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Rega RP 1 – Klangeindrücke

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Rega RP 1 - Klangeindrücke

Das ging schon bei Cat Power aka Chan Marshal und ihrem fulminanten „Metal Heart“ (Album: Jukebox) derart engagiert an die Arbeit, dass mich nichts an das eher flache, in den oberen Lagen deutlich gedeckelte und damit eher muffige Klangbild erinnerte, das ich im Zusammenhang mit Ortofons günstigstem Pickup im Hinterkopf hatte. Nein, die Dame singt nackenhaaraufstellend samtig mit ihrem anziehend-rauchigen Timbre, dabei räumlich fein in den Vordergrund gerückt. Im Hintergrund zieht ihre Band „Dirty Delta Blue“ im Stil einer Achtzigerjahre-Hardrock-Ballade kontinuierlich das Tempo an und verstärkt den instrumentalen Einsatz vor allem hinsichtlich Lautstärke und Komplexität.

Rega RP1

Den kleinen Rega bringt das nicht aus dem Konzept. Als wolle er beweisen, dass Impulsivität, Spielfreude, Transparenz und ordentliche Raumstaffelung keine Frage des Preises sind, marschierte er durch das opulente „Metal Heart“, dröselte die vor allem im zweiten Teil des Stückes sehr dichte Struktur schön auf, lässt den Musikern Raum zur Entfaltung und geht jeden Tempowechsel und Dynamiksprung ohne größere Klagen mit. Dabei entwickelt er das Klangbild mittenbezogen – ein bei HiFi-Komponenten von der Insel gern zitiertes Vorurteil, was hier zutrifft -, stellt den Präsenzbereich leicht in den Vordergrund und wirkt so sehr anspringend und quirlig. Die Frequenzbereiche unterhalb und oberhalb dessen wirken dagegen leicht zurückgenommen – wohlgemerkt: leicht, es geht also obenrum immer noch deutlich offener zu, als ich das vom Ortofon-System OM 5E eigentlich gewohnt bin. Und eine leichte Dezenz in den oberen Lagen kann gerade bei Popmusik ja durchaus angenehm sein.

Cat Power / Jukebox

Jukebox ist ein Coveralbum, Cat Power verneigt sich hier vor den Künstlern, die sie musikalisch beeinflusst haben. Gleich die beiden Starter „New York“ (Frank Sinatra) und „Ramblin‘ Woman“ (Hank Williams), welche nahtlos ineinander übergehen, zeigen nicht nur Mrs. Marshals Potenzial als Künstlerin, sondern loten auch das des Abspielgerätes aus: Kommt „New York“ auf leisen Sohlen und sparsam instrumentiert daher, fegt „Ramblin‘ Woman“ gleich mit vollem Einsatz los, nimmt den gesamten (Hör-)Raum für sich ein. Beachtlich, wie erwachsen und „vollständig“ der als Einstieg in die Rega-Welt konzipierte Engländer agiert. Im direkten Vergleich zu meinem mehr als viermal teureren Transrotor „Insigne“ – ebenfalls mit einem Rega-Arm, allerdings dem größeren RB 300, bestückt – fehlt in der Darstellung scheinbar kaum etwas, Chan Marshals Band erobert mein Arbeitszimmer im Sturm; sieht man von den etwa anderthalb Oktaven im Bassbereich ab. An dieser Stelle kann man indes durch Experimentieren mit hochwertigeren Tonabnehmersystemen durchaus Boden gut machen.

Rega RP1

Das smarte Spielbrett scheint der ideale Partner für die (Wieder?-)Entdeckungsreise durch die eventuell schon eingemottete Vinylsammlung. Nicht nur, weil es sich so unkompliziert bedienen lässt, sondern auch weil so manches Kleinod der Pop- und Rockmusik mit ihm in neuem Glanz erstrahlt. Michael Jacksons unvergessenes „Beat it“(Album: Thriller) fetzt so frisch, knackig und unverbraucht aus der Anlage, als sei meine Originalplatte nicht schon mehr als zwanzig Jahre alt. Ein besonderer Spaß auch „Axel F.“, die Titelmusik des Achtzigerjahre-Kinokrachers „Beverly Hills Cop“ im damals nur an Diskjockeys verkauften „Hammer-Mix“ mit mehr als zwölf Minuten Länge. Es scheint, als werfe der RP1 so ziemlich alles an Energie und Druck in diesen Tanzbodenwischer, was er sich aus seinem leichten MDF-Body herauspressen kann. Langweilig wird das nicht!

Ortofon Tonabnehmer

Erst wirklich audiophile Einspielungen, wie etwa das bei Stockfisch Records in Northeim aufgenommene A Tribute To Cole Porter des Bassface Swing Trios offenbaren, das Luft nach oben bleibt. Das sympathische Swing-Trio, bestehend aus Thilo Wagner (Piano), Jean-Philippe Wadle (Kontrabass) und Florian Herrmann (Schlagzeug) haben sich für ihre Porter-Interpretationen Verstärkung geholt – die Stuttgarter Jazz-Chanteuse Barbara Bürkle bereichert das mitreißende Spiel der einfallsreichen Drei um eine ausdrucksstarke und kraftvolle Stimme, die vom zart hingehauchten „Dream Dancing“ bis zum schmissigen „Love For Sale“ die gesamte Bandbreite an Dynamik darzustellen vermag. Der von Wagner virtuos und oft improvisiert A Tribute To Cole Porter des Bassface Swing Triosbediente italienische „Fazioli“-Flügel – eine sündig-teure Einzelanfertigung -, bietet eine Fülle an tonalen „Schwebeteilchen“ und Schwingungen und fordert dabei so viel Aufmerksamkeit, dass er selbst von viel teureren Laufwerken mitunter leicht unruhig und rau wiedergegeben wird. Was nicht sein darf. Das Pracht-Piano sollte groß, ja majestätisch und bruchlos sämig klingen. Jean-Philippe Wadles Kontrabass dagegen, stets dicht am Mikro positioniert und daher mit eher wenig Rauminformation, dafür umso mehr – da auch hart gezupft – knackiger Intensität eingefangen, schnalzt und flirrt mit viel Farbkraft. Nicht weniger facettenreich die mit Jazzbesen gespielte Snaredrum Florian Herrmanns, die nicht nur natürlich den Rhythmus vorgibt, sondern zudem für wahrhaft „knallige“ Akzente sorgt. Das Gesamtkonzept der „Direct Metal Mastering“-Produktion – Stockfisch-Chef Günter Pauler betreibt eigens eine Neumann-Schneidemaschine – vermittelt die Aufnahme als ein so lebendiges, atmendes und raumgreifendes Wesen mit sehr vielen Nuancen und Zwischentönen (selbst die „Einzähler“ zwischen den Stücken, Atmer, Verhaspler und andere kleine Pannen sind drauf), das der Rega RP1 seine liebe Mühe hat, es in Gänze zu erfassen. Hier stößt er an seine Grenzen.

Test: Rega RP1 | Plattenspieler

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