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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Nanotechnik
  2. 2 Mutec REF10 NANO im Hörtest
  3. 3 Testfazit: Mutec REF10 NANO

Es gibt etwas, das die Qualität einer Digital-Analog-Wandlung wesentlich beeinflusst: das Clocking. Damit ist der Takt gemeint, der festlegt, zu welchen Zeitpunkten der Datenstrom gewandelt wird. Je präziser dies geschieht, je weniger die Zeitpunkte schwanken, desto besser ist das klangliche Ergebnis. Die Taktung kann und wird meist in den Digitalgeräten selbst implementiert, es gibt aber auch – und damit nähere ich mich langsam dem Testgerät – externe, nur auf diese Aufgabe spezialisierte Referenztaktgeneratoren wie den Mutec REF10 NANO (Web: www.mutec-net.com). Der REF10 NANO ist der neueste 10-MHz-Taktgenerator von Mutec und mit einem Preis von 1.999 Euro deutlich günstiger als der Mutec REF10 oder der von uns bereits getestete REF10 SE120.

Mutec REF10 NANO in schwarzer Ausführung

Der REF10 NANO ist der neueste und günstigste Referenztaktgenerator im Line-up des Berliner Herstellers Mutec. Viel zu bedienen gibt es bei ihm nicht, per Select-Knopf lassen sich die rückseitigen BNC-Buchsen separat aktivieren oder deaktivieren – das war es im Grunde auch schon

Während der „normale“ Wordclock-Takt der Samplefrequenz entspricht, gibt der Referenztaktgenerator Mutec REF10 NANO eine Frequenz von 10 MHz aus. Das ist deutlich höher als alle PCM-Sampleraten, denen die typische Wordclock entspricht (nur DSD liegt im Megahertz-Bereich). Der Vorteil von 10-MHz-Generatoren liegt unter anderem in der höheren Genauigkeit, vor allem aber im geringeren Phasenrauschen. 10-MHz-Taktgeber sind außerhalb des HiFi-Kosmos entstanden, sie dienen unter anderem der präzisen Taktung von Telekommunikationssystemen und finden sich beispielsweise auch in GPS-Satelliten, wo sie direkten Einfluss auf die Genauigkeit der Positionsbestimmung haben.

Eine Liste mit aktuell erhältlichen Audiogeräten mit 10-MHz-Eingang führt Mutec hier. Für Geräte ohne dedizierte 10-MHz-Schnittstelle ist eine Konvertierung in die normale System-Samplerate nötig, Mutec stellte uns deshalb zusätzlich einen MC3+ USB (1.399 Euro) zur Verfügung – ein Gerät, das selbst mit der fast die gesamte Front überspannenden Bezeichnung „Synchronizable Digital Audio Master Clock & Audio Re-Clocker & USB Interface“ nur so gerade eben ausreichend beschrieben ist. Der Mutec MC3+ USB kann eine ganze Menge – vor allem eben Re-Clocken –, beschränkte sich für unseren Test des Mutec REF10 NANO aber größtenteils auf das Umwandeln des 10-MHz-Takts in Wordclock-Signale mit Frequenzen von 44,1 bis 384 kHz.

Mutec REF10 NANO (unten) und MC3+USB (oben)

Wenn das Digitalequipment keinen 10-MHz-Eingang besitzt, kann der REF10 NANO im Zusammenspiel mit dem USB-Interface MC3+ USB einsetzt werden

Zwar gibt es Cäsium- und Rubidium-Clocks – wir alle kennen Atomuhren –, doch Mutec führt ins Feld, dass derlei Systeme eher bei der Langzeitstabilität glänzen. Im relevanteren ultrakurzen Zeitbereich sehen die Berliner sogenannte „OCXO“ im Vorteil, da bei ihnen die Abweichungen von Impuls zu Impuls (siehe Jitter) ganz besonders gering sei. OCXO bedeutet, dass ein Quarzoszillator deshalb so präzise arbeitet, weil er auf eine bestimmte Temperatur beheizt wird, sodass Umgebungstemperaturen und deren Schwankungen kaum einen Einfluss mehr haben. Eines der beiden „O“ in der Abkürzung OCXO steht tatsächlich für „Oven“: Oven Controlled Quartz Oscillator.

Die Werte des REF10 NANO können sich mehr als nur sehen lassen. Und als „guter, deutscher Ingenieursbetrieb“ verzichtet Mutec auf Unterschlagungen, Übertreibungen oder Schönfärbereien und nennt nüchtern und nachvollziehbar die Daten zum Gerät. Die Angaben zur Frequenzstabilität, zum Phasenrauschen und der Alterung sind über alle Zweifel erhaben. Die Taktausgabe erfolgt mit einem streng symmetrischen Rechtecksignal. Laut Mutec ist es mit besonders steilen Flanken und sehr geringen Überschwingern gesegnet, was der Jitter-Minimierung und somit dem Klang sehr zuträglich sei.

Mutec REF10 NANO mit silberner Front

Die Masterclock Mutec REF10 NANO ist auch mit silberner Front erhältlich

Viele Bedienelemente hat die Mutec REF10 NANO naturgemäß nicht. Per „Select“ lassen sich die vier rückseitigen BNC-Buchsen separat aktivieren oder deaktivieren. Sie sind übrigens nicht identisch, vielmehr stehen zwei mit 50 und zwei mit 75 Ohm Terminierung zur Verfügung, die entsprechende BNC-Kabel mit diesem Wellenwiderstand benötigen. Welches Gerät welchen Anschluss besitzt, ist der genannten Liste von Mutec beziehungsweise den technischen Informationen der empfangenden Komponente zu entnehmen.

Auf der Rückseite gibt es einen Kaltgeräteanschluss für das eingebaute Netzteil, das im enormen Toleranzbereich von 85 bis 305 Volt Wechselspannung einer Netzfrequenz von 50 oder 60 Hertz arbeitet. Alternativ kann der 15-Volt-Gleichspannungsanschluss genutzt werden. Vorne auf der Front wird neben „Power“ angezeigt, aus welcher der beiden Quellen das Mutec-Gerät seinen Lebenssaft nascht. Eine zusätzliche LED auf der Front zeigt ungefähr fünf Minuten nach dem Start, dass der Aufheizvorgang beendet und die Taktausgabe somit frequenzstabil ist.

Die vier rückseitigen BNC-Buchsen des Mutec REF10 NANO

Der 10-MHz-Takt des REF10 NANO steht an vier BNC-Buchsen auf der Rückseite bereit, es gibt je zwei mit 50- und 75-Ohm-Terminierung

Mutec REF10 NANO im Hörtest

Alles schön und gut, doch eine Frage brennt unter den Nägeln: Was tut sich klanglich? Mein Rega-Apollo-CD-Player besitzt keine Möglichkeit zum externen Clocking. Ich konnte aber eine ganze Reihe anderer Geräte testen und deren interne Clock mit dem Ergebnis nach Einspeisung des Wordclocksignals vom Mutec MC3+ USB – mit und ohne vorgeschalteter REF10 NANO – vergleichen.

Rechts das Mutec-Gespann REF10 NANO und MC3+USB, links daneben Lavry DA- und AD-Wandler

Rechts das Mutec-Gespann MC3+USB und REF10 NANO, links daneben Lavry AD- und DA-Wandler

Ich höre übrigens nicht nur im privaten, sprich HiFi-Umfeld, sondern auch professionell als Tonmeister und Tontechnik-Fachjournalist in meinem kleinen, aber feinen Studio. Dort nutze ich vor allem Mehrkanal-Wandler, die per Wordclock-Eingang, aber auch per koaxialem S/PDIF, Toslink und AES11-Leersignal über die dann für sie geltende Zeitreferenz unterrichtet werden können. Zweikanalige Geräte standen mir zum einen mit dem D/A-Konverter Lavry DA11 zur Verfügung, der zwar keinen dedizierten Wordclock-Eingang besitzt, sich aber nach der Taktung der drei Digitaleingänge (S/PDIF optisch und koaxial + AES/EBU) richtet, die der Mutec MC3+ USB bereitstellen kann. Der zweikanalige Lavry AD11 hingegen besitzt einen eignen Wordclock-Eingang, wandelt aber in die andere Richtung: Dieser A/D ist bei mir dafür verantwortlich, den „Hauptausgang“ des analogen Mischpultes aufzunehmen, also die gesamte Mischung in die digitale Domäne zu übertragen.

Abgehört habe ich den Mutec-Referenztaktgenerator mit einer Kette aus Abacus 60-120D Dolifet und Harbeth Super HL5+ XD sowie über die Kopfhörer Stax SRS2050-Set und Focal Celestee, angesteuert über mein Harrison-Analogmischpult oder direkt aus den verschiedenen Wandlern. Ich habe viele mir gut bekannte Aufnahmen aus unterschiedlichsten Genres gehört, aber auch eigene Produktionen beziehungsweise Einzelsignale daraus, bei denen ich so gut wie jedes einzelne Bit mit Vornamen kenne.

Los geht’s

Mein Hauptwandlersystem im Studio ist ein HAPI (circa 7.500 Euro) der Firma Merging Technologies aus der Schweiz. Dessen Karten wandeln in beide Richtungen mit maximal 384 kHz PCM oder mit DSD bis DSD256. Neben den Analogverbindungen gibt es dort achtkanaliges AES/EBU, S/PDIF oder ADAT optisch über Toslink-Buchsen, Wordclock I/O und die eigentliche Verbindung zum Computer in Form des professionellen AoIP-Protokolls Ravenna.

Wie reagiert der HAPI nun auf den Mutec-Boost? Nun – es kommt darauf an. Im Solobetrieb kann ich keinen relevanten klanglichen Unterschied ausmachen, in einem Mehrgerätesetup, in dem am HAPI über AES und ADAT weitere Wandler in Taktabhängigkeit hängen, ist der Einsatz der externen Mutec-Clock hingegen ein klarer klanglicher Gewinn, der sich insbesondere bei der Stereobühne deutlich zeigt. In diesem Setup laufen die Wordclock-Signale vom MC3+ USB sternförmig zu allen Geräten, die sich danach zu richten haben.

Blick aufs rückseitige Anschlussfeld vom Mutec REF10 NANO (unten) und MC3+USB (oben)

Blick aufs rückseitige Anschlussfeld vom Mutec MC3+USB (oben) und REF10 NANO (unten)

Als nächstes ist ein etwas in die Jahre gekommenes Audio-Interface namens 896mk3 der US-amerikanischen Firma MotU an der Reihe. Das erwacht schon beim Anschluss der Mutec MC3+ USB alleine zu neuem Leben, was sich vor allem durch eine deutlich breitere und tiefere Bühne und eine höhere Plastizität der Abbildung bemerkbar macht – toll bei entsprechenden Klangkörpern wie einem Sinfonieorchester oder einer Kirchenorgel! Ebenfalls positiv beeinflusst werden die Höhen, die ein ganzes Stück transparenter und klarer bei Impulsen wirken.

Schön und gut, das kenne ich prinzipiell aber auch von anderen hochwertigen Clocks, die ich an den MotU angeschlossen habe. Sitzt nun aber die REF10 NANO davor, geht so richtig die Sonne auf! Ich hätte nicht gedacht, dass die Unterschiede von der sowieso schon hochwertigen Clock des MC3+ zur 10-MHz-Clock derart greifbar sind. Tatsächlich scheint das Geschehen in der Musik einen ordentlichen Schritt nach vorne zu rücken. Die Phantommitte zwischen den Lautsprechern wirkt noch klarer greifbar und Raumreflexion auf Produktionen oder auch in Stereo-Einzelsignalen lassen sich deutlicher von den eigentlichen Instrumenten trennen.

Zwischenfazit: Für das MotU-Interface ist das Clocking per REF10 NANO die Frischzellenkur schlechthin – im Blindtest würde ich mein MotU tatsächlich nicht mehr wiedererkennen, so viel besser wird die Wiedergabe. Allerdings sei nicht verschwiegen, dass der Preis für die beiden Mutec-Geräte auch ungefähr doppelt so hoch ist wie der ursprüngliche Preis des Wandlers.

Mutec REF10 NANO (unten) und MC3+USB (oben) mit Lavry DA11 und AD11

Dass das interne Clocking die wesentliche Klangschwachstelle preiswerterer oder älterer Wandler ist, beweisen die Ergebnisse mit mehreren Geräten in der Klasse von wenigen Hundert Euro. So blüht ein aktuelles Audio-interfaces von Focusrite (Clarett) förmlich auf. Deutlich, wenngleich etwas weniger weitreichend, sind auch die Erfolge des Mutec-Clockings bei den der beiden Lavry-Wandler. Hier zeigt sich erneut, dass die REF10 NANO noch einmal eine ganze Schippe im Vergleich zum MC3+ USB „solo“ drauflegen kann. Besonders der beim DA11 manchmal minimal schwimmende Bassbereich gewinnt hierdurch und wirkt mit der NANO-Clock als Taktgeber ein gutes Stück fester.

Übrigens: Schon als reine Clock macht das Mutec-Gespann einen deutlichen Unterschied – besonders interessant wird‘s aber, wenn der Mutec MC3+ USB als USB-Interface fungiert und auch das Audiosignal liefert. Hier konnte ich im Test auf direktem Weg erkennen, dass die Performance der sowieso schon guten Clock des MC3+ USB durch den zusätzlichen Anschluss der Mutec REF10 NANO noch einmal entschieden verbessert wird.

Testfazit: Mutec REF10 NANO

Clocking wird im HiFi-Bereich als eine der letzten Optimierungsoption der Wiedergabekette angesehen. Im Pro-Sektor ist es dagegen aufgrund der Gerätemenge und Signalvielfalt in komplexen Setups schlichtweg technisch notwendig.

Mutec REF10 NANO mit schwarzer Front, rechts angewinkelt

Tatsächlich ist mit externem Clocking auch im Heimbereich weitaus mehr als nur „ein letztes Quäntchen“ herauszuholen – die Verbesserungen können richtiggehend substantiell sein. Ich möchte behaupten, dass eine gute, stabile Clock mehr bringen kann als jedes Kabel. Deshalb rate ich dazu, externe Clocks einfach mal im eigenen System auszuprobieren – auch wenn sie „nur“ Streamern oder anderen digitalen Zuspielern zugutekommen, die selbst nicht wandeln, kann sich richtig was tun. Üblicherweise liegen die klanglichen Gewinne im merklichen, manchmal gar im überdeutlichen Bereich.

Im Test der Mutec REF10 NANO zeigte sich jedenfalls eine klare Verbesserung der Stereobühne in allen Dimensionen, in den meisten Fällen gab es zudem deutlich „tightere“ Höhen und oft auch knackigere Bässe zu hören. Mutec stellt mit dieser Referenz-Clock ein absolut hochwertiges, in Deutschland gefertigtes Gerät her, ruft dafür aber alles andere als Mondpreise auf. Sollte eines Ihrer Digitalgeräte keinen 10-MHz-Eingang besitzen, sei die Kombi mit dem Mutec MC3+ USB ans Herz gelegt. Eigentlich vermeide ich den Begriff ja gern, doch hier passt er wohl: Die Mutec-Clocks sind „Geheimwaffen“ auf dem Weg der Audio-Systemoptimierung und somit der Suche nach dem perfekten Sound.

Die Rückseite des Mutec REF10 NANO

Fakten:

  • Produkt: Mutec REF10 NANO
  • Kategorie: Master Clock/Referenztaktgenerator (10 MHz) mit OCXO
  • Preis: 1.999 Euro
  • Maße & Gewicht: 196 x 44 x 300 mm (BxHxT, ohne Steckverbinder und Gehäusefüße), 2,07 kg
  • Farbe: Front schwarz oder silber, Body schwarz
  • Anschlüsse: 2 x BNC 50 Ω; 2 x BNC 75 Ω, einzeln aktivierbar
  • Garantie: 2 Jahre
  • Weitere Informationen auf der Webseite des Herstellers

Hersteller:

MUTEC Gesellschaft für Systementwicklung und Komponentenvertrieb mbH
Siekeweg 6/8 | 12309 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 746880-0
E-Mail: contact@mutec-net.com
Web: https://www.mutec-net.com

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Test: Mutec REF10 NANO | Masterclock

  1. 1 Nanotechnik
  2. 2 Mutec REF10 NANO im Hörtest
  3. 3 Testfazit: Mutec REF10 NANO

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: Thorens TD-316 MkII mit Nagaoka MP-110

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Lavry DA-11, Merging Technologies HAPI (AD/DA-Wandler) CD-Player: Rega Apollo

Vollverstärker: Rega Mira

Endstufen: Abacus Electronics 60-120D Dolifet

Lautsprecher: Harbeth Super HL5 Plus XD, Genelec 8010A, JBL Control 1C, Piega TMicro 5, Vogel Custom Blue, Vogel Custom White

Kopfhörer: Stax SRS-2170, Focal Celestee, AKG K240DF, Beyerdynamic DT150, Beyerdynamic Custom One, Beyerdynamic Free Byrd, Sony MD-7506, KOSS Porta Pro

Kopfhörerverstärker: integrierte Lösungen im Lavry DA-11, Merging Technologies HAPI, Harrison-Mischpult

Mobiles HiFi: iFi iDSD nano

All-In-One: Arcam Solo Mini DAB+

Kabel: Lautsprecherkabel: Oehlbach Ultrastream NF-Kabel: Vovox Link, Vovox Sonorus

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 51 m² und 12 m² Höhe: 2,3 m und 2,1-2,6 m

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