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Marantz MODEL 7 und Marantz CD 70 - Vollverstärker und CD-Player
HiFi-Test

Test: Marantz MODEL 70 und Marantz CD 70 | Vollverstärker & CD-Player

Große Töne?

Im Test: Marantz MODEL 70 und Marantz CD 70 - Vollverstärker und CD-Player

UVP zum Testzeitpunkt: Marantz MODEL 70: 850 Euro | Marantz CD 70: 600 Euro

Web: https://www.marantz.com/de-de/

Die Welt ist bunt, und es geschehen noch Zeichen und Wunder. Wer hätte gedacht, dass die gute alte Audiokassette bei Angehörigen der Gen Alpha fröhliche Urstände feiert, und K-Pop auf MC ziemlich hohe Straßenverkaufspreise erzielt? Wer hätte gedacht, dass die Liebe zur CD keine Schrulle grauhaariger Herrschaften ist, sondern in der Gen Z als Statement gegen körperloses Streaming neu erwacht? In den Umsatzzahlen der deutschen Musikindustrie steigt Streaming zwar weiterhin an, und die Langspielplatte holt gegenüber der CD immer noch auf. Doch die Branchenzahlen messen keine Flohmarktverkäufe; und in welchen Fallzahlen Teenager die elterliche CD-Sammlung kapern, findet sich in keiner Statistik. Ein kultureller Trend ist nichtsdestotrotz spürbar.

Und so dürfen die Zeilen der Rechtfertigung, weswegen die Anschaffung eines CD-Players kein Zeichen von Verschrobenheit, sondern durchaus sinnvoll ist, an dieser Stelle entfallen. Marantz (https://www.marantz.com/de-de/) bringt einen neuen CD-Player heraus, den Marantz CD 70. Punkt. Dieser erscheint zeitgleich mit seinem kongenialen Partner, dem Vollverstärker Marantz Model 70. Und tatsächlich muss man für eine Anschaffung nicht an die betriebliche Altersvorsorge ran: Beide Geräte sind so positioniert, dass es ausreichen kann, seinen Walkman zu verkaufen und Konfirmation und Geburtstag zusammenzulegen. „Einsteiger-Segment“ nennt man das.

Marantz CD 70 in Silber-Gold
Die für die Preisklasse überdurchschnittlich wertig wirkenden Marantz-70-Geräte gibt es in Schwarz – wie unsere Testgeräte -, aber auch in Silber-Gold, hier der Marantz CD 70

Und auch, wenn es eine Welt gibt, in der sich Leute für rund 1.500 Euro eine Steckdose oder ein Cinch-Kabel kaufen, so gibt es eben auch noch eine wirkliche Welt, in der das durchaus viel Geld ist. Also muss die Frage erlaubt sein: Ist die neue Marantz-Kombi so gut, dass man sich darauf verlassen kann, über Jahre damit glücklich zu sein?

Einsteiger mit Oberklasse-Allüren?

Marantz ist Marantz. Da kann man durchaus einige Ansprüche stellen. Schon bei der Entnahme aus dem Versandkarton und eher profanen Vorgängen wie der Entnahme des Netzkabels aus der Verpackung staunt man dann aber doch bisweilen: Twist-Bänder aus Plastik zum Beispiel, mit denen das Kabel zusammengeschnürt wird, gibt es hier nicht. Kann es sein, dass man hier ein wenig über Nachhaltigkeit nachgedacht hat? Dann die Verarbeitung: grandios. Auch wenn die Geräte nicht in den berühmten „Shirakawa Audio Works“ gefertigt wurden wie die teureren Marantz-Lösungen: Da stimmt jedes Spaltmaß, anhand von Haptik und Anmutung lässt sich nicht erraten, ob es sich um Einsteigerklasse oder High End handelt. Man muss schon an der Geräterückseite die Anschlüsse inspizieren, um festzustellen, dass es sich hier dann doch eher um Standardausführungen handelt – wiewohl auf hohem Niveau in punkto Übersichtlichkeit und Qualität.

Detailansicht der Front des Marantz Model 70
Einsteigerklasse sieht normalerwiese anders aus: Detailansicht der Front des Marantz Model 70 mit abgestufter Frontplatte und Illuminierung

Das Design ist ebenfalls eine Klasse für sich. Marantz CD 70 und Marantz Model 70 erinnern an ihre jeweiligen Vorgänger (nämlich CD6007 bzw. PM6007), wirken in der Formensprache aber ausgegorener und erwachsener. Das zentrale Designelement bei Marantz ist traditionell die Symmetrie. Und so sind die Bedienelemente spiegelbildlich von der Mittelachse aus angebracht, die im Falle des Vollverstärkers von einer runden, „Bullauge“ genannten Anzeige markiert wird. Natürlich ist es klanglich unwichtig, ob die Typographie der Anzeige formvollendet ist oder nicht. Aber wenn man sich überlegt, wie wenig Sorgfalt solche Themen gar nicht so selten im audiophilen Hochpreissegment erhalten, dann fällt schon auf, wie wenig Marantz hier dem Zufall überlässt. Eine gebürstete Aluminium-Front, saubere Fräsungen, passgenaue Bedienelemente mit angenehmen Druckpunkten oder Regelwegen: Auf den ersten Blick sind die 70er von den teureren Marantz-Linien kaum zu unterscheiden.

Marantz Model 70 – technische Neuerungen

Technisch orientiert sich der Marantz Model 70 zwar am Vorgänger PM6007, wurde jedoch an mehreren Stellen weiterentwickelt. Die Class-A/B-Endstufe arbeitet weiterhin mit Marantz‘ diskret aufgebauter Current-Feedback-Schaltung und der hauseigenen, diskreten Operationsverstärkerschaltung unter dem Namen HDAM-SA3. Gegenüber IC-basierten Schaltungen sagt man dieser Lösung eine größere Schnelligkeit nach ebenso wie eine äußerst verzerrungsarme Spannungsverstärkung und hohe Impedanzfestigkeit. Mit 2 x 50 Watt an 8 Ohm ist der neue Vollverstärker etwas potenter als der Vorgänger.

Innenansicht des Marantz Model 70
Innenansicht des Marantz Model 70

Darüber hinaus wurde die Vorstufe überarbeitet: Anstelle eines klassischen analogen Lautstärkepotentiometers kommt eine elektronische Lautstärkeregelung zum Einsatz. Dadurch fällt der Signalweg nicht zuletzt kürzer aus. Auch das Netzteil wurde verstärkt. Die Siebkapazität wurde von 12.000 auf 15.000 µF (+25 Prozent) erhöht, eine Positionierung näher an der Endstufe soll den Leitungswiderstand reduzieren und die Stromversorgung unter Last stabilisieren. Damit sollen tiefere und tightere Bässe begünstigt werden. Für digitale Quellen setzt Marantz nun auf einen ESS-Sabre-D/A-Wandler. Und die Konnektivität hat zugenommen: Neben Subwoofer-Ausgang und einer MM-Phonostage gibt es jetzt HDMI ARC, Bluetooth einschließlich aptX Adaptive sowie einen Pre-Out.

Marantz CD 70 – besseres Timing, weniger Jitter

Auch der CD-Spieler Marantz CD 70 hat einen ESS-Sabre-DAC spendiert bekommen. Zusätzlich hat man sich bei Marantz noch einmal mit dem Thema „Jitter“ auseinandergesetzt und setzt diesem nun einen phasenrauscharmen Taktgenerator entgegen. Durch konstantere Abtastvorgänge wird das Timing des DACs verbessert, Marantz verspricht mehr Klarheit und Transparenz in der Wiedergabe. Mit Blick auf die Ausgangsstufe setzt man weiterhin auf die proprietären HDAM- und HDAM-SA2-Schaltungen.

Der Marantz CD 70 von innen
Der Marantz CD 70 von innen

Der Marantz-CD-Player gibt neben Redbook auch CD-R und CD-RW wieder. Über USB-A – die Buchse ist dankenswerterweise frontseitig angebracht – versteht er die gängigen Formate WAV, FLAC, ALAC und AIFF sowie DSD128. Wer CDs über Kopfhörer hören möchte, kann den Marantz Model 70 auch ausgeschaltet lassen: Der CD-Player hat einen dedizierten, diskret aufgebauten Kopfhörerverstärker an Bord. Und wer den Sound etwas feintunen will – die Betonung liegt auf „fein“ – kann die Digitalfilter ausprobieren und versuchen, wahrweise die Transienten hervorzuheben oder die tonale Balance ins Wärmere zu verschieben. Wesentlicher deutlicher zu hören sind natürlich Eingriffe über die Bass- und Treble-Klangregler.

Klassisch puppenleicht

Aufbau und Inbetriebnahme der Kombi sind so kinderleicht, dass auch Digital Natives, die zum ersten Mal mit Hardware zu tun haben, die Aufgabe bewältigen dürften: Man muss kein WLAN-Passwort eingeben, keine Menüs aufrufen und auch keine Dienste autorisieren. Eine App erübrigt sich. Allerdings sollte man darauf achten, den CD-Eingang des Verstärkers zu nutzen und den CD 70 nicht über den Koaxial-Anschluss zu verdrahten – klingt besser.

Klangtest & Vergleiche: Marantz CD 70 und Marantz Model 70

Aber wie gut klingt sie denn nun, die neue Einsteiger-Kombi von Marantz? Mit der wirkungsstarken Heco Direkt Premium sollte der Vollverstärker Marantz Model 70 spielend zurechtkommen, die Neat Momentum 4i hingegen können zickig sein und zeigen sich manchmal erst bei schneller und reichlicher Stromlieferung gnädig. Wie faszinierend ist die CD-Wiedergabe, was darf man sich vom Phonoeingang versprechen?

Der Marantz Model 70 in der Frontansicht
Der Zweimal-50-Watt-Motor des Marantz Model 70 läuft sich warm für den Hörtest …

Nicht so viel versprechen – das sei vorangeschickt – darf man sich von der Bluetooth-Wiedergabe: Zwar bietet Marantz moderne Codecs auf, das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Daten komprimiert werden und die Übertragung manchmal gedrosselt werden muss. Das liegt allerdings in der Natur der Sache – und nicht am Marantz Model 70.

Banging Bass

Earl Zingers Speaker Stack CommandmentsBeginnen wir mit einer CD, deren Annahme schon viele Player verweigert haben – sie ist nicht wenig zerkratzt. Der Marantz CD 70 nimmt sie nicht nur an, sondern spielt sie klaglos und aussetzerfrei durch. Earl Zingers Album Speaker Stack Commandments stellt das hauptsächliche Anliegen des Künstlers gleich zu Beginn selbst vor: „We search for basslines here on Zinger Radio.” Suchen muss man aber gar nicht so lange, schon das gesprochene Intro spielt im Keller: Die Vocals sind stark heruntergepitcht, inklusive Kompression und Nahbesprechungseffekt. Wow: Schon der Oberbass fühlt sich nicht wenig eindrucksvoll an. Die Marantze musizieren nicht ohne Wucht und Fülle, trotzdem verschwimmen die Konturen von Ein- und Ausschwingvorgängen nicht.

Der Marantz CD 70 in der Frontansicht
Verkratzte CDs und saubere Bässe: Marantz CD 70

Auch bei Partylautstärke verlieren sie keineswegs die Kontrolle, das gesamte Klangbild bleibt auch bei höheren Pegeln bemerkenswert stabil. „Shit is Banging“, so heißt eins der Stücke, und es scheint sich auf die Marantz-Kombi zu beziehen. Die zeigt auch den Tiefbassbereich auf (z. B. auf dem Track „Skujan“), insbesondere den Heco Direkt Premium kann sie diesen Teil des Spektrums gut vermitteln. Bei den Neat muss man etwas aufdrehen, was dann wuchtiger und zunächst sogar cooler klingt, aber auf Kosten der Verläufe geht. Das ist zunächst einmal ein Unterschied zwischen den Lautsprechern. Aber der Neat kann man mit hochpreisigeren, kräftigeren Verstärkerboliden durchaus auf die Sprünge helfen. Aber wie dem auch sei: CD-Player und Verstärker bieten eine wirklich gelungene Balance aus Pfund und Feingeistigkeit und unterschlagen nichts. Das ist nicht nur reichlich, sondern auch gut – und etwas unerwartet für diese Preisklasse.

Bargeld verstehen: der Mittelton

Klar, Billie Holiday klingt immer gut. Aber was ist mit Blixa Bargeld? Dessen Lyrics sind ein wesentlicher Bestandteil der Faszination der Einstürzenden Neubauten, auch die Performance ist ja nicht alltäglich. Über die übliche Aufnahmequalität der Alben bestehen verschiedene Meinungen, unstrittig ist, dass Aufwand getrieben wird, das ganze Blechgeklapper einzufangen. Aber versteht man auch, was Bargeld da so singt und erzählt – auf „Haus der Lüge“? Keine leichte Aufgabe.

Die rückseitigen Schnittstellen des Marantz Model 70
Der Marantz Model 70 ist mit seinen 2 x 50 Watt an 8 Ohm kein Kraftprotz – aber absolut alltagstauglich, sofern keine hohe Lautstärken abgefordert werden und keine elektrisch kritischen Lautsprecher an seinen Klemmen hängen

Nun, der Prolog ist („Meint ihr nicht, wir könnten uns in Äther braten lassen …“) klar verständlich, man vermisst bei der Aufnahme aber einen De-Esser und einen EQ auf dem Raum. Auf „Feurio“ besteht die Aufgabe für die Wiedergabekette darin, einen in den unteren Mitten zu stark ausgeprägten Gesang von der nur knapp darunter angesiedelten Snare und dem ebenfalls reichlich mittigen Keyboard loszulösen. Auch scheinen die Metal-Percussions sich in demselben räumlichen Ambiente zu befinden: Es wird also unübersichtlich.

Man sieht es schon: Man kann mit dem Marantz-Duo richtig in die Aufnahme hineinhören, man erkennt Stärken und Schwächen des Materials. Dabei wird es insgesamt aber nie zu analytisch oder leblos-neutral: Man versteht nicht nur alles, man erlebt auch das einzigartige Timbre der Stimme und die Obertöne der Instrumente und Nicht-Instrumente.

Das typische frontseitige Bullauge des Marantz Model 70
Nur echt mit Bullauge: der Vollverstärker Marantz Model 70

Das Mittenspektrum als wichtigster Frequenzbereich ist durchhörbar und leicht prägnant, es fügt sich durch eine eher wärmere Abstimmung angenehm ins Klangbild ein. In diesem Sinne ist der Charakter der Marantz-Kombi eher auf das Suggerieren eines organischen Flairs ausgerichtet als übertrieben neutral. Stimmen besitzen Körper, ohne an Kontur einzubüßen. Klangfarben wirken natürlich und gleichzeitig hinreichend sauber differenziert. Bei alledem bleibt die Wiedergabe frei von jedweder aufgehellten oder „transistorigen“ Härte. Statt um analytische Höchstleistungen geht es den 70ern vor allem um die Wahrung des musikalischen Zusammenhangs.

Das ist nicht nur ein deutlicher Unterschied zu Consumer Electronic, sondern auch im unmittelbaren Mitbewerberfeld eher ungehört – und macht das Marantz-Duo durchaus besonders. Ja, natürlich geht das auch besser. Im Vergleich mit einem C.E.C. CD 5 liefert dieser ein vollständigeres Klangspektrum mit schillerndem Blech: Das Klangspektrum ist genauer nachgezeichnet, wir erleben facettenreichere Obertöne und erfahren auch mehr über die Räumlichkeit, die insgesamt größer dargestellt wird. Kunststück: Der C.E.C. kostet das Siebenfache. Ob es das wert ist? Der CD 70 ist jedenfalls nicht gerade wenig überzeugend.

Die rückseitigen digitalen Ausgänge des Marantz CD 70
Die rückseitigen Schnittstellen des Marantz CD 70 bieten auch digitale Ausgänge – in Form von Cinch und Toslink

Samt statt Säge im Hochton

Blues & Roots Charles MingusNächste Disziplin: Tosender Jazz der ausgehenden 50er mit reichlich New-Orleans-Improvisation und ohne jedwedes Notenblatt, neun Leute, alle spielen gleichzeitig mit- und durcheinander: Blues & Roots von Charles Mingus ist ein echter Wildfang. So etwas neigt zum schrillen Schreien. Eine gute Anlage muss die Transienten ohne Schärfen und das Reißen der Hörner zeigen, ohne dass dies schrill wirkt. Die Marantz-Kombi hat das Hochton-Clipping aber im Griff: Die Höhen kommen nicht glasig, sondern mit etwas Samt daher (was gar nicht mal an der Feindynamik rütteln muss, wie wir gleich noch genauer hören werden), auch wenn das Alt voll angeblasen wird. Die Arbeit auf Hi-Hat und Ride-Becken ist hinreichend klar – insbesondere, wenn man den CD 70 ordnungsgemäß an den analogen CD-Eingang des Model 70 klemmt (statt koaxial, was sich für den C.E.C. hingegen als Ausnahme von dieser für die Marantz-Kombi gültigen Regel eignet).

Die den Marantz-70-Geräten beiliegende Fernbedienung
Die den Marantz-70-Geräten beiliegende Fernbedienung

Wir hören den Stockaufschlag, dem das Rauschen des Beckens nachfolgt – was die Kombi als typisches Beckenrauschen und keinesfalls als eindimensionales Zischen darstellt. Das kann die Marantz-Kombi richtig gut und findet zuverlässig durch das Dickicht der Bläser. Dabei verzichtet sie auf Blendeffekte im Superhochtonbereich und hält sich hier vornehm bedeckt. Die Abstimmung ist also kultiviert statt spektakulär. Mögen die Höhen keineswegs merklich gedeckelt oder matt anmuten: Das ist ein Kompromiss, der leicht zulasten von Schimmer, Air, und Rauminformationen geht – aber einer, der im Dienste der Langzeittauglichkeit geht. Die Kombination ermüdet auch bei stundenlangem Hören nicht; sie wirkt nicht schrill oder gleißend, sondern angenehm und musikalisch. Und das ist in dieser Preisklasse das eigentlich Entscheidende.

Die Exzellenz-Disziplinen

Arne Domnerus Jazz at the PawnshopWie der Superhochton sind auch Auflösung und Dynamik die Domäne wesentlich teurer Systeme, was sich mithilfe von Jazz at the Pawnshop, jener legendären Aufnahme des Quintetts um den Saxofonisten Arne Domnérus aus dem Jahr 1976, überprüfen lässt. Wagen wir einen Blick über den Tellerrand der Einstiegsklasse: Gegen die Kombi aus dem Streaming-Vorverstärker nuControl X-2 und der Endstufe nuPower A-2 von Nubert (Kostenpunkt: oberhalb von 8.000 Euro) können Einsteigergeräte nur verlieren. Die Frage ist nur, wie unterschiedlich das Spielergebnis ausfällt. Zunächst gewinnt – Überraschung! – uneinholbar die Marantz-Kombi: Denn die braucht keine App. Just beim Hörvergleich fragt nämlich die Firma Apple Inc. aus Cupertino, ob nicht gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Betriebssystem-Update sei. Der Marantz CD 70 fragt so etwas nicht (das Nubert-Gerät auch nicht, außerdem kann man den auch ohne App bedienen – aber trotzdem!).

Der Marantz CD 70 mit offener Lade und eingelegter CD
Der Marantz CD 70 futtert CD, CD-R/RW, SA-CD, WMA und MP3 gleichermaßen

Danach liegt Nubert merklich vorn, wenn es darum geht, die verhaltenen Publikumsgeräusche der hierfür berühmten Live-Aufnahme herauszuarbeiten. Hier unterschlägt die Marantz-Kombi das eine oder andere Abstellen eines Weinglases und konzentriert sich eher auf den Applaus. Trotzdem sind die Begleitgeräusche von der musikalischen Ebene hinreichend gut getrennt, und beim Einsetzen des Vibraphons ist dann doch eine enorme Plastizität des Schwingens der Metallplatten zu erleben – farbenfroh, mit harmonischem Schmelz und einer guten Portion Feindynamik.

Auch die Räumlichkeit reicht seitlich über die Grundlinie hinaus und hat nach hinten Tiefe. Es fehlt auch nicht an Übersicht und Ortungsschärfe, die Bühne des Clubs ist gut vermessen, die Positionen der Instrumente sind im gedachten Koordinatensystem ordnungsgemäß definiert. Bei der High-End-Anlage von Nubert ist die Grobdynamik freilich noch explosiver als bei der runder zeichnenden Marantz-Kombi, die Kulisse des Stockholmer Jazzclubs wirkt dreidimensional, nein holographisch: Die Plastizität des musikalischen Geschehens ist enorm. So etwas kann man in den unteren Preisregionen nicht erleben.

Also 1:0 für das teurere Ensemble? Das ist Ansichtssache: Denn mit Blick auf die Preisklasse sind Auflösung, Räumlichkeit und Feindynamik dann doch auf einem tadellosen bis hohen Niveau. Die letzten zehn Prozent auf dem Weg zur Exzellenz sind immer die teuersten – und mit dem Marantz CD 70 und dem Marantz Model 70 kann man wirklich beträchtliche Teile des gesamten Wegs zurücklegen.

Die frontseitigen Drehregler des Marantz Model 70
Schön old school: Die frontseitigen Drehregler des Marantz Model 70 – mit dem Eingangswahlschalter lässt sich sogar ein MM-Phonoeingang ansteuern

Gönn dir: der Phono-Pre

So erfreulich es ist, das die CD ein kleines Revival feiert, so lobenswert ist es, dass Verstärker verstärkt standardmäßig mit einer Phono-Stufe ausgestattet werden – brauchbaren oft dazu. Der Marantz Model 70 ist da keine Ausnahme, der Pre ist richtig gut und leistet alles, was man von ihm erwartet: Er arbeitet rauscharm, bietet eine saubere Kanaltrennung, drückt dem Sound keine Färbung auf und unterstreicht so die Vorzüge von Vinyl. Damit ist der Marantz-Verstärker auch in Sachen Phono sehr alltagstauglich – der Wunsch nach einer externen Phono-Vorstufe dürfte sich nicht unmittelbar einstellen. Gönnen wir uns also zur Feier des Tages mal etwas Besonderes:

Das 3-LP-Bootleg-Set 40th Birthday – Previously Unreleased von Frank Zappa. Die bizarren Liveaufnahmen und Proberaummitschnitte sind natürlich alles andere als überzeugend aufgenommen. Das Geschehen während des Gitarrensolos auf „Camarillo Brillo“ ist also sehr, sehr schwer zu entwirren. Mit dem Model-70-Verstärker kann man sich über das entlegenere Schaffen Zappas aber ausgezeichnet informieren. Auch während der schnellen Läufe in den oberen Bünden ist der Hintergrund einigermaßen klar. Auch Dynamik wird der Aufnahme abgerungen: Die Schlaginstrumente auf „Muffin Man“ stechen klar heraus.

Die Gerätefüße der Marantz-70-Serie
Der klangliche Einfluss der Mechanik steht bei Marantz offenbar hoch im Kurs, das sieht man sogar an den Gerätefüßen der 70er

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