreizt. Etwa, indem man eine Raumecke, den Fußboden oder die rückwärtige Zimmerwand in den Hornverlauf miteinbezieht. Das ganze kommt natürlich dem Wirkungsgrad des Lautsprechers zugute.

Ein Basshorn mit der notwendigen Größe lässt sich nicht in einem kleinen Lautsprechergehäuse unterbringen. Schon gar nicht, wenn es sich, wie im Fall der Akusmatik A90, gleich um zwei Hörner in einem Gehäuse handelt.

Hornmanufaktur Akusmatik A90 - Rückseite

Die A90 sind Lautsprecher, zu denen man stehen muss. Mit einer Höhe von 1,10 Meter, einer Breite von 34 Zentimetern und einer Tiefe von fast einem halben Meter (48 cm) im Bodenbereich, lassen sie sich nicht verstecken. Auch dass die Fronten leicht geneigt sind, sodass das Gehäuse nach oben an Tiefe verliert, mildert den massiven Eindruck, den die Lautsprecher vermitteln, nicht. Und zuletzt sollten Sie noch berücksichtigen, dass die A90 wegen der nach hinten austretenden Hornöffnungen gerne etwa einen halben Meter Abstand zur rückwärtigen Wand hätten. Dazu kommt ein Gewicht von gut 60 kg – pro Box. Zum Hören mal kurz in Position bringen ist also ein sportliches Unterfangen.

Hornmanufaktur Akusmatik A90 - Basshörner

Das Oberflächenfinish meines Testmodells ist Geschmackssache. Es besteht aus schwarz durchgefärbtem MDF. Bei der Hornmanufaktur setzt man auf ein Materialsandwich aus MDF und Weichfaserplatte. Die Gehäuse sind erstklassig verarbeitet, Leimfugen sieht man nirgends. Ich könnte mir vorstellen, dass eine schwarze oder weiße Lackoberfläche den Lautsprechern ein wenig mehr Eleganz verleihen würde. Da wir es hier mit den Produkten eines Manufakturbetriebes zu tun haben, können alle möglichen Wünsche berücksichtigt werden – egal, ob Lack oder Furnier. Auch die Kanten können auf Wunsch angefast oder abgerundet werden.

Die Breitbandchassis sitzen jeweils ganz oben auf den geneigten Fronten der Lautsprecher. Sie sind nicht etwa eingeschraubt, sondern mit einem dauerelastischen Material eingeklebt. Diese Maßnahme soll die Chassis vom Gehäuse entkoppeln, um Rückwirkungen von Gehäuseresonanzen auf den Treiber zu verhindern. Leider verhindert diese Art der Befestigung auch, dass ich einen Treiber ausbaue, um mir das Ding mal von hinten anzusehen …

Hornmanufaktur ChassisVon vorne sieht man lediglich die gelblich-weißen Membranen, die aus extrem langen Pflanzenfasern bestehen und eine hohe Biegesteifigkeit gewährleisten sollen. Die Zwischenräume im Material werden mit Öl imprägniert und die Membran dann beidseitig mit Naturharzlack versiegelt und versteift. Auf eine Staubschutzkalotte innerhalb des Schwirrkonus wurde verzichtet, ebenso auf einen Phase Plug. So hat man direkten Blick auf den Polkern mit seinem aufgesetzten Kupferring zur Impedanzkontrolle.

Nicht zu sehen, weil rückwärtig in das Gehäuse eingebaut, sind die verwindungssteifen Stahlblechkörbe. Diese sind mit Resonanzabsorber aus der Flugzeugtechnik beschichtet, heißt es.

Aufgrund der konstruktiven Besonderheit der Lautsprecher kann auf eine Frequenzweiche verzichtet werden. Ergo gibt es auch keine Schalter, Jumper oder Kabelbrücken, um die Lautsprecher an den Hörraum anzupassen. Eine Anpassung erfolgt rein über die Aufstellung. Das ist bei dem Gewicht der Boxen zwar schon mit Arbeit verbunden, funktioniert im Bassbereich aber ganz gut. Die nach hinten abstrahlenden Doppelhörner reagieren deutlich auf Veränderungen des Wandabstandes.

Test: Hornmanufaktur Akusmatik A90 | Standlautsprecher

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