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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Tweed trifft Technik
  2. 2 Ruark R3 Mk1: Klangeindruck
  3. 3 Testfazit: Ruark Audio R3

Als mir vor einigen Jahren Ruark Audios Spitzensystem R7 erstmals begegnete, war ich sofort verliebt. Sie müssen wissen, dass ich als passionierter Vintage-Fan und Oldtimerfahrer ein ausgeprägtes Faible für klassisches Design pflege und eine kleine Röhrenradiosammlung aus den 50er- und 60er-Jahren mein Arbeitszimmer verschönert. Selbstverständlich sind die Schätzchen allesamt funktionsfähig. Das Ruark R7 war seinerzeit für mich eine Art Reinkarnation der guten, alten Musiktruhe – Unterhaltungsmedium und schlicht-schönes Möbelstück in einem.

Das Ruark R3 in Walnussausführung

Das Ruark R3 in Walnussausführung

Das Unternehmen von der Küste Südenglands (Vertrieb: www.tad-audiovertrieb.de) hat inzwischen eine ganze Produktfamilie entwickelt, deren jüngstes Kind das kompakte R3 (Preis: 799 Euro) ist. Ein „Tischradio“ im Wortsinn, seine Abmessungen kann man in etwa mit einem schmalen Schuhkarton vergleichen. Auf seinen schicken Aluminiumfüßen, die das Gerät leicht nach oben anwinkeln, findet es praktisch überall Platz. In meinem Fall auf dem Esstisch.

Die Aluminiumfüße winkeln das Gerät leicht nach oben an

Die Aluminiumfüße winkeln das Gerät leicht nach oben an

Und in der Tat war es das in den letzten Wochen mit Sicherheit am häufigsten genutzte Audiogerät in meiner an HiFi-Equipment nicht gerade armen Wohnung. Was zum einen an der schmeichelhaften Anfassqualität seines Walnussholzgehäuses, zum anderen aber an der umfangreichen Ausstattung und an dem für ein Produkt dieser Gattung überzeugenden Klangeindruck liegt. Aber der Reihe nach.

Ausstattung und Konzept

Ganz im Stil des R7 zitiert das Ruark Audio R3 Mk1 mit sanft abgerundeten Gehäuseecken und einer Frontbespannung aus grauem Tweedstoff vergangene Zeiten, als dahinter noch Röhren glimmten und man mit großen Bakelit-Drehknöpfen auf Wellenjagd durch den Äther ging. Davon ist das kompakte Multitalent freilich weit entfernt, denn hinter dem klassischen Gewand verbirgt es moderne Unterhaltungselektronik, die wenig Wünsche offen lässt.

Das Ruark R3 ist alternativ auch in einem hellen Grauton erhältlich

Das Ruark R3 ist alternativ auch in einem hellen Grauton erhältlich

Neben einem fast obligatorischen Slot-in-CD-Spieler, der unter dem sehr gut ablesbaren OLED-Display montiert ist, und einem – ebenso obligatorischen – UKW-Empfangsteil, streamt das Ruark R3 nicht nur kabelgebunden (LAN) oder drahtlos (WLAN) Internetradiostationen, sondern es unterstützt auch die Musikabodienste Spotify, Deezer, Tidal und Amazon Music. So man denn bei einem oder mehreren dieser Anbieter ein Nutzerkonto hat, versteht sich. Audiodaten mit bis zu 24 Bit/192 Kilohertz werden verarbeitet. Wer mag, kann seine Musik vom Smartphone oder Tablet auch via Bluetooth (im aptX-Codec) zum Ruark R3 senden oder findet mit dem eingebauten DAB+ Modul seinen Lieblingssender. Zur Einbindung externer Quellen stehen ein analoger (Cinch) und zwei digitale (Toslink und USB-C mit Ladefunktion) Schnittstellen bereit, ein Line-out (Cinch) und Kopfhöreranschluss (Miniklinke) sind ebenfalls mit von der Partie.

Rückseite mit Anschlussfeld des Ruark R3 Mk1

Rückseite mit Anschlussfeld des Ruark R3 Mk1

Damit die Musik „an den Hörer“ kommt, haben die Briten einen 30-Watt-Verstärker in konventioneller Class-AB-Auslegung implementiert, der seine Signale an die selbstentwickelten „NS+“-Koaxialtreiber mit für ihre geringe Baugröße außergewöhnlich starkem Antrieb schickt. Ein für die spezielle Anwendung als Tisch- oder Regalradio programmierter DSP sorgt für einen der Umgebung angepassten, realistischen Klangeindruck. Soweit die Theorie.

Und nun zur Praxis

In der Praxis überzeugt das Ruark R3 mit seiner vollkommen unkomplizierten Handhabung, die bereits beim Setup anfängt. Ein automatisierter Einrichtungsassistent hilft dabei, das Ruark R3 innerhalb weniger Minuten ins – in meinem Fall drahtlose – Heimnetzwerk einzubinden. Die Systemuhr stellt sich selbst, auf Wunsch nach UKW-, DAB- oder Internet-Signal. Mittels eines etwas hochtrabend als „Equalizer“ bezeichneten Klangregelwerks lassen sich individuelle Anpassungen vornehmen, die das Kompaktsystem meiner Meinung nach aber gar nicht nötig hat. Doch hier entscheidet der persönliche Geschmack.

Der herstellertypische Dreh-Drück-Knopf des Ruark R3

Der herstellertypische Dreh-Drück-Knopf des Ruark R3

Die Bedienung aller Funktionen über den auf der Gehäuseoberseite eingelassenen, inzwischen herstellertypischen Dreh-Drück-Knopf gestaltet sich so selbsterklärend, dass der Griff zum Handbuch überflüssig scheint. Möchte man das R3 aus weiterer Entfernung steuern, was bei mir – Stichwort Esstisch – nur sehr selten vorkam, geht das mit der beigelegten Infrarotfernbedienung, die das Prädikat „Handschmeichler“ verdient hat. Obwohl sie nur aus Kunststoff gefertigt ist und damit der Wertigkeit des Hauptgerätes etwas nachsteht.

Die Fernbedienung des Ruark R3 Mk1

Die Fernbedienung des Ruark R3 Mk1

Ich bin durchaus ein Fan von Geräten dieser Gattung. Ich mag dieses „Music-to-go-Gefühl“, dass es mir erlaubt, überall da, wo ich mich gerade aufhalte, auf ein umfangreiches Unterhaltungsportfolio zugreifen zu können. Spillerige Bluetooth-Speakerchen – zugegeben noch mobiler – sind da für mich nicht das Mittel der Wahl. So begleitet mich seit mehr als zehn Jahren unter anderem ein Roberts Radio MP23, das mir als – na gut, leicht überdimensionierter – Radiowecker dient. Das britische Tabletop punktete schon früh mit ähnlichen Features wie das Ruark R3. Was ihm seinerzeit freilich fehlte, waren die umfangreichen Streamingfunktionen. Dafür war es eines der ersten Tischradios, das mich mit seinem Sound ernsthaft überzeugen konnte.

Ruark R3 Mk1: Klangeindruck

Was mir am Ruark R3 klanglich sofort auffällt, ist die quellenunabhängig sehr klare und offene Darstellung. Eine besondere Stärke liegt in der ausnehmend plastischen Stimmwiedergabe. Egal, ob männliche oder weibliche Stimmen, Gesang oder Hörspiel, das Multitalent entwickelt seine Performance aus der Mitte heraus, dadurch wirkt sie griffig, körperhaft und einfach „echt“.

Alin Coen - NahIn „Entflammbar“ (Album: Nah; auf Amazon anhören) der Hamburger Songwriterin Alin Coen verbreitet das Ruark R3 genau die richtige Dosis an graziler Zerbrechlichkeit, die dem Song gerecht wird. Verfärbende Tendenzen, etwa eine schmeichlerisch-übertriebene Wärme oder analytische Kühle, konnte ich nicht ausmachen. Die zurückhaltende Instrumentierung wird detailverliebt und mit sehr guter Ortbarkeit in den Raum projiziert. Sogar ein recht glaubwürdiges Stereopanorama bekommt das Ruark R3 hin, angesichts der dicht beieinander montierten Lautsprecherchassis ist das keine Selbstverständlichkeit. Geschmeidig gelöst ist die Abstimmung des Ruark R3 in den oberen Frequenzlagen. Bissige Glanzlichter verkneift sich das Gerät, eher ist hier etwas Dezenz im Spiel – die Hochtoninformationen werden aber gefühlt dennoch ziemlich vollständig und detailreich gereicht. Diese Abstimmung taugt für lange und ermüdungsfreie Hörsitzungen. Die „reine Lehre der Audiophilie“ erwartet von dieser Gerätegattung ohnehin niemand.

Ruark R3, perspektivisch

Über alles betrachtet – beziehungsweise gehört –, darf man sagen, dass dem Ruark R3 eine leichtfüßig-lebendige Musikalität in die Wiege gelegt worden ist. Die Wiedergabe besitzt einen angenehmen „Fluss“, stresst nicht, und deshalb taugt das R3 für die begleitende Hintergrundbeschallung genauso wie fürs entspannte Hinhören.

Zum Vergleich: Der Hersteller Sonoro liefert sein Pendant „Prestige“ je nach gewählter Optik in etwa zum selben Preis. Sonoro versteht seine Produkte als musikalische Ergänzungen eines gehobenen Wohnumfelds und teilt das Angebot in „Wohnwelten“ ein. Ein interessanter Ansatz. Das Sonoro Prestige – ausstattungsseitig so komplett wie Ruarks R3 – kommt mit einer noblen Anmutung in hochglänzendem Lackfinish. Klanglich besitzt das Sonoro-Tischgerät eine leichte Wärme um die Mittenlage und einen kräftigeren Bass, es ist es insgesamt „vordergründiger“ abgestimmt als das Ruark R3. Das werden manche Zeitgenossen schätzen – andere aber eher nicht. Geschmackssache.

Auf der Unterseite des Ruark R3 befinden sich zwei Bassreflexports

Auf der Unterseite des Ruark R3 befinden sich zwei Bassreflexports

Mit Rock und Pop macht das Ruark-Gerät richtig Spaß. Die soeben nach sechs Jahren Abstinenz überraschend veröffentlichte Single „Shot in the Dark“ von AC/DC marschiert mit ordentlich Attacke und Druck aus dem britischen Alleinunterhalter, der bei Bedarf auch in der Lage ist, ein 20-Quadratmeter-Zimmer zu beschallen, ohne allzu angestrengt zu wirken.

Jetzt ist es natürlich so, dass man die Basswiedergabe einer solchen Komponente schwierig in Relation zu dem setzen kann, was der „gemeine“ HiFi-Enthusiast von seiner „richtigen Anlage“ erwartet. Von raumgreifend grollenden Tieftonattacken kann hier keine Rede sein. Und das Ruark R3 versucht auch gar nicht, sich in dieser Hinsicht in unglaubwürdiger Weise „aufzupumpen“. Vielmehr gibt es das untere Frequenzende balanciert, nicht zu schlank und nicht zu dick wieder – und dabei straff und erdig-trocken. Das trägt zum stimmigen Gesamteindruck bei.

Testfazit: Ruark Audio R3

Mitunter ist es mir ein Rätsel, warum es vorwiegend britische Unternehmen schaffen, mit ihren Produkten eine so wohlig-heimelige Kaminfeueratmosphäre zu kreieren, der man sich nur schwer entziehen kann. Vintage können sie einfach. Egal, in welcher Preisklasse oder Produktkategorie.

Ruark R3 Mk1, vorne

Dass klassischer Look und zeitgemäße Technik sich dabei prima ergänzen, beweist das Ruark Audio R3 aufs Beste. Walnussfurniergehäuse und Tweedstoff treffen auf Bluetooth, Netzwerkanbindung und Audiostreaming – das Ganze ist intuitiv bedienbar sowie mit wertiger Anfassqualität und einem Klangbild gesegnet, das sich dank seiner Klarheit, Plastizität und fließenden Musikalität vor so manchem kompakten HiFi-Setup konventioneller Machart nicht verstecken muss. Klar sucht das Ruark R3 nicht den Wettbewerb mit einer ausgewachsenen HiFi-Anlage, die wird es nicht ersetzen können. Für den ambitionierten Musikgenuss im Alltag, Büro, Urlaub – oder im Esszimmer! – ist das edle Tischgerät aber eine passende Alternative.

Fakten:

  • Modell: Ruark Audio R3
  • Konzept: streamingfähiges All-in-one-System
  • Preis: 799 Euro
  • Maße & Gewicht: 600 x 370 x 190 mm (BxHxT); 5,3 kg
  • Farbe: Walnussfurnier, Grau matt
  • Eingänge: 1 x analoger Hochpegelinput (Cinch), digital: 1 x Bluetooth (aptX), 1 x Toslink, 1 x USB-C (Wiedergabe und Laden), UKW und DAB+ Radio, CD-Laufwerk, LAN, WLAN
  • Ausgang: 1 x analoger Hochpegeloutput (Cinch)
  • Sonstiges: Fernbedienung, kontraststarkes OLED-Display
  • Garantie: 3 Jahre

Vertrieb:

TAD-Audiovertrieb
Rosenheimer Straße 33 | 83229 Aschau im Chiemgau
Telefon: +49(0)8052-9573273
E-Mail: hifi@tad-audiovertrieb.de
Web: https://www.tad-audiovertrieb.de/

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Luxman

Test: Ruark R3 Mk1 | All-In-One-Lösung

  1. 1 Tweed trifft Technik
  2. 2 Ruark R3 Mk1: Klangeindruck
  3. 3 Testfazit: Ruark Audio R3

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: Technics SL-1210GR Tonabnehmer: Shelter 201 (MM), Pro-Ject Concorde Pick-it S1 (MM) Sonstiges: Tuner Sansui T-80 & Kenwood KT-5500

Digitale Quellen: Streamer: Pioneer N-50, Marantz NA 8005

Vollverstärker: Magnat RV-3

Vorstufen: Phonoverstärker: Lehmann Audio Black Cube Statement

Lautsprecher: Magnat Quantum 905, Teufel Theater 500S

Kabel: Sonstiges: LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld