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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Kraftvoll sensibel
  2. 2 ASR Basis Exclusive HV: Klangtest & Vergleiche

Ist es nicht so? Kaum fallen die Namen Friedrich Schäfer und ASR Audio Systeme assoziieren wir das sofort mit kistengroßen Amps, seitlichen Kühlrippen, dunklen Acrylgehäusen und einem deutlich überdimensionierten Knopf zur Regulierung der Lautstärke. Dann wären da noch ein, oder besser zwei nicht viel kleinere Netzteile und schon sind wir tief in die Welt der womöglich konsequentesten Audioverstärker des deutschsprachigen Raums eingetaucht. Zumindest wenn es um Vollverstärker geht, denn etwas anderes bauen sie im hessischen Herborn bei ASR Audio Systeme aus Überzeugung normalerweise nicht. Ich sag ja, konsequent. Und normalerweise. Denn ASR-Chef Friedrich Schäfer ist und war immer ein großer Analogfreund, weshalb sich tatsächlich bereits seit 1982 auch Phonoverstärker im Programm von ASR Audio Systeme finden lassen (ja, einen Vorverstärker gab es auch mal, aber das ist eine andere Geschichte….).  Unser besonderes Interesse gilt daher dem aktuellen Top-Phonoentzerrer der Hessen, dem ASR Basis Exclusive HV (7.590 Euro, Basis Exclusive ab 5.950 Euro | https://asraudio.de/).

Da ich selbst über Jahre stolzer Besitzer eines Vorfahren unseres Testgerätes – eines ASR Basis HD aus dem Modelljahr 2003 – war, eine besonders spannende Aufgabe.

Übrigens: Die Verstärker von ASR Audio Systeme gibt es nur im Direktvertrieb beim Hersteller. In Vor-Corona-Zeiten konnte man sich anlässlich der regelmäßig auf dem Firmengelände in Herborn veranstalteten Emitter-Days ein eigenes Bild machen und seinen Favoriten häufig auch gleich mitnehmen. Derzeit werden ASR-Geräte leihweise gegen Gebühr verschickt, welche beim Kauf natürlich verrechnet wird.

ASR Basis Exclusive HV: zweiteilige Phonovorstufe

Die ASR Basis Exclusive HV kommt mit externem Akkunetzteil

Gedankenverloren hatte ich mir die zwei(!) ziemlich dicken und gewichtigen, mit ASR-Schriftzug versehenen Kartons ins Office liefern lassen und darf diese jetzt mit schwerem Atem in den heimischen Hörraum wuchten. Beobachter dieses Szenarios würden kaum der Idee verfallen, dass es sich bei deren Inhalt um eine Phonovorvorstufe handelt. Landläufige Vertreter dieser Gattung passen bekanntlich in Form handlicher Module in jeden besseren Vollverstärker. Diese hier ist jedoch weit davon entfernt.

Technik: ASR Basis Exclusive HV

Eins plus eins

Die ASR Basis Exclusive HV besteht aus zwei Einheiten, wovon die kleinere, immerhin im Format einer ausgewachsenen Vorstufe, die Entzerrerschaltung und Pufferkondensatoren beherbergt, während der größere, fast 30 Kilo schwere Part Heimstatt von Akkus und Ladeelektronik ist. Akkus? Ganz recht. Schließlich ist es eine Spezialität der Schäfer´schen Verstärker, dass sich diese mit reinstem Akkustrom aus großzügig dimensionierten Batterien betreiben lassen. Und was für die Vollverstärker gilt, ist bei einer Phonovorstufe natürlich Pflicht.

ASR Basis Exclusive HV: Stecker für das Akkunetzteil

Die Rückseite des Akkunetzteils der ASR Basis Exclusive HV

Inzwischen habe ich die ASR Basis Exclusive HV ausgepackt und auf meinem Copulare-Rack platziert, während die Stromversorgung die darunter liegende Stellfläche vereinnahmt. Verbunden werden beide Einheiten mit einem recht störrischen Verbindungkabel aus der Starkstromabteilung. Eingangsseitig ist es fest mit der Steuereinheit der Phonostufe verbunden. Den Kontakt zum Batterienetzteil stellt ein nahezu unzerstörbarer Multipinstecker in „Industriequalität“ her. Alles in allem ein, auch für diese engagierte Preisklasse nicht alltäglicher Aufwand, den die Herborner hier betreiben.

Wie bei den ASR-Vollverstärkern (siehe etwa unser Test des ASR Emitter I Basic) besteht das transparent durchscheinende Gehäuse des Phonovorverstärkers aus grau-bläulich eingefärbtem Acrylglas mit einem Zentimeter Wandstärke. Ecken und Kanten prägen das Design, welches grundsätzlich dem meiner alten Basis HD entspricht. Allerdings fällt die Exclusive HV ein klein wenig höher aus, was daran liegt, dass Friedrich  Schäfer die HV mit speziell für ASR angefertigten 40 Volt-Kondensatoren ausstattet, deren Baugröße zusätzlichen Platz erfordert.

ASR Basis Exclusive HV: Siebkondensatoren

Die knallgelben Hochvolt-Kondensatoren gehören zu den ausschließlich dem Top-Model Exclusive HV vorbehaltenen Features

Bereits die Grundversion der ASR Basis Exclusive bietet gleich zwei Tonabnehmern Anschluss, die selbstredend unterschiedlich bedämpft werden können. Neben MCs lassen sich auch MM-Systeme entzerren. Zur Ausstattung gehören ein schaltbares Subsonic-Filter mit Cut off der Frequenzen unterhalb 20 Hertz sowie die Wahlmöglichkeit eines passenden Verstärkungsfaktors mit Werten zwischen 54 und 65 dB. Einen Monoschalter gibt es allerdings nur optional.

Zu den dem Top-Model ASR Basis Exclusive HV vorbehaltenen Features gehören die bereits erwähnten, kanariengelben Hochvolt-Kondensatoren, von denen allein 24 in der Verstärkereinheit verbaute Exemplare fast 1.000000 Mikrofarad bereitstellen. Im HV-Ausstattungspaket sind außerdem die massearmen Nextgen-Cinch-Buchsen von WBT enthalten. Wahlweise in Silber- oder, wie bei unserem Testgerät, in Kupferausführung.

Innenschau

Um Einstellungen an der ASR Basis Exclusive HV vornehmen zu können, muss man etwas mühsam den Acryldeckel abnehmen. Der Anblick, der sich danach bietet, dürfte allerdings kaum zu toppen sein. Die spiegelsymmetrisch bestückte, doppelt durchkontaktierte, grün-gelblich glänzende Hauptplatine der Phonovorstufe ist ein echter Hingucker. Feinste Verarbeitung und durchweg hohe Bauteilqualität, wo immer das Auge hinfällt. Der konsequente Doppelmonoaufbau des Entzerrers ist dabei unschwer zu erkennen. Durchgehend symmetrisch ist die Schaltung allerdings nicht. Während bei den Eingangs-ICs noch echte Symmetrie herrscht, erfolgt die teilaktive RIAA-Entzerrung unsymmetrisch. Dieser Lösung, bei der die Kennlinien im Bass mittels ICs und die der höheren Frequenzen passiv mit Widerständen entzerrt werden, schreibt Friedrich Schäfer eine bessere Rauscharmut zu. Dass die hierzu eingesetzten integrierten Schaltungen keine untergeschobenen Sparbrötchen sind, glaube ich dem Entwickler dabei sehr gern, ebenso die in Aussicht gestellte Genauigkeit der RIAA-Entzerrung von weniger als +/- 0,5 dB.

ASR Basis Exclusive HV: Netzkabel im Inneren

Die Verbindungsleitung zum Akkunetzteil führt bis ins Innere der ASR Basis Exclusive HV

Zwar führt ASR Audio Systeme sämtliche Ein- und Ausgänge auch in unsymmetrischer Cinch-Version aus, für beste klangliche Resultate aber wird empfohlen, die symmetrischen Varianten zu benutzen, wobei die Kontaktaufnahme über die mechanisch hervorragenden Buchsen von Switchcraft erfolgt.

Dies ergibt eingangsseitig umso mehr Sinn, als dass Tonabnehmer ein natives, also echtes symmetrisches Signal liefern. Im Allgemeinen benötigt man dazu ein Phonokabel mit XLR-Steckern. Wie man dies korrekt beschaltet, lässt sich der – im Übrigen sehr umfassend und detailliert geschriebenen – Bedienungsanleitung entnehmen.

ASR Basis Exclusive HV: Rückseite mit Anschlüssen

Die Rückseite der ASR Basis Exclusive HV bietet unsymmetrische und symmetrische Ein-/Ausgänge

MC + MM

Die Wahl des bei MCs in der Regel erforderlichen Widerstandes zur Bedämpfung erfolgt über DIP-Schalter, auch als Mauseklaviere bekannt, welche aufgrund der Symmetrie der Schaltung für jeden Kanal gleich doppelt vorhanden sind.

Ganz so simpel ist das allerdings nicht, da jeder Kanal zwar über zwei zwölfpolige DIP-Schalterreihen verfügt, diese aber funktional nicht völlig „spiegel-identisch“ ausfallen. Daneben sind weitere Mäuseklaviere vorhanden, um die Einstellung des Verstärkungsfaktors und den Bass-Cut-off vorzunehmen.Ohne Betriebsanleitung ist man deshalb rasch aufgeschmissen, doch wenn man ihr systematisch folgt, ist auch diese Hürde leicht zu nehmen. Entlohnt wird man mit einer umfassenden Auswahl an Impedanzen. Die Spanne von 10 Ohm bis 47 Kiloohm dürfte so gut wie jedem MC gerecht werden.

ASR Basis Exclusive HV: DIP-Schalter

Die DIP-Schalterreihen dienen der Anpassung an MC-, aber auch MM-Systeme

Darüber hinaus lassen sich für MM-Systeme gar unterschiedliche Kapazitäten einstellen, so dass auch hier weiterer Feinschliff möglich wird. Damit bietet der ASR Basis Exclusive HV dem passionierten Analogfan eine wirklich nette Spielwiese und enorme Flexibilität bei der Systemanpassung.

Die passenden Abschlüsse für meine im Test genutzten Abtaster – das Aventurin 6 von Steinmusic, ein Lyra Titan i und ein Dynavector DV-20X2H High-Output MC (zum Austesten der MM-Eingänge) – ließen sich dennoch ohne allzu häufiges Hin- und Her-Probieren finden, da die entsprechenden klanglichen Änderungen recht gut nachvollziehbar ausfielen. Vorlieben für ein bestimmtes System konnte ich nicht entdecken, wohl aber schien mir, dass die ASR Stärken der jeweiligen Tonabnehmer, beim Titan i etwa die grandiose Dynamik, beim Aventurin 6 die hervorragende Auflösung und lebendigen Klangfarben durchaus noch ein wenig zu unterstützen wusste.

Was es nicht gibt, ist die in letzter Zeit immer häufiger gesichtete Wahlmöglichkeit unterschiedlicher Schneidkennlinien, zumeist aus der Prä-RIAA Zeit. Besitzern alter Deccas, LSCs oder Columbias, um nur einige zu nennen, könnte so ein Feature durchaus Freude bereiten. Meine eigenen mit AVM Ovation PH 8.3, AMR PH-77 und iFi micro iPhono gewonnenen Erfahrungen sind am Ende doch ein wenig durchwachsen. So profitierten zwar einige der alten Scheiben tatsächlich hörbar, während andere dagegen nur marginale Veränderungen aufzeigten. Zu vermuten steht, dass schlussendlich nur wenige Anwender die mitunter auch fraglich korrekten Kennlinien wirklich regelmäßig nutzen, den Bedürfnissen der überwiegenden Mehrheit aber mit einer sorgfältig konstruierten und „nur“ nach RIAA-entzerrten Phonovorstufe bereits umfänglich nachgekommen wird. Friedrich Schäfer sieht´s wohl ähnlich, weshalb ASR-Phonovorstufen jetzt und wahrscheinlich auch in Zukunft klassisch nach RIAA-Standard entzerren.

Unabhängigkeitserklärung: der Akkubetrieb

ASR Basis Exclusive HV: Drehregler und Anzeige

Nach dem Einschalten informieren farbige, beschriftete LEDs hinter den durchscheinenden Acrylglasscheiben der ASR-Phonovorstufe und des Batterienetzteiles über den jeweiligen Betriebszustand. Tiefschürfende Gedanken bezüglich der Alltagstauglichkeit der Stromversorgung kann man sich getrost sparen:  Bereits eine Basis HD von 2003 nuckelte völlig störungsfrei an ihren Akkus. Inzwischen wurde die Steuerelektronik des Netzteils weiter optimiert, so dass die aktuell eingesetzten Batterien gute 60 Stunden durchhalten. Wird danach in den Lademodus gewechselt, versorgt sich die ASR Basis Exclusive HV selbstständig mit Netzstrom, bleibt also weiter einsatzfähig.

Den besten Klang freilich bietet die Betriebsart, in der die Phonostufe die Verbindung zum Hausnetz galvanisch vollständig unterbricht. Wer dann vergisst beizeiten wieder in einen der anderen Betriebsmodi zu switchen, läuft tatsächlich Gefahr, die Akkus zu erschöpfen. Doch selbst dann stellt so ein gelegentliches Malheur im Allgemeinen kein ernsthaftes Problem für deren Haltbarkeit dar. Einziges im Alltag relevantes Zugeständnis an die Versorgung mit reinstem Batteriestrom war und ist, dass nach etwa sechs bis sieben Jahren ein Wechsel der Akkus ansteht, was begabte User höchstselbst, alle anderen durch den Service von ASR Audio Systeme erledigen lassen. Überschaubare 300 Euro werden derzeit dafür berechnet.

Friedrich Schäfer rät dazu, die ASR Basis Exclusive HV auch in Hörpausen nicht auszuschalten, sondern zumindest mit Netzstrom zu versorgen, um die empfindlichen Schaltkreise elektrisch und thermisch stabil zu halten. Damit unnötiges Entladen der Akkus vermieden wird, verfügt die Basis Exclusive über eine automatische Signalerkennung. Diese sorgt dafür, dass die Phonovorstufe nach Absenken des Tonarms automatisch in den Akkubetrieb übergeht und in den Ladebetrieb zurückschaltet, sobald er wieder angehoben wird.

Das Akkunetzteil der ASR Basis Exclusive HV

Das Akkunetzteil der ASR Basis Exclusive HV

In Zeiten, da unsere Stromnetze zunehmend durch diverse Störeinflüsse belastet werden, die der Klangqualität hochwertiger Anlagen entgegenstehen, sollten ausreichend dimensionierte Akkustromquellen einen praktikablen Ausweg darstellen. Aufgrund ihrer Unabhängigkeit vom Netzstrom werden sie regelmäßig mit störgeräuschärmerem „Klanghintergrund“ und gesteigertem Dynamikumfang in Verbindung gebracht.

ASR Basis Exclusive HV: Klangtest & Vergleiche

In der Ruhe liegt die Kraft

Diesem Ruf scheint ASRs Phonostufe auch sogleich gerecht werden zu wollen: Eine ganz unerwartete Stille umfängt mich, als ich die Nadel des Steinmusic Aventurin II in die Einlaufrille von Keith Jarretts Munich 2016 senke. So still, dass umgehend Zweifel daran aufkommen, den richtigen Eingang der Silvercore-Linevorstufe gewählt zu haben. Als ich aufstehen will, um das vermeintliche Missgeschick zu korrigieren (meine Vorstufe besitzt aus klanglichen Gründen keine Fernbedienung), trifft mich unvermittelt der erste Akkord Jarretts. Oha, diese unheimliche Lautlosigkeit ist schon eine Ansage.

Als ich meine Erfahrung später Friedrich Schäfer berichte, weist dieser darauf hin, dass der niedrige Noisefloor des Basis Exclusive HV nicht nur exemplarisch gut Stille reproduzieren könne, sondern vor allem Grundlage für überragende Dynamik sei. Nun, das werden wir an anderer Stelle noch ausgiebiger prüfen, jetzt aber zieht mich der unglaublich solide und substanziell zwischen die Lautsprecher gestellte Flügel in seinen Bann. Das Schwingen des Holzes, das Resonieren des Metallrahmens und natürlich der unverwechselbaren Anschlag Jarretts.

Dimensionserweiternd

ASR Basis Exclusive HV verkabelt

Es mag sein, dass ich zuvor bereits andere Geräte ähnlich beschrieben habe, doch die ASR Basis Exclusive HV führt das Thema Dreidimensionalität noch weiter. Wie das? Zum einen stellt sie Klangkörper in besonderer Weise auf festen Boden, wodurch deren räumliche Zuordnung im Gegensatz zu den manchmal eher im Raum schwebenden Klangstrukturen einiger anderer Amps erheblich leichter fällt. Auffällig ist, dass sich der reiche Klang von Jarretts Flügel von einem gut definierten Punkt aus auf der imaginären Bühne des Münchener Gasteig entwickelt und nicht einfach aus dem „Off“.

Die Basis Exclusive HV bildet die von ihr geschaffenen Strukturen räumlich mit einer Stabilität und Präzision ab, die zum Besten gehören, was mir im analogen Bereich bislang untergekommen ist. Abbingdon Music Researchs PH-77, eine hervorragende Röhrenphonostufe der 10.000-Euro-Klasse, bot ähnliche Stabilität, zeichnete aber die Töne an den Rändern letztlich mit etwas breiterem Strich. Bemerkenswert, hielt ich doch gerade die AMR bislang für recht genau abbildend.

ASR Basis Exclusive HV mit transparentem Gehäusedeckel

Auch die plastische Präsenz des Sängers bei Belafontes Concert at Carnegie Hall geriet noch nie so perfekt illusioniert. Und das, obwohl ich dieses Doppelalbum seit langem zu meinen All-Time-Favourites zähle, weshalb so gut wie alle mir unterkommenden Phonoentzerrer damit „gefüttert“ werden. Von jenen dürfte in Sachen holographischer Anmutung und mithin Livecharakter am ehesten Clearaudios Absolute Phono Inside (9.900 Euro zum Testzeitpunkt) mit der ASR gleichziehen können. Dem Erlanger bescheinigte ich vor Jahren „farbstarke Bilder von bestechendem Klangrealismus“. Eindrücke, die mir bis heute lebhaft in Erinnerung geblieben sind.

Das ist die Liga, in der sich Friedrich Schäfers Phonostufe offenbar wohl zu fühlen scheint. Und es geht noch weiter. Raumgrenzen etwa interpretiert die ASR Basis Exclusive HV nämlich erfreulich großzügig:  Derart luftige und ausgedehnte Klangräume sind auch unter Top-Entzerrern ein exklusives Erlebnis. Meine Einstein Audio Phonostage und auch die Chord Symphonic können da nicht so ganz mithalten. Zwar wird man den beiden günstigeren Phonovorverstärkern kaum nachsagen können, zu kompakt abzubilden, die weitläufigere und dabei ungeheuer stabile Raumabbildung der ASR gehört dennoch in eine andere, höhere Klasse. So klatscht beim populären „Mathilda“ der Publikumsgesang nicht mehr bloß an meine Zimmerwände, sondern scheint die weitaus größeren Dimensionen der imaginären Carnegie Hall regelrecht zu durchfluten. Belafonte, der sein Publikum zum riesigen Chor umfunktionierte, hätte sicher seine helle Freude daran.

ASR Basis Exclusive HV Phonovorstufe

Natürlich muss auch das bewährte Living-Stereo-Schlachtross LSC -1934 mit Bartoks Concerto for Orchestra da noch einmal ran. Schließlich gilt die Aufnahme von 1958 nicht nur unter RCA-Fans als Bravourstück räumlicher Aufnahmeillusion. Selbst der schon per se exzellent eingefangenen Räumlichkeit meines „Shaded Dog“-Exemplars kann der ASR-Phonovorverstärker nochmals einige spannende Blickachsen abringen. So werden nicht nur weiter außen sitzende Musiker in helleres Licht gerückt, auch die absolute und von Haus aus keineswegs unstattliche Raumtiefe scheint merklich zuzulegen. Richtig klasse gelingt es der ASR Basis Exclusive HV zudem, dem Raumhall, den „Room-Reverberations“ nachzuspüren. Ist der Bass-Cut-off deaktiviert (wichtig, da der Roll-off des Filters gehörmäßig bereits oberhalb von 20 Hz beginnt), vermittelt einem die Basis Exclusive bereits vor Einsatz des Orchesters ein Gefühl für Größe und Ausdehnung des Konzertsaals. Wer öfter in realen Konzertsälen unterwegs ist, äh, war, wird diesem Phänomen bereits begegnet sein.

Rabenschwarz

ASR Basis Exclusive HV: symmetrischer Anschluss

Tiefe, saubere und rabenschwarze Bässe stehen vermutlich regelmäßig auf den Wunschlisten vieler Musikfans. Allein deshalb gehört ein Probehören der ASR Basis Exclusive HV für Besitzer hochwertiger Plattenspieler und Laufwerke  zum Pflichtprogramm. Innerhalb des hier vorgegebenen Preisrahmens kenne ich kaum Vergleichbares. Logisch, dass ich da nicht versäume, Untrue von Burial aufzulegen, dessen Bassfiguren teils so tief hinab reichen, dass das eine oder andere Testgerät deren Wiedergabe glatt unterschlägt. Mit derartigen Limitierungen hat die ASR-Phonostufe nichts am Hut und weiß im Verbund mit meinem TW-Acustic Raven AC den Tiefbass so ausgedehnt und dennoch uneingeschränkt kontrolliert zu verabreichen, dass das Gebotene quasi als „analoge Referenz“ herhalten darf.

fiona apple fetch the bolt cuttersAVMs Ovation PH 8.3 musste sich an derselben Scheibe abarbeiten und konnte dank seiner weit in den Frequenzkeller hinabsteigenden und trotz Röhrenausgangsstufe strukturell außergewöhnlich festen Bassreproduktion reichlich Punkte sammeln. Beides liefert auch die Basis Exclusive HV, allerdings schiebt sie nochmals mehr an, klingt trockener und definierter als der Phonovorverstärker aus Malsch. Und wer hat eigentlich gesagt, dass digitale Kost im Bassbereich Vinyl überlegen sei? Den herrlich knurrigen Bass auf „Relay“ von Fiona Apples Album Fetch the Bolt Cutters (auf Amazon anhören) konnte ich in der Tat erst so richtig in all seinen klangfarblichen Schattierungen goutieren, nachdem die online georderte LP (limitierte Gold-Version) endlich auf dem Teller meines Raven AC rotierte. Zuvor, beim Abhören des digitalen Streams desselben Stückes klang das noch um Welten blasser und belangloser.

Molekülgenau

Gregory Porter Liquid SpiritBeim Gesang liegt der Fokus der ASR Basis Exclusive HV einmal mehr auf präziser Artikulation und feinster Auflösung. Anders als etwa die AVM Ovation PH 8.3, die im Vergleich zur Herborner Konkurrenz mit etwas sanfterer, schmeichelnderer Charakteristik antrat und den Bariton Gregory Porters auf Liquid Spirit (auf Amazon anhören) eine Nuance schwelgerischer zu reproduzieren vermochte, bleibt die ASR strikt auf Kurs und beleuchtet detailgenau jedes noch so kleine Molekül der Porter´schen Intonationskunst. Dass dabei vermieden wird, das berühmt-berüchtigte Silbertablett hervorzukramen, ist schon ein Balanceakt der besonderen Art. Genießend schwelgen und dennoch in Mikroinformationen baden? Mit der Basis Exklusive geht tatsächlich beides.

Dass sich der ASR-Klang aus dem gekonnten Umgang mit Halbleitern schöpft, wird bei alledem nie in Frage gestellt. Dies zeigt sich besonders im Hochton, der zwar im positiven Sinne unauffällig integriert bleibt, dennoch mit enormer Offenheit und Luftigkeit auftrumpfen kann. So vermittelt die ASR-Phonovorstufe hohe Lagen sehr feinstrukturiert und klar, ohne dabei durch eine besondere „Geschmacksrichtung“ aufzufallen. Eine Extraportion an seidigem Hochtonglanz – in manchen audiophilen Zirkeln nicht unbeliebt – gibt es mit der eher tonstudiotauglich abgestimmten ASR Basis Exclusive HV folgerichtig nicht.

ASR Basis Exclusive HV: Innenaufnahme von XLR-Buchsen und DIP-Schaltern

Unter einem massiven Messingblock finden die integrierten Schaltungen der RIAA-Entzerrung thermisch besonders stabile Verhältnisse

Wer sich der mehr romantisierenden Gangart glaskolbenbewehrter Phonovorstufen wie etwa der AMR PH 77, Conrad Johnsons Premier 15 oder auch der als Preis-Leistungsschlager bekannten Natalja von Rike Audio verschrieben hat, wird deshalb an anderer Stelle vermutlich umfassender bedient als in Herborn.

Katapultartig

Tommy Schneider Plan BAuch mit ihrer dynamischen Schlagkraft katapultiert sich die ASR in die obersten Leistungsebenen des Phonosports. Ist es die enorme Ruhe, der niedrige Rauschteppich, aus dem heraus sie so blitzartig zu beschleunigen vermag? Am Ende ist es wohl egal, denn was zählt, sind die feuchten Augen, die sich unweigerlich einstellen, wenn man seine Lieblingsscheiben längsdynamisch so entfesselt erleben darf, wie es mir mit Tommy Schneiders Album Plan B (auf Amazon anhören) ergangen ist. Eine erstklassige Aufnahme, die mir häufig zum gehörmäßigen Reset nach besonders anstrengenden Hörsitzungen dient.

Musik freilich, die Erwartungen erfüllt, aber wenig Überraschendes zu bieten hat. Dachte ich. Bis jetzt. Denn den rhythmischen Phrasierungen von „Main Station“ oder „Mercy, Mercy ,Mercy“ verleiht die ASR Basis Exclusive HV eine derartige Frische und Stringenz, dass es selbst mir passioniertem Nichttänzer in den Beinen juckt. Im wahrsten Sinne ausschlaggebend ist dabei Schlagzeuger Hans Peter Bartsch, der die Dinge mit unnachgiebigem Drive nach vorn treibt. So zwingend und unmittelbar habe ich die Tracks mit vorhergehenden Phonovorstufen nicht mehr in Erinnerung.

ASR Basis Exclusive HV: Schnittstellen auf der linken Rückseite

Kleiner Tipp: Wie geraten die symmetrischen Ein- und Ausgänge wählen, wenn man das volle dynamische Potential abrufen möchte. Was zwar nicht bedeutet, dass unsymmetrisch gleich allzu drastische Abstriche zu befürchten stünden. Doch auch die letzten fünf Prozent sind ja stets hochwillkommen …

Erst recht natürlich, wenn tonmeisterlich so gekonnt aufgenommenes Vinyl zur Hand ist, wie etwa Marialy Pachecos Auftritt im Rahmen der Studio b-Konzert-Reihe von NeuKlang-Records. Wenn die aus Kuba stammende Pianistin dann Brahms Wiegenlied auf dem mächtigen Bösendorfer Imperial gefühlvoll sensibel interpretiert, spürt die ASR jeder noch so subtilen Wendung mit größter Empathie nach.

Bei „Things ain´t what they used to be“ wiederum – vordergründig ein gewöhnlicher 12-Bar-Blues, der pachecotypisch „umgestrickt“ wird – arbeitet die ASR-Phonostufe pianissimo sogar dezentes Fingerschnipsen heraus, welches bislang selbst von der eigentlich kaum zum Unterschlagen neigenden Einstein Phonostage mehr vernuschelt als klar reproduziert wurde.

ASR Basis Exclusive HV von oben

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Elac Solano

Test: ASR Basis Exclusive HV | Phono-Vorstufe

  1. 1 Kraftvoll sensibel
  2. 2 ASR Basis Exclusive HV: Klangtest & Vergleiche

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