Demnächst im Test:

Billboard
Dan Clark Aeon 2

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Sachliche Schnuckelchen
  2. 2 Definitive Technology Demand D7: Klangtest & Vergleiche

Die kleinen, passiven Regallautsprecher Definitive Technology Demand D7 (599 Euro) besitzen ein interessantes Äußeres. Besonders auffällig: Die beiden Treiber sind mit akustisch relevanten „Vorbauten“ versehen. Definitive Technology wurde 1990 im US-amerikanischen Maryland gegründet, ist aber heute in der Nähe von San Diego, Kalifornien, zuhause und Teil der DEI Holdings, der auch beispielsweise B&W, Marantz und Denon angehören. Def Tech (https://de.definitivetechnology.com) bietet Speaker nicht nur für HiFi und Home Cinema in verschiedensten Größen und Konfigurationen an, sondern auch Außenbereichslautsprecher. Die Herstellung der Demand-7-Lautsprecher erfolgt in China.

Aus der Definitive-Technology-Demand-Serie habe ich die Schnuckelchen erhalten: Neben den D7 gibt es nämlich noch die D9 und die D11, die selbstredend etwas größer sind, tiefere Frequenzen wiedergeben, lauter spielen und teurer sind. Wie immer, wenn es Serien von Lautsprechern gibt. D9 und D11 nutzen Passivmembranlautsprecher, die D7 hingegen setzen auf ein klassisches Portgehäuse. Die Definitive Technology Demand 7 sind mit 24,8 cm Höhe, 14 cm Breite und 22,25 cm Tiefe geradezu “handlich”. Mit einem Gewicht von 2,9 kg pro Stück sind sie zudem alles andere als Rückenbrecher. Das in schwarzem oder weißem Glanzlack gehaltene Gehäuse besteht aus MDF, die Front ist ganzflächig mit Aluminium verblendet. Wem schon zwei Treiber zu viel optische Unruhe oder sichtbare Technik sind, der wird sich über die mitgelieferte vollflächige Bespannung freuen.

Definitive Technology Demand D7 - oberer Bereich der Schallwand

Die Schallwand der Definitive Technology Demand D7 ist mit Aluminium verblendet – in dieser Preisklasse eher eine Seltenheit

Die asymmetrische Bestückungen mit Chassis ist bei Lautsprechern keine Seltenheit, sondern durchaus akustisch sinnvoll. Dadurch wird verhindert, dass sich aufgrund gleicher Abstände zu den Seiten bestimmte Frequenzen durch die Kantenbeugung weiter verstärken. Im Gegenzug erlaubt dies offenkundig, dass die Front der Demand-D7-Speaker mit harten Gehäusekanten daherkommt statt mit abgerundeten.

Ich bin eigentlich alles andere als ein Symmetrie- oder Ordnungsfanatiker. Gleichwohl bekomme ich ein leichtes Zwacken im Oberstübchen, wenn Lautsprecherpaare nicht symmetrisch sind, und sei es, dass die seitlich versetzten Bassreflexöffnungen bei beiden Speakern identisch positioniert sind oder – wie bei den D7 der Fall – das in die Frontplatte geravierte „D“ jeweils in der gleichen, nicht spiegelsymmetrischen Ecke steht. (Schreibt’s und legt sich eine Platte in Sechzigerjahre-Knüppelstereofonie auf, bei der das komplette Schlagzeug nur auf dem rechten Kanal stattfindet…).

Definitive Technology Demand D7 - Gravur auf der Schallwand

Die Höhen werden von einem Aluminiummembran-Kalottenhochtöner mit einem Zoll (2,5 cm) Durchmesser wiedergegeben. Das Membranmaterial besteht aus gehärtetem Aluminium mit keramischer Oxidoberfläche. Der Treiber hockt etwas tiefer in einem Waveguide, über ihm ist eine kleine Brille montiert. Diese „Wave Alignment Lens“ dient der akustischen Diffusion, möglicherweise auch der Resonanzsteuerung und fungiert nebenbei auch als „Eindrückschutz“. Wer Kinder hat, der weiß, was damit gemeint ist.

Schallleitung scheint in großes Thema bei Definitive Technology zu sein, denn auch der langhubige 4,5-Zoll-(11,5 cm)-Tiefmitteltöner fällt durch ein akustisch wirksames Gebilde auf, welches die Dispersion fördert. Ein zu einem üppigen Pilz ausgewachsener Phase Plug steht aus dem Zentrum des Treibers bis zum Niveau der äußeren Sicke hervor. Der äußeren? Genau: Innen, wo sich bei vielen Systemen im Zentrum die Staubschutzkappe anschließt, ist die Polypropylenmembran mit einer weiteren wulstigen Sicke verbunden. Dieses System ist von Definitive Technology BDSS getauft worden. Die Abkürzung steht für „Balanced Double Surround System“. Dem Treiber soll das zu einem länger linearen und somit verzerrungsarmen Weg verhelfen. Das erklärt auch, weshalb sich die beiden Sicken in Material, Form und Dimensionierung gleichen.

Definitive Technology Demand D7 - Tiefmitteltöner

Der Tiefmitteltöner der Definitive Technology D7 weist um den pilzförmigen Phaseplug eine zweite Sicke auf

Weil der Bassport rückseitig montiert ist, sollte man die Bezeichnung „Regallautsprecher“ nicht in jeder Konsequenz wörtlich nehmen. Ein wenig Platz zur Rückwand sollte bei dieser Bauart immer sein, auch seitlich oder darüber sollte es genug Luft geben. Wer mag, kann eine Wandmontage vornehmen. Unter den kleinen Punkten unterhalb der Bassreflexöffnungen befinden sich Innengewinde mit 3/8”. Komplettiert wird die Rückseite der Definitive Technology Demand D7 durch ein einfaches Terminal mit Single-Wiring-Anschluss, Bi-Amping unter Umgehung der eingebauten Weiche ist also nicht möglich.

Definitive Technology Demand D7 - Rückseite komplett

Die Rückseite der Definitive Technology Demand D7 mit Bassreflexöffnung und Single-Wiring-Terminal

Definitive Technology Demand D7: Klangtest & Vergleiche

Den Entwicklern der Demand 7 war offenbar nicht zuletzt eine gute Bühnendarstellung wichtig. Also ist mein Griff der zu einer geeigneten Klassik-CD. Giacinto Scelsi darf mit seinen Quattro Pezzi per Orchestra die vier Membranen des D7-Pärchens auslenken. Das geschieht mit einer Aufnahme, die unter der Leitung von Hans Zender vom Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken aufgenommen wurde und im Jahr 1998 auf cpo erschien. Ich wähle eine freie Aufstellung mit etwa einem halben Meter Wandabstand und einer Basis von knapp zwei Metern – und höre auch aus dieser Entfernung. Es zeigt sich ein perfekt neutrales Bühnenbild. Damit meine ich: Signale stapeln sich nicht auf linker oder rechter Box oder fallen aus halblinker und halbrechter Position in die Mitte, sondern sind gemäß der Aufnahme in ihren Winkeln arrangiert. Die mittig positionierten Signale springen mir nicht entgegen, sondern wölben sich nur leicht nach vorne. Gemeinsam mit der erstaunlichen Darstellung der akustischen Bühnentiefe ergibt sich ein wundervoll plastisches Bild. Wirklich: Ich bin begeistert! Dazu trägt auch bei, dass Reflexionen des originalen Aufnahmeraums (oder, je nach Produktion: der artifiziellen Reflexionen) schön detailliert gezeichnet werden. Dabei “nervt” das Demand-7-Pärchen aber nicht mit anstrengenden Konturen und Kanten.

Clubbing mit den Definitive Technologies D7

Definitive Technology Demand D7 - Phaseplug des Bass-Mittel-Töners

Gehen wir mal in aller Ruhe von unten nach oben im Spektrum: Logo, ein kleinvolumiges Gehäuse wie das der Definitive Technologies Demand D7 wird selbst unter Nutzung des Bassreflexprinzips keine sehr tiefen Signale mit hohen Pegeln wiedergeben können. Und selbstredend wird es auch Def Tech nicht gelungen sein, die Gesetzmäßigkeiten der Physik auf Links zu drehen. Aber: Das sorgsam und sinnvoll abgestimmte Zusammenspiel aus Treiber und Reflexgehäuse sorgt dafür, dass eben kein dröhniges Boombox-Feeling aufkommt, sondern die tiefen Register der Musik nüchtern und unaufgeregt wiedergegeben werden. Der Basspegel ist für eine Kleinbox nicht künstlich hochgezüchtet. Trotz weit herausspringender und tief wieder eintauchender Membran des Tiefmitteltöners bleibt das Signal verblüffend konkret, wenngleich die Erkennbarkeit der Tonhöhe im Bass gerne noch ein wenig höher sein dürfte. Die Scelsi-Stücke mit ihrer Mikrotonalität stellen diesbezüglich auch sehr hohe Ansprüche.

Bei sehr tiefen Signalen mit anteilig hohem Pegel sollte darauf geachtet werden, der Def Tech Demand 7 nicht über die Maße Lautstärke abzuverlangen. Bei mancher Clubmusik mit viel Energie zwischen 30 und 60 Hz überschlägt sich das System dann, wird indifferent und verliert Fundament. So hat mich meine Big-Beat-Euphorie beim Hören von „Galvanize“ der Chemical Brothers (Album: Push the Button) dann doch zu sehr geritten, spätestens beim Build-up des Songs im letzten Drittel hatte ich etwas zu viel Momentum am Pegelregler und wohl zu viel Schaum vor dem Mund.

Definitive Technology Demand D7 ohne Abdeckungen

Das ist dann ein „Anwenderfehler“, solch kleinen Lautsprechern kann man da keine Schuld in die Schuhe schieben, zumal sie sich für eine souveräne Wiedergabe in leicht gehobener Lautstärke schon eignen. Die etwas größeren und dreimal so teuren (1.599 Euro) Passivmembranspeaker GoldenEar Technology BXR konnten Bässe konkreter, trockener und mit höherem Pegel wiedergeben, aber das ist sicher auch keine Überraschung. Die preiswerteren und etwas größeren Aktivboxen Tannoy Gold 5 (400 Euro) liefen den Demand 7 – sofern mit angemessenen Verstärkern gefahren, in meinem Fall Abacus 60-120D Dolifet und Rega Mira 3 – beim Bass in den meisten Punkten hingegen etwas hinterher.

Es zeigt sich: Für Clubmusik sind die Definitive Technology Demand D7 schon ein wenig zu klein und lassen den Tiefgang vermissen, der tatsächlich alle wichtigen musikalischen Bestandteile erfassen würde. Gleichwohl tricksen die Def Tech nicht, sondern spielen mit für ihre Preisklasse sehr ordentlicher Trocken- und Ausgewogenheit.

Ausgeglichen: die Mittenwiedergabe der Def Tech D7

Bert Jansch Rosemary LaneDer kleine Basstreiber hat darüber hinaus die Mittenwiedergabe zu bewerkstelligen. Definitive Technologies zwingt seinen Demand 7 auch hier keine klangliche Form auf, sondern unterstreicht abermals, dass man beim Design auf Neutralität bedacht war. So spielen auch die Mitten unaufgeregt. Bert Janschs Stimme im kurzen „A Dream, A Dream, A Dream“ (auf: Rosemary Lane; auf Amazon anhören) knarzt auf vielen Speakern schnell, wenn gewisse Formantbereiche und tonhöhenunabhängige Geräuschanteile im Signal der Stimme zu prominent geraten. Über die Def Tech D7 klingt Jansch aber schön ausgeglichen.

Es zeigt sich weiters, dass der lange, lineare Hub des Treibers nicht nur auf dem Papier steht: Die Mitten dicken nicht an und liefern zusätzliche Harmonische, sondern bleiben genau in der Mitte zwischen polar knisternder Kälte und warmer Behaglichkeit. Das kommt auch den prägnanten Blechbläsern in den Scelsi-Stücken zugute. Für meinen Geschmack dürften zum Genusshören lediglich die Tiefmitten etwas fleischiger sein. Grundtöne von Violen, tiefem Holz und Blech, das „Pfund“ hinter mancher Snaredrum könnten etwas stringenter und selbstbewusster anmuten. Das ist nach meinem Dafürhalten ein winziges Stück zu analytisch, ich traue mich fast kaum, das angesichts des Preises der Definitive Technology Demand 7 auch so zu äußern.

Definitive Technology Demand D7 in Weiß

Die Definitive Technology Demand D7 gibt es auch in Hochglanz-Weiß

Das Auflösungsvermögen in den Mitten ist bei der passiven Quadral Galan 9 (2000 Euro) etwas höher ausgeprägt als bei den Definitive Technology, insofern kann ich der D7 bestätigen, für ihre Preisklasse eine in dieser Sache mehr als vernünftige Leistung abzuliefern.

Unaufdringlich: der Hochton der Definitive Technologies Demand D7

Definitive Technology Demand D7 - Hochtonkalotte

Die 1-Zoll-Aluminiumkalotte der Definitive Technology Demand D7

Von der Optik oder auch Materialien auf den Klang schließen zu wollen, das kann manchmal schiefgehen. „Metall = hart“ geht in Bezug auf den Hochtöner der Definitive Technology Demand 7 in klanglicher Hinsicht jedenfalls nicht auf. Die Kalotte spielt weder kalt, glasig, übertrieben crisp oder gar kratzig, sondern fein, unaufdringlich und leichtfüßig. Die Wiedergabe von Obertönen und Rauminformationen in den Höhen erfolgt feinfühlig und unangestrengt. Es verfärbt und schmiert nicht, was umso stärker auffällt, je höher die Wiedergabefrequenz ist. Das bedeutet umgekehrt: Dort, wo sich die beiden Treiber bei der Wiedergabe überlappen, ist diese Qualität geringer ausgeprägt, die Wiedergabe verliert etwas von ihrer Mühelosigkeit. Diesen Umstand beobachte ich aber bei vielen Zweiwegesystemen auch höherer Preisklassen.

Orchestrale Musik wie das zweite der vier Quattro Pezzi gewinnt durch die Abstimmung. Moderne, bis zum Anschlag um Aufmerksamkeit buhlende Popmusik tut es ebenfalls gut, dass die Def Tech D7 nicht so sehr Zähne zeigen. Die akustisch unauffällige Frontbespannung ist meines Erachtens nach ein minimaler klanglicher Rückschritt, was die Hochtonauflösung angeht. Ebenfalls mit Metallkalotten ausgestattet sind noch kleinere Speaker in meinem Arsenal, die winzigen aktiven Genelec 8010A (600 Euro). Das Qualitätsniveau der ungleichen Pärchen ist in den Höhen annähernd gleich, allerdings haben die Genelecs bezüglich der Klarheit der unteren und die Definitive Technology bezüglich der Auflösung im Luftbereich minimal die Nase vorn.

Definitive Technology Demand D7 mit Frontabdeckungen

Die Definitive Technology Demand D7 mit aufgesetzten Frontabdeckungen

Die Definitive Technology Demand 7 sind Lautsprecher, die dem Musikgenuss zuträglich sind und keine technischen Analyseinstrumente. Gleichwohl entsteht im Zusammenhang mit der hervorragend homogenen Bühne eine griffige Ausarbeitung von Signalen. Daran dürfte auch die tadellose Feindynamik einen großen Anteil haben. In den Hochmitten geraten sehr kurze Impulse – namentlich t- und s-Laute der Stimme und manche Anteile von Anschlaggeräuschen einiger Instrumente (etwa mit Plektrum gespielte Akustikgitarre, Klavierhämmer) – dabei weniger zackig als in anderen Bereichen des Spektrums. So oder so lässt sich festhalten: Feindynamik und Detaildarstellung sind bei den D7 generell gut ausgeprägt, aber nicht charakterbestimmend.

Winkeln oder nicht winkeln

Definitive Technology Demand D7: Schallwand und Seite

Die Rechnung, mit schallharten Materialien vor den Lautsprechertreibern die Streuung zu steuern, geht voll auf. Freilich tritt eine mit dem Abhörwinkel zunehmende Höhendämpfung ein, doch, und das ist er springende Punkt, geschieht dies ohne merkliche Überhöhungen oder Einbrüche im Frequenzgang. Dadurch, dass der Tiefmittentöner auch noch recht hohe Frequenzen (also mit geringen Wellenlängen) wiederzugeben hat, ist die Pilzkonstruktion in seinem Zentrum akustisch offenbar durchaus relevant. Auch die Mitten werden demnach fein diffundiert, wodurch es im Bereich vor der Box keinen „schlechten Winkel“ gibt. Diese Eigenschaften erlauben es, die Abstimmung von Frische und Zurückhaltung selbst vorzunehmen – durch den Grad des Einwinkelns auf die Ohren. Ich war aber mit parallel zueinander ausgerichteten Frontplatten sehr zufrieden. Vermeiden sollte man tatsächlich allzu wandnahe Aufstellung, bei der Baugröße der Demand 7 sollte dies aber kein Problem darstellen: Bei zehn oder gar fünf Zentimetern nimmt die Basswiedergabe zu, wird dann allerdings schwammig.

Billboard
My Sound

Test: Definitive Technology Demand D7 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Sachliche Schnuckelchen
  2. 2 Definitive Technology Demand D7: Klangtest & Vergleiche

Das könnte Sie interessieren: