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Adam Audio / Hoerzone

Klang Silberstatic Nr. 1

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Silberstatic Nr. 1

Das erste, was mir an diesem Lautsprecher klanglich auffällt, ist, dass nichts sich aufdrängt, nichts zurückbleibt, sprich die große Homogenität seines Klangbildes. Der wohlbalancierte, sehr natürliche Eindruck, den die Silberstatic Nr. 1 hinterlässt, resultiert dabei nicht nur aus einer gut austarierten, neutralen Tonalität, sondern auch aus dem Umstand, dass offensichtlich alle Frequenzbereiche „mit dem gleichen Tempo fahren“, wenn ich das mal so nennen darf. Der Bass hinkt nicht hinterher, der Hochton erkundet nicht vorwitzig das Feld. Hier wird im Gleichschritt marschiert, und das ist sehr entspannungsfördernd, denn in Folge geht es hier – ein wenig poetischer ausgedrückt – um die eine Musik und nicht um die vielen Frequenzbereiche. Sehr angenehm.

Ein externes Netzteil versorgt die Silberstatic mit Strom
Ein externes 12-V-Netzteil versorgt die Silberstatic mit Strom

Francoiz BreutDas Album Francoiz Breut gleichnamiger Künstlerin dreht sich im CD Player, und die völlig bruchlose, ausgeglichene Vortragsart begeistert mich. Gerade im Stimmbereich ist das bei dieser Platte nicht selbstverständlich – bisweilen klingt es überscharf, wie etwas zu hart reingezoomt, wenn sich zur natürlichen Präsenz der Aufnahme eine des Lautsprechers hinzuaddiert. Oder aber, im umgekehrten Fall, besänftigt, leicht wattiert, was dann zwar langzeittauglicher, aber auch langweiliger klingen kann. Mit der Silberstatic Nr. 1 sind’s nun gerade die Sibilanten, die mich erstaunen: Es wird nicht nachgepfeffert, es wird nicht abgeschliffen, es klingt sozusagen nach der reinen, natürlichen Schärfe. Ein schmaler Grat, auf dem hier balanciert werden muss – der Silberstatic gelingt‘s mit Leichtigkeit.

Marcy PlaygroundÄhnlich auch beim Song „Ancient Wall of Flowers“ von Marcy Playground (auf dem gleichnamigen Album), bei dem die Gitarre am Anfang wunderbar crisp, klar und flirrend nachgezeichnet wird – dies ist die Stelle, bei der es bei Lautsprechern mit mehr/zu viel Energie in den oberen Mitten auch mal leicht piken kann. Nicht so mit der Silberstatic. „Die muss nicht im Präsenzbereich lauter werden, um Klarheit zu suggerieren, bei ihr ist sowieso alles klar“, ein Gedanke, der mir schnell kam, denn das Auflösungsvermögen im Mitten/Hochtonbereich ist frappierend, steht dabei aber immer unterm Diktum der Homogenität. Einzelne Frequenzen oder Klangfarben werden nicht mit dem Spot angestrahlt, hier herrschen einheitliche Lichtverhältnisse, könnte man sagen. Und dass es sich dabei eher um Tageslicht als gedimmte Atmosphäre handelt, muss wohl nicht nochmal betont werden. Undeutlichkeiten und Schleier wischt die Silberstatic einfach fort. Auch teurere Lautsprecher erreichen eine derart hochtransparente Darstellung bisweilen nicht – eine echte Stärke der Nr. 1.

Tord Gustavsen / Being ThereDieser hohen Auflösung und Durchlässigkeit der Nr. 1 in Kombination mit der ausbalancierten Tonalität ist es auch geschuldet, dass man deutlich merkt, was vorne dranhängt. Wer seine Tage beispielsweise gerne damit verbringt, unterschiedliche Lautsprecherkabel anzuhören – hier hat er ein prima Werkzeug dafür. Kleinere Nuancen und Tendenzen werden unmittelbar weitergereicht, bisweilen so deutlich, dass es über Wohl und Wehe des Hörgenusses entscheidet. Ähnliches gilt natürlich für die die jeweilige Qualität der Aufnahme sowie die vorgeschaltete Elektronik – ich würde zu sauber und härtefrei spielenden Komponenten, die tonal neutral oder leicht wärmer abgestimmt sind, raten. Die Nr. 1 spielt sehr transparent, schönt nicht, und damit muss man auch leben können: Gut Eingefangenes wie das Stück „Karmosis“ des Tord Gustavsen Trios (Album: Being There) beeindruckt mächtig. Dieses Perkussion- und Becken-Geklapper und -Getappe zu Beginn des Stückes ist zum Niederknien schön, derart unmittelbar, feinnervig und dynamisch aus dem Nichts kommend, das ist schon selten gut, großes Kino. Aber lieblos produzierter Mainstreampop? Verführt eher zum Abschalten. Man kann wohl nicht alles haben.

Silberstatic Nr. 1

Überraschend einfach und unkritisch dagegen fand ich die Aufstellung. Es heißt ja meist, mit Dipolen sei das etwas ganz Vertracktes. Nicht meine Erfahrung. Vielleicht habe ich auch einfach Glück mit meinem Raum. Nach wenigen Versuchen standen die Silberstatic ungefähr 1,3 Meter von der Rückwand und 1 Meter von den Seitenwänden entfernt – aber bei halb so großen Abständen klingt’s nun auch nicht kolossal anders, das funktioniert durchaus. Apropos Aufstellung: Durch Unachtsamkeit meinerseits habe ich die Silberstatic Nr. 1 zunächst falschherum aufgebaut, sprich mit den Basspaneelen statt mit den Vollbereichsflächen nach innen weisend. „Falsch“ klingt angenehm sonor, wenn Sie mich fragen – „richtig“ sorgt für mehr Fokus im Klangbild und tönt neutraler. Wenn Sie es etwas wärmer mögen, dürfen Sie sich probehalber durchaus von der Herstellerempfehlung lösen und die Lautsprecher vertauschen. Eigentlich ganz schön, dass man die Tonalität so ein wenig steuern kann.

Herr Jesberger spricht von seinen Lautsprecher als „Vollbereichs-Elektrostaten“, und da lautet die Frage natürlich auch: Wie schaut’s denn untenrum aus? Um auf Francoiz Breut zurückzukommen und da insbesondere auf die Songs „Ma Colère“ und „Le Nord“, die nicht nur von der schönen Stimme der Französin, sondern eben auch von einem richtig satt-lässig wälzenden Basslauf getragen werden: Was die Tieftonquantität angeht – alle Achtung. Hätte ich einer Fläche dieser Größe ehrlich gesagt nicht zugetraut. Aber auch preisklassenbezogen halte ich das Basslevel für neutral, wenngleich mit Tendenz ins Leichtere. Natürlich kann man gleichteure Standlautsprecher erwerben, die mehr Druck auf die Straße bringen, stimmt. Aber es lässt sich ebenso einfach auch weniger Basspower fürs Geld einkaufen. Die Silberstatic liegt ziemlich genau in der Mitte.

Detail Silberstatic

Schon mal nicht schlecht, aber besser noch als die schiere Dosis ist das Qualitative, denn dieser Bass tönt sehr unmittelbar und schnell und ist vom Timing her perfekt ins musikalische Geschehen eingebunden. Da schwingt nichts nach oder hinkt hinterher – schön differenziert tönt’s in den tiefen Lagen, was mit den Frequenzlagen darüber gut zusammenpasst. Zudem gibt’s untenrum noch eine Begabung zu erleben, die ich persönlich sehr schätze: Der Bass dickt nie auf, leichtfüßig-federnd geht’s zu, etwas, das mich neulich schon bei der Dynamikks Monitor 8.12 begeistert hat (wobei das dort nochmal um einiges deutlicher ausgeprägt war). Vielleicht kein Wunder, schließlich ist bei der Nr. 1 recht viel Membranfläche – 2 x 0,42 Quadratmeter, um genau zu sein – im Einsatz?! Begeistert suche ich fordernde Tracks als minimalistisch inszenierte Neo-Chanson-Songs und lande bei Burnt Friedman & The New Dub Players Album Just Landed, schließlich sind wir ja ein Testmagazin …

Burnt Friedman & The New Dub Players Album Just LandedOh ja, das ist gut, wie diese bösen Subbass-Flächen geradezu fluffig-lässig aus dem Ärmel geschüttelt werden, das gibt’s doch gar nicht! Lauter heißt die Devise. Die Antwort folgt auf dem Fuße: Klick links, Klick rechts, Game Over. Verdammt! Sprung zum Verstärker und runter mit dem Pegel. Erster Gedanke: „Mist, ich hab‘ die Folien gegrillt! Wie blöd darf man sein!! Dub über Elektrostaten!!!“ Klick links, Klick rechts, es spielt wieder. Na, Gott sei Dank. Schau mal einer an, nicht ich grille die Folien, sondern Mademoiselle Électrostatique meine Monos! Nun, da weiß man wenigstens, wofür Schutzschaltungen gut sind. Wurde ja auch mal Zeit, dass wir das testen …

Von Herrn Jesberger erfahre ich, dass die Impedanz der Nr. 1 bisweilen schon mal auf Talfahrt gehen kann (und zudem, das geplant ist, in künftigen Nr.1 Übertrager zu verbauen, die sicherstellen, dass die Impedanz immer über unkritischen 3 Ohm bleibt). Verstärkerseitig hätte er gute Erfahrungen mit Röhren gemacht – leider habe ich momentan keine entsprechende Endverstärkung zur Hand, um diesen nicht gerade unmittelbar einleuchtenden Tipp zu beherzigen – oder mit Transistoren, wenn die denn eine recht hohe Gegenkopplung besäßen. Nun ist wenig Feedback geradezu das Hauscredo von Electrocompaniet, insofern war es wohl nicht die glücklichste Idee, die Nr. 1 mit den AW180-Endstufen zu verbandeln; und tatsächlich komme ich mit einem Denon Vollverstärker PMA 2010AE etwas weiter, aber auch nicht bedeutend. Das eigentliche Thema scheint mir sowieso nicht so sehr die Verstärkerwahl zu sein, sondern der Raum, in dem die Silberstatic spielt: Die Nr. 1 wurde für Größen von 20 bis maximal 25 Quadratmeter entwickelt und für normale Räume, soll heißen: normale Deckenhöhen. Ich aber höre in einem 30 Quadratmeter großen Altbauzimmer. Es macht einen Unterschied, ob ein Lautsprecher in 50-60 Kubikmeter Luft oder eben in 100 spielen muss. Die Moral der Geschichte: Achten sie auf die Kombination Raumgröße/Lautsprecher, wenn sie denn regelmäßig mehr als circa 85-90 dB am Hörplatz erleben möchten.

Silberstatic Nr. 1

Was aber auch schon recht laut ist. Also zurück zu gehobener Zimmerlautstärke – und zum Bass. Wobei, darüber habe ich ja eigentlich schon alles gesagt: Qualitativ ein extrafeines Menü, quantitativ eher eine normale Portion. Eine Sache noch, die mir zwar auch bei Bassdrums und Kontrabässen auffiel, aber nicht allein die unteren Lagen betrifft: Die imaginäre Bühne wirkt recht groß, die Abbildung erfolgt frei und auch die einzelnen Instrumente/Stimmen geben sich keineswegs unterernährt, sondern eher üppig. Aber als besonders randscharf geht die Zeichnung von Instrumenten und Stimmen nicht durch. Nun gibt es Hörer, die dergleichen sowieso für „artifiziell hifimäßig“ erklären, die werden die Silberstatic dafür lieben – und die anderen, denen ein ausnehmend plastisch modelliertes und holografisches Klangbild lieb und teuer ist, werden wohl sagen: ein bisschen zu diffus. Geschmackssache. Ich kann mit beidem leben, für mein Gusto könnte die Nr. 1 aber noch etwas tiefer staffeln. Sei’s drum. Wir haben es hier mit einem großen Dipol zu tun, da ist naturgemäß mehr Indirektschall mit im Spiel als bei einem Monitor im Nahfeld, und das klingt natürlich anders. Das wissen und schätzen Flächenfreunde.

Test: Silberstatic Nr. 1 | Standlautsprecher

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