
Test: Gold Note A3 EVO II | Kompaktlautsprecher
Charmante Gastgeber
von Viktor Lau
Im Test: Gold Note A3 EVO II - Kompaktlautsprecher
UVP zum Testzeitpunkt: 4.490 (Hochglanz-Schwarz und Seidenmatt-Walnuss), 4.990 Euro (Hochglanz-Walnuss)
Der Rheingau und die Toskana weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Beide Regionen pflegen eine kultivierte Gelassenheit, eine Vorliebe für Landschaften mit sanften Linien und ein ausgeprägtes Verhältnis zu Genuss, Handwerk und Stil. Die hübsche Rosenstadt Eltville am Rhein steht exemplarisch dafür. Dort sitzt mit ATR – Audio Trade (https://www.audiotra.de/) seit einiger Zeit der neue Vertrieb von Gold Note für die DACH-Region, und dort arbeitet man engagiert daran, die Marke aus Montespertoli in der Nähe von Florenz stärker im deutschsprachigen Markt zu positionieren.
Gold Note zählt zu jenen Herstellern, die über die Jahre ein vollständiges audiophiles Ökosystem aufgebaut haben: Plattenspieler, Tonabnehmer, Streamer, DACs, Verstärker und Lautsprecher. Trotz audiophilem Ernst und High-End-Anspruch sind die Preise nicht abgehoben, ein Umstand, auf den Gründer Maurizio Aterini nach eigenem Bekunden viel Wert legt, ebenso wie auf wohnraumfreundliches Design, das sich zum Teil in nur 20 Zentimeter breiten Verstärkern und Playern ausdrückt.

Heute stehen die Gold Note A3 EVO II (ab 4.490 Euro) in meinem Hörraum. Kompakte Zwei-Wege-Lautsprecher, ästhetisch gestaltet mit Seitenwangen aus hochglanzpoliertem Holz, ansonsten zurückhaltend dimensioniert (24 x 35 x 29, 5 Zentimeter, BxHxT), klanglich allerdings mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein. Bereits nach wenigen Hörrunden deutet sich an, dass Gold Note andere Prioritäten setzt als viele britische oder skandinavische Wettbewerber. So oder so überzeugt das Gehäuse durch sein hochwertiges Finish und die sorgfältige Verarbeitung. Unter der Oberfläche setzt Gold Note auf HDF statt auf das häufiger anzutreffende MDF. Die höhere Materialdichte und Steifigkeit des Werkstoffs schaffen eine solide Grundlage für ein möglichst resonanzarmes Gehäuse.
Der fleißige Hochtöner: die Treiber der Gold Note A3 EVO II
Technisch verzichten die Italiener auf exotische Materialien oder demonstrative Technologieträger, die Gold Note A3 EVO II definieren sich eher über klassische Werte. Und auch der Wirkungsgrad von rund 87dB SPL 2,83V/1m sowie die Nennimpedanz von 6 Ohm deuten darauf hin, dass hier keine Extravaganzen kultiviert werden sollen.

Auffällig ist der Wechsel beim Tiefmitteltöner. Während frühere Varianten der A3-Serie auf Polypropylen-Membranen setzten, arbeitet die EVO II mit behandeltem Papier. Das ist technisch nicht trivial. Papiermembranen besitzen aufgrund ihrer inneren Dämpfung ein anderes Resonanzverhalten als Kunststoffe. Entwickler nutzen diesen Werkstoff gern dann, wenn ein ausgewogenes Ausschwingverhalten angestrebt werden soll. Der Konus ist mit sechs Zoll großzügig dimensioniert: Mehr Fläche bedeutet in der Regel auch mehr Luftbewegung, gerade im Grundton- und Bassbereich. Der herstellerseitig angegebene Frequenzgang bis hinunter auf etwa 45 Hz (±3dB) deutet darauf hin, dass Gold Note trotz kompakter Abmessungen einen ambitionierten Tieftonbereich anstrebt. Wir werden hören.
Interessant erscheint die Wahl des Hochtöners. Gold Note setzt auf eine 1,1-Zoll-Gewebekalotte, also auf einen etwas größeren Durchmesser als viele klassische 25-Millimeter-Lösungen. Größere Kalotten ermöglichen eine tiefere Ankopplung an den Tiefmitteltöner und können kritische Übergangsbereiche der Frequenzweiche entschärfen. Da scheint Gold Note auch angesetzt zu haben: Die Trennfrequenz wurde gegenüber früheren Varianten von rund 2.300 Hz auf 2.000 Hz abgesenkt. Der Hochtöner übernimmt früher, reicht in den Mittenbereich hinein und deckt einen größeren Anteil des Frequenzbereichs ab, bei dem das menschliche Gehör am empfindlichsten ist (vgl. Frequenzbereiche im HiFi-Lexikon).
Effizient: die Frequenzweiche

Die Frequenzweiche der Gold Note A3 EVO II ist übersichtlich und keineswegs überkomplex aufgebaut. Auffällig sind die Luftspulen von Mundorf und die verbauten MKP-Folienkondensatoren. Luftspulen gelten im Lautsprecherbau als konstruktiv aufwendiger, da sie mehr Spulenkupfer benötigen und größere Bauformen erzwingen. Dafür sättigen sie aufgrund ihrer Kernlosigkeit magnetisch nicht und evozieren mithin weniger Verzerrungen. Die niederohmige Mundorf-Luftspule im Tieftonzweig zeigt, dass Gold Note den Tiefmitteltöner möglichst verlustarm an die Frequenzweiche anbinden wollte. Anstatt den Pegel über den Innenwiderstand der Spule zu beeinflussen, setzt die Konstruktion auf eine möglichst direkte Ansteuerung des Chassis mit entsprechend hoher Unmittelbarkeit.
Unterm Strich scheint Gold Note also stärker auf das natürliche Zusammenspiel der Treiber zu setzen als auf ein komplexes Filternetzwerk. Bei alledem arbeitet Gold Note mit einer klassischen 12-dB-Topologie pro Oktave, also Filtern zweiter Ordnung. Steilere Filter würden stärkere elektrische Eingriffe erfordern und können Phasenprobleme befördern, flachere Lösungen wiederum höhere Anforderungen an das Eigenverhalten der Chassis stellen.

Im direkten Signalweg des Hochtöners kommen hochwertige Folienkondensatoren zum Einsatz. Der Elektrolytkondensator ist hingegen für die Impedanz-Korrektur und die Abstimmung des Tieftonzweigs zuständig. Das ist eine übliche Kombination aus Bauteile-Effizienz und elektrischer Effektivität: Hochwertige Folienkondensatoren übernehmen die signalführenden Aufgaben, während Elektrolytkondensatoren in weniger kritischen Schaltungsbereichen eingesetzt werden.
Goldnote A3 EVO II: Klangtest & Vergleiche
Gleich mal vorab: Die rückwärtige Bassreflexöffnung arbeitet mit hörbarer Energieabgabe; da wird ordentlich etwas rausgepustet. Entsprechend sensibel reagiert die Gold Note A3 EVO II auf den Abstand zur Rückwand. Stabile Lautsprecherständer und mindestens ein halber Meter Freiraum nach hinten sind daher empfehlenswert. Eine leichte Einwinkelung verbessert darüber hinaus die räumliche Abbildung und die Ortungsschärfe.
Elektrisch gibt sich die Gold Note A3 EVO II erfreulich unkompliziert. Während des gesamten Hörtests mit dem Musical Fidelity M6si zeigte sie keinerlei Auffälligkeiten hinsichtlich Lastverhalten oder Ansteuerbarkeit. Auch höhere Pegel bewältigte die Kombination ohne Anstrengung.
Keine Illusionen. Oder doch? Der Tiefton

Die tiefen Lagen zählen zu den auffälligsten Eigenschaften der Gold Note A3 EVO II. Die kompakten Italiener besitzen ein ausgeprägtes Gespür für Fundament, Volumen und physische Präsenz. Bereits nach wenigen Takten entsteht der Eindruck, dass hier bewusst mit Substanz gearbeitet wird: Bassläufe treten körperhaft in den Raum, Kickdrums entwickeln Gewicht und Nachdruck, tieffrequente Flächen erhalten eine satte Grundierung. Die Abstimmung zielt stärker auf satte Farbigkeit als auf streng monitorhafte Zurückhaltung. Das gilt gleichermaßen für den Tief- wie für den Oberbass.


Im Vergleich zu den Dynaudio Contour 20i fällt auf, dass die Dänen die tiefen Register straffer organisieren und tonale Übergänge präziser ausleuchten: Kontrolle, Spannkraft und Disziplin stehen stärker im Fokus. Die Gold-Note-Lautsprecher hingegen gönnen sich mehr Wärme, mehr Körper und eine großzügigere Tieftonfülle. Besonders Rock, orchestrale Filmmusik oder elektronisch grundierte Produktionen profitieren von dieser eher üppigen denn streng neutralen Bassabstimmung.
Gemessen an ihren kompakten Abmessungen reicht die Gold Note A3 EVO II überraschend weit in den Tiefton hinab. Zwar ersetzt sie keinen ausgewachsenen Standlautsprecher, innerhalb ihrer Größenklasse entwickelt sie jedoch ein Fundament, das über das übliche Maß hinausgeht. Gerade im Bereich des Ober- und Grundbasses sowie der oberen Tiefbasslagen vermittelt sie mehr Substanz und Volumen als viele vergleichbar dimensionierte Kompaktlautsprecher.
Nichts für Swifties. Oder doch? Mitten und Stimmen

Im Mittenband verfolgen die Gold-Note-Lautsprecher eine klar erkennbare Idee. Die Italiener haben Stimmen und zentrale musikalische Strukturen in Richtung Plastizität abgestimmt. Instrumente und Vokalanteile treten einen kleinen Schritt aus dem Gesamtbild heraus, rücken näher an den Hörplatz heran und erhalten dadurch eine unmittelbare, kommunikative Qualität. Das ergibt musikalisch Sinn, denn in den Mitten entscheidet sich häufig, ob eine Wiedergabe lediglich korrekt oder tatsächlich involvierend erscheint.

Ganz anders beispielsweise die ATC SCM19: Die Britin verfolgt in den Mitten eine neutrale, tonale, fast zeichnerische Präzision. Stimmen erscheinen dort fein austariert, ruhig und vollkommen frei von demonstrativer Präsenz. Die Gold Note A3 EVO II agiert emotionaler und mutiger. Sie erlaubt sich eine Vordergründigkeit im besten Sinne, eine, die Musik greifbarer und unmittelbarer wirken lässt. Dazu tragen vor allem der wie erwähnt leicht angehobene Grundton, die Mittenabstimmung sowie die leicht zum Hörplatz orientierte Bühnenabbildung bei, die Stimmen und Instrumente körperhafter und unmittelbarer erscheinen lassen. Puristen mögen darin eine bewusste Klangsignatur erkennen; musikalisch betrachtet besitzt diese Abstimmung allerdings einen enormen Charme.

Ich träume doch. Oder nicht? Der Hochton
In den hohen Lagen zeigen britische oder skandinavische Monitore seit Jahren, wie eine mustergültige Hochtonabstimmung aussehen kann: offen, tonal präzise, luftig und strukturell vollkommen sauber. Die Gold Note A3 EVO II verfolgt einen anderen Ansatz. Sie setzt weniger auf maximale Durchzeichnung der obersten Oktaven als auf Geschlossenheit und musikalische Einbindung. Tatsächlich mildert die Italienerin die höchsten Frequenzbereiche ab: Im direkten Vergleich fällt auf, dass Obertöne sanfter tönen, Spitzen leicht abgerundet werden und die letzte Brillanz bewusst dosiert wird.


Entscheidend dabei: Die Gold Note kippt nie ins Dumpfe oder Träge. Darin liegt die eigentliche Leistung dieser Abstimmung. Viele Lautsprecher, die Hochtonenergie reduzieren, verlieren an Offenheit oder rhythmischer Beweglichkeit. Die Italienerin wahrt indes so viel Transparenz und Struktur, um Musik lebendig zu reproduzieren. Dieser Lautsprecher möchte Klang eher einkleiden als freilegen, eher Atmosphäre erzeugen als analytische Ausleuchtung betreiben. Euphonie besitzt hier klar Vorrang vor maximaler Ehrlichkeit.
Eine deutlich andere Charakteristik bei der Dynaudio Contour 20i: Die verfolgt eine homogenere tonale Balance und integriert den Hochtonbereich unverstellter in das Gesamtspektrum. Ihre Neutralität kann in den höheren Lagen ins Harte oder Scharfe tendieren – davor ist die Gold Note A3 EVO II aufgrund ihrer etwas runderen Abstimmung gefeit.
Italien – Dänemark 1:1. Die Räumlichkeit

Räumlich ordnet sich die Gold Note A3 EVO II zwischen der monitorhaft abgestimmten Britin und der expansiv aufspielenden Dänin ein. Die ATC SCM19 liefert eine saubere, logisch aufgebaute Bühne mit stabiler Ortung und nachvollziehbaren Proportionen. Dieser Lautsprecher verfolgt eine nüchterne Form der Raumabbildung: präzise und korrekt dimensioniert. Große Gesten oder spektakuläre Panoramaeffekte gehören nicht zum Programm. Der Fokus liegt stärker auf struktureller Ordnung als auf raumgreifender Inszenierung.
Die Gold Note bewegt sich in Richtung größerer räumlicher Präsenz. Stimmen und Instrumente treten etwas weiter aus der Lautsprecherbasis hervor, die Bühne öffnet sich breiter in den Raum hinein und entwickelt eine körperhafte Plastizität. Sängerinnen, Gitarren oder Bläser erscheinen greifbarer, lösen sich stärker vom Hintergrund. Gleichzeitig wahrt die Italienerin ausreichend Stabilität in der Ortung, so dass komplexere Arrangements übersichtlich bleiben. Die Raumdarstellung wirkt weniger streng sortiert als bei der ATC, dafür involvierender und unmittelbarer.
Das Maß der Dinge bleibt in dieser Disziplin allerdings die Dynaudio Contour 20i. Die Dänin verbindet überragende räumliche Ausdehnung mit außergewöhnlicher Präzision und Tiefenstaffelung. Mit ihr entsteht eine beinahe holografische Raumarchitektur, die sich mühelos von den Schallwandlern löst und Instrumente dreidimensional im Raum verankert. Diese letzte Selbstverständlichkeit erreicht die Gold Note nicht ganz. Ihre Bühne wirkt weniger spektakulär, dafür angenehm „einladend“ und organisch.
Träum weiter! Die Auflösung

In Sachen Auflösung zeigt die Gold Note A3 EVO II eine sorgfältig austarierte Vorstellung. Mit dem erwähnten The Dreaming von Kate Bush lässt sich das abermals schön nachvollziehen: Subtile Geräuschanteile, perkussive Nebensignale und vor allem die feinen Texturen von Kate Bushs Stimme bleiben problemlos nachvollziehbar. Der Fokus liegt dennoch auf Kohärenz und Fluss, weniger auf analytischer Zerlegung.
Darin unterscheidet sie sich deutlich von der ATC SCM19. Der britische Monitor arbeitet feiner, nüchterner und mikroskopischer. Dort treten kleinste Strukturinformationen unmittelbarer hervor, Transienten erscheinen schärfer umrissen und komplexe Mischungen werden mit größerer Selbstverständlichkeit aufgefächert. Auch die Dynaudio Contour 20i löst noch etwas feiner auf und hält selbst komplexe harmonische Strukturen außergewöhnlich sauber auseinander. Stimmen und Instrumente behalten ihre Eigenfarbe, ohne sich gegenseitig klanglich zu überlagern oder zu maskieren. Gleichzeitig haftet der Dänin in dieser Disziplin mehr Strenge an. Die Gold-Note-Lautsprecher verfolgen einen anderen Ansatz: weniger Studio, mehr Wohnzimmer; weniger Präzisionsinstrument, mehr musikalischer Gastgeber.
Dolce Vita? Aber bitte mit Sahne! Grob- und Feindynamik

Dynamisch besitzt die Gold Note A3 EVO II ein lebendiges Temperament. In der Grobdynamik spielt die Italienerin ihre Stärken überzeugend aus. Größere Impulse werden mit spürbarer Energie in den Raum gestellt, Schlagzeugattacken entwickeln Druck und körperhafte Präsenz, orchestrale Steigerungen behalten Nachdruck und Größe. Der Lautsprecher vermittelt dabei stets den Eindruck, Musik aktiv nach vorne tragen zu wollen. Diese Mischung aus Wärme, Volumen und dynamischer Entschlossenheit verleiht vielen Aufnahmen eine ausgesprochen involvierende Wirkung. Bemerkenswert fällt zudem die Pegelfestigkeit aus: Selbst bei kernigen Lautstärken wahrt die Gold Note ihre strukturelle Stabilität und verliert kaum an klanglicher Geschlossenheit.
Interessanterweise gelingt der Gold Note in dieser Disziplin auch eine kleine Duftmarke gegenüber der Dynaudio Contour 20i. Die Dänin arbeitet kontrollierter, präziser und strukturierter, wirkt dabei aber auch etwas zurückhaltender in der unmittelbaren Energieentfaltung. Die Gold Note geht direkter ans Werk, schiebt Transienten energischer in den Hörraum und vermittelt dadurch mehr physische Attacke. Besonders Rock, größere Jazz-Ensembles oder dynamisch produzierte Filmmusik profitieren davon. Der britische Monitor, die ATC SCM19, gerät hier naturgemäß etwas ins Hintertreffen. Dieser Lautsprecher setzt stärker auf tonale Präzision und strukturelle Sauberkeit als auf dynamischen Wumms.
In der Feindynamik zeigt die Gold Note ebenfalls eine überzeugende Vorstellung, erreicht dort allerdings nicht ganz das außergewöhnlich hohe Niveau ihrer Grobdynamik. Kleine Pegelabstufungen, vokale Nuancierungen oder subtile rhythmische Verschiebungen werden sauber nachvollziehbar dargestellt, wirken jedoch etwas stärker eingebettet und weniger freigestellt als über manche Monitore wie die ATC. Die Gold Note bleibt auch hier ihrer Grundphilosophie treu: Kontext vor Analyse.

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