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Klang der Ayre-Kombination – Teil 2

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Klang der Ayre-Kombination - Teil 2

„Mitten zum Verlieben“, steht in meinen Notizen, was nicht nur für Frauenstimmen gilt, aber bei denen ganz besonders. Sei’s nun mit der erst kürzlich getesteten Blumenhofer Fun 13, meiner Ascendo System F oder der Thiel SCS4: Gesang hat immer einen ganz besonderen Charme, hängt die Ayre-Kombi davor. Meiner Meinung nach ist das aber nur zum Teil tonal erklärlich: Gut, ich sagte es weiter oben schon, der Präsenzbereich zeigt sich relativ relaxt und zusammen mit dem durchaus wohl-, aber keinesfalls überernährten Grundton ergibt dies eine Tendenz zur leicht wärmeren, sonnigen Seite von neutral, und dergleichen geht ja häufig gut in die Ohren. Aber das ist nicht alles.

Ayre-Pre / Display

Es ist diese besondere Art von, na ja: „Reinheit“ – das Fehlen von Dunst, Härten, Grauschleiern, Schlieren, weiß der Teufel, was sonst noch alles passieren kann, wenn eine Musikkonserve verstärkt wird –, die mitverantwortlich für ein ganz unspektakulär und unaufgeregt wirkendes Klangbild ist und die einen quasi erst „aufs zweite Hören“ beeindruckt: Tori Amos, Feist, Joanna Newsom stehen schlicht und ergreifend mit dem Gestus allergrößter Selbstverständlichkeit vor mir à la „so und nicht anders singen wir“, und jedes Mal, wenn ich dann nach einem akustischen Trick fahnde, wie die Ayre-Kombo das eigentlich macht – finde ich keinen.

Ayre V-5xe-Endstufe

Johnny Cash mit seiner berühmten brüchigen Stimme auf den American-Recordings-Alben ist auch so’n Ding: Wer die einmal auf einer nicht so toll abgestimmten, womöglich gar forsch-präsenten Kette gehört hat, wird mir wohl zustimmen, dass einem das auf die Dauer auch auf die Nerven gehen kann. Das Ayre-Duo ebnet Cashs spröden Charme (Verlispler, Genuschel, Kratzer, Krächzer) nun in keiner Weise ein, aber genauso wenig wird da pornografisch reingezoomt und die Stimme aus ihrem Kontext gerissen (bei so mancher HiFi-Messe kam ich in diesen „Genuss“), und genau, weil beides nicht geschieht, wirkt es auf mich so Cash / American Recordings IIIungekünstelt echt und natürlich. Mein Eindruck ist: Hier wird der pure Stoff durchgelassen, hier muss nix weiter angerichtet oder nachgewürzt werden, damit das Klangbild eine bestimmte Richtung bekommt. Große Klasse ist das, diese Form der „Selbstverständlichkeit“, diese „echten“ Mittenlagen. Man sollte freilich nicht aufs nächste akustische Spektakel aus sein, sondern nach einem Verstärker für die kommenden, sagen wir einmal: zehn Jahre. Große Natürlichkeit kommt immer im dezenten Gewand des Understatements daher, und wem das zu wenig blinkt und glitzert, der ist hier falsch. Ja, ich würde so weit gehen zu sagen, dass die Ayre-Kombi eher den erfahrenen, reifen Hörer anspricht, denn denjenigen, der neurotisch alle halbe Jahre an seiner Kette schraubt.

Gesagtes gilt natürlich nicht nur für Stimmen, sondern auch für Instrumente. Eine Akustikgitarre beispielsweise klingt schön holzig-authentisch und körperreich, aber eben keinesfalls auf die undifferenziert-satte Tour, so als hätte man einfach nur den Grundtonhahn schön weit aufgedreht. Die einzelnen „Gitarren-Picks“ werden zwar leicht abgemildert dargeboten – eine Sache, die mir öfter auffiel: ein Snarewirbel beispielsweise tönt ebenfalls etwas weniger durchdringend und ein harter Klavieranschlag nicht mehr ganz so hart, ich führe es auf den milderen Präsenz-/Hochtonbereich zurück, welcher eben auch Transienten leicht entschärft –, doch fehlen mir mit der Ayre-Kombination da trotzdem keine wesentlichen Informationen. Diese werden zwar nicht auf dem Silbertablett serviert – aber eben auch nicht in einem warmen Dunst verhüllt. Ja, man könnte glatt von einer „wohltemperierten“ Auflösung sprechen. Und fast noch besser als die Wiedergabe von Akustik- gefällt mir die von E-Gitarren, welche – je nach Aufnahme – über meine Arbeits-Verstärkung bisweilen zu schrill ins Ohr gehen, während die Ayres sie mit trockenerer Energie in den Raum strömen lassen; durchaus ein wenig wärmer, wie es nun mal das Grundnaturell der Amis ist, aber eben auch äußerst unvermatscht, strukturiert und mit glaubhafter Power versehen.

Ayre-Vorstufenplatine
Ayre K-5xe-Vorstufenplatine

Was klangliche Kategorien wie dynamisches Verhalten, Timinggefühl und musikalischer Fluss angeht, muss ich – sorry – abermals auf „stimmig und ausgewogen“ zurückkommen. Transienten werden, ich erwähnte es, mit anderen Verstärkern manchmal schon mit etwas mehr Prägnanz präsentiert und bei grobdynamischen Frontalangriffen lassen sich die Ayres zwar nie aus den Tritt bringen, aber mehr „Schubs“ geht in dieser Preisklasse dann doch schon noch. Mit fällt da beispielsweise die Electrocompaniet-Kombination, bestehend aus der Vorstufe EC 4.8 und den Monos AW180, ein.

Der Vortragsstil bei Ayre ist, wenn gefordert, durchaus federnd-rhythmisch, was ihnen nicht zuletzt durch den wendigen, konturierten Bass gelingt – ich erwähnte das eingangs schon. Dabei geht es gleichzeitig aber auch immer „fließend“ zu, denn auch das wichtige Ausklingen der Töne wird minutiös verfolgt: Etwas, das nicht nur mitverantwortlich für den körperlichen Eindruck einzelner Stimmen und Instrumente ist, sondern gleichsam auch die aufeinanderfolgenden Noten (zeitlich) miteinander verkettet. Deshalb spielt Ayres Vor/Endkombi geschmeidig und rhythmisch.

Test: Ayre K-5xeMP und Ayre V-5xe | Vor-End-Kombi

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