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Klang: Vollverstärker Jawil Asgard

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  1. 2 Klang: Vollverstärker Jawil Asgard

jawil asgard

Verstärker eingeschaltet – „plopp.“ Ja, bei Jawil will man offenbar wirklich nichts Überflüssiges im Signalweg haben. Auch der Verzicht auf eine Einschaltgeräuschunterdrückung, so versichert Jörn Jansen schriftlich, sei bewusst gewählt. Ähnlich ist es beim Ausschalten: Der Asgard „dieselt“ beim Anliegen eines Musiksignals auch noch so lange nach, bis die Ladekondensatoren leergeorgelt sind. Wen stört’s? Mich nicht. Denn der Asgard ist ein ganz feines Gerät, das klanglich sehr geschickt zwischen Röhren- und Transistorsound balanciert – oder dem, was man dafür hält.

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„Röhren klingen warm, Transistoren haben ordentlich Wums“ – das sind die gängigen Klischees. Klischees, die heute so eigentlich nicht mehr gelten, denn entscheidend beim Klang eines Verstärkers sind nicht nur die eingesetzten Bauteile, sondern auch das Schaltungskonzept und das sonstige „Drumherum“. Trotzdem steckt in diesem Klischee auch ein Fünkchen Wahrheit, das sich aus der historischen Erfahrung speist. Ein jeder würde konzedieren, dass eine klassische, leistungsschwache Triodenschaltung ein differenziert-farbiges Mittenband mit milder Hochtonabstimmung, dezentem Tiefbass und durchaus breiter Raumabbildung produziert, während ein klares Transistorkonzept in der Regel tonal eher unauffälliger und dafür mit mehr Schubkraft ausgestattet ist.

jimmay eat worldDer Asgard läuft genau auf der Grenze zwischen beiden Welten – oder Klischees – entlang. Zu Beginn gab es erst mal etwas härtere Kost, und zwar den Song „Shame“ von Jimmy Eat World (Album: „Futures“). Im Intro extrem wuchtige Drums mit sehr viel Raumhall, später in der Strophe ein wenig Gitarrenarbeit – und im Refrain ab 01’55“ wird, wenn auch in Zeitlupe, auf jedes Instrument geknüppelt, das nicht schnell genug auf den Baum hüpfen konnte.

Nun wirkt der Asgard – vielleicht auch durch seinen grazilen Schriftzug auf der Frontplatte – optisch und angesichts der angegebenen Verstärkerleistung nicht gerade wie ein Muskelprotz. Doch wie er die geradezu Arschtritt-artigen Bassdrums in den Raum schleudert und auch heftige Laut-Leise-(Strophe-Refrain)-Wechsel geradezu schulterzuckend-ungerührt mitmacht, das hat mich dann doch überrascht.

Verbunden ist dies mit einer ganz ganz leichten Zurückhaltung in den „höchsten Tönen“. Der Song „Shame“ kann auf manchen Verstärkern fast ein wenig weh tun, weil die massiv geprügelten Crashbecken im Refrain mit einem Höchstmaß an Gezischel aufwarten. Über den Asgard ist all dies bestens zu ertragen, er baut seinen Sound aus den Mitten heraus auf, langt ordentlich weit und flink nach unten – während er oben herum eher bronzefarben als gleißend zeichnet.

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Aller guten Dinge sind drei: Der Asgard ist ein Tripod

Einen sehr ähnlichen Eindruck hatte ich auch bei Maximo Parks Song „Karaoke Plays“ vom Album „Our Earthly Pleasures“: Den Anfang bildet ein sehr leicht angezerrtes Gitarrenriff, das tonal in den tiefen Mitten angesiedelt ist. Es folgt der typische Maximo-Park-Songaufbau: Sich peu à peu steigernde Strophe mit Mündung in einen hymnischen Refrain. Auch hier zeigt der Asgard wieder ein sehr schönes Zusammenspiel zwischen Tonalität und maximo parkDynamik: Die Gitarren authentisch mit viel Detailinformationen (Wie werden die Saiten angeschlagen? Wie stark „klirrt“ der offenbar per Mikrofon abgenommene Gitarrenverstärker? Wie klingen die Töne aus? Wo schnarrt die Saite am Bundsteg? etc.), untenrum ordentlich Druck und Tempo, obenrum eine angenehme Milde und Wärme, was gerade beim krachigen Refrain sehr entspannend wirkt. Wenn Sie das lesen und denken: „Hä, Entspannung beim krachigen Refrain? Das SOLL doch kacheln“ – dann kann man dieser Meinung sein. Mir gefiel’s komischerweise trotzdem. Oder gerade deswegen. Der Asgard bietet zwar keinen gefühlt schnurgeraden Frequenzverlauf, aber ich vermisse trotzdem nix – es ist alles da, es wird nur nicht mit gleißendem Licht ausgeleuchtet.

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Antonin Dvoraks „Symphonie aus der neuen Welt“ war ein Heimspiel für den Asgard. Er ist ganz in der sinfonischen Dichtung zuhause – das merkt man insbesondere daran, wie er ein Orchester tonal auffächert. Hier erinnert er mich klanglich tatsächlich sehr an ein Triodenkonzept, mit einer stupenden Detailauflösung und Feinzeichnung in den Mitten, einer eher breiten (und gut sortierten) als tiefen Klangbühne. Aber, aber, aber: Bei Dvorak geht’s zwischendurch auch mal ordentlich zur Sache, mit Kesselpauken und allerlei Gerassel und Gebimmel. Das ist für gewöhnlich die Stelle, wo sich eine klassische 6-Watt-Triode mit einem bedauernden Lächeln und einer Verbeugung ins Séparée zurückzieht. Der Asgard hingegen langt ordentlich zu und schmettert einmal mehr mit Leichtigkeit auch größeres Orchester in die Wohnstube. Gefällt mir.

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Test: Jawil Audio Asgard | Vollverstärker

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