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Reinhard Weidinger von der Firma Hörzone

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  1. 1 Reinhard Weidinger von der Firma Hörzone

August 2015 / Nick Mavridis

Unweit des Ostbahnhofs in München findet man ein Geschäft, welches weit über die Grenzen von Stadt und Freistaat hinaus bekannt ist: die Hörzone (Web: http://hoerzone.de). Nun ist das Vorhandensein eines HiFi-Fachgeschäfts in einer der größten deutschen Städte keine Besonderheit, die Fokussierung auf die Wiedergabeakustik hingegen schon: Anders als bei vielen anderen Händlern enden Beratung und Verkauf nicht bei den Lautsprechern, sondern haben die Hörkette bis zum menschlichen Ohr im Sinn. Und zu dieser gehört zwangsläufig auch die Raumakustik (hier geht es zu den Grundlagen der Raumakustik), was sich im Produktsortiment und auch in den angebotenen Dienstleistungen widerspiegelt. Wir haben Reinhard Weidinger um ein Interview gebeten.

Herr Weidinger, man kennt sie vor allem durch die „Hörzone“ in München. Wie lange gibt es das Geschäft schon? Wie fing das alles an?

Die Hörzone wurde 2002 gegründet. Bei meiner Suche nach neuen Boxen hatte ich mich nach aktiven Lautsprechern umgesehen. Die Vorführbedingungen bei den Profistudio-Läden waren allerdings miserabel und HiFi-Händler hatten zumeist erst gar keine aktiven Boxen im Angebot. Ich kaufte dann Geithain-Boxen, und das Thema war damit – eigentlich – beendet. Gleichzeitig war ich damals aber Apple-Händler und habe gesehen, dass Apple in Sachen Produkte und Händlerpartnerschaft einen Kurs steuert, der für mein Unternehmen nicht positiv sein konnte.

Blick in den Laden - die Münchner Hörzone
Blick in den Laden – die Münchner Hörzone

Kurzerhand wurde deshalb ein nicht für den Computerhandel benötigtes Gebäude der Standort für die neu gegründete Hörzone. Natürlich spielte Raumakustik schon damals eine große Rolle für meinen Hörraum.

… und auch für Vertrieb und Verkauf?

Ja, ich gewann sehr früh Peter Maier von „Concept A“, einem anerkannten Profiakustikbüro, für einen Workshop in meinem Geschäft. Das war der Anfang einer tieferen Beschäftigung mit Akustik bei der Musikwiedergabe – und letztlich auch entscheidend für das von uns angebotene Produktsortiment.

Welche Produkte sind das speziell?

Es gab zu Beginn der Hörzone im Bereich der Akustikmodule so gut wie keine wohnraumtauglichen Produkte, das waren letztlich alles Einzelanfertigungen. 2008 stieß ich dann auf die Firma „Vicoustic“ und erkannte, dass dies die Möglichkeit für den Einzug von Akustikmaßnahmen in Wohnräumen sein konnte.

Beispiel Sonitus-Absorber
Beispiel für Sonitus-Absorber

In diesem Jahr haben sich die gemeinsamen Wege mit „Vicoustic“ dann getrennt, wir bieten jetzt aber mit dem kroatischen Hersteller „Sonitus“ eine Palette von ansehnlichen und bezahlbaren Produkten an und mit „Artnovion“ – dem ehemaligen Mitbegründer und technischen Leiter bei „Vicoustic“ – haben wir einen Partner, der im Preissegment darüber mit Produkten erstklassigen Designs und erstklassiger Funktion zu überzeugen weiß.

Als Profi in Sachen HiFi und Akustik haben Sie sicherlich große Erfahrung mit unterschiedlichen Hörsituationen. Was sind denn typische Fehler oder Missstände, die in Hörräumen immer wieder auffallen?

Was oft zu sehen ist, sind grundlegende Fehler in der Aufstellung der Lautsprecher – zu nah an den Seiten- und Frontwänden, Fehler bei der Basisbreite, dem Seitenverhältnis, dem Einwinkeln etc. Dabei gibt es mit den sogenannten Hunecke-Rechnern Werkzeuge, die sehr hilfreich sein können. Mit diesen Rechnern lassen sich auch Resonanzen im Bassbereich aufspüren und sogar die Wirkung von akustischen Veränderungen auf die Nachhallzeit berechnen. Schon die richtige Aufstellung von Lautsprechern lässt so manches akustische Problem erst gar nicht entstehen. Wir reden bei einer Beratung deshalb auch gerne von Aufstellungsoptimierung.

Erkennen Sie häufig auch ein grobes Ungleichgewicht zwischen Optik/Design und Akustik?

Ja, natürlich gibt es immer mehr „Designwohnzimmer“: viele kahle Wände, sparsame Möblierung, Glas und Fliesen … Das ist natürlich der Tod von klanglich guter Wiedergabequalität, denn ein zu sehr nachhallender Raum mit vielen reflektierenden Flächen ist quasi das Gegenteil von einem geeigneten Hörraum.

Gibt es aus Sicht des Akustikers eine Art „idealen Raum“, der die besten Ausgangsvoraussetzungen hat?

Klar, kein Quadrat als Grundfläche und ein bestimmtes Seitenverhältnis, welches Raummoden günstig verteilt. Das Beste wären nichtparallele Seitenwände, das kann aber so gut wie niemand realisieren.

Stimmen die Verhältnisse? Man teile die Länge und Breite des Raumes durch seine Höhe und lese die Werte in dieser Grafik ab
Man teile Länge und Breite des Raumes jeweils durch seine Höhe, und erhält die Koordinaten, mit denen man prüfen kann, ob man mit den eigenen Werten im sehr günstigen blauen oder immerhin noch grünen Bereich liegt

Bei Hörzone gibt es ja laut Internetseite die Möglichkeit einer kleinen „akustischen Beratung“ am Telefon. Wie hat man sich das vorzustellen?

Nun, nur am Telefon geht das natürlich nicht, es werden auf jeden Fall ein Grundriss und Bilder vom Raum benötigt. Wir geben diese Anfragen in der Regel an unseren Akustiker weiter, der sich das anschaut und dann Vorschläge ausarbeitet. Bei ganz kleinen Sachen machen wir das natürlich auch so auf die Schnelle.

Welche Möglichkeiten hat denn nun der High-End-HiFi-Freund, seinen eigenen Raum einzuschätzen? Akustik gilt ja nicht gerade als einfaches Feld …

Das stimmt, für viele ist das immer noch ein Thema, mit dem sie nicht umzugehen wissen. Es ist halt was anderes als eine Komponente mal übers Wochenende auszuleihen und zu „testen“. Von daher ist vielen auch nicht klar, wie dramatisch eine funktionierende Raumakustik die Wiedergabequalität zum Positiven beeinflussen kann.

Die oft gelesenen „akustischen Maßnahmen“ wie ein Teppich als Absorber oder eine Pflanze als Diffusor sind schon mal ein Anfang, aber häufig schwach wirksam oder auch gar nicht zielführend. Der einfachste Weg ist sicher eine Raumskizze mit Positionsangabe der Lautsprecher und des Hörortes und Fotos, die den ganzen Raum zeigen, zu schicken, dann kann man eine physikalische Berechnung machen, Tipps für die Aufstellung geben und geeignete Produkte empfehlen. Der Königsweg ist natürlich eine akustische Messung mit einer fachgerechten Auswertung und Vorschlägen.

… die bei Ihnen Herr Krieger macht, richtig?

Genau, ich arbeite mit Wolfgang Krieger zusammen, einem freiberuflichen Akustiker (www.audiokrieger.de). Er macht die Messungen beim Kunden und entwickelt das Projekt. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er eine unabhängige Beratung erhält. Wenn für ein bestimmtes Problem ein anderes Produkt, das nicht aus meinem Vertrieb stammt, die bessere Lösung ist, dann wird er das auch vorschlagen.

Beispiel für einen von der Hörzone raumakustisch optimierten Raum
Beispiel für einen von der Hörzone akustisch optimierten Raum. Die schwarzen Elemente an den Wänden und den Raumecken sind Absorber

Sie haben eben schon die verbreiteten Maßnahmen angesprochen, also die korrekte Positionierung im Raum. Kann man denn mit einfachen Mitteln seine Hörsituation selbst akustisch verbessern? Oder läuft man sehr schnell Gefahr, eine „Verschlimmbesserung“ durchzuführen?

Sicher, es gibt Grundregeln, mit denen man nichts falsch macht. Also zum Beispiel die Reflexionspunkte mit sogenannten Absorbern, also „Schallschluckern“ zu bedämpfen. Diese Reflexionspunkte sind die Stellen an Wänden, Decke und Boden, an denen man mit einem Spiegel zwischen Box und Hörplatz den Lautsprecher sehen würde. Wenn man direkt an einer Wand sitzt, ist es auch klar, dass dort stark absorbiert werden muss. Man sollte darauf achten, dass zwischen dem direkt vom Lautsprecher kommenden Schall und dem, den der Raum durch Reflexionen zurückwirft, ein gewisser Zeitraum liegt.

Ein professionelles raumakustisches Konzept ist aber noch mehr, denn das Ziel ist es, eine möglichst durchgängig recht niedrige Nachhallzeit ohne viele störende Reflexionen zu bekommen.

Interview: Reinhard Weidinger von der Firma Hörzone

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