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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Sound & Stille
  2. 2 Bowers & Wilkins PX: Klang, Praxis & Vergleiche

Es ist ja inzwischen keine Überraschung mehr, dass mehr und mehr etablierte Lautsprecherhersteller nun auch Kopfhörer im Programm haben. Bowers & Wilkins ist mit seiner P-Serie bereits vor einiger Zeit eingestiegen, beschreitet mit dem mir nun vorliegenden B&W PX (www.gute-anlage.de) dennoch Neuland. Es handelt sich hierbei um den ersten kabellosen Bluetooth-Kopfhörer des Hauses mit aktiver Geräuschunterdrückung (Noise Cancelling, kurz: NC). Diese Technologie ist bereits einige Zeit bekannt und auch im Kopfhörermarkt regelmäßig zu finden.

Das Grundprinzip ist physikalisch recht simpel, die Umsetzung aber durchaus aufwändig. Jedes Geräusch besteht aus Luftdruckschwankungen einer bestimmten Frequenz. Nimmt man diesen Lärm nun mit einem Mikrophon auf und lässt gegenphasig dazu einen Schall spielen, so trifft Wellenberg auf Wellental und die Luftdruckschwankung wird gedämpft – im Idealfall komplett ausgelöscht. Genau dies versuchen nun die NC-Kopfhörer zu erreichen. Lärm wird aufgenommen und gegenphasig „Antischall“ produziert, so dass weniger Lärm am Ohr ankommt. Dies funktioniert allerdings nur gut bei niedrigen Frequenzen – bei den hochfrequenten Störquellen bauen alle Kopfhörer weiterhin auf passive Dämpfung. 

B&W PX Kopfhörer Treibergehäuse

Die Technologie ist in den letzten Jahren natürlich stetig weiterentwickelt worden und die Implementation im B&W PX beinhaltet einige spannende Neuerungen, auf die ich im Verlauf dieses Berichtes noch eingehen werde.

Der erste Eindruck des Hörers nach dem Auspacken ist hervorragend. Man merkt dem Bowers & Wilkins PX an, dass er gebaut wurde, um eine äußerst hochwertige mobile Lösung darzustellen. Die Scharniere und Gelenke sind leichtgängig und flexibel, bieten aber einen leichten Widerstand, um sich nicht ungewollt zu verstellen. Alle Materialien wirken sehr hochwertig, das Finish des Hörers ist (subjektiv) äußerst ansehnlich. Die gewebte Optik an den Ohrmuscheln erinnert an die von B&W bekannten Kevlarmembranen.

B&W PX Kopfhörer Hörmuschel

Die gewebte Optik an den Ohrmuscheln des PX erinnert an die von B&W-Lautsprechern bekannten Kevlarmembranen

Mit dieser Qualität einher geht ein etwas höheres Gewicht des Hörers von 335 Gramm. Ohrpolster und Kopfband sind in weiches Naturleder gefasst und sitzen sehr angenehm auf dem Kopf. Für eine effektive Funktion des NC ist eine sehr gute Abdichtung des Hörers notwendig und so setzt B&W auf festere Polster, die sich dank des weichen Bezugs jedoch nie störend bemerkbar machen. Beim Kopfband hingegen könnte die Polsterung für mich etwas dicker ausfallen. In Verbindung mit dem Gewicht kann das Band bei sehr langen Hörsessions (4h +) etwas irritieren. Um das zu beheben, muss man den Hörer jedoch lediglich kurz umpositionieren und kann entspannt weiterhören.

Die Ohrpolster sind ohrumschließend sowie oval geformt und sitzen bei mir hervorragend um die Ohren herum. Dank der Tiefe und guten Ausformung der Polster bleiben meine Ohren vollkommen frei von Irritationen und berühren den Hörer nicht im Innenbereich. Zu beachten ist, dass die Ohrpolster bei einem brandneuen Modell einige Zeit brauchen, um sich dem Kopf so anzupassen, dass die Dichtung – die für NC wie gesagt entscheidend ist – kontinuierlich hält.

B&W PX Kopfhörer Smartphone & Transporttasche

Der B&W PX kommt mit einer gesteppten Transporttasche

Der B&W PX kommt mit einer sehr schönen gesteppten Tasche, welche den Hörer und die mitgelieferten Kabel (3,5-mm-Klinke und das USB-Ladekabel) aufnehmen kann. Wünschenswert im Lieferumfang wäre für mich noch ein Dual-3,5-mm Mono-auf-Stereo-Adapter für das typische Flugentertainment.

Zusätzlich hat Bowers & Wilkins eine Selbstabschaltung des Hörers integriert, die dann aktiv wird, wenn der Hörer vom Kopf genommen wird. Das sorgt dafür, dass der Hörer das NC abschaltet und im Bluetooth-Betrieb auch die Wiedergabe unterbricht. Nach kurzer Pause wechselt er dann in den Standby-Modus, in dem man den B&W PX problemlos dauerhaft belassen kann. Im Gegenzug beginnt die Wiedergabe, wenn man den Kopfhörer wieder aufsetzt. Befindet sich der Bowers & Wilkins noch im Bereitschaftsmodus, vollzieht sich das Ganze ohne jegliche Pause, doch selbst aus dem Standby-Modus heraus findet das erneute Pairing innerhalb von wenigen Sekunden statt. Die Zuverlässigkeit dieser Automatik war während meiner Testphase wirklich hervorragend. Im Besonderen für Hörer von Audiobüchern möchte ich diese Funktion hervorheben, da man problemlos den Hörer kurz zur Seite klappen und ohne eine Passage zu verpassen im Anschluss direkt weiterhören kann.

AM B&W PX befinden sich Tasten für On/Off, Lautstärke sowie Play/Pause und das Noise Cancelling

Am B&W PX befinden sich Tasten für On/Off, Lautstärke sowie Play/Pause und das Noise Cancelling

Am Kopfhörer selbst befinden sich Tasten für Lautstärke sowie Play/Pause und das Noise Cancelling. Vervollständigt wird die Interaktion mit einem On/Off-Schalter, welcher ebenfalls zum Koppeln des Hörers genutzt wird. Die Tasten befinden sich am Rand des Hörers und lassen sich dank des klaren Druckpunktes selbst mit Handschuhen gut erreichen und bedienen. Ein Vorteil gegenüber dem Touch-Konzept, speziell im Winter.

Um die volle Funktionalität des Bowers & Wilkins PX ausnutzen zu können, empfiehlt es sich jedoch, die zugehörige App von B&W zu installieren. Diese ist zum Hören nicht erforderlich, ermöglicht jedoch die Kommunikation mit dem Kopfhörer und bietet daher diverse erweiterte Anpassungsmöglichkeiten. Beginnend bei Kleinigkeiten wie der Umbenennung des Hörers für die Kopplung, geht es weiter mit drei separaten Betriebsmodi des NC-Algorithmus‘ sowie einer stufenlosen Anpassung der sogenannten Pass-Through-Funktion. Diese ermöglicht es bei aktiviertem NC weiterhin Umgebungsgeräusche wahrzunehmen.

Die USB-C-Schnittstelle dient nicht ausschließlich zum Laden des Hörers: Angeschlossen an einen Rechner meldet sich der PX als USB-Sounddevice an und steht somit für die Tonausgabe zur Verfügung

Drei NC-Modi (Büro, Stadt und Flugzeug) stehen zur Auswahl. Während Büro weiterhin eine gedämpfte Teilnahme an den Gesprächen der Umgebung ermöglicht, sind der Stadt- sowie Flugmodus darauf ausgelegt, einen möglichst ungestörten Musikgenuss zu gewährleisten. In den Standardeinstellungen leitet der PX im Stadtmodus weiterhin Umgebungsgeräusche im mittleren Frequenzbereich an das Ohr – jedoch deutlich leiser. Dies ermöglicht es, Ansagen sowie Fahrzeuge um einen herum weiterhin zu registrieren, sie überdecken die Musik nun jedoch nicht mehr. Die Intensität dieser Funktion lässt sich nach den eigenen Vorlieben stufenlos anpassen und ermöglicht so selbst in schwierigen Umgebungen einen sehr guten Kompromiss aus Musikgenuss und Sicherheit. Im Flugmodus ist die Dämpfung von Werk aus maximal, kann jedoch bei Bedarf ebenfalls angepasst werden. Die automatische Abschaltung beim Abnehmen des Hörers kann ebenfalls in der App angepasst oder auch deaktiviert werden.

Schließlich bietet die App noch die Möglichkeit eines Softwareupdates. Der B&W PX ist als kontinuierlich verbesserbarer Hörer konzipiert, so dass in Zukunft beispielsweise Weiterentwicklungen des Algorithmus dazu führen können, dass er sich in gewissen Umgebungen noch besser verhält oder noch flexibler anpassbar ist. Während meiner Testphase wurde ein Upgrade zur Verfügung gestellt, welches nach Installation zu einer Verbesserung der Stabilität der Bluetoothverbindung führte.

B&W PX Kopfhörer Kabelführung

Neben dem drahtlosen Betrieb kann der PX auch mit Kabel betrieben werden. Ganz klassisch per 3,5-mm-Klinke kann man die NC-Funktionalität weiterhin nutzen, die Play/Pause- und Lautstärke-Tasten sind jedoch funktionslos.

Der B&W PX hat noch einen weiteren Anschluss zu bieten. Die USB-C-Schnittstelle dient nämlich nicht ausschließlich zum Laden des Hörers: Angeschlossen an einen PC meldet sich der PX als USB-Sounddevice an und steht somit für die Tonausgabe zur Verfügung. In diesem Betrieb ermöglichen die Tasten im Betrieb mit einem Macbook auch weiterhin die Lautstärkeregelung sowie das Starten und Unterbrechen der Wiedergabe. Geladen wird der PX währenddessen ebenfalls. Der Kabelbetrieb erhält übrigens Vorrang vor der drahtlosen Verbindung. Schließt man den Hörer an eine reine USB-Stromquelle an oder aktiviert ihn nicht als Soundkarte, kann man ihn jedoch auch laden und zeitgleich über Bluetooth nutzen.

Erwähnenswert ist zudem, dass der Bowers & Wilkins PX mit zwei Bluetoothquellen zeitgleich gekoppelt sein kann. So konnte ich ihn zum Beispiel nutzen, um am Laptop zu arbeiten und drahtlos Musik zu hören und zeitgleich mit dem Handy verbunden bleiben. Bei einem Anruf schaltet er dann automatisch auf das Handy um, denn – ach ja – er kann auch als Headset genutzt werden. Die Außenmikrofone der NC-Technik übernehmen hierbei die Aufgaben als Sprachmikrofon und Filter von Umgebungsgeräuschen. Die Stimme klingt am anderen Ende zwar etwas distanziert, aber die Verständlichkeit war auch bei Nutzung im nicht ruhigen Außenbereich sehr gut.

Als Akkulaufzeit deklariert Bowers & Wilkins im kabellosen Betrieb und mit aktiviertem NC bis zu 22 Stunden, im Kabelbetrieb ohne NC bis zu 50 Stunden. Mich hat der Kopfhörer nicht im Stich gelassen und selbst nach Dauerbetrieb (siehe unten „Im Flieger“) noch 30 % Akkuladung in der App angezeigt.

Bowers & Wilkins PX: Klang, Praxis & Vergleiche

B&W PX Kopfhörer mit Bob Dylan

Ok, technisch und mit Blick auf die Handhabung gibt sich der Bowers & Wilkins PX schon recht featurereich und bietet sehr komfortable Lösungen für viele Reisesituationen. Doch was nützt die schönste Konnektivität, wenn er in seiner Kerndisziplin – der Klangqualität – patzen sollte. Um dieser Sache weiter auf den Grund zu gehen, muss ich (mea culpa) noch einmal ins Technische abdriften. Lesern, die keine Lust auf die Sezierung des Bluetooth-Protokolls haben, empfehle ich, die nächsten vier Absätze zu überspringen.

Exkurs: Bluetooth

Prinzipiell kann Audio über Bluetooth auf verschiedenen Wegen übertragen werden. Eines der ältesten Protokolle, welches weiterhin Verwendung findet, ist das Headset Profile (HSP), das 64-kbit-Mono-Sound erlaubt. Die Erweiterungen im Hands-Free Profile (HFP) erlauben eine erweiterte Steuerung und leicht verbesserten Monosound für bessere Sprachqualität bei Telefonaten. Beide Protokolle wurden zu Beginn tatsächlich auch für Musikwiedergabe verwendet, sind für anspruchsvolle Audioübertragung aber natürlich nicht geeignet. Hier kommt nun das Advanced Audio Distribution Profile (A2DP) ins Spiel. Dies ermöglicht die Übertragung von Audiosignalen mit wesentlich höherer Bandbreite. Jedes A2DP-fähige Gerät (Sender als auch Empfänger) kann mit dem Subband Codec (SBC) umgehen, der Stereo-Audio in bis zu 345 kbit/s zu übertragen vermag. SBC wurde mit der Zielsetzung geringen Ressourcenverbrauchs entwickelt, der Codec ist also nicht hochkomplex und kann Musik nicht sehr effizient komprimieren. Zusätzlich ist er so ausgelegt, dass die Bandbreite dynamisch an die Gegebenheiten angepasst wird, d. h. bei schlechtem Empfang wird die Bandbreite beschnitten und die Klangqualität leidet.

Der schlechte Ruf von Bluetooth-Audio stammt von der Tatsache, dass sendeschwache, das heißt wenig Strom für das Bluetoothmodul bereitstellende Wiedergabegeräte (bei einer Bluetoothverbindung senden und empfangen beide Seiten) in Verbindung mit SBC in der Regel zu einer sehr geringen Audiosignalbandbreite führen. Für Abhilfe ist in A2DP bereits vorgesorgt, denn das Protokoll unterstützt ebenfalls die direkte Übertragung anderer Audiocodecs – so beispielsweise auch von inzwischen lizenzfreiem mp3. Prinzipiell ist auch die Übertragung von Lossless-Codecs mit A2DP möglich. Leider hat sich die Industrie auf diese Formate nicht eingelassen – und so haben sich zwei andere Formate durchgesetzt: AAC und aptX. Bei beiden fallen (im Gegensatz zu SBC) Lizenzgebühren an, so dass ein Hersteller sich gegebenenfalls zweimal überlegt, welche Formate er unterstützt. Die Crux: Für eine erfolgreiche Übertragung in einem dieser beiden Formate müssen sowohl Sender als auch Empfänger die Codecs unterstützen. Dies kann etwa in Verbindung mit den Smartphones des Herstellers Apple dazu führen, dass ein für hohe Qualität ausgelegter aptX-Kopfhörer mit einem iPhone auf SBC zurückfällt – diese unterstützen aptX nämlich nicht! In den technischen Designpapers von Apple wird von einer Bandbreite von knapp 265 kbit/s AAC über A2DP gesprochen, so dass im Prinzip die auf dem iPhone vorliegenden Daten bis 256 kbit/s Bit für Bit übertragen und erst im Wiedergabegerät gewandelt werden könnten. Ob dies aber tatsächlich geschieht oder aber eine zusätzliche Digital/Digital-Wandlung durchgeführt wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Wie dem auch sei, 265-kbit-AAC bietet bereits eine sehr hohe Qualität und ist von vielen Leuten wahrscheinlich nur schwer vom Original zu unterscheiden. Noch mehr Bandbreite stellt aptX zur Verfügung: Hier können die vollen 345 kbit/s für das Stereosignal verwendet werden. Im Unterschied zu SBC findet immer die volle Bandbreite Anwendung, d. h. man hat entweder ein hochwertiges Signal oder aber gar keines. Zusätzlich ist der Codec von aptX deutlich effektiver und kann mehr Audioinformationen in die Bandbreite schieben. Mit aptX-HD wurde er noch erweitert, um ein Auflösung bis zu 48 kHz/24 Bit zu ermöglichen.

Es handelt sich jedoch bei all diesen Optionen nicht um echte Lossless-Übertragung und auf der Sendeseite muss zunächst eine Digital/Digital-Wandlung von einem Codec (MP3, AAC, FLAC etc.) in einen anderen Lossy-Codec wie AAC oder aptX stattfinden sowie im Empfangsgerät dann schließlich dessen Dekodierung in das analoge Audiosignal. Daher müssen auch beide Geräte den verwendeten Standard unterstützen.

Der B&W PX kann hierbei erfreulich viel. Er unterstützt sowohl AAC über A2DP als auch aptX-HD (welches aptX einschließt). Die Anzahl an Geräten, die diese beiden hochwertigsten Bluetoothmöglichkeiten zugleich anbieten, ist noch sehr klein und überschaubar, in Verbindung mit der NC-Technologie ist mir gar nur ein einziger anderer Kopfhörerhersteller bekannt (Sony mit WH-H900N & WH-1000XM2).

B&W PX Kopfhörer mit Smartphone

An alle, die sich mit mir durch diese Codecwüste durchgekämpft haben: mein Respekt! Die „Kurznachricht“ für alle anderen: Der Bowers & Wilkins PX kann von Haus aus sowohl mit aktuellen Android- als auch iOS-Geräten auf die derzeit jeweils bestmögliche Übertragung zurückgreifen und sogar HD-Audio mit etwa den Mediaplayern von Astell&Kern in nahezu Lossless-Qualität stemmen. Sind die Daten erst einmal übertragen, muss der Kopfhörer sie natürlich noch wandeln und verstärken. Die Wiedergabekette DAC -> Amp -> Treiber befindet sich nun also im Hörer. Dies hat einerseits den Vorteil, dass alle Bauteile aufeinander abgestimmt werden können, jedoch auch in der Preisgestaltung des Kopfhörers Berücksichtigung finden müssen.

Aber kommen wir zum Wesentlichen: Der Klang des B&W PX bietet eine hohe Dynamik und macht bei den verschiedensten Musikrichtungen sehr viel Spaß. Gehört habe ich fast ausschließlich im drahtlosen Betrieb über die verschiedenen Codecs, da ich hier die Kernkompetenz des Hörers sehe.

HVOBSehr gefreut hat mich beispielsweise die Darstellung des Erstlingswerks des österreichischen Duos HVOB (auf Amazon anhören). Im „NC off“- und „Büro“- Modus umwabern einen die Klänge genau so, wie ich es von Lautsprechern oder anderen hochwertigen Kopfhörern gewohnt bin. Man wird in die Musik hineingezogen und erlebt die verschiedenen Synthierhythmen sehr intensiv. Unterstützt wird dieses Gefühl ganz enorm durch die Basswiedergabe des PX. Diese ist kraftvoll, aber sehr kontrolliert. Speziell bei mobilen Kopfhörern ist ein solch kontrollierter Tiefton eher selten zu finden, die meisten Modelle packen tonal lieber ein, zwei Schippen zu viel drauf, so dass letztlich auch die Präzision leidet. Der B&W bleibt hingegen kontrolliert und neutral – selbst Doublebass-Gewitter kann er sauber trennen! Hier macht sich die integrierte aktive Technik bemerkbar. Und so machen nicht nur elektronische Klänge Freude, sondern auch Rockmusik. Die ganz tiefen Register von großen Heimkopfhörern wie Beyerdynamic DT 880, Sennheiser HD650 oder gar einem Magnetostaten à la Audeze – die allerdings auch eine zusätzliche hochwertige Verstärkung voraussetzen, die beim B&W PX ja bereits inklusive ist – kann er dann technikbedingt nicht mehr darstellen, bleibt aber bis dahin wie gesagt angenehm neutral.

Srah WalkInsgesamt liefert der B&W PX ein für mich sehr angenehmes, über alles gehört sehr ausgewogenes Klangbild. Er erinnert mich durchaus an die Lautsprecher der Briten. Diese lösen zwar sehr gut auf und zeigen die Details der Aufnahme auf, produzieren aber dennoch einen langzeittauglichen runden Klang. Ähnlich erging es mir mit dem PX – es gab keinen Moment, in dem er mich mit seiner Tonalität irgendwie geärgert oder gestört hätte. Gleichwohl gelang es ihm bei sehr guten Aufnahmen, diese auch entsprechend realistisch ans Ohr zu bringen. So hatte ich viel Spaß mit Sarah Walks Erstling Little Black Book (auf Amazon anhören). Die gesamte Spannbreite von minimalistischen Singer-Songwriter-Elementen mit Sarah Walks Stimme und Keyboard bis zu energiegeladenen Rockmomenten inklusive umfangreicher Instrumentierung kann der Bowers & Wilkins PX sehr gut abdecken. Seine Natürlichkeit bei der Mitten- beziehungsweise Stimmwiedergabe lässt ihn zum einen glänzen, während er zum anderen energetisch genug aufspielt, um die Spannung der Musik auch in den lauten Passagen zu halten.

B&W PX Kopfhörer auf Laptop

Hochwertige Heimkopfhörer (z. B. die sehr bekannten ehemaligen Topmodelle Beyerdynamic DT880, AKG 701 oder Sennheiser HD650), die von dedizierten Kopfhörerverstärkern befeuert werden, liefern noch etwas mehr Transparenz als der PX und seine integrierte Verstärkerelektronik. Und während der B&W PX die räumliche Tiefe noch sehr differenziert – für einen mobilen Kopfhörer wirklich außergewöhnlich gut – darstellt, gelingt die Links/Rechts-Differenzierung nicht ganz so kohärent. Gleichwohl lässt sich beispielsweise bei Loewes „My fair Lady“ wunderbar in der Musik schwelgen, man vergisst halt nur nicht zu 100 %, dass es sich „nur“ um eine Aufnahme handelt.

Der B&W PX bietet gegenüber den genannten NC-losen Kabelmodellen aber eben auch deutlich mehr: Dank eingebauter Elektronik klingt er an jeder Quelle (hochwertige Übertragung vorausgesetzt) stets konstant gut – ohne dass ein extra Kopfhörerverstärker notwendig wäre. Und mag die Kabellosigkeit zunächst wie ein Gimmick wirken, wer es ausprobiert, wird sich über den Zugewinn an Alltagstauglichkeit wundern.

Rauschverhalten

Bringt man viel Elektronik auf kleinem Raum zusammen, gibt es naturgemäß Einschränkungen, und so ist es auch beim B&W PX. Er leidet wie so viele seiner technikverwandten Kopfhörer mit aktiver Elektronik unter einem sehr leichten Grundrauschen bei der vollen Nutzung des NC. Dennoch muss ich klar sagen, dass dessen Intensität wesentlich geringer als beispielsweise bei einem aktuellen Sennheiser PXC550 ausfällt und außerhalb von sehr ruhigen, geschlossenen Räumen nicht mehr auszumachen ist. Noch besser wird es, wenn man den NC-Algorithmus auf das Büro-Setting setzt oder aber komplett deaktiviert. Dann gibt der PX quasi keine Eigengeräusche mehr von sich und kann auch entspannt zu Hause eingesetzt werden. Stärker wird es wieder, wenn man den Kopfhörer nicht via Bluetooth oder USB, sondern per Kabel speist. In diesem Fall bringt der PX eine zusätzliche AD-Wandlung des Eingangssignals ins Spiel, welches wahrscheinlich sensibel auf Einstreuungen durch die umliegende Elektronik reagiert. In der alltäglichen Nutzung habe ich jedoch ausschließlich bei Flügen und dem Anschluss an das Board-Entertainment auf das Kabel zurückgegriffen, in derartiger Umgebung dürfte ein leichtes Rauschen aber wirklich das kleinste Problem sein. Angeschlossen per Bluetooth/USB findet wieder ausschließlich eine D/A-Wandlung im Hörer statt und er verhält sich angenehm leise.

B&W PX Kopfhörer am Computer

NC – oh weh?

Eine weitere Besonderheit bei Noise-Cancelling-Modellen sind die Klangsignaturen bei aktivierter beziehungsweise deaktivierter Unterdrückung. Diese werden sich wahrscheinlich immer etwas unterscheiden – je nach Philosophie der Elektronik mal mehr oder weniger signifikant (manche Modelle schalten ohne NC komplett in den passiven Modus, andere schalten lediglich den Algorithmus ab). Auch beim B&W PX ist dies der Fall, zusätzlich bietet er mit Blick auf die beschriebenen Umgebungsprofile leichte Veränderungen:

Der Büro-Modus mit aktiviertem NC ist klanglich wirklich sehr nah an der deaktivierten Geräuschkompensation. Einzig die Auflösung im Hochtonbereich nimmt leicht ab.

OasisDer Stadt- und Flugmodus – hier werden mehr Störgeräusche geschluckt –  unterscheiden sich klanglich bei deaktivierter Pass-Through-Funktion untereinander quasi nicht. In diesen Modi bietet der B&W PX die größte Isolation von der Umgebung und einhergehend die größte Änderung – ausgehend vom Büro- oder Off-Modus – der Klangsignatur. Die vormals breite Bühne verengt sich und Stimmen rücken einen Schritt von einem weg. Aufgefallen ist mir das besonders bei Oasis’ „Stand by me“ von ihrem dritten Album Be Here Now (auf Amazon anhören). Während man im NC-Off- oder Büro-Modus in der ersten Reihe steht und sich die Musiker um einen herum bewegen, wirkt es im Stadt- oder Flug-Modus eher so, als ob man am Musikpult oder in einem Monitoring-Raum sitzt. Schellen und Cymbals werden zudem nicht mehr ganz so glanzvoll und hellklingend dargestellt.

Nun ist der Hochtonbereich auch der Frequenzbereich, in dem das NC am stärksten wirkt und Umgebungsgeräusche trennt, insofern ist der spürbare Einfluss hier verständlich. Auch in den Mitteltonbereich reicht der Einfluss, jedoch weniger stark.

Um das Ganze aber wieder mal etwas geradezurücken beziehungsweise mit Abstand objektiv zu betrachten: Zum einen sind Klangveränderungen bei allen NC-Kopfhörern naturgemäß vorhanden (je besser die Geräuschreduktion funktioniert, desto größer der Einfluss) und im direkten Vergleich beispielsweise mit dem Platzhirsch Bose QC35 bietet der B&W PX für mich einen deutlich besseren Klang: Detaillierter, ausgewogener und wesentlich konturierter – mit oder ohne NC. Zum anderen bietet der Bowers & Wilkins-Kopfhörer dank des Büromodus‘ auch die Möglichkeit, in weniger anspruchsvollen Umgebungen mit minimalem Klangeinfluss die Vorteile von NC auszunutzen – hier bewegt er sich auf einem Niveau mit z. B. dem Sennheiser Momentum 2 wireless, der allerdings ein merklich unterlegendes NC aufweist sowie deutlich weniger Codecs unterstützt. Nicht zu vergessen die Pass-Through-Funktion, die in jedem Modus separat in beliebiger Stärke hinzugeschaltet werden kann.

Im Flieger

Abschließend möchte ich noch auf eine Erfahrung mit dem Bowers & Wilkins PX eingehen, die mich besonders beeindruckt hat. Ich hatte mal wieder einen über vierzehnstündigen Langstreckenflug anstehen und nahm diesmal den PX mit auf die Reise. Bei gleichmäßigen und lauten Geräuschen, wie sie typischerweise im Flugzeug vorherrschen, zeigt das NC des B&W-Kopfhörers seine volle Stärke. Die Umgebungsgeräusche werden enorm gedämpft. Lange Flüge kosten Energie und der PX sorgt bei mir dafür, dass ich mich nach der Landung tatsächlich weniger beansprucht fühle. Ob mit Musik im Wartebereich, passiv rein zur Lärmunterdrückung während der Schlafzeit oder aber fürs Board-Entertainment – der PX hat mich nie enttäuscht. Die drahtlose Übertragung (Bluetooth ist bei vielen Flügen erlaubt) sorgt beim Verstauen der Kleidung oder beim Durchlassen wanderfreudiger Sitznachbarn für eine problemlosere Abwicklung ohne Kabelgewirr. Ich konnte während des Fluges Opern hören, und zwar nicht nur die lauten Passagen, sondern die volle Bandbreite der Stücke! Restgeräusche sind in dieser Umgebung tatsächlich geringer als mit In-Ears und im Gegensatz zu diesen hatte ich den B&W PX, mit Ausnahme weniger Minuten Pause bei den Kontrollen der Transfers, ununterbrochen auf den Ohren. Das war mir selbst mit Customs auf Grund von Irritationen im Ohr bisher nie möglich.

B&W PX Kopfhörer Transporttasche

Test: B&W PX | Kopfhörer

  1. 1 Sound & Stille
  2. 2 Bowers & Wilkins PX: Klang, Praxis & Vergleiche
Billboard
Rega

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