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Test: Nubert nuBox 513 | Standlautsprecher

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  1. 1 Test: Nubert nuBox 513 | Standlautsprecher

Januar 2015 / Jörg Dames

Mag das auch ein bisserl „schubladig“ anmuten – ich finde, man kann HiFi-Hersteller häufig recht gut in zwei Lager einsortieren: In die der eher „freakgetriebenen“ und die eher „businessgetriebenen“. Arbeitspsychologen würden in diesem Zusammenhang vielleicht auch von extrinsisch oder intrinsisch motiviert sprechen. Die im unweit Stuttgart gelegenen Schwäbisch Gmünd angesiedelte Firma Nubert (www.nubert.de) zählt nach meinem Gefühl allerdings irgendwie zu den Sonderfällen.

Einerseits bereits 1975, Glückwunsch zum Vierzigjährigen!, als Garagenfirma gestartet (anders als etwa im vielzitierten Fall von Apple nicht eher bloßer Mythos), ist Firmengründer und Namensgeber Günther Nubert heuer nicht nur immer noch amtierender Chefentwickler, sondern offenbar auch nach wie vor hinreichend „besessen“:

Telefonieren Sie einmal über irgendein Lautsprecherdetail mit ihm oder beobachten ihn beziehungsweise lauschen seinen Ausführungen auf Messen – und Sie werden wissen, „was“ ich meine. Richtig in Wallung geraten, zieht er sich dort auch schon mal die Schuhe aus und doziert coram publico in Socken, wohl um nicht noch stärker heiß zu laufen. Dieses „was“ scheint in gewisser Weise zudem auf andere Teile des Teams übergesprungen zu sein: Ob man mit dem Marketing, einem anderen Entwickler oder dem Verkauf spricht: Meist gewinnt man ob des Engagements der Nubert-Mitarbeiter den Eindruck, dass sie sich mit ihrer Arbeit offenbar doch schon recht stark verbunden fühlen.

Nubert nuBox 513 Hochtöner

Andererseits weiß Nubert sich am Markt stets geschickt zu inszenieren und setzt – im HiFi-Bereich keine Selbstverständlichkeit – etwa Produktneuvorstellungen, Pressemitteilungen, Sonderaktionen etc. stets sehr akribisch und pointiert um. Ganz zu schweigen davon, dass die Schwaben das System des logistisch aufwändigen Direktvertriebs quasi perfektioniert haben – flankiert von einem Webauftritt, der ebenso durch „Usability“ wie durch umfangreichen „Content“ glänzt. Intelligente Tools zur Kundenbindung wie ein eigenes Forum oder ein Gebrauchtmarkt entwickeln sich ebenfalls nicht von selbst.

Effizient-bodenständig gepreiste und gleichsam wertige Lautsprecher, quasi das Markenzeichen Nuberts, schon gar nicht – obwohl ich an dieser Stelle schon wieder nicht sicher wäre, ob das eher freak- oder businessgetriebene Ursachen hat …

Nubert nuBox 513 Konus

Wie dem auch sei: Ganz sicher ist, dass dieser Test vom Standlautsprecher Nubert nuBox 513 handelt, einer schlanken Säule, die pro Stück 21 Kilogramm auf die Waage bringt und 419 Euro kostet. Was mich kurzerhand in unserem Archiv herumklicken ließ. Ist es doch schon einige Jahre her, dass wir einen Lautsprecher namens Audiaz Eta zu Gast hatten, der gerade mal ein Kilogramm mehr als die 513 auf den Rippen hatte, aber immerhin 14.000 Euro das Paar kostete – was im seinerzeitigen Bericht zu einer kleinen Zahlenspielerei mit der eigentlich ganz und gar testirrelevanten Kilo-pro-Euro-Ratio verführte. Nun, um nach vielen Jahren neben dem unteren endlich einen oberen Bereich der Fahnenstange zu markieren, greife ich an dieser Stelle mal erneut zum wasserfesten Stift.

Okay, Kappe drauf, den Edding beiseitegelegt und wieder in die Computertastatur gegriffen – schauen wir uns unsere Probanden genauer an. Und was man da auf den ersten Blick sieht, ist insbesondere angesichts der Preisklasse aller Ehren wert. Nicht nur, dass die schlanke, physisch moderat ausfallende Bauform der Nubert nuBox 513 als sehr konsensfähig durchgehen sollte, auch die Verarbeitung macht durchaus was her: Sauber eingepasste Chassis, eine ebenso bündig wie spaltmaßarm aufgebrachte Schallwand und eine trotz des Einsatzes von Dekorfolie statt Furnier nicht billig wirkende Oberflächenanmutung. Bei der nicht zuletzt die Kantenbeschaffenheit positiv ins Auge fällt: Die für Kunststofffolien häufig typischen scharfen Übergänge, bei der das meist dünne Material aufspleißt, sobald man nur mit dem Fingernagel darüberfährt, findet man manchmal sogar an teureren Möbeln – glänzen aber bei der nuBox 513 durch Abwesenheit, auch ein kräftiger Fingernageltest rührte nicht an den konstruktionsbedingt etwas rauen, aber sauber gefalteten Kanten. Schade nur, dass es die nuBox nicht in Weiß gibt, neben Makassar-Optik bieten die Schwaben lediglich Schwarz (Schallwand dann wahlweise in Silber oder Schwarz) an.

Nubert nuBox 513 Gehäuse

Zeigt klare Kante: Nubert nuBox 513

Aber genug der Oberflächlichkeiten – wenden wir uns klanglich relevanten Aspekten zu:

Gleich vier Treiber schmücken die Front, wobei die drei 15-Zentimeter-Konusse im Bass parallel arbeiten und der obere Konus zusätzlich nach oben ausschert, um schließlich bei 2 Kilohertz an die 25-mm-Seidengewebe-Kalotte zu übergeben. Mithin handelt es sich also um ein Zweieinhalb-Wege-Konzept, das, so die Nubert-Entwickler, gegenüber einem Dreiwegler geringere Gruppenlaufzeiten zwischen Tief- und Mittelton möglich mache und im Vergleich zum Einsatz eines reinen Mitteltöners mehr Membranfläche für den Bass zur Verfügung stelle, was Vorteile im Grobdynamikverhalten verspräche.

Die BxHxT-Maße (17x100x30 cm) sind im Vergleich zur Vorgängerin nuBox 511 konstant geblieben. Dennoch bringt die 513er pro Stück signifikante zweieinhalb Kilogramm mehr auf die Waage – lediglich angefressener Winterspeck oder tatsächlich antrainierte Muskelmasse? Nun, die Körbe der drei Konusse sind bei der aktuellen Version anstelle von Blech aus Alu-Druckguss gefertigt – übrigens in dieser Preisklasse alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zudem setze man auf stärkere Antriebe und entsprechend größere Magnete. Zu guter Letzt sei auch der Basszweig der Frequenzweiche opulenter bestückt.

Nubert nuBox 513 Chassis

Darüber hinaus betonen die Schwaben, dass sämtliche Chassis – wie übrigens bei allen anderen nuBox-Modellen auch – komplette Neuentwicklungen seien: „Nichts ist ‚von der Stange‘, alles ist ‚maßgeschneidert‘“, so Entwickler Thomas Bien. Die 25-mm-Kalotte sei die Gleiche, die auch in der nuPro-Serie Verwendung finde und weise „ein sorgfältig bedämpftes, angekoppeltes Volumen hinter der Membran auf, was einen ‚sanfteren‘ Frequenzverlauf im Bereich des Übergangs zum Mittelton (Roll-off) bewirkt“. Die Konusse seien zudem langhubiger (4,5 Millimeter linear in jede Richtung) und „anschlagsfester“ und sollen im Zusammenspiel mit der neuen Weichenschaltung einen merklich weiter nach Süden reichenden Tiefgang erzielen: Die -3 dB-Grenzfrequenz deklariert Nubert mit immerhin 36 Hz, übrigens ohne, dass es Abstriche beim Gesamt-Wirkungsgrad (nicht überragende, aber solide 85 dB/1W/1m) gegenüber der nuBox 511 gäbe.

Nubert nuBox 513 Mitteltöner
Die drei Konusse der Nubert nuBox 513 sind mit Körben aus Aluminium-Druckguss ausgestattet

Apropos 511 – wieso eigentlich das mysteriöse Auslassen der 512? Sollten Schwaben zusätzlich zu dem, was ihnen sonst so alles nachgesagt wird, eine Schwäche für Numerologie haben oder abergläubisch sein? Na ja, eingefleischte Nubert-Fans kennen die schlichte Antwort wahrscheinlich bereits: Gerade Zahlen sind den nuLine-Modellen vorbehalten, der Rest des natürlichen Zahlensystems den nuBoxen.

Wie ihre Vorgängerin weist die Nubert nuBox 513 im Bereich des Anschlussterminals serienmäßig einen „Dreifach-Hochtonschalter“ auf, was je nach Gusto oder Hörraumgegebenheiten eine „neutrale, sanfte oder brillante Hochtonwiedergabe“ bewirken soll. In der Brillant-Stellung werden die Höhen zwischen zirka 2,5 kHz und 16 kHz leicht angehoben, wobei das etwa bei 10 kHz liegende Maximum der Anhebung ungefähr 2,5 dB beträgt. Die Absenkung im Sanft-Modus vollzieht sich entsprechend spiegelbildlich.

Nubert nuBox 513 Terminal
Der kleine Knebelschalter zwischen den beiden oberen Buchsen dient zur Feinjustierung der Hochtonwiedergabe

So, schrauben wir die mitgelieferten, für zusätzliche Standsicherheit sorgenden Traversen an und schieben die Nubert nuBox 513 endlich in den Hörraum. Bevor wir die Verstärker anschalten, noch ein Hinweis:

Den Hörtest habe ich wie stets mit Audioplan-Antispikes durchgeführt, wenngleich den 513ern ebenfalls bodenschonende flache Metallfüße beiliegen. Erstens erleichtert das weichere Kunststoffmaterial das Schieben auf dem Dielenboden und somit A/B-Vergleiche mit anderen Lautsprechern, zweitens bin ich von der Audioplan-Lösung klanglich recht überzeugt, wenngleich ich in diesem Test auch keinen unmittelbaren „Fuß-Contest“ unternommen habe. Die Antispikes sind zwar ein alter Hut, dennoch ist die Wirkung bisweilen erstaunlich, wer Zeit und Muße hat, sich die kleinen Dinger mal testweise vom Händler auszuleihen, dem sei das durchaus empfohlen, insbesondere beim Einsatz auf Holz- oder Steinfußböden.

Nubert nuBox 513 Traversen
Standardmäßig werden in die Traversen die beiliegenden und mit Filzschonern zu versehenden Metallfüße (M8-Gewinde) geschraubt

Test: Nubert nuBox 513 | Standlautsprecher

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