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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Funker ohne Flunker
  2. 2 Technics EAH-A800: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Technics EAH-A800

Technics (www.technics.com) begleitet mich schon mein gesamtes „HiFi-Leben“, doch mein Verhältnis zur Marke ist kompliziert. Oft begeistern mich die Geräte, andererseits habe ich mir noch keines zugelegt. Ob sich das mit dem neuen Technics Over-Ear-Kopfhörer EAH-A800 mit Bluetooth und ANC (Preis: 349 Euro) ändern wird?

Warum bisher kein Technics-Produkt Platz in meinem Gerätepark fand? Nehmen wir zum Beispiel die Technics HiFi-Komponenten der 1990er Jahre, als die Marke zu den führenden HiFi-Herstellern zählte. Da gab es definitiv immer Verstärker, Kassettendecks oder CD-Player, die ich mir gerne gekauft hätte. Aber zu Zeiten, als selbst Accuphase schwarze Komponenten im Angebot hatte, bot Technics die seinen ausschließlich im damals markentypischen Braunton an. Der passte nicht zu meinen schwarzen Geräten und das war für mich damals ein absolutes No-Go.

Technics EAH-A800 in Schwarz

Der Technics EAH-A800 – hier in Schwarz – ist ein Bluetooth-Over-Ear mit Active Noise Cancelling

Als ich mir später, zu Beginn des Vinyl-Revivals, einen Plattenspieler kaufen wollte, habe ich ein Auge auf den legendären DJ-Plattenspieler SL-1210 geworfen. Und was machen die bei Technics? Stellen die Produktion ein. (Nur, um sie sechs Jahre später wieder anzuwerfen.) Dann bringen sie, nachdem sie sich Jahre vom High-End-Markt zurückgezogen hatten, mit der SE-R1 endlich wieder eine richtig fette, innovative und schaltungstechnisch ultra-moderne Endstufe auf den Markt. Die erinnert mich mit ihren wunderschönen großen Zeigerinstrumenten an die Endstufen der 1990er Jahre, die ich mir damals nicht leisten konnte. Und was machen die da in Japan? Rufen mit 13.000 Euro einen Preis für das begehrenswerte Stück auf, zu dem ich es mir auch heute nicht leisten kann. Und bieten das Teil mittlerweile nur noch in Silber an … Ach Technics, ob das noch mal was mit uns wird?

Technics EAH-A800 – Konzept und Ausstattung

Fangen wir mit den Äußerlichkeiten an. Von seinem Vorgänger, dem EAH-F70N, unterscheidet sich der EAH-A800 durch seine Größe und das etwas kantigere Design. Während der EAH-F70N eher reisefreundlich kompakt und unauffällig war, strahlt der EAH-A800 mehr Selbstbewusstsein aus. Seine Formensprache erinnert mich an Technics deutlich teureres, kabelgebundenes Kopfhörer-Flaggschiff EAH-T700. Und sogar die Modellbezeichnung „EAH-A800“ ist näher am 1.200-Euro-Kopfhörer „EAH-T700“. Wenn das nicht ein Statement ist.

Technics EAH-A800 im Hardcase

Der Technics EAH-A800 wird mit einem praktischen Hardcase geliefert

Passform

Doch bleiben wir beim Design. Damit der Technics EAH-A800 trotz seiner Größe reisetauglich bleibt, haben seine Schöpfer einen geschickten Klappmechanismus konstruiert, durch den er sich verhältnismäßig klein machen kann und in das zum Lieferumfang gehörende Hardcase falten lässt. Zur vollen Größe aufgeklappt, sammelt er mit einer nahezu perfekten Passform Punkte. Die Polster sind üppig und genau richtig abgestimmt. Sie sind einerseits weich und bequem, andererseits sorgen sie für einen sicheren Halt und vor allem einen dichten Sitz um die Ohren. Unter den Polstern herrscht viel Platz, sodass auch größere Lauscher entspannt unterkommen. Auch der Kopfbügel ist üppig gepolstert. Wobei das Polster bei dem geringen Gewicht von weniger als 300 Gramm, die der EAH-A800 auf die Waage bringt, nicht wirklich viel zu tun hat. Der Verstellbereich des Kopfbügels ist sehr groß und die allermeisten Hörer dürften mit dem Technics zurechtkommen. Insgesamt ist die Passform richtig gut und gewährleistet einen exzellenten Tragekomfort.

Technics EAH-A800 in der Ausführung Silber

Den Technics EAH-A800 gibt es in Schwarz und – wie hier im Bild – in Silber

Und noch mal zum Design: Den Technics EAH-A800 gibt es in Schwarz und Silber. Wobei der Kunststoff der Gehäuse und Gelenke bei der schwarzen Version einen edlen, anthrazitfarbenen Schimmer hat, während die Polster tiefschwarz sind. Bei der silbernen Ausführung ist der Kunststoff silbern und die Polster sind weiß, was perfekt zu meinem weißen iPhone 13 mit seinem silbernen Rahmen passen würde. Aber ich habe ein schwarzes Testmuster bekommen. Hmm …

Ausstattung

Kommen wir zur Ausstattung. Hier hat Technics dem EAH-A800 alles spendiert, was aktuell gut und teuer ist. Dazu gehört natürlich eine exzellente akustische Anlage. Pro Kanal arbeitet ein 40-Millimeter-Treiber mit rahmenloser Drei-Lagen-Membran auf eine separate akustische Kammer innerhalb des Kopfhörergehäuses. Klar, dass der EAH-A800 zur geschlossenen Fraktion gehört. Etwas anderes würde bei einem auch zum Reisen gedachten Hörer keinen Sinn ergeben. Und bei einem Noise-Cancelling-Kopfhörer schon mal gar nicht. Den Technics EAH-A800 kann man auch konventionell am beiliegenden Kopfhörerkabel mit 3,5-mm-Stereoklinkenstecker betreiben. Die meisten werden ihn aber wohl in seiner Funktion als Bluetooth-Kopfhörer ohne Kabel nutzen. Um auch hier bestmöglichen Klang zu gewährleisten, setzt Technics neben dem aktuellen Bluetooth-Standard 5.2 auf den LDAC-Codec. Der ermöglicht mit einer Auflösung von bis zu 96 kHz/24 Bit echte HiRes-Qualität per Bluetooth.

Technics EAH-A800 auf Schiene

Damit man das klangliche Potenzial des Technics EAH-A800 auch in lauten Umgebungen genießen kann, gibt es ein Active Noise Cancelling der neuesten Generation. „Dual Hybrid Feedforward und Feedback Noise Cancelling mit analoger und digitaler Klangverarbeitung“, nennt Technics die Technologie. Ob das Ganze genauso beeindruckend funktioniert wie es sich liest, werden wir herausfinden.

Hightech kommt auch beim Telefonieren zum Einsatz. Als Bluetooth-Kopfhörer dient der Technics EAH-A800 natürlich auch als Headset. Verschiedene außen am Kopfhörer angebrachte Mikrofone unterstützen nicht nur das Active Noise Cancelling, sondern auch die Aufnahme und Optimierung von Sprache. Der Technics soll in der Lage sein, die Sprachverständlichkeit in lauten Umgebungen zu verbessern und Störgeräusche herauszufiltern. So soll man auch unter ungünstigen Bedingungen problemlos telefonieren oder mit seinem Sprachassistenten kommunizieren können.

Bedienung & Akku-Power

Die Bedienung des Technics EAH-A800 erfolgt über Tasten am rechten Gehäuse. Die erreicht man gut mit dem Daumen. Dazu kommt eine als Sensorfläche dienende Gehäuseaußenseite. Weitergehende Einstellungen lassen sich mithilfe der Technics-Audio-Connect-App einstellen; so etwa die Stärke des Noise-Cancelling oder der Geräuschunterdrückung beim Sprechen, die Art des Kommunikationsmodus bei aufgesetztem Kopfhörer – ob alle Umgebungsgeräusche übertragen werden oder nur Stimmen – oder die Funktion des Tragesensors. Auch ein Equalizer mit verschiedenen Presets und eigenen Einstellmöglichkeiten steht in der App zur Verfügung.

Technics EAH-A800: Bedientasten der rechten Ohrmuschel

Die Bedienung des Technics EAH-A800 erfolgt unter anderem über Tasten an der rechten Ohrmuschel

Die geballte Technik im Technics EAH-A800 benötigt Strom: Die eingebauten Akkus reichen für bis zu sensationellen 60 Stunden Betrieb. Wobei stromhungrige Funktionen wie das Noise-Cancelling oder die LDAC-Datenübertragung die Spielzeit verkürzen. Nach 15 Minuten Schnellladen geht es für rund 10 Stunden weiter. Geladen wird über das beiliegende USB-Kabel.

Technics EAH-A800: Hörtest und Vergleiche

Bei einer Statista-Umfrage im Jahr 2020 gaben 96 Prozent aller Befragten an, dass ihnen beim Kauf eines Kopfhörers der Klang am wichtigsten sei. Auf Platz zwei lag mit 92 Prozent das Design. Die Sache mit dem Design hätten wir geklärt, kommen wir also zum wichtigsten Aspekt.

Technics EAH-A800 am Lautsprecher

Auch hier zeigt sich der Technics EAH-A800 von seiner besten Seite. Im Bass heißt es: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ Und ich antworte begeistert: „Ja, gerne!“ Denn beim Hören über Kopfhörer fehlt naturgemäß ein Teil der Basswahrnehmung. Beim raumfüllenden Hören – live oder über Lautsprecher – werden tiefe Töne auch über Haut und Knochen vermittelt. Das fällt beim Hören über Kopfhörer weitgehend weg – was sich aber eben durch eine kleine Bassbetonung wieder ausgleichen lässt. Und richtig gut kommt die beim Technics EAH-A800 rüber, denn sie beschränkt sich wirklich auf die tiefen Lagen. Der Grundton ist nicht betroffen. So klingt der Bass mächtig, beeinträchtigt aber zum Beispiel nicht die Stimmwiedergabe.

Dazu kommt, dass sich der Aufwand, den Technics mit den separaten Akustikkammern treibt, in einem tiefreichenden und sehr kontrollierten Bass niederschlägt. Damit hat er neben einer angenehmen Quantität auch eine erstklassige Qualität zu bieten: sauber, kontrolliert, ohne jede Neigung zum Wummern oder Dröhnen. Die Mitten sind, wie bereits erwähnt, frei von künstlicher Grundtonwärme, wobei sie alles andere als kühl ausfallen. Einen leichten Hang zur Gefälligkeit – zu ein bisschen mehr „Soul“ – würde ich dem Technics EAH-A800 durchaus attestieren. Das aber in einem absolut vertretbaren Maß – zudem bietet der Technics-Kopfhörer so viel Auflösung und feindynamisches Differenzierungsvermögen, dass hier nichts anbrennt. Die leichte Gefälligkeit dient nicht dazu, sich einzuschmeicheln oder irgendwelche Mängel zu verdecken.

Technics EAH-A800 am Geländer

Ähnliches gilt für den Hochton. Der ist klar und liefert Unmengen an Details. Dazu zeichnet er Obertöne sauber nach und prägt damit die schönen, klaren Klangfarben, mit denen der Technics weitere Punkte sammelt. Mit einer höheren Dosis könnte der Technics EAH-A800 noch strahlender klingen, allerdings auf die Gefahr hin, bei längeren Hörsessions anzustrengen. Die eher seidige, leicht defensivere Hochtonabstimmung des Technics gewährleistet dagegen langzeithörtauglichen Musikgenuss auf hohem Niveau. Und dass unabhängig von der Musikrichtung. Wer unbedingt mehr Hochton braucht, kann gerne zu App und Equalizer greifen.

Beim Thema Raumabbildung tue ich mich im Zusammenhang mit Kopfhörern schwer. Normale Kopfhörer liefern prinzipbedingt keine natürlichen Rauminformationen. Hier wirken andere Effekte als live oder beim Hören über ein Paar Stereo-Lautsprecher. Der Technics EAH-A800 agiert wie die meisten geschlossenen Kopfhörer. Er bildet das musikalische Geschehen recht kompakt, doch sauber differenziert ab. Das passt, macht Spaß und erlaubt stundenlangen Hörgenuss. Aber das ist ein anderer „Raumeindruck“ als ihn manche offen gebaute High-End-Preziosen bieten, die mehr Weite vermitteln.

Technics EAH-A800 mit iPhone 13

Mit seinen Talenten kann sich der Technics EAH-A800 definitiv gegen etablierte Konkurrenz behaupten. Sonys WH-1000XM4 (329 Euro) spielt auf einem ähnlichen Niveau und klingt tendenziell etwas schlanker. JBLs Club One (349 Euro), der schon etwas länger auf dem Markt ist, liegt dagegen auf der anderen Seite und trägt etwas satter auf. Das sind allerdings vor allem tonale Aspekte. Beschäftigt man sich ein bisschen mit dem Equalizer der App, sollte man den Technics EAH-A800 in jeweils ähnliche Richtungen bringen können. Ich wüsste allerdings nicht, warum man das tun sollte. Der Technics funktioniert out of the box einfach richtig gut und klingt überzeugend und stimmig.

Active Noise Cancelling

Eine eigene Würdigung ist das Noise-Cancelling wert. Das funktioniert nämlich hervorragend. Einziger Kritikpunkt ist, dass es auf maximaler Leistungsstufe ein ganz feines Rauschen erzeugt. Das hört man aber nur, wenn keine Musik läuft.

Screenshot der App zum Technics EAH-A800

Die App zum Technics EAH-A800 erlaubt vielfältige Einstellungen, so auch zum Noise Cancelling und zur Geräuschunterdrückung bei Telefonaten

Dafür ist es definitiv sehr wirkungsvoll. Der Technics EAH-A800 hat mir mehrere Tage im Homeoffice gerettet, in denen in der Wohnung über mir Wände aufgestemmt und Fliesen abgemeißelt wurden. Der EAH-A800 hat es wirklich geschafft, das ohrenbetäubende Dröhnen des Meißelhammers auf ein dezentes Brummen im Hintergrund zu reduzieren. Dabei konnte ich tatsächlich arbeiten. Und meine Gesprächspartner am Telefon wollten mit nicht glauben, dass hier irrer Baulärm herrscht. Zumindest so lange mir der Technics EAH-A800 als Headset diente. Denn auch bei der Sprachübertragung funktioniert die Störgeräuschunterdrückung sehr wirkungsvoll.

Testfazit: Technics EAH-A800

Liebe Technics-Techniker, mit dem EAH-A800 habt ihr einen Kopfhörer geschaffen, der mich rundum überzeugt. Ja, in Silber hätte er neben meinem iPhone eine bessere Figur gemacht, doch das Schwarz wirkt sehr edel. Das Design ist gelungen und die Passform könnte kaum besser sein.

Technics EAH-A800 vor Graffiti

Dazu kommt eine musikalische, langzeithörtaugliche Klangabstimmung. Die erlaubt es, Musik jeglicher Stilrichtung auf hohem Niveau zu genießen. Ein leicht betonter Bass, eine saubere, gut auflösende Mittenwiedergabe und ein angenehmer Hochton, und das verbunden mit reichlich Spielfreude – hier passt einfach alles.

Vor allem, wenn man dann noch das wirkungsvolle Noise-Cancelling und die effektive Störgeräuschunterdrückung beim Sprechen hinzunimmt. Ab sofort hat Technics im Markt der Spitzenklasse-Bluetooth-Active-Noise-Cancelling-Over-Ear-Kopfhörer (Uff!) ein gehöriges Wort mitzureden.

Fakten:

  • Modell: Technics EAH-A800
  • Konzept: Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer mit ANC
  • Preis: 349 Euro
  • Gewicht: 298 g
  • Ausführung: Silber oder Schwarz
  • Lieferumfang: USB-Ladekabel, Audio-Anschlusskabel 3,5-mm-Stereoklinke (1 m), Hardcase, Flugzeugadapter
  • Sonstiges: Bluetooth Version 5.2, unterstützte Profile: A2DP, AVRCP, HSP, HFP, Codecs SBC, AAC, LADC, Spielzeit max. 60 Stunden, ANC, verschiedene Interaktionsmodi; Sprachverbesserung, Mehrpunktkopplung, Spritzwasserschutz gemäß IPX4
  • Garantie: 2 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

Technics
Winsbergring 15 | 22525 Hamburg
Telefon: +49(0)40–8549-0
E-Mail: support_DE@eu.technics.com
Web: https://www.technics.com/de/

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Test: Technics EAH-A800 | Kopfhörer

  1. 1 Funker ohne Flunker
  2. 2 Technics EAH-A800: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Technics EAH-A800

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: stst Motus 2 Tonarm: stst Vertex Tonabnehmer: Zyx Yatra

Digitale Quellen: D/A-Wandler: RME ADI-2 DAC FS (mit AKM-Chip) Musikserver: Antipodes S40

Vorstufen: Hochpegel: SPL Elektor Phonoverstärker: Lehmann Audio Black Cube SE II

Endstufen: Bryston 4B³

Lautsprecher: Horns FP12, Genelec 8020

Kopfhörer: Campfire Equinox, Grado PS500, Pioneer SE Monitor5, Austrian Audio Hi-X65

Kopfhörerverstärker: SPL Crimson 3 (Audio-Interface), RME ADI-2 DAC FS (mit AKM-Chip)

Kabel: Lautsprecherkabel: In-akustik Referenz LS-404 Micro Air NF-Kabel: Cardas Clear Light Digitalkabel: Boaacoustic Silver Digital Xeno

Rack: Horns EX

Zubehör: Stromfilter: Audioplan FineFilter S Sonstiges: Mehrfachsteckdose Audioplan PowerStar S, Gerätefilter Audioplan PowerPlant S, Netzleitungen Audioplan PowerCord, Netzteil (für DAC, Musikserver): Keces P8

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 17 m² Höhe: 2,6 m

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