
Test: Canton Vento 21 | Kompaktlautsprecher
Die jungen Wilden?
von Andreas Guenther
Im Test: Canton Vento 21 - Kompaktlautsprecher
UVP zum Testzeitpunkt: 1.600 Euro
Wie im Restaurant. Dort kommt spätestens zur Süßspeise der Moment, in dem man denkt: Das Auge isst mit. Klingen die neuen Vento-Lautsprecher von Canton besser als die nunmehr alten? Nur weil die Neuen eben schöner angerichtet wurden. Das eindeutig bessere Design, da schleicht sich womöglich Wunschdenken ein. Die Kernfrage für uns beim Test der kleinen Vento 21 (https://www.canton.de/): Beißt man als verwöhnter Hörer auch akustisch an?
Blick zurück: Am besten schnell nach den nunmehr aus dem Verkehr gezogenen Vento-Lautsprechern der Vorgängergeneration googeln oder – noch besser – unseren Test der Canton Vento 100 lesen. Die sind kantiger, und die Chassis schimmern in hellem Silberglanz. Verglichen mit der neuen Vento-Serie: Etwas mehr Hausmannkost.

Junge Männer am alten Ort
Wir hatten eine Einladung. Canton stellte vor ausgewählten Journalisten Ende April seine neuen Ventos vor, lesen Sie gerne unseren Eventbericht. Da wunderte man sich über den Ruck in der Formgebung. Setzt der jugendlich wirkende CEO auf eine neue Zielgruppe? Christoph Kraus ist schlau genug, es sich nicht durch modisches Beiwerk mit der angestammten Fanbasis zu verderben. Und: So dramatisch sind die Änderungen in der Ästhetik nun auch nicht. Es liegt an Jannik Franzen. Das ist ebenfalls ein junger Mann, der Canton als Industriedesigner zur Seite steht. Er hat auch die großen Reference Alpha geformt – und dem „Box“-Gedanken die Ecken ausgetrieben. Alles fließt. Oder weht – Vento, der Wind. Sanfter, aber nicht anbiedernd.
Frank Göbl ist als Chefentwickler die konzeptionelle Macht im Taunus. Aber kein Gegenspieler zu Jannik Franzen. Bei der Erstpräsentation stellte Göbl ein neues Element aus gemeinschaftlicher Arbeit vor. Es ist exemplarisch – der Waveguide vor dem Hochtöner. Den gab es bei den älteren Modellen auch. Aber nun wird die Rundung in eine übergeordnete Formsprache integriert. Oder weniger kryptisch: Eine Kalotte ist rund, ein Waveguide ebenfalls – doch in der neuen Vento-Serie geht das Runde in das Eckige über.

Franzen und Göbl ziehen die Rundung vor der Kalotte zum Viereck auf. Mit einem optischen Trick: Der dezente Hornvorsatz bleibt rund, wirkt aber mit einem Rahmen drumherum fast quadratisch. Die Feinheiten liegen im Dialog mit dem Gesamtdesign. Denn die Rundungen des Rahmens haben den gleichen Grad wie die Ecken des Gehäuses oben und unten. Nimmt man nicht offensichtlich wahr, aber ein feines Momentum für das Unterbewusste. Konsequent in diesem Konzept: Die gleichen Radien verpasst Canton auch den Ecken der Frontbespannung.
Ästhetik und Akustik
Kurz hinter die Spielregeln des Marktes geschaut: Ein Lautsprecher-Gehäuse mit Ecken und Kanten ist nicht nur Geschmacksache – es lässt sich auch kostengünstiger herstellen. Versteht jeder: Wer schleifen und biegen will, muss den Schreiner extra bezahlen. „Wohnraumaffin“ klingt für High-End-Verfechter kritisch, aber jede gerundete Gesamtform bringt auch mehr Stabilität und kann Reflektionen (LINK) günstig beeinflussen – die geschliffenen Kanten optimieren das Abstrahlverhalten. Frank Göbl lässt die Vento-Gehäuse aus zwei Materialien aufbauen – dem klassisch-günstigen MDF, aber auch mit teureren Schichtebenen. Die werden tatsächlich gebogen. Wie die Kaffeehausstühle von Thonet.

Bei den Vento-Standboxen packt Göbl die Frequenzweiche auf zwei Platinen, der Bassreflexkanal strahlt zum Boden – Downfiring. Bei den Kompakten 21 liegt die Weiche als Einzelstück recht zentral an der Verstrebung hinter dem Tief/Mitteltöner, die Bassreflexenergie pustet klassisch nach hinten. Bei den drei großen Vento-Boxen reckt sich den Lautsprecherkabeln ein Bi-Wiring-Terminal entgegen, die Zweiwegler sind auf Single-Wiring reduziert.
Zu schade fürs Regal
Das sind alles auch Zeichen dafür, dass Canton seine Kundschaft kennt. Das sind zwar keine Sparfüchse, aber eben sensibel, wenn es um bloß kostentreibende Show gehen würde. Da spielt unser Testexemplar auf Linie. Die Vento 21 hat Canton in den Kernpunkten wie die komplette Vento-Neuinterpretation in das Jahr 2026 gehoben – aber es bleibt ein sachdienlicher Zweiwegemonitor aus deutschen Landen.


Gleich der erste Tipp: Die Vento 21 ist nur nominell ein Regallautsprecher, sie klingt, agiert und lebt besser auf Ständern. Canton schuf auch die Stands neu – für 538 Euro das Paar. Wir haben sie mitgeordert. Der Aufbau ist das berühmte Kinderspiel, kein Ikea-Stress. Ein Kreuzschraubenzieher und zehn Minuten Zeit genügen. Schraube ich die Spikes an? Klares „Ja“ von meiner Seite – die Kegel sind abgerundet, da wird kein Parkett verkratzt. Auch kann ich die Lautsprecher auf die Topplatte schrauben, über eingelassene Metallbuchsen. Klanglich nicht obligatorisch, aber bei tobenden Kindern, Haustieren, Putzkräften bringt das mehr Nervenruhe ins Alltagsleben.
Mit oder ohne Frontbespannung?
Canton liefert die kleinste unter den Vento-Modellen nur in schwarzem Hochglanz oder mattem Weiß. Beim Ständer existiert noch eine Zwischenoption: schwarz, mattiert. Die Frontbespannung gibt es bei allen Modellen einzig in Schwarz, sie hält magnetisch. Der Chefentwickler Frank Göbl – hat er mit oder ohne Fronttextil gehört? Natürlich ohne. So auch wir – das Thema bedient Canton mit dem Halbsatz einer „akustisch neutralen Stoffabdeckung“. Ich höre den Unterschied dennoch, also eher weg damit. Dabei kein Grund zur Angst: Vor der sensiblen Hochtonkalotte liegt ja noch ein Schutzgitter.

Zwillinge, bei 3.000 Hertz getrennt
Die Membranen und Chassis – kauft ein Hersteller vom Kaliber Canton natürlich nicht an, sondern fertigt selbst. In seinem Werk in Tschechien, zwischen Karlsbad und Prag. Per LKW kommen die Treiber nach Weilrod. Dort findet die Hochzeit mit den Gehäusen statt. Der Hochtöner der teureren Reference-Modelle fungiert nicht nur als Ideengeber, sondern ist faktisch identisch mit den Hochtönern der neuen Ventos; Ausnahme ist die noch bessere Kalotte der Reference-GS-Modelle mit diamantähnlicher Kohlenstoffbeschichtung (DLC). Wir haben Chefentwickler Frank Göbl gefragt, was denn in der Tiefe die Veränderungen bei den Aluminium-Folienkalotten der Vento-Serie mit ihren schwarzen Keramikoberflächen sind. Die Folie erhält per Oxidationsverfahren eine Aluminiumoxidschicht – und das computerberechnet und partiell. Der Gewinn gegenüber der Vorgängerversion liege in einer höheren Steifigkeit, siebenmal so hoch sei sie, sagt Göbl.

Beim ganz nahen Betrachten sieht man auch einen Plug im Zentrum des Frontgitters. Canton nennt es eine „Schalllinse“. Sie erfüllt einen mehrfachen Job. Sie ist Mittel zur Laufzeitkorrektur, zur definierten Bündelung – vor allem aber agiert hier eine Break-Up-Bedämpfung über Luftkissen. In den harten technischen Daten: Die Linse evoziert eine Frequenzgangkorrektur und pusht den Wirkungsgrad mit bis zu vier Dezibel.
Der ebenfalls neue Tief-Mittel-Töner erscheint einem durch die mehrfach gefaltete Sicke zunächst bekannt. Aber auch hier schwingt ein neues Membranmaterial – „Aluminium Titan Black“. Bei der 15,4 Zentimeter durchmessenden Membran geht es nicht um Oxidation, sondern um Eloxierung. Mit gleicher Zielvorgabe. Wieder gibt es einen Zugewinn in der Steifigkeit im Vergleich zur Vorgängerserie plus eine vergrößerte Oberfläche. Bei 3.000 Hertz trennen Konus und Kalotte ihre Arbeitsgebiete.

In Summe hat Canton das gesammelte Wissen der Vorgängerserie mit einem überarbeiteten Materialmix kombiniert. Schwarz ist gewissermaßen das Erkennungszeichen.
Sinn vor Opulenz
Wer 1.600 Euro für zwei Kompaktboxen ausgibt, wird keine Extremsummen für die Kraftelektronik ausgeben wollen. Ich habe mit einem kleinen Röhrenamp von Cayin experimentiert – nett, aber nicht abendfüllend, der Wirkungsgrad der Vento 21 liegt bei gerade mal 84,3 dB bei 2,83 V/1 m. Die Nennbelastbarkeit ist ein dehnbarer Wert, Canton gibt hier 60 Watt an.

Da hat sich in meinem Kopf ein bewusst kleines Szenario (in Euro wie Kubikzentimetern) für diesen Testlauf geformt: Als Quelle ein MacPro, dahinter ein ADI-2 DAC von RME – eigentlich primär ein Kopfhörer-Verstärker aus dem Studio-Bereich, aber auch mit Vorstufe und XLR-Ausgang (um 650 Euro). Dann ein Kleinkraftwerk von Cambridge Audio: Der MXW70 ist tatsächlich nur ein Halbformat, aber mit 70 Watt an acht Ohm ein formschön verpacktes Hypex-Modul. Idee für die Besserwisser und Aufsteiger: Ich kann den kleinen Briten auch zum Mono-Block brücken, dann mit 250 Watt pro Seite. Passt hier aber als Stereo-Endstufe mit 600 Euro ins Budget – und wie die Canton Vento 21 selbst auch – perfekt in ein eher kleines Hörambiente.
Canton Vento 21: Hörtest und Vergleiche
Strom an die Klemmen, die Playtaste gedrückt – und sofort liefert Canton. Das ist der Markenkern: Ich kenne kaum ein anderes Unternehmen, das so zackig und zielgenau ein Klangbild vor die Membranebene stellt. Es gibt faktisch keine Ausreißer im Canton-Katalog. Durch alle Register hinweg, egal ob in der Referenzklasse oder bei den Einsteigern. Die Vento 21 folgt den Spielregeln. Aber für den Hörtest stehen zwei Fragen an: Wie weit kann man einen kleinen Zweiwegler peinigen? Und nimmt mit der schönen Form Canton auch die Akustik den Weg in die schöne, glatte Ästhetik?
Wenn ich mal groß bin? Plastizität und Stimmenabbildung

Was mich bei Kompaktlautsprechern am meisten stört, ist oftmals etwas Inszeniertes, Anerzogenes – wenn ich groß bin, wäre ich gern ein Rockstar, aber so reicht es nur zu einem Fast-Studiomonitor. Die Mitten klingen dann technisch korrekt, aber womöglich emotional leer. Bei der Canton Vento 21 passiert das Gegenteil. Stings Stimme steht in einem klar abgesteckten Raum – den man ja in der Arte-Dokumentation auch sehen kann.

Jetzt aber: Dies mit einer Wärme, die ich Canton, zumal in der Einstiegsklasse, nicht zugetraut hatte. Stimme und Gitarre bleiben dabei stets sauber getrennt, auch wenn Miller im Hintergrund leise mitsäuselt, nichts verschmilzt zum reinen Wohlfühlklang. Die Aufnahme behält ihre Textur, das Historische (eine Gitarre aus der Zeit Ludwigs XIV.), das Knattern der Saiten – alles da, die neue Wärme geht keinesfalls auf Kosten der Durchzeichnung. Also konkret: Klingt das schon nach britischer BBC-Referenzschule, warm und mittenbetont? Nein, soweit geht es nicht.
Schwarze Membranen und lichte Höhen
Bei „Message in a Bottle“ lässt sich das genauer verfolgen. Da werden von Canton fast Klischees bedient: Das Greifen, das Bling der Gitarrensaiten, das leise Nachschwingen des Raums, da hüstelt jemand im Publikum – die Vento 21 legt das alles offen, seziert aber die Aufnahme nicht.
Andere Lautsprecher erkaufen sich das Erhaschen solcher Details bisweilen mit einer gewissen Kühle, einer analytischen Distanz zum Klanggeschehen. Jetzt Ross und Reiter benennen. Ich kenne das etwa von den teureren Modellen bei Bowers & Wilkins. Da löst sich irgendwann die Luftigkeit des Hochtöner in das Nichts auf – ein Hauch ohne Kontext, ohne Kontakt zu den Mitten. Es zischt zwar nicht, aber die Körperlichkeit erdrückt einen nicht gerade …

Canton erzieht auch der kleinen Vento 21 dieses Offensive an, das ist frisch, prägnant, aus der Membranebene drängend – im Musiktheater würde man einen Heldentenor loben, indem man von seinem „Peng“ in der Stimme schwärmt. Also: Klanglich ändert die schwarze Farbe des Hochtöners wenig. Die bekannte Canton-Präsenz in den Höhen bleibt, unverändert prägnat genug, dass Begriffe wie „seidig“ oder „samtig“ hier fehl am Platz wären. Aber „scharf“ oder „zischelig“ ebenso wenig.
Dominic Millers historische Gitarre liefert den besten Beweis: Wenn die Saiten unter seinen Fingern reiben, wenn da ein feines, fast staubiges Obertonspektrum ausschwingt – dann bleibt das genau das: ein Ausschwingen, kein Anschneiden. Die Canton Vento 21 zeigt Kante, eine klare Interpretation des Höhencharakters – ohne den Effekt der Helligkeit zu betonen. Wie bei Rembrandt in der Szene dahinter: die Lichteffekte sind punktuell perfekt gesetzt. Aber im Vergleich zur Vorgängerserie kontrollierter und nicht zuletzt informationsreicher.
Also, alte und neue Fans – die Canton Vento 21 bleibt nah an dem, was Canton-Hörer seit Jahren schätzen: Eine leicht vorwärtsdrängende, das Gefühl von Direktheit vermittelnde Grundtonalität. Der Feinsinn wächst, das Temperament bleibt.
Bitte akkurat aufstellen

Ein Wermutstropfen: Zunächst wirkt der Bass der Canton Vento 21 auf mich unpräzise, fast wackelig unterhalb von hundert Hertz. Des Rätsels Lösung dauert länger als der eigentliche Aufbau der Boxen – der Winkel zum Hörplatz. Canton hat die Chassis-Architektur bei den neuen Ventos verändert: Der Hochtöner sitzt unterhalb des Tief-/Mitteltöners, der neu konstruierte Waveguide strahlt breiter ab. Wer die Boxen stark auf den Hörplatz einwinkelt, wie man es von der Vorgängerserie gewohnt war, verschenkt Potenzial. Fast parallel zum Rack aufgestellt, wird die Bassanbindung sofort präziser. Danach: Weltklasse-Ortung für diese Preisklasse, mit der alten Canton-Tugend, dem gefühlt schlanken, dafür sportlich-anmachenden Grundcharakter im Bass.
Ziemlich beste Freunde: Hoch- und Mittelton
Eine Perlisten A3M (2.990 Euro, auch körperlich doppelt so groß) spielt tendenziell luftiger, freischwebender oberhalb des Grundtons – wirkungsvoll, aber auch etwas beziehungsloser zum Rest des Klangbilds. Die Vento 21 bindet den Hochtöner „enger“ an den Tief-/Mitteltöner – für diese Preisklasse fast schon überdurchschnittlich stimmig. Kurz vor dem Superlativ: Ich kenne keine andere Box unter 2.000 Euro, die mehr Geschlossenheit bei diesem energetischen Output kombinieren kann.


Zweiwege-Kompaktboxen kapitulieren an dieser Stelle. Die Canton Vento 21 … nicht ganz. Die Staffelung bleibt erhalten, wieder zum Hineingreifen nah. Der trockene Bass liefert dabei die entscheidende Kontur – sehr stabil, keine Einfärbung, trotzdem mit Volumen. Diese Lieferfähigkeit bei hohem Pegel – erstaunlich, erstaunlich.
Auf Energie getaktet: die Feindynamik

Da muss die Canton Vento 21 in der Rubrik Feindynamik liefern. Ich will das Flirrende eines schwingenden Bambusblättchens am Mundstück – nicht nur, dass es da ist, sondern wie es sich verändert: mal ein Hauch kräftiger, mal fast im Nichts verschwindend. Genau hier zeigt die Vento 21 ihre Klasse. Die feinen Lautstärkeschwankungen zwischen einzelnen Anblastönen bleiben unterscheidbar, wieder dieser Moment der Informationsdichte. Selbst der Übergang von einem knapp hörbaren Ton zum nächsten, noch leiseren, bleibt nachvollziehbar – ohne dass die Vento 21 dafür an ihrer Stringenz in Sachen Dynamik überinszeniert. Alles ist da, wenn auch die Tonmeister gute Arbeit geleistet habe.
PREMIUM-HÄNDLER, die Canton führen
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