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Advance Kompaktbox: Bass, Bühne & Co.

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Advance Kompaktbox: Bass, Bühne & Co.

Zweitens: Der Bassbereich muss dann doch noch gesondert gelobt werden: Irgendwie ist es seltsam, man macht (bewusst) alles falsch, hängt eine Röhre (LUA 4040) also genau dann dran, wenn sich gerade Lust auf elektronisches Bassgebräu einstellt (Massive Attack, Leftfield, The Kills, …), reißt den Pegelsteller schön nach rechts – ein Schelm, der Böses dabei denkt – und trotzdem dröhnt es nicht. Das 17er-Chassis hüpft rum wie von Sinnen, das schaut gar nicht gut aus – wieso dröhnt es denn nun bitteschön nicht? Ich bekomme das optische Erlebnis nicht mit dem akustischen zusammen.

Advance Acoustic EL-170: Bass/Mitten-Treiber

Natürlich ist es schon so, dass der Informationsgehalt im Bass, sobald ein besser dämpfender Amplifier dranhängt, wesentlich höher ausfällt (insbesondere bei dieser Art von Musik). Mehr Kontur und Struktur ist zu vernehmen und gehörmäßig nimmt auch das „Tempo“ zu, einfach dadurch, weil der Ausschwinger von vor zwei Takten nicht mehr im Weg steht, wenn Schlag drei kommt. Und ja: Ich würde eher zu relativ kräftigen und mit passablem Dämpfungsfaktor versehenen Verstärkern raten, weil‘s dann unten rum mehr Laune macht und verfolgbarer wird. Aber das ist‘s nicht, was mich erstaunt, sondern vielmehr diese totale Dröhnfreiheit auch dann, wenn man auf Maximalpegel fährt und sich um die Ausgangsimpedanz des Amps einen Kehricht schert!

Die dann auftretenden Verdeckungseffekte (siehe hierzu folgenden Wiki-Artikel) betreffen so gut wie ausschließlich den Bassbereich selbst – in den Mitten wird nichts verstellt, diese Advance Acoustic - Das Kautschuk-Eibleiben transparent und durchhörbar. Eine, wie ich finde, recht ungewöhnliche und sehr positive Eigenschaft. Nichts ist so nervig wie ein Bass, der wie ein warmes Vollbad alles umflutet und ein suppiges Gefühl hinterlässt. Es steht zu vermuten, dass das ominöse Kautschuk-Ei im Innern der Advance Acoustic EL170 an diesem Phänomen seinen Anteil hat. Solche Ü-Eier lass‘ ich mir gefallen.

Zwei erstaunliche Stärken dieses Wandlers – die tonale Homogenität des Klangbilds und der dröhnfreie, informative Bass – sind bereits genannt, aber natürlich gibt‘s auf der anderen Seite auch schwächere Momente bei der EL170. Die allerdings wenig erstaunen bei der Investitionssumme von 898 Euro:

Die Bühnenabbildung gelingt der 170er (nach gehöriger Einspielzeit) ziemlich frei und unbefangen. An der Bühnenbreite gibt’s nichts auszusetzen, allerdings spielen die Akteure so ziemlich in einer Reihe, sprich, die Tiefenschärfe ist nicht gerade extrem. Mit vorgelagerter Elektronik, die in dieser Hinsicht sehr gut ist, wird es natürlich besser – aber dies Vermögen steckt dem Zwei-Wegler nicht gerade in den Genen. Gleichwohl gerät die räumliche Darstellung involvierend. Man muss sich nur von manchen (hochtrabenden) High End-Ansprüchen lösen oder eben bereit sein, tiefer in die Tasche zu greifen …

Advance Acoustic im Hörraum

Gleiches gilt dann wohl auch hinsichtlich der grobdynamischen Ansprüche. Ich habe mich dabei erwischt, ziemlich laut über die Advance zu hören – zum einen kann sie das, zum anderen wird dann die dynamische Kontrastierung besser. Dies ist kein Wandler, der einen direkt anspringt, zumal er auch die Bühne sauber auf der Grundlinie beginnen lässt und – wie indirekt schon erwähnt – keinen „präsenten“ Schritt nach vorne unternimmt. Irgendwie ist’s ‘ne Gentleman-Box, was viele Vorteile mit sich bringt. Und wenn man von ihr dann doch einen Tritt in den Hintern verspüren möchte, muss man eben aufdrehen. Die Feindynamik betrifft dies übrigens kaum.

Unterschiedliche Verstärkung für die Advance-Box ...Bisweilen ist es interessant, bei einem Lautsprechertest nicht nur die üblichen Speaker-Quervergleiche durchzuführen, sondern auch mit einem ganzen Satz an Verstärkerelektronik zu hantieren. Dabei waren mir die Preisrelationen (Amp / Box) erstmal wurscht, vielmehr wollte ich erfahren, wie durchlässig sich die Advance EL-170 gibt.

Und siehe da, unter der Hand wird ein Verstärker-Schnelltest daraus. Es kann keine Rede davon sein, dass man nun die Fledermausohren anschnallen müsste und erst nach 10 Minuten ein Anfangsverdacht geschöpft wäre, wo denn jetzt die klanglichen Unterschiede der Verstärker liegen könnten. Die Advance Acoustic EL-170 macht dergleichen unmittelbar deutlich. Mit drei Testtracks bewaffnet und inklusive der ganzen Umverkabelungsprozedur hat der Spaß vielleicht anderthalb Stunde gedauert – und das Notizbuch füllte sich fleißig mit Betrachtungen über die Amps. Doch wozu sollte ich Ihnen die jetzt mitteilen? Das habe ich zum Teil schon (Test Electrocompaniet Amp / Test SAC Monos) bzw. werde es demnächst tun.

Der entscheidende Punkt ist, dass dies mit der Advance EL 170 a) überhaupt klappt und b) so schnell. Woraus ich folgere, dass dieser Lautsprecher insgesamt kaum Eigenklang „hinzutut“, welcher vorgelagerte Phänomene filtern / färben / überdecken würde. Mit Fug und Recht darf man sagen, dass es sich um einen transparenten Wandler handelt, der klangliche Charakteristika von Komponenten recht mühelos offen legen kann. Etwas, das mich in dem Ausmaß doch wundert: Wie das klischeemäßig ungemütliche, gnadenlos transparente Hörwerkzeug spielt die EL-170 ja nun gerade nicht auf – sondern gefällig, angenehm, sehr balanciert und langzeittauglich. Und doch gibt sie sich differenziert und transparent. Eine nette Kombination, muss ich sagen. Und da es sich so verhält, etwas Weiteres: Der Preis ist eigentlich ‘nen Witz.

Advance Acoustic - Das Kautschuk-Ei

Test: Advance Acoustic EL-170 | Kompaktlautsprecher

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