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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Kompakte Glanzstücke
  2. 2 Technics SB-C 700 im Soundcheck
  3. 3 Testfazit: Technics SB-C 700

Auch wenn es in den Fingern kitzelt: Eine erneute Abhandlung über die im Jahre 2015 vom Mutterkonzern Panasonic wiederbelebte Marke Technics (www.technics.com) werde ich mir – und Ihnen – an dieser Stelle ersparen. Sie haben ohnehin, nicht nur bei uns, mehrfach davon gelesen. Und so auch erfahren, dass die Japaner mit einem so umfangreichen wie vielversprechenden Portfolio reüssierten, dass man mit Recht sagen kann: Ja, die traditionsreiche HiFi-Marke ist wirklich wieder da. Das Revival war und ist nicht nur ein kurz und hell aufleuchtendes Strohfeuer.

Was – vor allem im Jubel um den ebenfalls wieder in weiterentwickelter Form auferstandenen Kult-Plattenspieler SL-1210 – etwas untergegangen sein könnte, ist die Tatsache, dass Technics nicht nur neue Elektronik, sondern auch neue Lautsprecher am Start hat. Dabei passiert es mitunter auch uns HiFi-Journalisten, dass wir Schallwandler von Vollsortiment-Herstellern ein wenig vorschnell als verzichtbare „Me too“-Produkte abtun. Nach dem Motto: „Naja, das machen die jetzt auch noch, um für die internationale Klientel einen vollständigen Katalog anbieten zu können.“ Im Falle meiner aktuellen Testkandidatin, der kompakten Technics SB-C 700, würde man sich mit einer solchen Präjudizierung indes um eine hochinteressante Alternative bringen. Denn obschon die SB-C 700 als passende Ergänzung zur hauseigenen „Premium Class C 700“-Serie konzipiert wurden, sind sie separat erhältlich. Und funktionieren auch klanglich keinesfalls nur im Familienverbund, wie der Hörtest zeigte.

Technics SB-C700

Technisch sind sie ohnehin interessant, verfolgten ihre Entwickler bei den optisch edel wirkenden Kompakten doch das akustische Prinzip einer Punktschallquelle. Ziel der Übung: Die Schallwellenfronten der unterschiedlichen Frequenzbereiche sollen möglichst zeitgleich am Ohr eintreffen, um ein maximal kohärentes und plastisches Klangbild zu erzeugen. Technics hat sich für die koaxiale Anordnung eines Tiefmitteltöners mit einem Hochtöner in seiner Mitte entschieden, was im Lautsprecherbau als ideale Voraussetzung für eine Punktschallquelle anerkannt wird.

Technics SB-C700

Nicht alltäglich ist hierbei die Bauform des von Technics eingesetzten 16-Zentimeter-Tiefmitteltontreibers. Es handelt sich nicht um einen konventionellen Konus, sondern um eine plane Membran aus einem Aluminium-Kohlefaser-Verbund, wobei die Kohlefaser eine Wabenstruktur aus Alu umschließt – diese Kombination soll gleichsam leicht und schnell sein. Der Hochtöner besteht aus Aluminium und kann – so der Hersteller – Frequenzen bis zu 100 Kilohertz (!) verzerrungsfrei wiedergeben. Diese Angabe soll wohl nahelegen, dass der Tweeter in dem für das menschliche Gehör wahrnehmbaren Bereich keinerlei akustische Sperenzchen veranstaltet.

In diesem Sinne wurde auch das Gehäuse der Technics SB-C 700 gestaltet, die hübsche – etwas bauchige – Form, hat nicht nur optische Gründe. Die 42 Millimeter starken Seitenwände verleihen dem Korpus Stabilität, während sie sich im Inneren nicht parallel, sondern leicht verjüngend gegenüberstehen, um stehende Wellen – also interne Resonanzen – zu unterbinden. Die an beiden Seiten stark abgeschrägten Gehäusekanten sollen Reflexionen an der Schallwand verhindern. Der durch mehrfaches Schleifen, Lackieren und Polieren auf Hochglanz getrimmte Korpus der handlichen Technics erfreut dagegen vorwiegend das Auge. Die Japaner liefern die Technics SB-C 700 in Hochglanz-Weiß oder – wie meine Probandin – in Hochglanz-Schwarz aus. Dazu gehören stets auch magnetisch an der Front haftende Stoffabdeckungen, die man aber meiner persönlichen Meinung nach im Karton lassen sollte. Der optische Reiz dieser Kompaktlautsprecher wird im Wesentlichen von dem flach bauenden Koaxialtreiber bestimmt. Dafür muss man ihn natürlich sehen können. Aber das ist Geschmackssache. Ein Blick auf die Rückseite der Box offenbart ein sauber eingepasstes Bassreflexrohr aus Kunststoff und ein Single-Wire-Anschlussterminal. Schlicht, pragmatisch. Passt so.

Technics SB-C700 von hinten

Technics SB-C 700 im Soundcheck

Auch wenn ich selbst keinen Lautsprecher dieser Bauart mein Eigen nenne, bin ich über die Jahre zum Punktschallquellen-Fan geworden. Wann immer ich einen solchen Schallwandler höre, bin ich von der Plastizität, der Unmittelbarkeit und nicht zuletzt von der Kohärenz des Vortrags begeistert. Als Benchmark in dieser Preisklasse mögen sicherlich KEFs LS 50 gelten, die die Briten 2012 zu ihrem 50. Firmenjubiläum vorstellten und die der Kollege Nick Mavridis unlängst in der aktiven und kabellosen „Wireless“-Variante testete. Ihr patentiertes und über viele Jahre behutsam weiterentwickeltes Koaxialchassis namens „UniQ“ legt den Maßstab für den Wettbewerb sehr hoch. Daran muss sich auch meine japanische Testkandidatin messen lassen – und gefällt im Hörtest mit ganz ähnlichen Tugenden.

stapeltonDas betrifft zunächst einmal ihre – unabhängig von der Musikrichtung – ungemein schlüssige und hellwach wirkende Gangart. Die Technics SB-C 700 spielt treffsicher auf den Punkt. Hier sitzt einfach jeder Takt. Und zwar – im Rahmen des Wettbewerbsumfelds – nahezu perfekt. Wie eine Uptempo-Countryrock-Nummer wie Chris Stapletons „Parachute“ (Album: Traveller, auf Amazon anhören) noch rhythmischer und „zeitrichtiger“ aufs Parkett knallen soll, kann ich mir schlecht vorstellen. Meine im Hörraum versammelte Vergleichsmannschaft aus konventionellen Mehrwege-Lautsprechern – Kompakt- und Standmodelle unterschiedlichster Preisklassen, beispielsweise Klipsch RP-160M und Magnat Quantum 905 – „takteten“ gegen die quirlige Technics im Direktvergleich jedenfalls ein wenig langsamer. Obwohl das objektiv so nicht zu belegen ist, sehen sie gefühlt gegen den schnell und präzise aufspielenden Koax kaum Land. Die Technics besitzt eine Selbstverständlichkeit, die man gehört haben muss, um den Unterschied zu verstehen.

Auf der Bühne

BosseZudem versteht sich die Technics SB-C 700 auf eine Darbietung, die insgesamt zwei bis drei Schritte näher an den Hörplatz herantritt und so deutlich unmittelbarer wirkt als über einen konventionellen Lautsprecher. Die KEF LS 50 ist da nicht anders, sie „setzt“ dem Zuhörer die Musiker praktisch auf den Schoß und erlaubt ein Maß an nahezu dreidimensionaler Plastizität und Abbildungsschärfe, die in dieser Klasse schon etwas Besonderes ist. Auch hier gibt sich die Japanerin ähnlich, bindet das Auditorium ins Geschehen ein und beeindruckt mit einer sehr großzügigen, in Bühnentiefe und Breite exakt gestaffelten Darstellung. So transportiert die Technics SB-C 700 das denkwürdig-großartige 2013er-Konzert von Bosse – und hier insbesondere das ekstatische Neun-Minuten-Stück „Frankfurt/Oder“ (Album: Kraniche – Live in Hamburg, auf Amazon anhören) – auch was die Dimensionen der Hamburger Sporthalle betrifft ziemlich glaubwürdig in meinen Hörraum. Die Musik pulsiert vor lauter Energie und füllt mein Zimmer aus – das hat bei mir bisher noch kein kompakter Lautsprecher so eindrucksvoll geschafft. Hut ab vor dieser Leistung. Dabei „sitzt“ man in der Tat „mittendrin“, kann jedes Instrument exakt heraushören und jedem Melodiebogen folgen. Ganz klar: Auflösung, Timing und Raumabbildung vermerkt die hübsche Asiatin auf ihrer Haben-Seite.

Einfach richtig

Natalie MerchantDoch wie sieht es im gehörsensiblen Mittenband aus? Und wie schreibe ich das jetzt, ohne einen Superlativ zu bemühen? Ich sag’s mal so: Die Stimmwiedergabe der Technics ist – vor allem, was Körperhaftigkeit und Verständlichkeit anbetrifft – schlicht superb. Natalie Merchant singt ihr „Maggie Said“ (Album: Natalie Merchant, auf Amazon hören) so greifbar nah und so verblüffend natürlich, wie es mit der beliebten HiFi-Floskel „neutral“ nur unzureichend beschrieben werden kann. Der Gesang wirkt einfach „echt“ und vollkommen unverfälscht. Weder zu warm, noch zu kühl, nicht zu aufgebläht oder zu dünn – nein, einfach „richtig“. Zudem hört man jedes Detail, jeden Atmer oder Kiekser. Was sich auch auf die Wiedergabe von Instrumenten in diesem Frequenzband auswirkt. Ben Howards leicht angezerrte Gitarre im Intro von „The Burgh Island“ (The Burgh Island EP) wirkt beeindruckend crisp, präzise und direkt.

Auch die „kesse KEF“ ist so ein Präzisionsinstrument und stellt Gesang und Naturinstrumente vor einen noch etwas „schwärzeren“ Hintergrund in den Raum – und wirkt dadurch im Mittenband in Sachen Detailinformation fast schon chirurgisch, was man mögen muss. Ich kenne Zeitgenossen, denen die Britin zu präzise spielt. Die werden die etwas sanftere – nicht unklarere! – Technics vorziehen. Ich werde mich indes hüten, hier eine Wertung in „besser“ oder „schlechter“ vorzunehmen, beide Kompaktlautsprecher sind in den bisher beschriebenen Disziplinen Ausnahmetalente und so gut, dass sie im mit konventioneller Treibertechnologie bestückten Wettbewerbsumfeld kaum Gegner zu fürchten haben.

Technics SB-C700

Im Frequenzkeller: Quervergleiche

Natürlich ist auch der Technics-Lautsprecher nicht frei von Kompromissen. Die vergleichsweise geringe Membranfläche des Koaxialchassis in Verbindung mit dem limitierten Gehäusevolumen lässt weder Tiefbassorgien noch ausschweifende Pegelpartys zu. Wer sich etwa seine „Mayday“-Sampler-Sammlung unter Ausnutzung des maximal möglichen Lautstärkebereichs seines Verstärkers um die Ohren ballern möchte, ist der falsche Kunde für diesen Lautsprecher. Elektronisch generierte Subfrequenzen in Verbindung mit einer beherzten Rechtsdrehung am „Volume“-Knopf führen dazu, dass die Flachmembran anschlägt. Die Technics hat es da gern etwas „gesitteter“, generiert durchaus auch deutlich oberhalb von Zimmerlautstärke einen substanziellen und glaubwürdigen Bassbereich, der allerdings eher straff-knorrig und sehnig-federnd als abgrundtief grollend daherkommt.

John Butler TrioZu meinem knapp 18 Quadratmeter großen Hörzimmer passte die Tieftonabstimmung der Technics SB-C 700 recht gut, zumal man mit dem Wandabstand im Rücken der Lautsprecher „spielen“ kann, worauf die Technics feinfühlig reagiert. „Verhungert“ tönt sie bei mir jedenfalls nicht, sondern drückt den Kontrabass in „Hello“ vom John Butler Trio (Album: Sunrise over Sea, auf Amazon anhören) kraftvoll und schön trocken-knarzig in den Raum, schleudert Bassdrumkicks mit ordentlich Attacke gleich hinterher. Dass über großvolumigere Kompakte oder gar über Standlautsprecher am unteren Frequenzende dann doch noch ein bis zwei Oktaven mehr „gehen“, sollte aber klar sein.

Technics SB-C700

Der Bassbereich der Japanerinnen ist vergleichsweise also etwas schlanker, und genau das funktioniert in kleinen bis mittelgroßen Räumen sehr gut. Zudem vermittelt die knapp über acht Kilogramm „schwere“ Kompakte damit den sympathischen Eindruck, nicht mehr zu versprechen, als sie halten kann. Diese Gangart erinnert mich ein wenig an die CM6 S2 von B&W (um 1.900 Euro), die – als ausgesprochene Allrounderin – freilich einen etwas anderen Fingerabdruck hinterließ, aber genau „wusste“, wo ihre physikalischen Grenzen lagen. Dabei reichte ihre Basswiedergabe etwas tiefer als die der Technics, bei vergleichbarer Präzision, aber sie hatte eben auch mehr Gehäusevolumen zur Verfügung. Die Grenzen des Machbaren in Sachen Tieftonperformance einer Kompaktbox wusste dagegen Teufels Definion 3s (um 1.000 Euro) auszuloten, die im Vergleich zur Japanerin deutlicher „hinlangte“ und mit der auch mal „musikalische Attacke“ ging. Allerdings entspricht Letzteres sozusagen der Hauspolitik bei Teufel und ergibt insofern auch eine ganz andere Zielgruppenansprache.

Technics SB-C700

Die Höhenlagen

jarrettWer die Technics auf einem Ständer – was ich empfehlen würde – betreibt und sie gerade in den Raum abstrahlen lässt, dürfte die Hochtonwiedergabe zunächst als unbefriedigend empfinden. Das ändert sich mit Einwinkelung der Lautsprecher auf den Hörplatz drastisch. So positioniert zeigt sich, wie fein und ungemein klar Keith Jarretts Piano in „My Ship“ – einem Duett mit dem in 2014 verstorbenen Charlie Haden (Album: Last Dance, auf Amazon anhören) – geradezu aus den Lautsprechern perlt. Auch die Anschlaggeräusche vermag die Technics differenziert zu vermitteln, lässt die Töne zudem zart „ausschweben“. Das klingt so gar nicht „Aluminium-like“ – ich bin eigentlich kein großer Fan von Leichtmetall-Tweetern, da sie mir häufig ein wenig „hart“ und „harsch“ vorkommen –, sondern hat fast schon die Qualität eines sauber abgestimmten Folienhochtöners. Der Tweeter der von mir kürzlich getesteten XTZ 99.36 MK3 – zwar ein Standlautsprecher, aber ich beziehe mich hier ausschließlich auf das obere Frequenzende – hatte der Performance der Technics-Kalotte jedenfalls nichts Wesentliches voraus. Respekt.

Der luzide Hochton sorgt in Verbindung mit dem effektfreien Mittenband und einem eher schlanken Bass dafür, dass die Technics SB-C 700 gesamttonal eher auf der leichteren Seite einer gedachten Klangwaage einzuordnen ist. Hier kann man, je nach Geschmack, mit einem etwas „wärmer“ und vollmundiger timbrierten Verstärker gut feinjustieren. Apropos Verstärker: Auch wenn die kompakte Japanerin keine Pegelfetischistin ist, dankt sie Verstärkerleistung mit hoher Abbildungspräzision. An einer schwachbrüstigen Röhre verschwimmen die Konturen, weshalb ich eine solche Kombination eher nicht empfehlen würde.

Test: Technics SB-C 700 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Kompakte Glanzstücke
  2. 2 Technics SB-C 700 im Soundcheck
  3. 3 Testfazit: Technics SB-C 700
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H-E-A-R

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