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Röhrenamp T.A.C. V-88: Dynamik und Details

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  1. 3 Röhrenamp T.A.C. V-88: Dynamik und Details

Da mein Testgerät nach Angaben des Vertriebs flammneu ist, gönne ich ihm erst einmal eine zweiwöchige Einspielphase. Während dieser Zeit läuft meist gut verdauliches Easy-Listening-Zeug, dem ich normalerweise nicht viel Beachtung schenke. Allerdings bleibe ich schon jetzt verhältnismäßig häufig vor den Lautsprechern hängen, denn was ich da zu hören bekomme, ist einfach zu gut.

T.A.C. V-88

Ich will eigentlich lesen und lasse im Hintergrund Pink Floyd, The Wall laufen. Nicht von Platte, auch keine irgendwie „remasterte“, also tontechnisch gepimpte Edel-CD, sondern irgendeine Wald-und-Wiesen-Doppel-CD, die irgendwann gerippt auf meinem NAS-Server gelandet war und der ich aus audiophiler Hinsicht nie Beachtung geschenkt habe. Allerdings lege ich das Buch nach den ersten Takten zur Seite, und auch nach den rund 90 Minuten Spielzeit nehme ich es nicht mehr zur Hand. Denn bereits der erste vehemente Einsatz von Schlagzeug, Synthesizer und E-Gitarre bei „In The Flesh“ fordert meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Mit einer faszinierenden Unmittelbarkeit und Dynamik explodiert die Musik vor einem völlig „schwarzen“ Hintergrund. Selbst der feine Rauschteppich der Aufnahme stört nicht, weil er einfach klar als solcher erkennbar ist und ich ihn ebenso vom musikalischen Geschehen ausblenden kann wie das gelegentliche Knistern beim Hören einer Schallplatte.

T.A.C. V-88 an der Anlage

Der Hubschrauber am Ende von „Another Brick in the Wall, Part 1“, früher gern als Benchmark für die Bass-Performance von HiFi-Komponenten herangezogen, lässt mich fast vom Sofa springen. Teils, weil der Hubschrauber so was von realistisch über das Wohnzimmer fliegt, dass ich fast Angst bekomme, mehr aber aus Freude, das mal wieder so erleben zu dürfen. Es ist absolut beeindruckend, wie die tieffrequenten Rotorgeräusche, die den Lärm der Motoren untermalen, den Raum förmlich durchdringen. Meine Geithains verfügen über die Fähigkeit, einen auch mal in die Aufnahmesituation zu stellen. Das heißt zwar nicht unbedingt auf die Bühne, aber je nach Aufnahme kann man meinen, selbst in der Aufnahmesituation zugegen zu sein. Ich kann kaum beschreiben, was bei der Wiedergabe dieses Hubschraubers passiert …

Nach der verordneten Einspielzeit mag ich es erst einmal gar nicht so ernst angehen lassen. Madonna spielt auf dem Album Dick Tracy recht intelligent mit musikalischen Zitaten aus Blues Kaltgerätebuchse des T.A.C. V-88und Jazz der 1930er und 40er Jahre. Allerdings hat mir erst der T.A.C. V-88 die Augen dafür geöffnet, auf welchen Ebenen Madonna es hier gelingt, auch musikalisch die Durchdringung von Spielfilm und Comic zu realisieren, die der Film visuell bietet. Feinste „Lacher“, dazwischen „frotzelnde“ Instrumente, Studio-Tricksereien mit künstlicher Räumlichkeit und Verzerrungen – ja, all das habe ich auch vorher schon gehört. Aber bisher nicht in dieser Komplexität und Tiefe. Mir ist bisher nie so klar geworden, dass es Madonna mit diesem Album gelungen ist, wirklich einen musikalischen Comic zu schaffen. Dank der hervorragend detaillierten Performance des V-88 wird mir dies aber sofort bewusst.

TACs großer Vollverstärker

Feinzeichnung und Details bietet der T.A.C. im Überfluss. Allerdings weiß er sie immer zuzuordnen. Ich weiß nicht, ob Sie schon mal einen „überanalytischen“ Verstärker gehört haben, der einen mit tausend Details überflutet, ohne dabei die notwendige Orientierung zu bieten. Genau das tut der T.A.C. nicht. Jedes Schallereignis ist räumlich und zeitlich exakt eingebunden. Und Störgeräusche der Aufnahme sind, wie ich oben schon erwähnt habe, Störgeräusche, die aber als solche wahrgenommen werden können und sich nicht irgendwie als Störungen der Musik untermischen.

Test: T.A.C. V-88 | Vollverstärker

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