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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Die C-Klasse
  2. 2 Abacus C-Box 4 - Klangbeschreibung & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Abacus C-Box 4

Die Abacus C-Box 4 (um 790 Euro) sind nach den Trifon 3 (um 4.400 Euro) meine zweiten Abacus-Testkandidaten und befinden sich preislich in etwa am entgegengesetzten Ende der Produktpalette des norddeutschen Lautsprecher- und Elektronikspezialisten (www.abacus-electronics.de). Jedenfalls, wenn wir bei den kompakten Modellen schauen, denn für die Standlautsprecher aus Nordenham kann man auch fast 15.000 Euro ausgeben. Und nach diesem Test brenne ich geradezu darauf, diese Top-Modelle mal persönlich in Ohrenschein nehmen zu dürfen …

Ehrlich gesagt: Die kleinen Abacus C-Boxen beeindrucken mich noch mehr als die Trifon 3 – logischerweise nicht, weil sie objektiv besser wären, sondern weil sie noch mehr als ihre teureren Verwandten zeigen, dass Größe nicht alles ist, wenn es um die eigene „Hörzufriedenheit“ geht. Mit Gehäusemaßen von 160 x 160 x 269 Millimetern (Breite x Tiefe x Höhe) und einem Gewicht von jeweils 4,2 Kilogramm gehen die Abacus C-Box 4 auch als Desktoplautsprecher durch, sehen aber auf einem entsprechend grazilen Ständer keinesfalls unterdimensioniert oder gar verloren aus. Abacus bietet hierfür übrigens die sehr stabilen Modelle von K&M an, und zwar zu Kursen, über die gestandene High-End-Fans nur staunen können: Gerade mal 80 Euro sind für ein Pärchen der im coolen Profi-Look gehaltenen Bodenstative an Abacus zu überweisen, und für die schweren Tischstative sind es gar nur geldbeutelfreundliche 50 Euro.

Abacus C-Box 4 Farben

Weitere Farbvarianten der Abacus C-Box 4

Für die Wiedergabe von mittleren und tiefen Frequenzen setzt Abacus bei der C-Box 4 auf einen 14 Zentimeter durchmessenden Langhubtreiber von Wavecor, der im Hochton von einem 25,4-mm-Ringstrahler (auch als Ringradiator bekannt) mit Rückvolumen unterstützt wird. Der Bass ist EMK-geregelt (Elektromotorische Kraft), was vereinfacht ausgedrückt bedeutet, dass die vom Basstreiber induzierte Gegenspannung am extrem niederohmigen Ausgang der stark gegengekoppelten Verstärkerschaltung so weit wie möglich neutralisiert wird (vgl. Ausgangsimpedanz und Dämpfungsfaktor im fairaudio-Lexikon). Das soll laut Abacus zu einer präziseren Basswiedergabe mit weniger Dröhnen führen und insgesamt dazu, dass der Lautsprecher selbst in tiefsten Frequenzbereichen signifikant entzerrt werden könne.

In den Endstufen kommt dabei natürlich die hauseigene DOLIFET-Technologie („Drain-Output Load-Independent Field Effect Transistor“) zum Einsatz. Diese Verstärkerschaltung arbeitet mit Feldeffekttransistoren, die so beschaltet werden, dass ihr Drain-Anschluss den Lautsprecher treibt. Damit können sie, so verspricht Abacus, lastunabhängig agieren, außerdem wird signalverzerrendes Verhalten der Lautsprechertreiber – wie etwa das Nachschwingen einer Membran – in einen Regelkreis mit aufgenommen und wie schon erwähnt kompensiert. Da Feldeffekttransistoren im Gegensatz zu den stromgesteuerten bipolaren Transistoren spannungsgesteuert sind, sei laut Abacus zudem die Ansteuerung mit ihnen einfacher und es ließen sich höhere Bandbreiten realisieren – außerdem benötigten Verstärker mit Feldeffekttransistoren keine aufwändige Temperaturkompensation.

Abacus C-Box 4 Rückseite/Anschlüsse

Schalten und walten: Die Rückseite der Abacus C-Box 4

Heckseitig gibt sich die Abacus C-Box 4 pragmatisch: Es geht per Cinch-Doppel hinein, zudem lässt sich die Lautstärke einstellen (bei meinen Testdurchläufen stets auf Maximum eingepegelt) sowie die untere Trennfrequenz wählen.  Last but not least: der Anschluss für das Netzkabel und der Ein-/Ausschalter. Alle Anschlüsse und Regler muten – genau wie die Lautsprechergehäuse – qualitativ hochwertig an. Das ist selbst in höheren Preisklassen keine Selbstverständlichkeit und darf hier besonders gelobt werden.

Abacus C-Box 4 – Klangbeschreibung & Vergleiche

Abacus C-Box 4 Ambiente

„Sie klingen viel größer, als sie sind!“, wäre eine Floskel, die jetzt mit einiger Sicherheit viele erwarten. Ich muss sie enttäuschen, aber für Illusionen sind die Abacus C-Box 4 nicht gemacht. Hier geht es schlicht und einfach um die maximal machbare Realitätstreue zu einem gegebenen Preispunkt. Das bedeutet auch, dass ich als Tester und Sie als womöglicher Käufer uns auf einige Parameter verständigen müssen, unter denen wir diese Lautsprecher betrachten und für die sie schlussendlich auch gemacht sind.

Erster und offensichtlichster Parameter dabei ist das Raumvolumen, in dem die Abacus C-Box 4 zum Einsatz kommt. Bei einer durchschnittlichen Deckenhöhe von zwischen 2,5 und 3 Meter würde ich die Grundfläche für den Einsatz der Abacus nicht größer als 20 Quadratmeter wählen. Ein weiterer Punkt ist der Abstand von der Rückwand, den ich zwischen knapp 10 und maximal 50 Zentimeter ansetzen würde. Als optimal haben sich in meinem 13 Quadratmeter großen Arbeitszimmer etwa 20 Zentimeter herausgestellt. Drittens: Der Hörabstand. Die C-Box 4 sind nicht für Panoramabeschallungen in fünf Meter Entfernung gedacht, sondern auf Nahfeldanwendungen spezialisiert, sodass die Anordnung auf dem Schreibtisch oder maximal 2,5 Meter mit einer Basisbreite bis hin zur selben Marke empfehlenswert ist. Vierte Voraussetzung: Bitte füttern Sie die Abacus C-Box 4 mit den bestmöglichen Quellsignalen. Das kurze Experiment mit einem (bestens beleumundeten) DJ-Mixer eines Bekannten als Vorverstärker endete leider nicht sehr erfolgreich, die Abacusse zeigten in dieser Konstellation noch nicht mal ansatzweise ihr Können in den Bereichen Auflösung und Feindynamik, sondern entblößten das kleine Mischpult als rein praktisch ausgelegtes Werkzeug ohne klangliche Ambitionen. Die freie Aufstellung auf Ständern und die Raumgröße von um 25 Quadratmetern wirkten sich dabei zwar auf den Bassbereich und vor allem den Grundton (etwas zu schlank) aus, doch die eigentliche Krux in dieser Konstellation war die den C-Box 4 nicht gerecht werdende Mittel-/Hochtonperformance, die einzig und allein dem vorangehenden Mixer zuzuschreiben war.

Abacus C-Box 4 auf Ständer (2)

Ich habe die Abacus C-Box 4 also vor allem in meinem 13 Quadratmeter kleinen Arbeitszimmer mit einem Linn Classik Movie 2 als Signalgeber getestet, wobei als externe Digitalquelle ein Google Chromecast der 2. Generation über einen Panasonic-TV mit Signalen von Qobuz gefüttert wurde. Eine zweite Konfiguration mit dem Linn Majik DSM und Signalen vom Western-Digital-NAS in meinem mit ungefähr 40 Quadratmetern definitiv zu großen Hörraum (hier spielen normalerweise die hORNS Mummy mit einem 30-Zentimeter Bass) diente zum Abgleich der Höreindrücke mittels eines klassischeren Hifi-Setups, angesichts der Raumgröße natürlich unter weitgehender Ausblendung des Bassbereichs.

Aba bitte mit Cus

Abacus C-Box 4 Ringstrahler

Nach gebührender Einspielzeit (mindestens 20 Stunden bei ordentlicher Lautstärke sollte man den Abacus C-Box 4 gönnen) geht es erst mal an die optimale Einstellung der unteren Grenzfrequenz für die spezifische Situation. In meinem Fall lande ich bei einer Reglerstellung etwa um 14:30 Uhr. So stellt sich eine sehr angenehme Balance aus Fülle, Tiefgang und Impulspräzision ein. Ich würde mal aus dem Bauch heraus schätzen, dass der Bass so immer noch an die 50-Hz-Marke heranreicht, ohne auch nur im Geringsten bei für den Hörabstand von knapp zwei Metern mehr als ausreichenden Pegeln angestrengt zu wirken.

Nicolas JaarMit Nicolas Jaars „Colomb“ (Album: Space Is Only Noise) lassen sich Tiefgang, Kontrolle und die Fähigkeit zur Darstellung von Tiefbassstrukturen sehr gut testen. Erste Erkenntnis: Die Abacus C-Box 4 könnte sogar bei einer solch tiefen Abstimmung lautstärkeseitig mehr, als ich meinen Ohren auf diesem Hörabstand zumuten will. Die Pegeleinschränkungen, die zwangsläufig irgendwann auftreten, bleiben in einer realistischen Abhörsituation wie dieser eher akademisch. Gut! Erstaunlich ist, wie kontrolliert und nuanciert der elektronisch generierte Bass aus den kleinen Treibern kommt – ich hatte hier deutlich mehr Wabern erwartet, zumal die Lautstärke, mit der ich Nicolas Jaar musizieren lasse, dem nachbarschaftlichen Frieden nicht wirklich zuträglich ist. Übrigens hilft mein Raum mit seinen nur etwa 2,70 Meter Breite und damit bei etwa 75 Hz liegenden stehenden Welle dem prinzipiell etwas zurückhaltenden Oberbass und Grundton etwas auf die Sprünge, ohne ihn allzu sehr zu betonen. Die Bass-Balance bleibt auf der grundlegend straffen und schlank-präzisen Seite.

Abacus C-Box 4 Bassmitteltöner ausgebaut

Dite StraitsDas klingt dann auch mit Dire Straits „You and Your Friend“ vom Album On Every Street trotz der Aufnahme aus der digitalen Frühzeit angenehm natürlich und in sich geschlossen – Mittel- und Hochton wirken so homogen, dass es fast schon falsch wirkt, sie getrennt voneinander beurteilen zu wollen. Die Stimme von Mark Knopfler manifestiert sich nah, intim und direkt; die Auflösung feiner Artikulationsdetails habe ich von Lautsprechern in diesem Preisbereich bisher noch nicht so differenziert wahrnehmen können. Das bestätigt sich auch mit Agnes Obels „Familiar“ (Album: Citizen of Glass), bei dem ich die verschiedenen Stimm-Ebenen ohne Mühe perzeptorisch voneinander trennen kann. Dass dieses emotional packende Überstück mit den richtigen Komponenten eine Dauergänsehaut hervorrufen kann, machen auch die Abacus C-Box 4 deutlich klar:

Agnes ObelWunderschön, wie Agnes’ Stimme tonal gut austariert aus dem Mix heraustritt und die Lippengeräusche sowie die subtilen Unterschiede bei der Artikulation der Sibilanten von den Abacus C-Box 4 herausgearbeitet werden. Auch wenn der Präsenzbereich minimal betont scheint und die Sibilanten ein klitzekleines bisschen deutlicher wahrnehmbar sind als gewöhnlich.

David Sylvian von Nine Horses bestätigt die Qualität des Mitteltons der C-Box 4 mit seiner leicht angerauten, warmen und intensiven Stimme in „Wonderful World“ vom Album Snow Borne Sorrow. Diese Mischung aus direkter, präsenter Ansprache sowie freier Artikulation und transparenter Durchsichtigkeit dürfte in der Preisklasse unter 1.000 Euro sehr selten zu finden sein – und wir sprechen hier von einem Lautsprecher, der seine Endstufen bereits mitbringt und damit eine höhere Investition in Quelle und Vorverstärker erlaubt.

Abacus C-Box 4 Cinch-Anschhluss

Diese Offenheit, die Stimmen und den gesamten Mittelton so unangestrengt durchhörbar macht, zieht sich wie gesagt nahtlos in den Hochton hinein. Hier lösen die Abacus C-Box 4 unaufdringlich und verzerrungsfrei auf, ohne tonal eine Schippe draufzulegen. Zum Glück haben die Abacus-Entwickler darauf verzichtet, einen Hochton-Show-Effekt einzubauen, der mit dem Ringradiator sicher machbar gewesen wäre. Stattdessen besitzen die elektronischen Effekte in „Darkest Birds“ von Nine Horses genau die richtige Portion an Energie und lassen die Schlagzeugbleche und Bläser in Jamie Cullums’ „Get Your Way“ (Album: Catching Tales) zwar strahlen, aber nie nerven.

Abacus C-Box 4 Verstärkerelektronik

Blick auf die Verstärkerelektronik der Abacus C-Box 4

Die leichte Betonung des Präsenzbereichs und der natürliche, luftige Hochton schlagen sich in einer direkten, gleichzeitig aber auch sehr freien und weitläufigen räumlichen Darstellung mit für die Klasse sehr guter Trennung von Instrumenten nieder. Das gilt insbesondere für das Nahfeld, wobei das Klangbild auch dann nicht zerfällt, wenn man fast schon eine Kopfhörer-Anordnung fährt – im Gegenteil, selten habe ich einen so schön geschlossenen räumlichen und tonal und zeitlich homogenen Klangeindruck selbst in extremer Nahfeldsituation erlebt.

Je weiter man die Sitzposition von den Lautsprechern wegrückt, desto mehr leidet naturgemäß die phänomenale räumliche Ordnung, weil zwangsläufig der Diffusschallanteil zunimmt. Aber selbst bei normalen Wohnraumgegebenheiten ist die Abbildungspräzision der Abacus C-Box 4 immer noch absolut konkurrenzfähig. In „Willow Weep for Me“ von Jacinthas Album Jacintha Is Her Name steht das Saxophon ordentlich weit links hinten, der Bass und die Gitarre ordnen sich gut differenzierbar rechts ein, auf einer Ebene leicht vor dem Sax. Die Abacus C-Box 4, und damit möchte ich auf den einleitenden Satz der Klangbeschreibung zurückkommen, bewahrt also räumliche Relationen und setzt sämtliches Geschehen in einen realistischen Bezug zueinander, und das in alle Dimensionen hineinreichend (links-rechts, vorne-hinten, sogar ansatzweise oben-unten). Und sie übertreibt nicht, was die Abbildungsgröße der darauf agierenden Künstler angeht – eine erstaunliche Feinfühligkeit für Lautsprecher im dreistelligen Preisbereich.

Abacus C-Box 4 Lautstärke- und Bassregler

Und das lässt sich nicht nur über die räumliche Darstellung sagen, sondern auch in Bezug auf die Feindynamik und damit verbunden auch die Geschwindigkeit der Wiedergabe. Wenn ich zum Beispiel als Vergleich Dynaudios (passive) Excite 18 (Paar um 1.440 Euro) heranziehe, so bildet diese – kompetente vorgeschaltete Verstärkung vorausgesetzt – über alles gesehen zwar etwas weiträumiger ab und trennt noch minimal kantenschärfer als die Abacus C-Box 4, hinkt aber in Sachen Speed und Transienten-Attacke etwas hinterher. Die Treiber unserer niedersächsischen Probanden werden eben ohne passive Bauteile im Signalweg direkt und somit gefühlt ansatzloser befeuert. Das zahlt sich ohrenscheinlich aus: Elektronische Minimal-Music profitiert davon am stärksten, aber auch kleinere Jazz-Besetzungen und akustische Gitarrenmusik wie in Friedemanns „Midsummer Eclipse“ (Album: Passion and Pride) gewinnen gewaltig an Aussagekraft, wenn der ungezügelten Entfaltung der Impulse so wenig wie möglich im Wege steht.

Grobdynamische Sprünge händeln die kleinen Derwische hingegen nicht ganz so nonchalant, aber es würde wohl auch niemand ernsthaft erwarten, dass die Abacus C-Box 4 bei Bassdrumbeats das Hörzimmersofa physisch spürbar vibrieren lässt …

Wie gesagt, ich hätte es selbst kaum für möglich gehalten, aber ich denke, dass die Abacus C-Box 4 in puncto Speed und feindynamischer Präzision sogar die fast doppelt so teuren und zudem passiven Dynaudios schlagen, dabei in Sachen Auflösung und Abbildung fast ebenbürtig sind und nur dann zurückstecken müssen, wenn es darum geht, größere Räume mit Bass zu füllen. Insgesamt sind die Abacusse etwas nüchterner und schlanker ausgelegt als die Däninnen, aber ich würde sie in kleineren Räumen gerade deshalb vorziehen.

Um noch kurz auf die Installation in meinem größeren Raum mit dem Linn Majik DSM zu sprechen zu kommen: Auch hier zeigen die Abacus C-Box 4 alle der vorgenannten Eigenschaften im Mittel- und Hochton. Dank der etwas aktuelleren und hochwertigeren Elektronik spielen sie sogar noch etwas offener und räumlich weitläufiger als in meinem kleinen Arbeitszimmer. Man darf ihnen in Sachen Quelle & Vorverstärkung also gerne selbst vierstellige Preisregionen vorsetzen – die kleinen Abacusse können solche Qualitätssprünge locker transportieren.

Abacus C-Box 4 Konusmembran

Test: Abacus C-Box 4 | Aktivlautsprecher

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Nubert

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