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T.A.C. V-88: Ausstattung und Konzept

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  1. 2 T.A.C. V-88: Ausstattung und Konzept

Nachdem ich von den Kollegen hier und da eins auf die Mütze gekriegt habe, weil ich mich an anderen Stellen abfällig über das Design von HiFi-Komponenten geäußert habe – ich soll ja schließlich den Klang und nicht das Aussehen beurteilen – gehe ich darauf nicht weiter ein.

T.A.C. V-88 - Warm-up

Der nächste Punkt betrifft die Ausstattung des T.A.C. V-88. Auf der Front gibt es den Netzschalter, einen großen, zentral angeordneten Lautstärkeregler, einen weiteren, kleineren Drehregler zur Eingangswahl, einige LEDs und den Sensor für die beiliegende Fernbedienung. Nach dem Einschalten leuchtet die linke LED so lange, bis der Verstärker betriebswarm ist und alle Spannungen stabilisiert sind. Erst dann werden die Lautsprecher freigegeben. Der Vorgang dauert etwa 30 Sekunden. Die restlichen vier LEDs zeigen an, welcher Eingang gerade gewählt ist. Auf der Rückseite finden sich die entsprechenden Cinchbuchsen-Paare sowie ein zusätzliches Paar, das als Rec-Out die Musiksignale ausgibt. Ansonsten finden sich hier die Lautsprecher-Anschlüsse, wobei bei jedem Kanal ein Vier- und ein Acht-Ohm-Anschluss vorhanden sind. Dimmer - T.A.C. V-88Wie immer lautet die Empfehlung, sich nicht auf die Angabe auf den Lautsprechern zu verlassen, sondern auszuprobieren, an welchem Ausgang die Lautsprecher am besten klingen. Meine 4-Ohm-Geithains fühlen sich passenderweise am 4-Ohm-Anschluss am wohlsten. Ansonsten gibt es auf der Rückseite noch die Kaltgerätebuchse für den Netzstecker, an der sogar die Phase angegeben ist, und einen kleinen Schalter, mit dem sich die Beleuchtung des Logos im Glas der Frontseite ein- oder ausschalten lässt. Die Fernbedienung ist ein sympathischer schlanker Geber aus Aluminium, mit dem man die Eingänge umschalten und die Lautstärke regeln kann.

Zur Ausstattung des Röhrenverstärkers gehört, wie gesagt, auch die Röhrenbestückung. Bei den Eingangsröhren handelt es sich um 12AX7, die Treibersektion übernehmen 6CG7 und die Leistungsverstärkung übernehmen pro Kanal zwei KT88. Alle Röhren sind russischer Provenienz. Erwähnenswert ist noch, dass der Verstärker über eine Schaltung zur automatischen Regelung des Ruhestroms der Endstufenröhren (Bias) verfügt.

T.A.C. V-88 - Bias

Man muss sich also keine Sorgen um driftende Arbeitspunkte oder das Einmessen neuer Röhren bei einem Röhrenwechsel machen. Weiter ist bemerkenswert, dass der Verstärker im eingeschalteten Zustand keinerlei Geräusch von sich gibt. Das ist nicht einmal bei Transistorverstärkern selbstverständlich.

Was ich mich bei der Beschäftigung mit Verstärkern immer wieder frage, ist, woher die Klangunterschiede eigentlich genau kommen. Klar, die Hersteller lassen uns glauben, dass entweder hochgezüchtete High-Tech-Labore oder genialische Einzeltäter dahinter stecken. Beiden ist gemein, dass sie Tag und Nacht unterschiedlichste Schaltungsvarianten ausprobieren und die Wirkung einzelner elektronischer Bauteile an dieser und jener Stelle messen und/oder erhören. Trotz aller Frequenzschriebe, Klirrspektren oder Phasendiagramme und was weiß ich für Analysen, kommen teilweise völlig unterschiedliche Ergebnisse dabei heraus. Wobei sich diese Unterschiede selten so klar beschreiben lassen wie etwa bei einer tonal abweichenden Abstimmung. Ich frage mich nämlich eher, warum beispielsweise der eine Spitzenverstärker nur mit absolut einwandfreien Aufnahmen zu ertragen ist, da er jede Unzulänglichkeit gnadenlos aufdeckt, während der andere auch mit durchschnittlichem Material noch abgeht wie Schmitz’ Katze. Manchmal kommt mir der Verdacht, dass es irgendwo einen geheimen Kreis von Spezialisten gibt, die noch ein paar mehr Parameter kennen und ganz leicht Aspekte beeinflussen können, zu deren Beschreibung wir HiFi-Schreiberlinge um Worte ringen.

T.A.C. V-88 - Innenansichten

Wieso ich Ihnen jetzt damit komme? Nun, weil der T.A.C. V-88 ganz klar zu den Verstärkern gehört, die in hohem Maße ehrlich und neutral spielen, durchschnittlichem Material aber trotzdem noch so viel Musikalität und Spaß entlocken, dass ich die Ohren anlege. So etwas habe ich zum letzten Mal mit dem Krell S-300i in einem ähnlichen Maße erlebt. Damit steht der T.A.C. beispielsweise im krassen Gegensatz zu einem B.M.C. Amp C1, der durchschnittliche Aufnahmen eben auch durchschnittlich erklingen lässt.

Ok, gerade Röhrenverstärkern sagt man gerne nach, dass sie ein wenig „schönen“ würden. Ein erhöhtes Maß an harmonischem Klirr sorgt für ein reichhaltiges Obertonspektrum und somit bunte Klangfarben, der mangelnde Dämpfungsfaktor lässt die Bässe satt grollen und was die Höhen betrifft, werden die niemals nervig, weil die Übertrager bei höheren Frequenzen eh an ihre Grenzen kommen. Aber, sorry, das ist Schnee von gestern und ungefähr genauso überholt wie die Behauptung, Transistorverstärker würden aufgrund von Übernahmeverzerrungen, TIM und was weiß ich noch allem, hart und schrill klingen. Mittlerweile haben beide Technologien ein so hohes Maß an Wiedergabetreue erreicht, dass solche prinzipiellen Unterschiede nicht mehr sein müssen. Obwohl man einigen Vertretern vielleicht doch anhört, von welcher Seite sie sich dem Ideal des neutral klingenden Verstärkers nähern. Wobei: Die Sache mit dem Ideal werden wir nochmal diskutieren müssen.

Test: T.A.C. V-88 | Vollverstärker

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McIntosh MA7200 AC