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Jawil Audio Asgard: Mitten, Dynamik – Testbericht fairaudio

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  1. 3 Jawil Audio Asgard: Mitten, Dynamik - Testbericht fairaudio

Wo Licht ist, ist üblicherweise auch Schatten. Hat der Asgard echte Schattenseiten? Nein, das würde ich nicht sagen. Was er hat, das ist Charakter. Er ist keine eierlegende Wollmilchsau und er wird vermutlich auch nicht jedem Geschmack gerecht.

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Warum? Kontrastieren wir ihn doch zur näheren Einordnung mal mit meinem Arbeitsgerät, der Abacus-Ampollo-Endstufe. Ein paar Parallelen gibt es ja zwischen Abacus Electronics und Jawil Audio: Bei beiden Herstellern handelt es sich um inhabergeführte Manufakturunternehmen, die einen Großteil der Fertigung am Heimatstandort durchführen. Beide haben sich besondere Gedanken um ihr Verstärkerkonzept gemacht und nicht einfach – man verzeihe die saloppe Darstellung – eine Standardschaltung zusammengeklötert und schick verpackt. Der Abacus Ampollo kostet allerdings mit 2.900 Euro gut die Hälfte mehr als der Asgard (1.800 Euro) – und er hat als regelbare Endstufe auch nur einen Hochpegeleingang, insofern ist der Vergleich nicht ganz gerecht. Sei’s drum. Es geht ja auch eher um eine Charakterbeschreibung und nicht eine Olympiade.

Der Ampollo – und das ist der augenfälligste Unterschied – hat zuallererst einmal deutlich mehr Leistung. Genau genommen fünf Mal so viel: 2 x 210 Watt an 4 Ohm. Und er spielt gerade im Hochtonbereich eben doch einen Zacken frischer auf als der Asgard. Beides zusammen führt bei einem direkten A/B-Vergleich dazu, dass der Ampollo einen gewissermaßen mehr anspringt, vor allem, wenn es in höhere Lautstärkegefilde geht. Doch was das Tonale angeht, kann der Asgard in den bereits erwähnten Mitten durchaus einen fetten Punkt machen.

bapKürzlich stolperte ich über einen seit Ewigkeiten nicht angerührten Tonträger, nämlich die CD „Zwesche Salzjebäck un Bier“ der Pseudokölschrockband BAP. Ich mochte diese Band nie wirklich, aber die beiden Lieder „Bahnhofskino“ und „Sendeschluss“ haben es mir angetan. Gerade Letzteres ist schlicht und einfach so todtraurig, dass es schon ein Herz aus Stein erfordert, hier nicht eine Zähre zu vergießen. Und nicht zuletzt ist das ganze Album saugut produziert.

„Sendeschluss“ basiert auf einem Kontrast zwischen klassischer Konzertgitarre und einem satt-prallen, streicherbetonten Orchestersatz. Und auch wenn der Ampollo dieses Orchester räumlich noch einen Zacken besser in der Tiefe staffelt und die Obertöne der Gitarre noch etwas lichter, heller wiedergibt – so hat mich der Song doch zugleich auch über den Asgard emotional mehr berührt.

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Woran es lag, kann ich nur mutmaßen – waren es die fließender wirkenden Streicher, war es die differenzierte, detaillierte Wiedergabe der Konzertgitarre? Schwer zu sagen. Bei kleinen und mittleren Lautstärken klingen Ampollo und Asgard tonal gar nicht so unähnlich; der Asgard legt nur den Fokus – die Detaillupe gewissermaßen – eher auf die Mitten, während der Ampollo linealglatt durchzuzeichnen scheint und obenrum eine Schippe mehr drauflegt als der Asgard. Dynamisch sind beide Amps schwer auf Zack. Und in Sachen Bühnenabbildung zeichnet der Asgard breiter, der Ampollo ein Stück tiefer. Sie sehen, ich verkneife mir eine Wertung. Muss ja auch nicht sein!

Test: Jawil Audio Asgard | Vollverstärker

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