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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Glanz & Gloria
  2. 2 Canton Vento 100: Klangtest & Vergleiche

112 Kilogramm steht auf einem Zettel auf einer Palette auf dem Bürgersteig, auf der zwei üppig verpackte Canton-Lautsprecher unter Folie liegen. 112 funkt auch meine Wirbelsäule an den Notdienst, als sie das registriert. Mit viel Mühe gelang es meiner Frau und mir, die beiden großen Pakete ins Haus zu wuchten, wobei ich sagen muss: Wir haben beide Rücken, wie Horst Schlemmer es ausdrücken würde. Der Krankenwagen musste nicht kommen, und als die beiden netto je 39,5 Kilo schweren Canton Vento 100 (4.698 Euro | https://www.canton.de/) endlich im Hörraum stehen, stellt sich die Frage: großes Gewicht, große Gefühle, große Klasse? Vorab sei verraten: Meine Ohren fühlten sich bestens verarztet …

Bruttoversandgewicht der Canton Vento 100

Keine Bange: Netto wiegen die Canton Vento 100 jeweils „nur“ 39,5 Kilogramm

Mächtig zeitlos: Physis und Optik der Canton Vento 100

Nein, der Canton Vento 100 ist kein Lautsprecher, den man übersieht, auf dem man Grünpflanzen, Heißgetränke oder Picknickkörbe abstellt, auch wenn genügend Stellfläche zur Verfügung steht. Dafür wirkt er zu mächtig, zu autoritär: „Als Flaggschiff der Serie bin ich zum Musikmachen da, Freundchen, und für nichts anderes!“ Abmessungen von 32,5 x 115,5 x 42 cm (B x H x T) sind schon ein Statement, je fast 40 Kilogramm sowieso. Sie trifft irgendwo die Mitte zwischen typischer Männerbox und wohnzimmerkompatiblem Möbelstück, wobei hier schon ein ordentlicher Brocken aus der Verpackung schlüpft. Immerhin wirkt das Design nur auf den ersten Blick kantig, schnell fällt jedem Betrachter die nach hinten abgerundete, elegant geschnittene Gehäuseform auf, die der Canton Vento 100 ein zeitloses, aber doch modern wirkendes Äußeres verleiht und mittlerweile als ihr Markenzeichen gilt. Schließlich existiert die Vento-Reihe in verschiedenen Inkarnationen bereits seit 2005.

Die Canton Vento 100 gibt‘s in den klassischen Farben „Highgloss Schwarz“ und „Highgloss Weiß“ für je knapp 4.700 Euro pro Paar. Etwas kostspieliger wird es, wenn man die hellere oder dunklere Hochglanz-Nussbaum-Variante bestellt, dann stehen nahezu 5.000 Euro auf dem Preisschild. Mir gefällt die weiße Ausführung des bereits eingespielten Testpärchens sehr gut, die Farbe wirkt zeitgemäß und wohnraumfreundlich.

Die Canton Vento 100 in Schwarz sowie in zwei Nussbaumvarianten

Neben der weißen Testausführung gibt es die Canton Vento 100 noch in Schwarz sowie zwei Nussbaumvarianten (Foto: Canton)

Erwähnenswert im positiven Sinn ist zudem, dass das Auge generell keine sichtbaren Schrauben an der Schallwand der Canton Vento 100 erblickt – davon können sich manche, zum Teil deutlich teurere Mitbewerber gerne mal eine Scheibe abschneiden (das kann man auch anders sehen, siehe unser Hifi-Tuning-Artikel, die Red.). Rein optisch finde nicht nur ich die Vento 100 äußerst gelungen, auch meine bessere Hälfte hat bei ihrem Anblick applaudiert. Interessenten können die Canton Vento 100 im Fachhandel erwerben, aber auch direkt bei Canton im Onlineshop, hier bieten die Hessen ein 30-tägiges Probehören zu Hause an – mit kostenlosem Rückversand bei Nichtgefallen.

Ach ja: Die makellose Lackqualität lässt keine Wünsche offen – der klassische Drei-Wege-Lautsprecher glänzt und funkelt wie ein üppig geschmückter Weihnachtsbaum, was das Fotografieren nicht gerade einfach macht. Einen schönen Kontrast zum glänzenden Erscheinungsbild bilden die silberfarbenen, matt schimmernden Tief- und Mitteltöner: Sie wirken modern, aber dennoch dezent. Laut Canton handelt es sich dabei um neue Titanium-Graphit-Membranen aus eigener Entwicklung und Herstellung, die besonders steif sein und extrem gute Dämpfungseigenschaften aufweisen sollen. Sie kommen Seit Ende 2021 zum Einsatz, als die aktuelle Vento-Serie erstmals vorgestellt wurde. Das gilt für alle Modelle der aktuellen Baureihe, also auch für die kleineren Standboxen Vento 80 und 90, ebenso wie für die Kompaktlausprecher Vento 20 und 30, selbstverständlich in kleinerer Form.

Die Konustreiber der Canton Vernto 100 kommen mit Titanium-Graphit-Membranen

Die Konustreiber der Canton Vento 100 kommen mit Titanium-Graphit-Membranen

Die Bestückung der Canton Vento 100

Bei der Canton Vento 100 steigen je Box gleich zwei 22-Zentimeter-Tieftöner in den Basskeller hinab, laut Werksangabe sogar bis 20 Hertz hinunter, was auf dem Papier nur ganz wenige Lautsprecher schaffen – das macht gespannt auf hoffentlich markerschütternde Hörsitzungen mit flatternden Pausbäckchen und Hosenbeinen. Das soll vor allem auch an den zu großen, gleichwohl stets zu kontrollierten Auslenkungen fähigen Wave-Sicken mit Double-Cone-Technologie liegen, bei denen es sich laut Canton ebenfalls um Eigenentwicklungen handele.

Ab 170 Hertz aufwärts übernimmt dann der ganz oben sitzende, 17,4 cm durchmessende Mitteltöner, dessen Membran ebenfalls aus dieser Titanium-Graphit-Mischung besteht. Er wiederum gibt den Staffelstab bei 3200 Hertz an einen 25-mm-Hochtöner mit Keramik- oder genauer: Aluminiumoxid-Membran weiter, der in einer „Transmission Front Plate“ mit optimierter Schallführung sitzt. Mit Blick auf die Frequenzweiche gibt Canton an, nur „hochwertige Kernspulen und MKP- und MKT-Folienkondensatoren aus deutscher Fertigung“ zu verwenden, wobei die Komponenten der Frequenzweichen allesamt „schwingungsoptimiert gelagert“ seien.

Das Bi-Wiring-Terminal der Canton Vento 100

Das Bi-Wiring-Terminal der Canton Vento 100. Für den Test kam das Wireworld Eclipse 7 in Single-Wiring-Ausführung zum Einsatz

Anschlüsse und Bassreflexsystem

Ein Blick auf die Rückseite der Canton Vento 100 zeigt ein massives Bi-Wiring-Terminal mit Schraubklemmen, die Kabelquerschnitte bis 10 mm² aufnehmen können. Laut Hersteller handelt es sich dabei um „hochwertiges Material mit neuen Klemmen und feinerem Gewinde“. Statt eines Bassreflexrohres auf der Rückseite entschieden sich die Entwickler um Mastermind Frank Göbl für eine andere Option: die Abstrahlung nach unten auf den modifizierten Sockel. Das sieht durch das scheinbar schwebende Gehäuse nicht nur elegant aus, sondern soll den Lautsprecher auch unkritischer im Raum platzierbar machen. Ach ja: Im Lieferumfang sich auch schwarze Stoffabdeckungen enthalten, die von Magneten an der Schallwand gehalten werden. Sie passen millimetergenau und halten bombenfest, was zum Premium-Anspruch dieser Boxen passt.

Canton Vento 100: Klangtest & Vergleiche

Die Canton Vento 100 im Hörraum

Die Canton Vento 100 im Hörraum

Nachdem ich ja bereits in der Einleitung mit Zahlen und Notrufnummern hantiert habe, kommt hier die nächste heiße Hotline-Empfehlung: 110! Denn die Canton Vento 100 spielt so blaulichtverdächtig rasant, dass sie eigentlich Vento 110 heißen müsste. Ein schneller In-your-face-Lautsprecher, der Opi aus dem Schaukelstuhl kickt. Samt, Seide, Heizdecke und Schmusewolle kredenzen andere, diese Box lässt den Blutdruck eher nach oben schnellen als nach unten sinken. Und jetzt spielt sie bei mir schon mit dem großhubigen, aber tendenziell leicht gemütlichen McIntosh-Vollverstärker McIntosh MA8900 AC zusammen. Deswegen gleich mal vorweg die Empfehlung, die Vento 100 nur mit einem neutralen oder warmen Verstärker zu paaren, nicht aber mit einem zu hellen oder zu schlanken. Grundsätzlich spielt die Canton Vento 100 auf der sachlich-neutralen, minimal helleren Seite (mehr dazu später), aber sie entwickelt dabei großes Temperament. Viel Power braucht sie nicht, um auf Touren zu kommen, bestimmt eignen sich auch Röhren– oder kleinere Transistorverstärker als Spielpartner.

Schwarzer Bass und braune Bären

Crosses (†††) Permanent RadiantAber was kann sie denn nun konkret, die Canton Vento 100? Beginnen wir mit dem Bass, 20 Hertz untere Grenzfrequenz sind – wie eingangs bereits erwähnt – eine echte Hausnummer. Wie gut, dass Crosses (†††), die Band um Deftones-Schreihals Chino Moreno, mit Permanent Radiant (auf Amazon anhören) gerade erst ein neues Minialbum veröffentlicht hat. Gemeinsam mit Shaun Lopez (Far) zelebriert Moreno hier elektronische Musik, die mit den Stromgitarrenhauptprojekten der beiden so gut wie nichts zu tun hat. In der Eröffnungsnummer „Sensation“ tobt an einigen Stellen ein Subbass, der selbst Braunbären aus dem Winterschlaf reißt, und auch ich zucke bei höherer Lautstärke leicht zusammen und fasse mir spontan an den Winterspeck.

Meine gerade frisch verkaufte, teilaktive Martin Logan Impression 11A (15.000 Euro pro Paar) pumpte das Stück mit ihrem aktiven Bassmodul noch deutlich vehementer in die Magengrube, aber hey: andere, dreifach höhere Preisklasse und teilaktiv.

Die Canton Vento 100 von vorne und hinten

Der Bass bleibt dabei selbst ganz unten im Keller definiert und agil – kein Geschwabbel und Geschwurbel, sondern Klartext ohne Fettansammlung. Ob es wirklich bis 20 Hertz hinunter geht, wage ich zwar zu bezweifeln, kann dafür aber festhalten, dass Bassliebhaber hier voll auf ihre Kosten kommen, selbst wenn der Abstand über einen Meter zur Rückwand beträgt. Bei unter einem halben Meter gerät der Bass hingegen zu dominant, für nicht ganz so große Räume (sagen wir: unter 25 Quadratmeter) eignet sich dieser Schallwandler also eher nicht. Aber es gibt ja diverse kleinere Vento-Modelle für solche Männerhöhlen.

Auffällig ist, dass die Canton Vento 100 sich bei der Aufstellung grundsätzlich unkompliziert verhält: Sie ist keine Diva, die stundenlange Herumschieberei und eine millimetergenaue Platzierung benötigt, um das Trommelfell zu erfreuen. Im Gegenteil, sie klingt sofort prima, auch wenn das Pärchen nicht hundertprozentig auf gleicher Höhe steht und einfach mal so Pi mal Daumen zum Einspielen aufgestellt wurde. Feinjustierung ist natürlich dennoch zu empfehlen.

Grobian oder Feingeist?

Death Cab For Cutie Asphalt MeadowsZum Thema Grobdynamik habe ich schon etwas geschrieben: Dieser Lautsprecher haut die Dinger richtig schön zackig raus. Die Energie erreicht den Hörer sofort, große Pegelunterschiede (der Musik, nicht der Hörenden) zeigt er gnadenlos auf, zum Beispiel bei „I Don’t Know How I Survive“ vom aktuellen Death-Cab-For-Cutie-Album Asphalt Meadows (auf Amazon anhören). Die Eröffnungsnummer des Albums fängt sanft an, explodiert ab Sekunde 40 urplötzlich mit schneidenden E-Gitarren, um sich wenig später wieder zu beruhigen. Ich habe länger gebraucht, um mich wieder zu beruhigen – okay, übertrieben, zugegeben, aber ein Fünkchen Wahrheit ist dran. Ach ja: Den Maximalpegel habe ich aus Liebe zu meinen Ohren nicht bis in den letzten Ohrenschmalzwinkel ausgelotet. Aber glauben Sie mir, die Canto Vento 100 kann sehr, sehr nachbarschaftsfeindlich losdonnern, wenn es denn sein muss.

Sie agiert zwar nicht ganz so explosiv wie die gar nicht mal so kompakte Kompaktbox Audio Note AN-J/LX HEMP, die ich 2021 mit großem Vergnügen testen durfte – diese stellte Pegelanstiege noch etwas schneller und nachdrücklicher dar und hinterließ deswegen mächtig Eindruck bei mir -, aber die Canton ist nicht sonderlich weit entfernt von dieser Qualität.

Nachts im Musikzimmer – Die feinen Töne

Die Canton Vento 100 mit Frontbespannung

Die Canton Vento 100 mit magnetisch haftender Frontbespannung

Bei so viel Testosteron stellt sich die Frage: Hat dieser Lautsprecher auch ein Händchen für die Feindynamik, also feine Schattierungen bei geringeren Lautstärken? Yep, hat er. Wenn ich nachts nicht einschlafen kann, lege ich mich manchmal auf die Couch vor die Stereoanlage und lasse sie leise laufen, weil der Rest der Menschheit ja friedlich schlummern möchte. Dabei fällt mir auf, dass die Canton Vento 100 auch bei geringen Pegeln tendenziell immer noch sehr agil agiert und keine Details verrundet, etwa bei den Publikumsgeräuschen auf dem Livealbum Bestival Live 2011 von The Cure. Kein Brei aus stumpfem Gejohle nach den Songs, sondern klar erkennbare, lebendige Zustimmung und Freude – man hört sofort, welche Songs besonders gut ankommen und welche eher nicht. So muss ein auf Doppel-CD konserviertes Livekonzert klingen!

Womit wir bereits beim Thema Auflösung sind, und Sie ahnen es bereits: Die Vento hat hier einiges zu bieten, das Ohr fühlt sich jederzeit bestens informiert. Das weckt Erinnerungen an die fabelhafte Kompaktbox Elac Concentro S 503 (ab 7.000 Euro pro Paar), die sich im Langzeittest (ich hatte sie fast ein halbes Jahr) als sehr hochauflösend und detailreich erwies. Beide Lautsprecher spielen eher auf der sachlich-nüchternen Seite, wobei die Canton Vento 100 mehr Basspower hat und schon mit weniger Verstärkerleistung auf Touren kommt. In puncto Auflösung braucht sich die Canton kaum hinter der schönen Kielerin verstecken, die ihr hier lediglich ein paar wenige Prozentpunkte voraus ist. Das unterstreicht, dass die Canton in dieser Disziplin ein Stückchen über ihre Preisklasse hinausreicht. Die Elac – immerhin Gewinnerin des aktuellen fairaudio’s favourite Award – bildet insgesamt jedoch etwas präziser ab und hat in puncto Feindynamik noch etwas mehr auf dem Kasten, kostet aber auch mehr.

Die Canton Vento 100 "schwebt" auf einem Sockel, auf den die Bassreflexöffung gerichtet ist

Die Canton Vento 100 „schwebt“ auf einem Sockel, auf den die Bassreflexöffung gerichtet ist

Keine Schönfärbereien, bitte: Hochton und Mitten

Then Comes Silence HungerZu den letztgenannten Stärken trägt natürlich auch der Hochton bei, den ich gerne mit „Rise To The Bait“ von den schwedischen Gothic-Rockern Then Comes Silence teste. Das Stück (und das gesamte Album namens Hunger; auf Amazon anhören) verfügt über zu viel Hochtonenergie, die Höhen stechen aus dem Klangbild hervor. Mit manchen Lautsprechern tendiert das ins Nervige (etwa bei der unbestechlichen Neat Acoustics Majistra für 4.300 Euro Paarpreis). Bei der Canton Vento 100 hält sich das jedoch halbwegs in Grenzen. Dafür bietet die Neat Acoustics Majistra zum Beispiel etwas mehr Bühnenausdehnung nach hinten, wenn‘s die Aufnahme hergibt. Insgesamt neigt die Canton Vento 100 bei den Höhen also nicht zu einer so schonungslosen Darstellung, spielt dennoch hochaufgelöst und für meine Begriffe auf der minimal frischen Seite von neutral. Deshalb empfinde ich die Canton-Boxen insgesamt als leicht hell, wobei wir hier nur über eine Nuance reden. Sie klingen beispielsweise längst nicht so hell wie die Breitband-Lautsprecher Hornmanufaktur Kalypso (ab 8.000 Euro pro Paar), die ich vor einem Jahr testen konnte. Ich kann mich an kein Stück erinnern, in dem mir die Vento 100 beispielsweise durch vorlaute Zischlaute negativ aufgefallen wären.

Ähnliches gilt auch für die klangfarbenrelevanten Mitten. Eine Schönfärberin ist die Vento mithin nicht, sie tendiert auch hier nicht ins Schwelgerische, sondern stellt Stimmen so dar, wie sich Mutter Natur und Herr Produzent diese wohl vorstellen – klar und sehr gut verständlich. Für Genusshörer (wie mich) mag das per se eine Spur zu sachlich klingen, in Kombination mit meinem vollmundigen McIntosh-Vollverstärker MA 8900 AC ergibt das aber eine feine Mischung, bei der sich „Korrektheit“ und Gefühl die Waage halten. Es gibt freilich Lautsprecher, die Musik jeglicher Couleur noch etwas selbstverständlicher, stimmiger, runder, mit mehr Zauber rüberbringen, etwa die Sonus Faber Olympica Nova 3 (13.400 Euro, Testbericht folgt in einigen Wochen). Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, schließlich kostet die edle Italienerin fast das Dreifache.

Breite Bühnenbretter

Canton Vento 100 von oben, mit und ohne Frontabdeckung

Nun müssen wir noch über die Räumlichkeit sprechen: Wie sieht es mit Ortungsschärfe, Tiefenstaffelung und Bühnengröße aus? Hier betritt die Canton Vento 100 tatsächlich die große Bühne: Wow, ist die breit! Bei leichter Einwinkelung auf den Hörplatz reicht sie links und rechts ein größeres Stück über die Boxen hinaus – das erinnert an eine Panoramaaufnahme mit einer guten Kamera, ist wirklich bemerkenswert und zählt mit zu den größten Stärken der 100er.

Trotz nur leichter Einwinkelung verliert die Testkandidatin nicht den Fokus, Stimmen stehen felsenfest in der Mitte der Bühne. Das gilt auch für die anderen Instrumente: Jedes mutet klar erkennbar angeordnet, scharf umrissen und dreidimensional greifbar an – und dafür bedarf es nicht mal Referenzaufnahmen wie beispielsweise London Grammars „Big Picture“ vom 2017er-Album Truth Is A Beautiful Thing. Nein, auch bei eher mittelmäßig aufgenommenem Indie-Rock wie „Mark On You“ von The Mountain Goats fächert sich eine herrlich breite Bühne auf, die zum Erforschen einlädt. Sie dehnt sich von der Lautsprecherbasislinie aus gesehen allerdings nicht nach hinten aus, sondern nur nach vorne, was zum In-your-face-Faktor der Boxen beiträgt.

Dafür reicht die Bühne eben sehr weit nach vorne, so dass nichtsdestotrotz eine größere Tiefenstaffelung erzielt wird. Das erinnert mich einmal mehr an die bereits weiter oben erwähnte Audio Note AN-J/LX HEMP, bei der kein Blatt Papier mehr zwischen Hörer und Sänger passte – speziell dann, wenn einen ein tollwütiger Metal-Shouter anbrülle, der neben seinen Aggressionen auch gleich noch verriet, was er gegessen hatte und wie sein Rachenraum aussieht. Nein, ganz so nah kommt mir die Canton Vento 100 dann doch nicht, aber zum Zählen der Nasenhaare reicht es allemal.

Die Canton Vento 100 von oben

Billboard
Kimber PK14

Test: Canton Vento 100 | Standlautsprecher

  1. 1 Glanz & Gloria
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