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Klang der Ayre-Kombination – Teil 1

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang der Ayre-Kombination - Teil 1

Ayre-Vor/End-Kombi

Zwänge man mich, nur ein einziges Wort zur Ayre-Kombi zu schreiben, es liefe wohl auf „stimmig“ hinaus. Da mich nun aber keiner zwingt, habe ich gleich zwei Probleme: Zum einen möchte ich nicht immer denselben, wenn auch zentralen Begriff verwenden, denn allzu viele Wortwiederholungen könnten wenig elegant wirken. Zum anderen befürchte ich – wohl entscheidender – das besagtes „stimmig“ vorm Hintergrund gängigen superlativistischen Geschreibsels manchem als zu wenig funkelnd-schön erscheint. Der Blick ins Wörterbuch erfreut mich deshalb gleich doppelt: „ausgewogen, ein ausgewogenes Ganzes bildend, geglückt, gelungen, rund, gleichmäßig, gut zusammenpassend, harmonisch, im Gleichgewicht, im richtigen Verhältnis, passend“, steht da. Sitzen in der Duden-Redaktion etwa Ayre-Kunden? Das ist doch nicht nur ein recht hübsches Synonym-Reservoir, das liest sich auch gleich auch viel positiver – und so ist‘s schließlich gemeint!

Blick in den Ayre Vorverstärker

Nun aber ernsthaft. Es fragt sich natürlich schon: Stimmig in welcher Hinsicht? Tja, in mancherlei … Meine Anfangsidee zur Strukturierung dieses Testberichts war simpel: Erst wird die Vorstufe, dann die Endstufe und schließlich die Kombi als Ganzes beschrieben. Einige Tage und gefühlte hundert A/B-Einzelkomponentenvergleiche später muss ich sagen: Das bringt’s nun nicht, denn was für das eine Gerät gilt, gilt zum großen Teil auch fürs andere – und für das Ergebnis aus beiden. Vor- und Endverstärker von Ayre haben eine ganz ähnliche „klangliche Signatur“. Vor allem ist es nicht so, dass unterschiedliche Tendenzen in Summe ein ausgeglichenes Ganzes bilden, wie das beispielsweise bei der mir als Referenz dienen Vor-/End-Kombi (Octave HP300 Vorstufe und Electrocompaniet AW180 Endstufen) in manchen klanglichen Bereichen der Fall ist: Die EC-Monos schaufeln im Bass-/Grundtonbereich schon ein Schippchen mehr in den Raum, die Octave-Vorstufe gibt sich dort eher flott denn füllig – und insgesamt klingt das dann immer noch nach einer Fingerbreite mehr an der Hüfte, aber eben nicht nach einer Handbreite. Sie wissen schon, was ich meine.

Anschlussfeld der Ayre-EndstufeWo ich beim Bass und dem Spruch „eher flott denn füllig“ bin – der passt zur Beschreibung der Ayre-Verstärkerkombination ganz gut. „Flotter“ könnte man da sogar in Bezug auf einen Vergleich mit meiner Kombination sagen: Gerade das Gebiet zwischen Oberbass und Grundton gerät den Amis ausnehmend federnd, eine hervorragende Basis, um von rhythmischem Pop bis groovendem Soul das rechte Timing an den Tag zu legen. Boys „Waitress“ tänzelt leichtfüßig um die Tische, der E-Bass-Lauf des Songs hüpft fröhlich zwischen meinen Boxen herum, und auch wenn ich den von meiner Kette normalerweise etwas saftiger gereicht bekomme, so ansatzlos-quirlig kenn‘ ich ihn nicht. Das Stück kommt mir mit den Ayres an den Boxen tatsächlich etwas schneller vor – das kommt gut. Schnell ist der Song „A.D. 2000“ von Erykah Badu nun zwar nicht, bei ihm schlängelt sich der Basslauf eher relaxed-sexy aus den Lautsprechern, aber mit den Ayres dann wiederum etwas konturierter und trockener gefasst, als ich’s gewohnt bin. Angenehm sowas.

Ayre-Anschlussfeld
Nicht nur für Sterndeuter: das Anschlussfeld der Ayre-Vorstufe

Vom Volumen her betrachtet würde ich den Oberbass der Ayres also als neutral einstufen, und qualitativ gesehen lässt sich das mit trocken, konturiert, flott, rhythmisch und „auf Draht“ schon ganz gut umreißen. Geht’s mit den Frequenzen dann fühlbar weiter südwärts, muss freilich gesagt werden: Die Kombi ist natürlich schon tiefbassfähig, wäre ja auch noch schöner. Aber gleichwohl wird das für kaum einen der kaufausschlaggebende Grund sein. Ganz untenrum gibt sich die Ayre-Kombi zwar solide, aber in Relation zum Geld und in Anbetracht der Verstärkergattung (sprich: Transistorendstufe) sitzt anderenorts teils deutlich mehr drin – mehr „Masse“ und mehr Durchzeichnung.

Aufpreispflichte Metallfernbedienung - ein Standard-Plastikgeber gehört zum Lieferumfang
Aufpreispflichtige Metallfernbedienung – ein Standard-Plastikgeber gehört freilich zum Lieferumfang

Zum andern Frequenzextrem, dem Hoch- bis Höchstton, darf angemerkt werden: Ayre besitzt Air. Aber auch nicht im Übermaß. Eher ist es so, dass die Verstärkerkombi sich obenheraus leicht defensiver gibt. Der Hochton wirkt wie reingewaschen, pur, völlig artefaktefrei und jenseits jeglicher Nervosität, qualitativ fällt mir wirklich nur Gutes ein – eine besondere Frische hält mit den Ayres in meiner Kette nicht Einzug. Schon die unteren Höhen/der Präsenzbereich sind eher entspannt denn forciert, und der Superhochton ist zwar in einem derart wohldosierten Ausmaße vorhanden, dass alles wunderbar geschmeidig bleibt – irgendwie verfestigt sich bei mir immer mehr die Vorstellung, dass die obersten Oktaven vornehmlich die Funktion haben, sich wie ein Leichtlauföl um die Mitten zu legen, damit’s geschmeidig in die Ohren flutscht –, aber um beispielsweise eine richtiggehend „spacige Aura“ ins Zimmer zu pusten, bedürfte es mehr.

Test: Ayre K-5xeMP und Ayre V-5xe | Vor-End-Kombi

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