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Konzeptionelles zur Kef Q900

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Konzeptionelles zur Kef Q900

Dieser Technikteil orientiert sich eher an der Devise „in der Kürze liegt die Würze“ – wer „das volle Brett“ möchte: Kef selbst besitzt einen sehr umfänglichen Internetauftritt mit ungewöhnlich langen, erklärenden Techniktexten sowie vielen Grafiken, Filmchen, 14-seitigen PDF-Downloads usw.

Also, fangen wir an. Schaut man sich die Front der Kef Q900 von oben nach unten an, entdeckt man:

Kef Q9001) Das „Uni-Q“ genannte Koaxialchassis mit der großen Hochtonkalotte und der Alumembran für den Bass/Mittelton-Bereich drumherum sowie …

2) … eine Etage tiefer den zum Uni-Q-Chassis „gehörenden“ Passivradiator, welcher in der gleichen Kammer wie der Uni-Q-Treiber steckt.

3) Das (aktive) Tieftonchassis.

4) Den Passivradiator, der mit dem Basschassis zusammen arbeitet (und mit diesem in einer Kammer steckt).

Alle Klarheiten erfolgreich beseitigt? Tja, da die Chassis Nr. 2 bis 4 äußerlich völlig identisch ausschauen, kann es leicht zu Verwirrungen kommen.

Die Kef Q900 ist eine Zweieinhalb-Wege-Box: Die Trennung zwischen Hoch- und Mittelton erfolgt bei 1,8 kHz, die mittleren Lagen werden also vom Konus des zuoberst montierten „Uni-Q“-Chassis betreut, und auch im Bassbereich arbeitet dieser Konus weiter, spielt er doch zunächst parallel mit dem „eigentlichen“ Basstreiber und zieht sich erst weiter südwärts peu-a-peu aus dem Geschehen zurück – nicht aufgrund eines vorgeschalteten Hochpass-Filters – den gibt’s nicht -, sondern aus mechanischen Gründen (Resonanzfrequenz des Chassis, Luftvolumen des Gehäuses). Die allertiefsten Lagen besorgt das Basschassis dann alleine. Die Folge eines solchen Konzeptes ist ein größerer Überlappungsbereich zwischen Bass- und Bass-/Mitteltöner – so soll eine homogenere Spielweise möglich werden. Freilich handelt man sich mit zunehmender Breite der Arbeitsbereiche auch vermehrt Interferenzprobleme ein.

Bi-Wire-Terminal der Kef Q900
Terminal der Kef Q900 – ungewöhnlich und sehr praktisch: Dreht man die mittleren Knöpfe im Uhrzeigersinn bis die Markierung erscheint (siehe linker Knopf), ist die Kef im Bi-Wire-Modus, hineingedreht sind die Eingänge gebrückt (Single-Wire)

Letzteres ließe sich auch gegen die Verwendung von Frequenzweichen erster Ordnung anführen, zudem steigen bei flacher Trennung die Anforderungen an die Chassis, denn sie müssen ein breiteres Frequenzspektrum sauber abdecken können als Treiber, die flankensteiler getrennt werden. Gleichwohl kommen bei der Kef Q900 solche Filter zum Einsatz, denn die Vorteile – korrekteres Phasenverhalten als bei Weichen höherer Ordnung sowie bessere „dynamische Durchlässigkeit“ aufgrund geringerer Bauteileanzahl – überwögen, so die Briten. Wenn man denn die richtigen Treiber, die das auch können, verwende. Hierin, und nicht in der Frequenzweiche als solcher, liege die eigentliche Schwierigkeit eines „minimalistischen“ Weichen-Konzepts, so Kef.

Outtrigger-Lösung der Kef
Die Outtrigger-Füße der Kef Q900 sind aus Plastik gefertigt – dank der Wabenstruktur ist das Ganze allerdings sehr stabil

Ich erwähnte es bereits: Die Kef Q900 bringt’s auf 1,1 m Höhe und mit knapp 25 cm Breite geht sie auch kaum als übertrieben schlank durch; der optische Auftritt wird auch durch die Outtrigger-Lösung, die sich breitbeinig in den Boden krallt, und die vier großen Chassis pro Box nicht eben femininer. Auch wenn die Treiber sich mit der beiliegenden Blende verstecken lassen: Das ist wirklich eher ‘ne Männerbox als eine schwindsüchtige Schönheit. Betrachtet man das Gehäuse eingehender, fallen ein paar Dinge auf:

1) Rund war gestern – sprich: Im Gegensatz zur Classic-Q-Series, dem Vorgänger, finden sich bei der aktuellen Ausgabe keine runden Seitenwangen mehr. Dies sei nicht aus optischen Gründen geschehen, so Kef, sondern ermögliche ein ungefähr 30 % größeres Innenvolumen bei gleichbleibendem äußeren Platzbedarf, was wiederum dem Bassvermögen und -tiefgang deutlich gut tue.

Kabinett der Kef Q9002) Es lässt sich keine Öffnung finden, das Gehäuse ist geschlossen. Das Lautsprecherprinzip ist aber eher ein „halboffenes“, wenn man so will, denn bei der Kef Q900 kommen, wie erwähnt, zwei Passivmembranen zum Einsatz, und im Grunde ist das etwas ganz ähnliches wie Bassreflex: Während bei diesem Prinzip die Luftsäule innerhalb der Reflexöffnung zum Schwingen angeregt wird, wird bei Passivmembranen eben besagte Membran in Bewegung versetzt. Der Nachteil dabei: Ein Chassis, wenn auch ohne Antrieb, ist aufwändiger/kostenintensiver als eine Plastikröhre. Der Vorteil: Strömungsgeräusche, wie sie gerade bei höheren Lautstärken am Reflexport entstehen können, entfallen – es strömt ja nix. Zudem wird das „Durchmogeln“ von Mitteltonanteilen minimiert, welche zu einer Verundeutlichung des Klangbildes führen können – nicht ganz unwichtig insbesondere deshalb, da das Uni-Q-Chassis als Koaxtreiber ja durchaus höhere Frequenzlagen überträgt.

3) Für ein echtes Furnier ist die Kalkulation wohl zu eng gewesen. Gleichwohl besitzt die Kef Q900 eine Holz-, keine Plastikoberfläche: Recycelte Holzfasern kommen zum Einsatz, gefärbt und gelegt sozusagen. Sieht ordentlich aus, aber nicht gerade besonders edel.

Cahssis der Kef Q900

Sämtliche Membranen der Kef Q900 sind aus Aluminium gefertigt, das gilt für die der passiven wie der aktiven Chassis und für alle Frequenzbereichszuständigkeiten. Aus Alu sind übrigens auch die Schwingspulen des Bass- sowie des Bass-/Mitteltöners. Die Pro-Argumente hierfür lesen sich bei Kef so ähnlich wie bei Dynaudio: Aluminium leite zwar etwas schlechter als Kupfer, sei dafür aber wesentlich leichter, so dass die Gewichts/Antriebskraft-Relation fürs Leichtmetall spreche. Es lassen sich relativ breite und lange Spulen wickeln, die gleichwohl nicht übermäßig schwer werden. Relativ lang und breit bedeutet auch: relativ viel Fläche. Und dies ist wiederum gut für den Wärmeabtransport, was a) die Antriebe insgesamt belastbarer mache und vor allem b) das Phänomen der dynamischen Kompression bei hohen Lautstärken minimiere: Mit steigender Hitze der Schwingspule steigt logischer Weise der elektrische Widerstand und damit sinkt die Antriebskraft – bei gleich großen Signaländerungen fallen Lautstärkeunterschiede bei einer heißen Spule deshalb geringer aus als bei einer kühleren. Je konstanter die Kühlung erfolgt, desto geringer also die Kompressionserscheinungen zu hohen Lautstärken hin.

Schnitt durch die Alumembran der Kef

Bleiben wir beim Alu, kommen zurück zur Membran und sprechen die Befürchtung mancher Hörer an – das muss doch klingeln! Gemeint ist das „Aufbrechen“ der Metallmembran, also starke Resonanzerscheinungen, die typischerweise über dem jeweiligen Arbeitsbereich der Chassis liegen, aber klanglich gleichwohl stören können, sei’s beim Übergang Mitten-zu-Hochton oder an der ganz oberen Kante des Frequenzschriebs, wenn die Hochtonkalotte betroffen ist. Für den Mitteltöner der Kef Q900 fahren die Briten deswegen ein sogenanntes „Cone Breakup Control Device“ auf. Klingt gewaltig und ist de facto ein Kopplungselement zwischen Membran und Schwingspule, das durch seine Materialeigenschaft und eine speziell berechnete Form im Arbeitsbereich des Chassis einen kolbenförmigen Antrieb gewährleisten soll, zu höheren Frequenzen hin aber, nämlich dort, wo es eigentlich zu einer starken Resonanz der Membran käme, diese quasi „wegpuffert“, also ein Verhalten wie eine gut eingestellte Federung beim Auto an den Tag lege, sagt Kef.

Und wie schaut es bei der großen, nämlich 35 mm durchmessenden Hochtonkalotte aus? Die Kef-eigenen Forschungsbemühungen hätten gezeigt, dass es so etwas wie ein „Formdilemma“ gebe: Einerseits sei eine elliptische Kalotte – eine Form, so ähnlich wie das runde (stumpfere) Ende eines Eis – mechanisch ziemlich optimal, denn auch zu höchsten Frequenzen hin seien solche Membranen noch stabil, brächen also nicht auf. Doch andererseits sei dies nicht so gut fürs Abstrahlverhalten, hier erweise sich die Kugelform als überlegen. Die Kef’sche Lösung klingt überraschend einfach: Man kombiniert beides, unten Ellipse, oben Kugel, und erzeugt so ein Kalottenhuckepack, das beide Anforderungen unter einen Hut bringen soll.

Höchtöner der Kef Q900

Nun ließe sich zum Hochtöner der Kef durchaus noch mehr schreiben, etwa über den „Tangerine Waveguide“, der das Abstrahlverhalten und die Luftankopplung der Kalotte verbessern helfen soll, oder die gedämpfte Röhre auf der Rückseite, in die das Chassis „atmet“ und Luftkomprimierungen verhindern hilft (erinnert ein wenig an B&W), aber das chassistechnisch Entscheidendste dürfte der Umstand sein, dass in der Q900 eben ein Koaxialtreiber und damit – näherungsweise – eine Punktschallquelle arbeitet. Ja, Kef spricht sogar von einem „Koinzidenz-Wandler“, was den Umstand kennzeichnen soll, dass die akustischen Zentren von Mittel- und Hochtöner deckungsgleich sind.

Explosionszeichnung des Uni-Q-Treibers
Explosionszeichnung des Uni-Q-Treibers

Die Briten streichen nicht nur die üblichen Vorteile eines solchen Konzepts heraus – geringere Interferenzprobleme in der vertikalen Achse, zeitliche Kohärenz, Vorteile bei der räumlichen Abbildung der Musik -, sondern betonen auch das ähnliche Abstrahlverhalten, welches sie dank ihres Uni-Q-Treibers für Bass/Mitten/Hochton erreichen wollen. Die Form des Uni-Q-Konus‘ bestimme nicht nur weitgehend die Richtcharakteristik des Hochtöners, sondern ebenso die des Bassbereichs, mit der Folge, dass auch außerhalb des Sweetspots die tonale Balance weitgehend erhalten bleibt. Etwas, das auch für ein homogenes Diffusschallfeld – also den über Wände, Boden und Decke reflektierten Schall – wichtig sei. Im Jahr 1988 wurde Kefs Uni-Q-Chassis erstmals vorgestellt, in der Q900 arbeitet inzwischen die elfte Generation dieses Koaxtreibers.

Test: Kef Q900 | Standlautsprecher

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