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Vincent
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Der Auftrag
  2. 2 Klang: Teufel Theater 500 S
  3. 3 Testfazit: Teufel Theater 500 S

„Pass auf: Auftrag!“ (Ich liebe es, wenn Freunde mich so begrüßen.) „Du bist doch hier der HiFi-Mann.“ (Was kommt denn jetzt?) „Ich brauch’ neue Lautsprecher.“ (Aha.) „Sollen Spaß machen.“ (Is’ klar …) „Ich hör’ so: alles.“ (O je …) „Ich kann 500 Euro ausgeben!“ (Pro Box?) „Also für ein Paar. Mehr geht nicht.“ (Hab’s befürchtet.)

Jetzt ist es ja nicht so, dass der Markt in dieser auch als Einsteigerklasse bezeichneten Preisregion keine Wahl ließe. Wenn aber mit dem formulierten Spaßanspruch auch eine gewisse Qualitätserwartung in klanglicher Hinsicht einhergeht, werden die Kandidaten, die man als „HiFi-Mann“ seinen Freunden mit gutem Gewissen empfehlen möchte, doch schon übersichtlicher. Relativ schnell schaut man sich dann auch bei den Angeboten der Direktversender um, von denen das Berliner Unternehmen Teufel (www.teufel.de) nicht zuletzt aufgrund seines geschickten Marketings sicher zu den bekannteren gehört.

Teufel Theater 500S: mit Abdeckung und ohne sowie von hinten

Teufel Theater 500S: mit und ohne Abdeckung sowie von hinten

Ordentlich was fürs Geld bieten – diesen Anspruch formulieren Berliner und er soll auch für die hier vorgestellte Kompaktbox Teufel Theater 500 S (Preis: 450 Euro) gelten. Die, der Name verrät es, ursprünglich zur Ergänzung eines Heimkinosystems gedacht war, das sich bis heute im Angebot des Herstellers befindet. Wie der geschätzte Kollege Jochen Reinecke allerdings bereits vor knapp zwei Jahren bei seinem Test der großen Schwester Teufel Theater 500 feststellte, eignen sich die Abkömmlinge dieser Serie auch gut zum reinen Musikhören. Orientieren sie sich doch, ihre technische Ausstattung betreffend, an den höherpreisigen Produktlinien des Hauses.

Der Tieftöner der Teufel Theater 500S

Der Tiefmitteltöner der Teufel Theater 500S

Wenn Sie diese – speziell die Top-of-the-Line-Range „Definion“ – schon einmal gesehen haben, so dürfte ihnen der schon optisch ungewöhnliche Tiefmitteltöner der Teufel Theater 500 S bereits aufgefallen sein. Die Berliner haben ihn aufgrund seiner Schüsselform augenzwinkernd „Wok“ getauft – ein aus Kevlar gefertigter Wok ist dies allerdings. Das 16 Zentimeter durchmessende Chassis ist ein direkter Abkömmling des Modells, das auch in der Definion-Serie eingesetzt wird. Von der besonderen Form dieses Treibers versprechen sich die Entwickler eine hohe Impulstreue sowie gute dynamische Fähigkeiten. Er arbeitet auf ein nach unten, in einem definierten Abstand zum Sockel gerichtetes Bassreflexrohr (Downfiring-Prinzip).

Das zum Sockel gerichtete Bassreflexrohr

Das zum Sockel gerichtete Bassreflexrohr

Der Hochtöner tarnt sich optisch geschickt als Koaxialwandler, ist aber keiner. Vielmehr handelt es sich bei dem, was wie ein ebenfalls 16 Zentimeter großes Chassis aussieht, um eine Kunststoffplatte, die der 25-Millimeter-Hochtonkalotte als Waveguide dient. Der Hochtöner selbst wurde gegenüber dem Tiefmitteltöner leicht zurückversetzt und mit einem Phase-Plug (das ringförmige Ding vor der Kalotte) versehen.

Hochtöner der Teufel Theater 500S

Der Hochtöner der Teufel Theater 500S

Damit wollen die Entwickler zweierlei erreichen: eine definierte Anpassung der Schalllaufzeiten der beiden verbauten Wandler untereinander und einen breiten, gleichmäßigen Abstrahlwinkel des Hochtöners. Ziel soll es sein, dass der auch abaxial sitzende Zuhörer einen möglichst kompletten Eindruck des Geschehens bekommt. Das ist für die Wiedergabe von Filmton, bei der ja beizeiten mehrere Rezipienten nebeneinander auf einem Sofa sitzen, wichtiger als für den Musikfan, kann ja aber auch ihm nicht schaden. Er muss sich dann viel weniger Gedanken um eine millimetergenaue Ausrichtung der Boxen auf seinen Hörplatz machen. Was das betrifft, soviel vorweg, gehören die Teufel Theater 500 S zu den gutmütigsten Lautsprechern, die ich je getestet habe.

Die Teufel Theater 500S kommt mit runden Stoffabdeckungen

Die Teufel Theater 500S kommt mit runden Stoffabdeckungen

Die Verarbeitung der sachlich-technoid gestalteten MDF-Gehäuse ist klassengerecht sauber. Auszusetzen gibt’s daran nix, wer indes auf ausgefeilte und mehrschichtig hochglanzlackierte Handwerkskunst steht, ist definitiv in der falschen Preisregion unterwegs, das muss man einfach so sagen. Immerhin: Die mitgelieferten Frontbespannungen – übrigens kreisrund! – haften an unsichtbaren Magneten, rauben den Theater 500 S aber für meine Begriffe einen Teil ihres Technik-Looks. Geschmackssache. „Angedockt“ werden die Teufel Theater 500 S über ein robustes Singlewire-Terminal der Standardklasse.

Klang: Teufel Theater 500 S

Man ist bei den Produkten der Berliner schnell versucht, in Sachen Klangbeschreibung entweder mit dem „Teufel“ oder mit einem anderen Attribut, in diesem Fall „Theater“, zu spielen. Machen Journalisten gerne – haben Sie aber alles mit Sicherheit schon einmal gelesen, gesehen oder gehört. Deshalb zäume ich das Ding jetzt mal andersrum auf und sage: „Theater“ macht die kompakte Teufelin überhaupt nicht. Und das ist auch gut so.

Teufel Theater 500S, vorne-rechts

Tiefton

A Perfect Circle - Eat The ElephantWenn man nämlich aus der Kombination des günstigen Paarpreises und des Marketingspruchs „bassstärkste Kompaktbox“ darauf schließt, sich hier eine billige Bumskiste ins Haus zu holen, die wohl für den kleinen Kick zwischendurch – für mehr dann aber auch nicht – taugt, liegt falsch. Und diese Erkenntnis liefert der seriös-profunde und knackig-straffe, keinesfalls bauchig-aufgeblasen tönende Bassbereich gleich selbst. Nehmen wir das perkussive „Get the Lead out“ aus A Perfect Circle’s aktuellem Longplayer Eat the Elephant (auf Amazon anhören): Der mitunter dominante Drumbeat sorgt für einen durchaus massiven Tieftonteppich, der aber auch nur so lange Freude bereitet, wie er nicht zu dröhnen beginnt oder das darüberliegende Mittenband beeinträchtigt. Man könnte es einem Lautsprecher dieser Preisklasse nicht einmal übel nehmen, verlöre er vor allem bei höheren Pegeln die Contenance und würde zu wummern beginnen. Die Teufel Theater 500 S agiert aber ganz im Gegenteil recht souverän, serviert die wuchtige und mit Nachhall abgemischte Bassdrum mit gebührendem Nachdruck und ordentlich „Schmackes“, bleibt aber tatsächlich vollkommen „fettfrei“ und verkneift sich jede Dröhntendenz. Wüsste man es nicht besser, könnte man auch annehmen, dass dieser ernsthaft vollständige Tiefton aus einer Standbox kommt.

Teufel Theater 500S, Hochtöner mit Waveguide

Die kompakte Teufel muss sich in Sachen Bassfundament in ihrer Klasse also wahrlich nicht verstecken. Eine Nubert nuBox 383 liegt preislich etwa gleichauf und kann sich – obschon der schwäbische Hersteller explizit mit den Tieftonqualitäten seiner Lautsprecher wirbt – nicht von der Teufel absetzen. Der Kevlartreiber der Berlinerin wandelt die unteren Frequenzlagen „trockener“ und „knurriger“ um, die nuBox 383 dafür „saftiger“ und in den Konturen etwas weicher. Wo wir schon bei Kevlar sind: Deutliche Grenzen in der Basswiedergabe setzt der günstigen Theater 500 S die B&Ws CM6 S2. Nicht beim Volumen und nicht bei der Kraft, wohl aber in Sachen Elastizität, „Tempo“ und nochmals deutlich gesteigerter Präzision. Was nicht wundern darf, die kompakte Britin liegt bei rund 1.900 Euro.

Stimmen!

Still Smiling - Teho Teardo & Blixa BargeldWas die Teufel Theater 500 S ebenfalls richtig gut kann, sind Stimmen. Gesprochen und gesungen. Das gänsehauterzeugende Organ von Teho Teardo in „A Quiet Life“ (Teho Teardo & Blixa Bargeld: Still Smiling; auf Amazon anhören) steht frei von Verfärbungen und plastisch weit vor den Lautsprechern im Raum. Diese Präsenz und Griffigkeit bei Gesangsstimmen ist in dieser Preisklasse nun wirklich nicht selbstverständlich und verdient ein Sonderlob. Das KEFs handliches Kleinod LS 50 (circa 1.200 Euro) Teardos Reibeisenorgan noch gefühlsechter und umrissschärfer an den Hörer trägt, ist wohl auch ihrem Konstruktionsprinzip als Punktschallquelle geschuldet, ihr patentiertes Koaxialchassis „UniQ“ ist da einfach eine Bank. Aber Welten liegen nun auch nicht dazwischen.

Einen deutlicheren Respektabstand wahrt die Teufel gegenüber der kleiner gebauten KEF, wenn es um die obersten Frequenzlagen geht. Leuchtet die Britin mühelos strahlend hell in jede Ecke und inszeniert jede Feinheit mit angemessener, jedoch nie übertriebener Brillanz, hält sich die Teufel Theater 500 S mehr zurück. Nicht in dem Sinn, dass sie obenheraus wie abgeschnitten – also irgendwie stumpf – tönen würde. Sie scheint den Hochtonbereich aber insgesamt ein wenig gefälliger, abgesofteter präsentieren zu wollen. Was Vor- und Nachteile hat: Bei Rock- und Popmusik fällt ein solcher Charakterzug praktisch nicht ins Gewicht, bei einem sparsam instrumentierten Kammerkonzert, wo jeder Atemzug und jede fein gezupfte Saite die Atmosphäre vollendet, mag es dem ein oder anderen zu wenig Information liefern.

Dynamik & Raum

The Grand Delusion - The IntersphereEin wahres Freudenfeuerwerk zündet die günstige Kompakte bei sehr dynamischer Musik, etwa bei „Don’t think twice“ oder „Antitype“ von The Intersphere (Album: The Grand Delusion; auf Amazon anhören). In beiden Stücken wechseln sich explosiv-laute Passagen mit ruhigen und sphärischen Klängen ab. Durchaus bemerkenswerte Pegelunterschiede, die die Teufel Theater 500 S unbeeindruckt mitgeht. Selbst bei forcierter Grundlautstärke lässt sie sich da keinen Stress anhören, sondern gibt auf Kommando „Kniegas“. Das macht richtig Laune. Auch die leisen Zwischentöne beherrscht sie und löst bei komplexen musikalischen Strukturen ziemlich anständig auf, ohne eine akustische Lupe zu sein. Klar, in Sachen Durchhörbarkeit kann sie einer KEF LS 50 nicht das Wasser reichen.

Reden wir über Raumabbildung. Kann sie gut. Breit allerdings besser als tief. Aber das ist ja bei Lautsprechern, die von der Boxen-Grundlinie aus den vorderen Bühnenrand ein gutes Stück in Richtung Publikum rücken, oft so. Auch hier gilt: Die Tatsache, dass das musikalische Geschehen nicht sehr weit in die Tiefe des Raumes reicht, fällt bei Rock- und Popmusik und auch bei den meisten Jazz-, Blues- und Singer-/Songwriter-Nummern nicht groß ins Gewicht. Wird es orchestral und will man nun ganz genau wissen, in welchem Abstand die Pauke links von der Mitte hinter der Cellistin platziert ist, wird die Teufel Theater 500 S nicht unbedingt die erste Wahl sein. Aber machen wir uns auch nichts vor: Der akustische Schritt auf den Hörplatz zu macht einfach einen Großteil ihres einnehmend-sympathischen und knackig-lebendigen Klangcharakters aus.

Testfazit: Teufel Theater 500 S

Man sollte die Teufel Theater 500 S auf keinen Fall nur auf ihren günstigen Preis reduzieren. Selbst wenn man den außer Acht lässt – fällt schwer, ich weiß –, haben wir es hier mit einer erwachsen und ausgewogen aufspielenden Kompakten zu tun, die keine billigen Effekte nötig hat, um zu überzeugen. Auch ihre – gemessen an ihrem Gehäusevolumen – ungewöhnlich kräftige Basswiedergabe wirkt keinesfalls aufgesetzt oder fett, sondern stimmig, straff und souverän.

Teufel Theater, vorne-links

Natürlich tendiert die Berlinerin insgesamt zu einem „anmachend-mitreißenden“, im besten Sinn Hörspaß vermittelnden Klangbild. Wer es klanglich nüchterner und „ernsthafter“ braucht und auf eine erlesenere Optik wie handwerklich perfekte Verarbeitung steht, muss woanders suchen. In der Darstellung der obersten Frequenzlagen und bei der Bühnenabbildung gibt es ebenfalls noch Luft nach oben. Aber: Hier sind wir dann doch wieder beim Preis – für unter 500 Euro je Paar kann man eben keinen Lautsprecher der Highend-Liga erwarten. Angesichts dieses mehr als fairen Kurses spielt die Teufel Theater 500 S aber auf einem Niveau, das sich in Teilen auch mit Vertreterinnen höherer Klassen messen kann. Und das ist eine solide Leistung.

Fakten:

  • Modell: Teufel Theater 500 S
  • Konzept: passiver Zweiwege-Bassreflex-Kompaktbox
  • Paarpreis: 450 Euro
  • Maße & Gewicht: 200 x 474 x 228 mm (BxHxT), 7,75 kg/Stück
  • Farben: Schwarz
  • Kennschalldruck: 86 dB (2,83 V/1 m)
  • Nennimpedanz: 4 – 8 Ohm
  • Garantie: 12 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

Lautsprecher Teufel GmbH
Budapester Straße 44 | 10787 Berlin
Telefon: +49 (0) 30 – 217 84 217
E-Mail: info@teufel.de
Web: https://www.teufel.de/

Test: Teufel Theater 500 S | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Der Auftrag
  2. 2 Klang: Teufel Theater 500 S
  3. 3 Testfazit: Teufel Theater 500 S

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: Technics SL-1210GR Tonabnehmer: Shelter 201 (MM), Pro-Ject Concorde Pick-it S1 (MM) Sonstiges: Tuner Sansui T-80 & Kenwood KT-5500

Digitale Quellen: Streamer: Pioneer N-50, Marantz NA 8005

Vollverstärker: Magnat RV-3

Vorstufen: Phonoverstärker: Lehmann Audio Black Cube Statement

Lautsprecher: Magnat Quantum 905, Teufel Theater 500S

Kabel: Sonstiges: LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

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Genelec 8341

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