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Klangliche Evolution, Teil 2

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klangliche Evolution, Teil 2

Um die tonale Diskussion zu komplettieren fehlt noch der Hochton: Hier würde ich eher von einem edlen Schimmern denn von spektakulärem Funkeln sprechen. Nach ganz oben hinaus wird für mein Empfinden leicht abgerundet. Das ganz fein-luftige Ausschwirren der Becken beim genannten Stück „Tilldess“ – man bekommt es selbstverständlich und relaxed präsentiert, aber ich kenne das durchaus auch noch eine Spur deutlicher und befreiter. Nuancen.

Mastersound Evolution 845

Wie auch das, was mir zwar nicht bei diesem, aber bei vielen anderen Stücken auffiel: Becken klingen mit dem Mastersound ganz obenrum zwar leicht mattierter, aber insgesamt auch körperreicher, größer und – insbesondere was das Anschlagsmoment angeht – echter. Echter im Sinne von „hier wird eine große Metallscheibe in Schwingung versetzt (und nicht nur so getan)“. Insbesondere Rhythmusarbeit am Ride-Becken gewinnt hierdurch, denn es tönt sehr durchsetzungsfähig und dabei gleichzeitig – wichtig! -, durch den etwas milderen Präsenzbereich des Mastersounds nie künstlich angespitzt. Es klingt so, wie es sein soll: nach Energie und ohne Härten. Unter der Überschrift „Becken für Gourmets“ fand dies Eingang in meine Notizen.

Seitenwangen aus Walnussholz beim Mastersound Evolution 845

Nun erklärt sich der eingangs erwähnte „elegante Charme“ des Mastersound Evolution 845 aber nicht nur durch die tonale Timbrierung – für mich spielt unzweifelhaft auch die Art der physischen Gestaltung von Klängen und deren räumliches Arrangement mit hinein.

Zunächst einmal zu den Dimensionen der virtuellen Bühne: Sie ist recht breit und tief, es gibt in dieser Preisklasse Verstärker, die tiefer staffeln und solche, die flacher agieren, der Mastersound liegt im Mittelfeld. Besonderheit Nummer 1: Die Musik kommt eher einen Schritt auf mich zu als dass sie laid-back oder gar entfernt spielen würde – dem ist ein involvierendes Moment zu eigen. Und diese leicht animierende Spielweise oder besser gesagt Perspektive wird eben nicht durch eine Präsenzbetonung „ermogelt“, die die Musik ja häufig frontaler wirken lassen kann. Ich sagte ja bereits: Der Mastersound spielt in diesem Frequenzbereich eher defensiver, weicher. Gleichwohl besitzt die Musik über ihn diese Geste nach vorne, auf einen zu. Mit etwas Phantasie könnte man das glatt eine „weiche Anmache“ nennen, durchaus charmant gemacht und so nicht oft zu hören. Allzu häufig ist der Trade-off der Direktheit – zumindest bei höheren Pegeln und/oder längeren Hörsessions – doch eine etwas hart-quengelnde bis nervende Note. Hier nicht. Der Punkt geht an die Italiener.

Fernbedienung des Mastersound
Eleganter können Fernbedienung eigentlich nicht mehr werden

Der Mastersound Evolution hat darüber hinaus – Besonderheit Nummer 2 – ein Talent zur körperlichen Gestaltung von Klängen, im Sinne von „hört sich an als sei’s physisch greifbar“. Gerade in den mittleren Lagen und insbesondere bei Stimmen lege ich Wert auf diesen 3D-Faktor – und der Mastersound bedient mein Faible hierfür. Freilich kann das meine Standardverstärkerkombi bestimmt genauso gut. Gleichwohl klingt es unterschiedlich:

Wieder bin ich bei Joanna Newsoms „In California“. Mein Verstärker-Gespann aus Octave-Pre und Electrocompaniet-Monos beherrscht eine schwierig zu beschreibende Sache sehr gut, die bei mir unter dem Arbeitstitel „Im-leeren-Raum-Gefühl“ läuft: Es geht um den akustischen Eindruck – Illusion ist wohl korrekter -, dass der Raum, in dem die Musik spielt, auch dann noch da ist, wenn kein Ton gespielt wird. In diesem quasi leeren Raum, der immer schon als Hintergrund vorhanden ist, werden die einzelnen Klänge nun „aufgehängt“, präzise und plastisch.

Mastersound Evolution 845

Der Mastersound geht anders vor. Und dies liegt, so vermute ich, zum Gutteil auch daran, dass die „Klangkörper“ einfach mal größer und üppiger dargestellt werden. Frau Newsom wird nicht gleich zur Matrone, aber sie beansprucht jetzt mehr Platz auf der Bühne. Da dieser Effekt auch bei der Harfe, den Bläsern und dem Rest der Instrumentierung festzustellen ist, der Bühnenraum insgesamt aber nicht wächst, hört sich die Bühne „voller“ an als mit der mir wohlbekannten Kombi. Pointiert könnte man sagen, beim Mastersound konstituieren die einzelnen Klänge den akustisch Raum, messen ihn ab, während der bei meiner Vor-/End-Kombi zuerst da ist und die Klänge in ihm erscheinen. Ächz! Liebe Leute, dies ist ein Bild und nicht wörtlich zu nehmen, ich sagte „pointiert formuliert“ – gleichwohl, ich finde schon, dass das prinzipiell schon passt. Und bevor Sie meinen, die Hardcore-Klangexegese sei nun auf dem Zenit angelangt, ziehe ich die Schraube noch zwei Drehungen weiter 🙂

Endröhre des Mastersound Evolution 845

Erstens: Wie sagte Kollege Jochen nach anderthalbminütigem Mastersound-Probehören, während er ausholend mit den Armen ruderte? „Das atmet aber schön!“ Bingo, das tut’s! Und nicht nur „gesamthaft“ bei Tuttipassagen, sondern auch die Einzelstimmen können das: Sei’s nun bei Gesang oder bei Bläser- oder Streicherpassagen – zum einen ist der Eindruck, wie schon gesagt, ein körperlicher, zum anderen atmen diese Körper, werden also dynamisch kleiner und größer, je nach Lautstärke, Intonation, Tonhöhe etc. Sehr angenehm sowas. Es wird Leute geben, die sich allein aufgrund dessen in den Mastersound verlieben.

Detail 845-Endtriode

Und zweitens: Üppigere Körper haben nicht nur bei Menschen die Tendenz, rundlicher zu wirken – auch akustisch geht es in diese Richtung. Scharfkantig klingt‘s hier jedenfalls nicht und wer eine in den Raum gelaserte, rasterartige Abbildung sucht, kann gleich weiter suchen. Der Mastersound inszeniert ein organisch-harmonisches Miteinander üppiger Klangkörper, und ja, richtig, das hat etwas Sinnliches. Jenseits der Frage, ob das dem eigenen Geschmack zupass kommt, sehe ich einen Vorteil darin, dass insbesondere bei Studioproduktionen, die nicht allererster Güte sind – also solchen, die sich über „analytisch-holografisches“ Equipment anhören wie lieblos zusammengepuzzelte Tonspuren -, gnädige Rundungen ungemein helfen können. Nicht nur die Tonalität, auch das Bühnenbild des Mastersound besitzt eine harmonisch-integrative Note.

Test: Mastersound Evolution 845 Reference | Vollverstärker

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