Event: Präsentation der Vento-Serie 26 in Weilrod
Frischer Wind
von Andreas Guenther
Ein Lufthauch, ein Sturm? Auf jeden Fall mit Rückenwind: Canton erneuert seine Vento-Serie (italienisch für „Wind“). Wir wurden zur Erstpräsentation geladen. Erstaunlich, was die Profis aus dem Taunus alles aufgefrischt haben: die Chassis, die Abstimmung, aber auch die Form- und Farbsprache.
Canton erneuert seine Vento-Serie (https://www.canton.de/produkte/serie/vento/). Das könnte eine klassische, leicht schnöde Modellpflege sein. Ist es aber nicht – hier bleibt kein Stein auf dem anderen, kein Chassis, keine Gehäusekante unverändert. Alles neu, aber ganz im Sinne der Firmenpolitik eher unaufgeregt. Die Präsentation am Firmensitz in Weilrod hatte Charme – und Bedeutung: Alle Vertreter der großen deutschsprachigen High-End-Medien waren angereist, dazu ein nicht minder stattliches Großaufgebot an Händlern.

Seltsam. Was haben die Journalisten mit den Verkäufern zu tun? Die einen berichten, die anderen wollen antizipieren, ob die Neuen Chancen bei ihren Kunden haben. In alten Tagen wurden dafür getrennte Events und getrennte Sitzplätze an der Hotelbar festgelegt.
Aber Canton ist clever. Die einen hören von den anderen, wie es um den Markt, die Interessenlage steht – vor allem: Hat die runderneuerte Vento-Serie das Potenzial zum Superseller? Wir durften schauen, streicheln und hören. Und ich meine ja.
Die neue Eleganz?
Die nunmehr alte Vento-Serie wirkte kantiger. Die Frontplatte war im Wortsinn eben frontal, der Klang zielte auf Druck und Dynamik. Nun ein anderes Bild, optisch wie hörbar. Alles wirkt geschlossener – sichtbar und hörbar harmonischer, aber nach wie vor mit Lust am hohen Tempo. Keine euphonische Schmeichelei, aber einen wichtigen Hauch eleganter, so könnte man es ausdrücken.

Aber: Dies will und kann kein Test sein. Ich kenne weder die Canton-Räumlichkeiten akustisch noch die Kabelwege – und die heftig überdimensionierte AVM-Elektronik vor den passiven Lautsprechern ebenso wenig. Nur für das Poesiealbum: Hier fuhr Canton ein Trio aus Vorstufe und zwei Monoblöcken hoch, das sicher um das Zehnfache der teuersten Vento-Standbox lag.
Für die Vento 101 sind 6.000 Euro Paarpreis angedacht. Das ist gehoben, aber nicht ultimativ hoch. Canton positioniert seine Vento damit abermals als Brückenbauer zwischen der GLE-Einsteiger- und der Reference-Aufsteiger-Serie. Die Alpha-Männchen (ab 40.000 das Paar) einmal komplett ausgenommen.
Mit Ehrengast

Apropos Alpha: Das Event war der Legende nach so wichtig, dass Günther Seitz, der Canton-Mitbegründer, persönlich erschien. Hätte er bestimmt nicht tun müssen. Aber es war ein besonderer Moment der Hochachtung. Insbesondere wenn der mittlerweile 83-jährige Meister über die Anfänge und legendäre Stücke aus dem Firmenmuseum sprach – die nie in Serie gingen.

Die neue Familie
Die neue Vento wird solch Unbill nicht treffen – die Serienfertigung läuft bereits und erfasst die komplette Firmenzentrale. Wir haben schon die ersten Paletten gesehen. Mit dieser Reportage und dem Startdatum 4. Mai stehen die ersten Exemplare bei den Fachhändlern. Fünf Stereo- Lautsprecher sind am Start: zwei Kompakt-, drei Standboxen. Dazu die Erweiterungen für Heimkino und immersiven Sound: ein Center, ein Subwoofer, ein Wandlautsprecher sowie der Dolby-Atmos-Aufsatz.

Die Kleinen kommen mit Single-Wiring-Terminal, die Standboxen mit Bi-Wiring-Zugang. Neben klassischen Ausführungen in Weiß und Schwarz hat Canton einen „Sand“-Ton für sich entdeckt, der bereits in die Reference-Serie Einzug hielt. Ein feiner, gebrochener heller Ton in Richtung beige und matt – wirkt irgendwie modern, ohne modisch zu sein. By the way: Erstaunlich, dass Nussbaum so überhaupt nicht mehr altbacken, sondern höchst lebendig wirkt.
Nochmals zur Designsprache. Canton nennt es „Bugform“. Wie im Schiffsbau. Tatsächlich wurden Kanten geschliffen, harte Momente vermieden, vieles abgesoftet. Sieht liebevoll-anders aus, für viele Geschmäcker bestimmt absolut wohnraumtauglich, aber nicht beliebig. Die runde Form der Chassis „kommuniziert“ mit der Gehäuse-Gesamtarchitektur.

Propiertäre Treiber
Dazu ein neues Element: Die oxidierte beziehungsweise keramisierte Hochtönerkalotte („BC-Technologie“ im Canton-Sprech) liegt in einer Mulde, die von der Membran aus gesehen rund beginnt und dann in ein Fast-Quadrat übergeht. Ist das ein Waveguide? Kann man so sehen, der Chefentwickler Frank Göbl widerspricht nicht.

Er führt tiefer in seine Gedanken: Die Vorgängerserie strahlte mit hellen Titan-Graphit-Treibern – man sollte das Metall sehen. Nun die Gegenbewegung: Alle Chassis der neuen Canton-Vento-Lautsprecher sind schwarz. Frank Göbl nennt es ATB – Aluminium Titanium Black. Die wurden natürlich hausintern entwickelt, die Bänder laufen im Canton-eigenen Werk in Tschechien. Die Endfertigung liegt hingegen fest in der Hand der Damen und Herren im Mutterhaus zu Weilrod.

Von den Häppchen in die Produktion
Apropos: Von Häppchen, Kaltgetränken und Vorführräumen ging es direkt an die Rollbänder, die elektrischen Schraubendreher und zur Messkabine. Erstaunlich, was man von den schaffenden Menschen erfährt – Praktisches, Hintergründiges, aber auch diesen gewissen Stolz, hier Teamplayer zu sein. (Lesetipp: unser ausführliches Canton-Portrait).
Man gewann einerseits einen Blick in die Fertigungstiefen, aber viel wichtiger noch: ein Blick in die Gehäusestrukturen. Canton betreibt hier einen recht hohen Aufwand mit MDF in mehreren Schichten und mit mehreren Kammern. Die beiden Kompaktlinge strahlen ihre Bassreflex-Energie nach hinten ab, die Standboxen strömen nach unten. Da ist Frank Göbl seinen Prinzipien treu geblieben.

Fragen im Raum …
Zwei Fragen stehen im Raum: Wird es auch aktive Versionen geben? Bei der alten Baureihe nannte es Canton „Smart Vento“. Wahrscheinlich, aber die Marktpremiere war klar auf die passiven Wandler ausgerichtet. Die nächste Frage: Wo kommt eigentlich der Name her? Die Lautsprecherbauer lassen die Sehnsucht über die Alpen wandern und huldigen dem italienischen „Wind“. Ob die neue Vento-Serie ein Lüftchen oder ein Sturm wird, entscheiden andere – die potenziellen Käufer. Wir sind angefixt und sehen eine klare Botschaft der Erneuerung. Die ersten Testexemplare für fairaudio sind bestellt.

Die neue Vento-Serie gibt es in den Ausführungen Schwarz-Hochglanz, Weiß-Matt, Nussbaum und Sand – die Paarpreise von groß nach klein:
Stereo-Standboxen:
- Canton Vento 101 – 6.000 Euro
- Canton Vento 91 – 4.800 Euro
- Canton Vento 81 – 4.000 Euro
Stereo-Kompaktboxen:
- Canton Vento 31 – 1.800 Euro
- Canton Vento 21 – 1.600 Euro
Kontakt
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21-23
61276 Weilrod
Telefon: +49 (0) 6083 287 0
E-Mail: info@canton.de
Web: https://www.canton.de/
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