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Technik Silberstatic Nr. 1

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Technik Silberstatic Nr. 1

Die sehr geringe Masse der Membran sowie die im Vergleich zu konventionellen Konus- oder Kalotten-Treibern gleichmäßig auf sie wirkenden Antriebskräfte werden von Befürwortern des Flächenprinzips gerne angeführt. Zuerst Genanntes sorgt entscheidend mit dafür, dass das Masse/Antriebs-Verhältnis günstig ausfällt, was Flächen sehr impulsschnell macht, zuletzt Genanntes ist mit ein Grund, warum Partialschwingungen und ein „Aufbrechen“ der Membran beim Flächenprinzip nicht gerade zu den Hauptsorgen zählen.

Silberstatic Nr. 1Gleichwohl stellt sich, auch wenn man ein Flächenfan ist, die Frage: Warum tut sich einer das elektrostatische Prinzip an? So ein Flächenstrahler lässt sich doch (vermeintlich?) leichter mittels Magnetostaten realisieren, zumindest erspare ich mir dann die hohen Spannungen (bei der Silberstatic Nr. 1 sind 3.200 Volt auf der Folie und, je nach Pegel, 0 bis 3.000 Volt an den Statoren) und die damit notwendig werdenden, qualitativ möglichst hochwertigen, also auch teuren Trafos respektive Übertrager. So sinngemäß meine spekulativ-provokante Frage an Herrn Jesberger. Dessen Antwort auf zwei Dinge abstellt.

Die eine Überlegung ließe sich mit „Wenn schon leicht, dann richtig“, zusammenfassen: Bei einem Magnetostaten klebt auf der Folie noch die Schwingspule, meist in Form von Leiterbahnen aus Aluminium, und die haben natürlich auch ihr Gewicht. Dies lässt sich beim Elektrostaten einsparen, was der Impulsgenauigkeit zugute kommen soll. Als zweites führt Jesberger an: „Elektrostaten sind Breitbänder, wenn sie denn wie die Silberstatic als Vollbereichslautsprecher konzipiert sind. Der Vorteil liegt in einer Membran für alle Frequenzbereiche und keiner Aufteilung durch Frequenzweichenbauteile.“ Hm, aus der Breitbänder-Perspektive habe ich die Bretter aus Viersen noch gar nicht betrachtet, interessant.

Der Übertragungsbereich der Nr. 1 erstreckt sich laut Hersteller von 42 Hz bis 18 kHz, was ziemlich heldenhaften neuneinhalb Oktaven entspricht. Da hat Jesberger recht, wenn er sagt, dass ein „normaler“ Breitbandlautsprecher das ohne Basshorn und/oder Unterstützung für den Superhochtonbereich nicht schafft. Und ein Vollbereichs-Magnetostat muss eben in verschieden breite Segmente aufgeteilt werden, die dann auch getrennt über eine Weiche angesteuert werden; im Grunde stellt er ein klassisches Mehrwegesystem dar. Anders verhalte sich dies bei der Silberstatic, und das, obwohl auch hier zwei Paneele im Einsatz sind, ein Vollbereichs- und ein Basselement. Zwei Elemente, aber keine Weiche?

Bisher habe ich zwar nur wenig von weichenlosen Anderthalb-Wege-Systemen gehört, aber eigentlich könnte man die Silberstatic so bezeichnen: Eines der 134 x 19 cm messenden Elemente überträgt den kompletten, oben genannten Frequenzbereich, das zweite den von 42 Hz bis 200 Hz, liefert also basstechnische Unterstützung. Klassische Frequenzweichenbauteile wie Spulen und Kondensatoren findet man bei der Silberstatic nicht, das funktioniert anders: Die mittleren sechs Statordrähte des Vollbereichspaneels werden direkt vom Übertrager angesteuert, die restlichen dann in Gruppen von je zwölf mit zunehmend hochohmiger werdenden Widerständen, was im (elektrischen) Zusammenspiel mit Übertrager und Stator für eine verstärkte Hochtondämpfung sorgt, bis schließlich beim Basspaneel nur noch 42-200 Hz „ankommen“. Herr Jesberger verspricht sich durch diese Technik und das damit mögliche Umgehen einer klassischen Weiche eine bruchlosere, kohärentere Wiedergabe.

Jetzt können wir auch zur eingangs gestellten Frage zurückkommen: Wozu die Verwendung von Draht- statt üblicher Gitter-Statoren? Ein wesentlicher Grund wurde soeben genannt: Es ist so relativ elegant möglich, eine Hochtondämpfung und damit eine Steuerung des Übertragungsbereichs zu bewerkstelligen, ohne eine „normale“ Weiche in den Signalweg legen zu müssen – das Prinzip beruht wesentlich darauf, dass die 2 x 58 Drähte pro Paneel eben nicht alle ein gleich starkes elektrisches Feld erzeugen, sondern individuell (beziehungsweise in Gruppen), je nach räumlicher Lage im Statoren-Feld, abgestuft werden können. Drähte lassen sich einzeln ansteuern – das funktioniert mit einem einzigen Gitter natürlich nicht.

Paneel der Silberstatic mit Draht-Statoren
Paneel der Silberstatic mit Draht-Statoren

Und dass die frequenzabhängige Stärke des elektrischen Feldes räumlich begrenzt werden kann, habe einen weiteren Vorteil, so Jesberger: Die sechs Drähte, die das volle, unabgeschwächte Signal zugeführt bekommen, nehmen einen Bereich von ungefähr zwei Zentimeter Breite ein – und nur von diesem Bereich aus wird die (ganze) Hochtonenergie abgestrahlt. Ergo fällt die Beugung Silberstatic Nr. 1 - Rückansichtdeutlich geringer aus, als wenn die gesamte Membran mit ihrer Breite von 19 Zentimeter für den Hochton zuständig wäre. Die Folge: Eine wesentlich breitere horizontale Abstrahlcharakteristik als bei Elektrostaten üblich, und somit ein breiterer tonal homogener Sweetspot. Eigentlich ganz smart gemacht. Natürlich ändert dies nicht die vertikale Bündelung, es befindet sich ja auch im Hochton die gesamte Länge, gut 1,3 Meter, im Einsatz. Ob man sitzt oder steht macht tonal einen Unterschied. So weit so üblich für einen großen Flächenstrahler.

Natürlich stellt auch die Folie selbst einen ganz entscheidenden Faktor für einen elektrostatischen Lautsprecher dar, aber zu ihr will man sich nicht en détail äußern. Was sich sagen lässt: Sie stammt vom Hersteller Hostapfan, ihre Stärke beträgt lediglich 5,82 µm und sie ist mit einer eigens entwickelten, hochohmigen Beschichtung versehen worden – über die Jesberger beharrlich schweigt. Verständlich, hat er doch zwei Jahre an ihr getüftelt, wie er sagt. Das möchte man dann nicht kopiert wissen. Als einen wesentlichen Vorteil seiner Folienbeschichtung sieht er an, dass die erforderliche Spannung binnen Sekunden aufgebaut werden kann, was zur Folge hat, dass es so erst sinnvoll möglich wird, eine Einschaltautomatik einzubauen, oder andersherum: Die Nr. 1 schaltet sich nach circa 15 Minuten ohne Musiksignal aus. Die Silberstatic müsse nicht wie viele Elektrostaten beständig unter Spannung stehen, um gut zu klingen. Und das sorge für dauerhaft stabile Arbeitsbedingungen respektive eine lange Lebensdauer der Folie und damit des Lautsprechers.

Test: Silberstatic Nr. 1 | Standlautsprecher

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